The Flash 3x13

The Flash 3x13

Es ist so weit: Der schnellste Mann der Welt macht einen Abstecher nach Gorilla City und trifft dabei auf seinen alten Erzfeind Grodd. Das Konzept hinter diesem Zweiteiler ist wild und außergewöhnlich. Der Unterhaltungswert steht zweifelsohne im Vordergrund, auch wenn nicht alles einen Sinn ergibt.

„I. Am. Grodd.“ / (c) The CW
„I. Am. Grodd.“ / (c) The CW
© ??I. Am. Grodd.“ / (c) The CW

Endlich!“, werden die einen jublen. „Muss das wirklich sein?“, fragen sich die Skeptiker im Fanlager der The CW-Superheldenserie The Flash. Und nicht wenige finden sich irgendwo zwischen diesen beiden Polen wieder und wollen sich einfach mal darauf einlassen, was auch immer da auf sie zukommt. Die Rede ist natürlich von der im Vorfeld lang und breit angekündigten Rückkehr des hochintelligenten, telepathisch begabten Gorillas Grodd (David Sobolov) in der dritten Staffel von „The Flash“. Dieser tritt in Attack on Gorilla City (1) erneut auf den Plan und auch in der kommenden Episode Attack on Central City (2) wird er mit von der Partie sein.

Als treuer „The Flash“-Zuschauer gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder man hat etwas für diesen speziellen Comiccharakter übrig oder eben nicht. Mir persönlich gefiel es in der Vergangenheit eigentlich ganz gut, wenn wir mal eine „Monster of the Week“-Episode im wahrsten Sinne mit Grodd im Zentrum serviert bekommen haben. Außerdem sagt mir die Figurenzeichnung von Grodd als Bösewicht mit all seinen nachvollziehbaren Traumata zu. Im Gegenzug muss man natürlich etwas Kulanz bei der visuellen Umsetzung des gigantischen CGI-Primaten zeigen, der nicht ohne Grund nur wenige Auftritte bekommt, bei denen dann sogar noch etwas getrickst wird, damit die Produktionskosten im überschaubaren Bereich bleiben.

Welcome to the jungle

Jetzt lassen die Macher den Affen mal wieder aus der Kiste und es ist vorstellbar, dass das Ergebnis die Massen spalten wird. „Attack on Gorilla City“ ist eine spaßige Episode, reich bestückt mit unzähligen popkulturellen Referenzen und launigen Momentaufnahmen sowie einer gewaltigen Actionszene, vielleicht sogar einer der größten der gesamten Serie (gut, das Finale der zweiten Staffel bleibt unangetastet auf dem Spitzenplatz), die Eindruck hinterlässt. Gleichzeitig werden Fragen, so viele Fragen aufgeworfen, die jedoch zumeist im Sinne des Unterhaltungswertes links liegen gelassen werden. Das kann ein Stück weit frustrierend sein. Dennoch bleibt „Attack on Gorilla City“ ein einmaliges Erlebnis in der Welt von „The Flash“, das mir insgesamt großen Spaß bereitet.

Gorilla Law

Das liegt wohl vor allem daran, dass sich alle Beteiligten bewusst sind, was für ein gewagtes Experiment das Unterfangen um eine Erzählung über einen außergewöhnlichen Gorilla als zentraler Antagonist ist. Trotzdem zieht man das Ganze nie ins Lächerliche, ohne gleichzeitig zu ernst mit dieser, zugegeben, sehr verrückten Prämisse aus den Comics umzugehen. Das gesamte Team, ob vor oder hinter der Kamera, findet einen gesunden Mittelweg, eine spezielle Geschichte zu erzählen, die natürlich dem Zuschauer etwas Bereitschaft und wie so oft eine ordentliche Portion an willentlicher Aussetzung der Ungläubigkeit (Suspension of Disbelief) abverlangt.

Gelingt dies, kann man sich an einer zackig-flotten Abenteuergeschichte erfreuen, die eigentlich ziemlich geradlinig verläuft und unter anderem durch ihre Einfachheit besticht. Team Flash muss Harrison Wells (von Earth-2) aus den Fängen von Gorilla Grodd befreien, der sich auf Earth-2 in Gorilla City - eine Stadt voller hochintelligenter Gorillas - in einem Machtkampf mit Konkurrent Solovar befindet. Nebenbei präsentiert man uns (nachträglich zum Valentinstag?) noch eine kleine Liebesgeschichte zwischen Wally (Keiynan Lonsdale) und Jesse (Violett Beane) auf Earth-1. Beide Handlungsstränge haben ihre Stärken und Schwächen, der Hauptfokus liegt jedoch ganz klar auf den Geschehnissen in und um Gorilla City.

