The Flash 3x14

The Flash 3x14

Attack on Central City kann das Versprechen einer opulenten Gorillainvasion nicht wirklich einhalten und präsentiert uns dafür eine Episode, in der die verschiedensten Charakterinteraktionen im Vordergrund stehen. Das Resultat ist aber leider etwas durchwachsen und nur in Teilen unterhaltsam.

Jesse Quick, The Flash und Kid Flash in „Attack on Central City“ / (c) The CW
Jesse Quick, The Flash und Kid Flash in „Attack on Central City“ / (c) The CW
© esse Quick, The Flash und Kid Flash in „Attack on Central City“ / (c) The CW

Nach der letzten The Flash-Episode Attack on Gorilla City (1), die wenig überraschend die Gemüter der Zuschauerschaft gespalten hat, folgt nun Teil zwei des kleinen Events um die Rückkehr des hochintelligenten Gorillas Grodd (David Sobolov). Dieser nimmt in Attack on Central City (2) nun die Heimat von Barry (Grant Gustin) und seinen Freunden ins Visier, die wiederum alles daran setzen, den fiesen Primaten aufzuhalten. Anstatt sich bei der Erzählung aber auf diesen zu konzentrieren, rückt Grodd für die meiste Zeit in den Hintergrund und interessiert mitunter nur am Rande. Den Serienmacher liegt hier mehr an ihren Charakteren, deren Beziehungen untereinander sowie einer moralischen Frage, die sich unserem Helden stellt.

Die Struktur der Episode verwundert, gerade mit Blick auf die vorangegangene Folge. Letzten Endes ist man nicht in der Lage, das abzuliefern, was man im Vorfeld versprochen hat. Das mag eventuell mit den erhöhten Produktionskosten angesichts der Effektarbeit für eine Grodd-zentrische Episode zusammenhängen. So wird der Schurke im Rahmen seines großen Rachefeldzuges zur Randfigur degradiert, während wir deutlich mehr Zeit mit Barry und Co. und den persönlichen Problemen unserer Protagonisten verbringen. Die Entscheidung, die Geschichte in dieser Form aufzubauen, mutet aber insgesamt etwas eigenartig an. Zum einen passt es tonal überhaupt nicht zum ersten Kapitel des Zweiteilers, zum anderen werden uns hier Charaktermomente gezeigt, die sich mitunter extrem beliebig, repetitiv und sogar ein wenig langweilig anfühlen.

Differences

Man bekommt fast den Eindruck, als hätte das Autorenteam zu Beginn der Gedankenspiele hinsichtlich eines Wiedersehens mit Grodd große Pläne gehabt, die sie aber schlussendlich aus welchen Gründen auch immer doch nicht in die Tat umsetzen konnten beziehungsweise durften. Also greift man schnell in die Kiste, wo man immer annehmbares Füllmaterial für eine „The Flash“-Episode findet: Man baut auf die Charaktere und die Darstellerriege, schreibt diesen fix ein paar einfache Konflikte und Sorgen, und schon ist man auf der sicheren Seite. Ich als Zuschauer kann zwar viele Dilemmata, denen sich unsere Figuren hier ausgesetzt sehen, nachvollziehen. Ein wenig veräppelt komme ich mir aber dennoch vor, ziehen sich die Serienmacher für meinen Geschmack auf die denkbar einfachste Art und Weise aus der Affäre.

The horror

Selbst der Aufhänger, mit dem diese Folge beginnt, erscheint höchst seltsam. Der Valentinstag ist zwar schon längst vorbei, der stets gut gelaunte HR (Tom Cavanagh) zelebriert nun aber einen vergleichbaren Feiertag, den Friends Day (Tradition auf seiner Erde), und bringt damit den Stein der Romantik ins Rollen. In der Folge bekommen wir diverse Szenen zu sehen, in denen sich die Figuren über ihre vorhandenen oder eben nicht vorhandenen Beziehungen Gedanken machen. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die Episode, wirklich spannend ist es aber nicht. Vor allem, weil einem einige Momente ungemeint vertraut vorkommen, so zum Beispiel zwischen Barry und Iris (Candice Patton), die sich weiterhin nicht entmutigen lassen, sich zu lieben, was auch immer die düstere Zukunft bringt.

Zur gleichen Zeit generiert man mit einer verheißungsvollen Aufnahme von Grodd und seiner Armee, die längst vor Central City aufmarschiert ist, etwas Spannung, während das Team nach einer Lösung sucht, um den Gorilla und seine Lakaien abzuwehren. Das Momentum trudelt dann aber irgendwie aus und die zentrale Bedrohung wird absolut zweitrangig, auch wenn Grodd einen furchtbaren Plan ausgeheckt hat, mit der er die Stadt zerstören will.