The CW
The CW - © The CW

Think ahead

Man muss jedoch auch ganz ehrlich sagen, dass Team Flash jetzt nicht wirklich sehr clever bei dieser Rettungsmission vorgeht. Ein richtiger Plan existiert eigentlich nicht und natürlich tappt man schnurstracks in eine mehr als offensichtliche Falle von Grodd, der Barry (Grant Gustin), Caitlin (Danielle Panabaker), Cisco (Carlos Valdes) und Julian (Tom Felton) dann auch noch erfolgreich vorgaukelt, dass Obergorilla Solovar die Invasion von Earth-1 plant, was Grodd verhindern will. Dass dieser seine Gefangenen manipuliert, damit Barry Solovar ausschaltet und Grodd die Macht übernehmen kann, sollte Team Flash normalerweise wie Schuppen von den Augen fallen.

Aber gut, genau so lässt sich im Endeffekt auch Grodd selbst von Barry und Co bei deren Befreiungsaktion reinlegen, als man dem Gorilla den Tod Barrys vorspielt. Könnte Grodd mit seinen telepathischen Fähigkeiten nicht einfach die Gedanken seiner Gegenüber lesen und den Schwindel auffliegen lassen? Und wie genau schränkt er die Kräft von Barry und Cisco ein, damit diese nicht aus ihrem Käfig entkommen können? Wir sehen schon: Wenn man möchte, dann kann man sich sehr ergiebig mit all diesen Details beschäftigen, von denen nicht immer ein jedes großen Sinn ergibt und durchaus zu hinterfragen ist. Geben wir den Autoren aber mal ein paar Freiheiten und gönnen wir ihnen ihren Spaß mit diesem einzigartigen Konzept, das dann ganz wunderbar ins Rollen kommt.

Kill or be killed

Der unbestrittene Höhepunkt ist der Zweikampf zwischen Barry und Silberrücken Solovar (übrigens von Keith David vertont) in einer Art Kolosseum (Gorillaseum? Sorry...) mitten in Gorilla City. Klar fallen einem als geübten und verwöhnten Fernsehkonsumenten die etwas schwammigen Texturen auf, aber, wie sage ich so gerne: Für The CW-Verhältnisse kann sich der Blick auf die Enklave der Primaten mitten im afrikanischen Dschungel von Earth-2 (der etwas nach nordamerikanischen Redwood-Wäldern aussieht, aber wie kommt das nur...?) durchaus sehen lassen.

In der Kampfarena trifft „Gladiator“ dann auf „Planet of the Apes“ und es kommt zum wuchtigen Kampf zwischen The Flash und Solovar. Dabei fällt auf, dass vor allem die Nahaufnahmen der CGI-Figuren, zum Beispiel deren Gesichter, sehr authentisch aussehen, während es bei den Bewegungen hier und da ein wenig hapert.

Escape from the Planet of the Apes

Der wilde Kampf ist dennoch hoch unterhaltsam, vor allem, als sich Solovar in die Höhe schraubt und Barry mit einem mächtigen Einschlag von den Beinen holt. Hier nimmt Attack on Gorilla City (1) ein gern gesehenes episches Ausmaß an, das so manche Makel vergessen lässt. Barry kann letztlich Solovar in die Knie zwingen, „Reverse-Flash-Punch“ sei dank, doch, wie bereits erwähnt, bringt das nicht viel, da Grodd eh sein eigenes Süppchen kocht. Die Flucht von Earth-2 gelingt letzten Endes aber relativ einfach und so hat man Wells erst einmal wieder in Sicherheit gebracht.

Grodd möchte dennoch nicht von seinen Plänen abweichen, Central City zu zerstören, der Ort, wo er gefoltert und an ihm herumexperimentiert wurde. Dafür hatte er eine erstaunlich große Armee auf die Beine gestellt und bedient sich den Talenten von Gypsy (Jessica Camacho), die wie Cisco Portale in andere Welten öffnen können. Denkbar, dass diese von dem Gorilla telepathisch kontrolliert und fremdgesteuert wird. Das Team ist zunächst noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen, doch die Gefahr ist noch nicht überstanden. Im Hinterkopf sollte man derweil immer wieder die Nachrichten aus der Zukunft haben, auf die von Team Flash regelmäßig eingegangen wird.

Gleichzeitig bauen die Autoren noch ein paar ruhigere Charaktermomente ein, die jedoch nicht ganz so zur Geltung kommen, da die Episode an sich doch sehr plotgetrieben ist und wenig Spielraum für innige Charakterinteraktionen lässt.