The CW
The CW - © The CW

To kill or not to kill?

Die potentielle Gefahr eines Nuklearschlags auf Central City lässt mich aber erschreckend kalt, was wohl auch daran liegt, dass es eh nicht so weit kommen wird. Barry und seinem Team wird schon eine Lösung einfallen, und siehe da, letztlich kann der Raketenstart durch etwas Glück und flinke Finger verhindert werden. Da ist die kurze Gedankenkontrolle und Körperübernahme von Joe (Jesse L. Martin) durch Grodd schon wesentlich aufregender. Tatsächlich entgeht der Polizist nur um Haaresbreite dem ferngesteuerteten Suizid, eine Szene, die spannend inszeniert ist und mich kurz aufschrecken lässt.

Natürlich kann man sich denken, dass eine wichtige Figur wie Joe nicht so sein Ende findet. Von dieser kleinen Situation geht aber eine größere Bedrohung aus als von allen anderen Momentaufnahmen in Attack on Central City (2), die dieses Ziel verfolgen. Ohnehin mangelt es der gesamten Geschichte an Spannung sowie etwas Tempo. Vielleicht hätte man auch einfach weiter an der abgedrehten, gewollt absurden Formel des Zweiteilers über einen telepathisch begabten Gorillas festhalten und die spaßige Prämisse aus dem ersten Teil weiterspinnen sollen. Man wirft das Konzept aber größtenteils über Bord und spannt uns als Zuschauer in sehr emotionale und tiefgründige Gespräche über Verantwortung, Zuneigung und Vertrauen ein.

Always another way

Von all diesen verschiedenen Charaktermomenten ist aber eigentlich nur Barrys Auseinandersetzung mit der Frage, ob er Grodd töten soll oder nicht, wirklich interessant. Dieser wird immer wieder zurückkehren, wenn ihm nicht ein für alle Mal Einhalt geboten wird. Soll sich Barry also für die denkbar drastischste Lösung des Gorillaproblems entscheiden? Oder ist dies eine Grenze, die er nie im Leben überschreiten darf und die ihn für alle Zeiten verändern würde? Wo andere (siehe Oliver Queen in Arrow) diese Entscheidung längst getroffen haben und mit den weitreichenden Konsequenzen dieser nun für immer leben müssen, hat sich Barry seine Menschlichkeit bewahrt. Dies zeichnet ihn als Charakter und Heldenfigur auch aus. Würde er einen anderen Weg gehen, liefe er Gefahr, sich in eine ähnliche Richtung wie sein Widersacher Grodd zu entwickeln.

Celebrate the love

Diese Eigenschaft darf er um keinen Preis einbüßen, auch wenn die Ereignisse der letzten Wochen an ihm genagt haben und er in dem Tod von Grodd eine schnelle Lösung sieht, einen Aspekt der nahenden Zukunft (die Invasion Central Citys durch Grodd) ungeschehen zu machen. Die Serie kehrt in diesen Moment zu ihrer Kernbotschaft zurück. Selbst wenn man etwas sehr auf den Holzhammer (siehe die aufbrausende Monologe von Iris und Wells, die Barry in seinem „Weg der Gnade“ bekräftigen) zurückgreift, gelingt es den Serienmachern doch, uns einmal wieder ins Bewusstsein zu rufen, was The Flash als Held so besonders macht. Es gibt stets einen anderen Weg, die ultimative Lösung muss, nein, darf nicht Mord- und Totschlag sein.

Abseits von alledem kommt es zu ein paar spaßigen Kabbeleien zwischen HR und Wells („The genius and the moron!“), bei denen sich Letzterer gleich zu Beginn als ein ganz schöner Fatzke präsentiert - man spuckt doch nicht in den Kaffee seines Doppelgängers! Außerdem gibt es ein paar romantischen Ausflügen einiger Charaktere. Während Cisco mit seinem einzigartigen Charme Rückkehrerin Gypsy davon überzeugen will, gemeinsam gegen Grodd zu kämpfen, wird der Fokus auch erneut auf die jungen Liebenden Wally (Keiynan Lonsdale) und Jesse (Violett Beane) gelegt, die auf Wolke 7 schweben und ihre gemeinsame Zukunft planen.