The CW
The CW - © The CW

Being human

In dieser Hinsicht qualifizieren sich die Szenen zwischen Caitlin und dem abenteuerlustigen Julian aka „Indiana Alberts“, dessen trockener britischer Humor („How about a sign post at the front? All trespassers will be executed. That wouldn't be the worst idea, would it?“) Gold wert ist, noch am ehesten für die Kategorie „tiefgreifender Charaktermoment“. Erneut wird deutlich, dass Julian sehr viel an Caitlin liegt, diese kann sich und ihre Kräfte aber wohl besser als jeder andere einschätzen.

Das Duo tut gut daran, in aller Ruhe weiterzumachen und nichts zu überstürzen - eine Tugend, die die The Flash-Macher hinsichtlich potentieller Liebesbeziehungen eher weniger beherrschen. Hier gibt man der Dynamik zwischen den beiden aber nach wie vor Zeit, was eine gute Entscheidung ist und nur zum Charme dieser wachsenden Freundschaft, wo immer auch diese hinführt, beiträgt.

Etwas mehr als eine Freundschaft hat sich indes zwischen Wally und Jesse entwickelt, die nach längerer Zeit mal wieder ein wenig Zeit miteinander verbringen können. So richtig rund läuft das erneute Aufeinandertreffen aber nicht ab, zumindest hat Wally den Eindruck, dass irgendetwas im Argen liegt. Und tatsächlich hat Jesse Zweifel daran, ob für sie überhaupt noch Platz in Wallys Leben ist, nachdem dieser nun so viel Freude an seinem Superheldendasein hat. Um mal den Ratschlag einer alten Schmugglerlegende aufzugreifen: „Great, Kid Flash. Don't get cocky!

Affairs of the heart

Zum einen fällt Violett Beane und Keiynan Lonsdale eine recht undankbare Aufgabe zu, die zweite Geige spielen zu müssen, gerade, wenn die Haupthandlung der Episode so prominent in den Vordergrund gerückt wird. Das junge Liebespaar war in der Vergangenheit ja eigentlich ganz niedlich, jetzt holen die Serienmacher aber ein paar heftige Floskeln und schmalzige Dialoge heraus, die diese jugendliche Beziehung doch gar nicht wirklich nötig hat. Man schraubt das Liebesdrama für mein Empfinden etwas zu stark in die Höhe, wodurch sich die Szenen zwischen Wally und Jesse leider ein wenig austauschbar und nicht besonders originell anfühlen.

Ich hoffe, man trägt in naher Zukunft wieder etwas weniger dick auf, jetzt, wo Jesse scheinbar auf Earth-1 bleiben möchte, was sie aber auch erst mal ihrem Vater beibringen muss (HR grinsend: „He's gonna be so pissed.“). Sowohl Wally als auch Jesse haben zusammen immer etwas unbeholfen, aber doch irgendwie charmant gewirkt. Das fühlt sich bei diesen beiden jungen Teenagern und ihren Gefühlen füreinander einfach natürlicher an als das ganz große Liebesdrama. Fans von Tom Cavanagh kommen übrigens auch mal wieder herrlich auf ihre Kosten: Dieser darf erneut in einer Doppelrolle glänzen und zaubert uns vor allem zum Abschluss der Folge, als Wells auf HR trifft, ein breites Lächeln ins Gesicht. Ein netter Bonus, den ich gerne mitnehme.

Fazit

Ja, Attack on Gorilla City (1) ist weit davon entfernt, eine perfekte Episode von The Flash zu sein, darüber muss man gar nicht erst diskutieren. Ein paar Logikfehler, eine ausbaufähige Nebenhandlung, computergenerierte Effekte, die gelegentlich etwas matschig aussehen - man kann die Folge sicherlich auseinanderpflücken. Ich stelle mich bei all der Kritik - in der Art ja auch von mir geäußert - aber gerne verteidigend vor dieses sehr kurzweilige Abenteuer, das mich trotz kleinerer Mängel immer wieder mitreißen kann und schlichtweg etwas komplett anderes ist, was mir Respekt abverlangt.

Schurkenfavorit Grodd spielt dabei sicher auch eine gewisse Rolle, ebenso wie all die Anspielungen und Referenzen, ob an „King Kong“, „Indiana Jones“ und so weiter... Da hüpft vielleicht auch ein wenig das Nerdherz mit. Der Kopf bringt aber auch Verständnis für all diejenigen mit, die eben nicht viel damit anfangen können.

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 23. Februar 2017

The Flash 3x13 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 13
(The Flash 3x13)
Deutscher Titel der Episode
Angriff auf Gorilla City
Titel der Episode im Original
Attack on Gorilla City (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 21. Februar 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 15. Juni 2017
Regisseur
Dermott Downs

Schauspieler in der Episode The Flash 3x13

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?