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The CW - © The CW

Do the right thing

Zunächst muss aber erst einmal Papa Wells von Jesses Entscheidung erzählt werden, auf Earth-1 zu bleiben. Dieser reagiert mit einer unverschämten und pietätlosen Lüge, als er Wally im Vieraugengespräch davon erzählt, dass er sterbenskrank ist. Um die Unterschiede zum lässigen Spaßmacher HR noch deutlicher zu machen, bekomme ich den Eindruck, dass Wells von Earth-2 noch gemeiner und mürrischer dargestellt wird, als es bisher der Fall gewesen ist. Jesse durchschaut die Flunkerei aber sofort und Wells selbst scheint auch zu erkennen, dass er aus Sorge um sein Ein und Alles zu weit gegangen ist. Letztlich will er auch nur das Beste für Jesse und erteilt den beiden Turteltauben seinen Segen.

Zwischen Cisco und Gypsy geht es im Vergleich dazu etwas flotter und auch lockerer zu, was sicherlich auch an der guten Chemie zwischen Carlos Valdes und Jessica Camacho liegt. Wobei man sich auch fragen kann, warum sich die Kopfgeldjägerin so sehr dagegen sperrt, Cisco zu helfen. Okay, es ist nun wirklich nicht ihr Problem, was mit Central City auf Earth-1 geschieht. Aber sie muss wohl etwas Stunk machen, damit es erst zu der Szene kommen kann, in der sie von Cisco doch noch überzeugt wird, tätig zu werden. All dies erscheint mir sehr konstruiert, das Zusammenspiel von Valdes und Camacho wiegt diesen Kritikpunkt aber einigermaßen auf.

Distraction

Nach all diesem Techtelmechtel bleibt dann ja immer noch Grodd, der schließlich doch noch Central City höchstpersönlich angreift. Die drei Speedster The Flash, Kid Flash und Jesse Quick stellen sich der Affenbande, können aber (überraschend) wenig Schaden anrichten. Dank Gypsy und Cisco tritt dann abermals Obergorilla Solovar auf den Plan, der Grodd zum Duell herausfordert und diesen letzten Endes besiegen kann. Plan B greift, Barry verspricht Solovar Frieden und Grodd wird von A.R.G.U.S. weggesperrt. Der Kampf zwischen den beiden Gorillas geht im Großen und Ganzen in Ordnung, der Abschluss des Grodd-Zweiteilers fällt dennoch ziemlich fad und unspektakulär aus. Hier und da kommt mal ein kleines Gefühl á la „Rise of the Planet of the Apes“ auf, insgesamt bleibt man jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Die Gefahr ist also gebannt und alles ist wieder schön und wunderbar. Barry nutzt den Moment - sicherlich auch dadurch bedingt, dass ihm noch einmal vor Augen geführt wurde, was ihm wirklich wichtig ist - um Iris nicht nur eine rührselige Geschichte über die grenzenlose Liebe zwischen seinen Urgroßeltern zu erzählen, sondern auch, um seiner Liebsten einen Heiratsantrag zu machen. Der emotionale Effekt dieser romantischen Geste bleibt bei mir aber leider aus. Ich möchte es nicht zu hart formulieren, aber irgendwie kommt mir diese Szene so vor - bei all dem aufrichtigen Schauspiel von Grant Gustin und Candice Patton - als ob man sie recht lieblos in diese Episode reingeworfen hätte. Ähnlich beliebig wirkt das plötzliche Aufeinandertreffen zwischen Wally und Savitar am Ende der Episode. Einen richtigen Schockmoment stellt dies nicht für mich da. Vielmehr frage ich mich, wie dies überhaupt möglich ist, während sich gleichzeitig der Gedanke bei mir breit macht, dass diese Szene mehr ein schamloser Cliffhanger als wirklich durchdacht ist.

Fazit

Als Fan des Grodd-Charakters bereitete mir die letzte Episode großen Spaß. Von diesem ist in Attack on Central City (2) aber leider nicht mehr viel übrig. Die Episode wirkt mehrfach unrund und eigenartig konzipiert, die emotionalen Momentaufnahmen erfüllen nicht immer ihren Zweck und viele Szenen fühlen sich so an, als hätten wir sie vor Kurzem schon in der Serie gesehen. Den Autoren geht mal wieder etwas die Luft aus und so dreht man sich leider im Kreis. „Attack on Central City“ bleibt eine grundsolide The Flash-Episode mit guten Darbietungen und ein paar starken Momenten. Irgendwie fehlt aber eine ganze Menge Schwung, während viele Szenen ziemlich egal erscheinen.

Trailer zur „The Flash“-Episode 3x15 „The Wrath of Savitar“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 1. März 2017
Episode
Staffel 3, Episode 14
(The Flash 3x14)
Deutscher Titel der Episode
Angriff auf Central City
Titel der Episode im Original
Attack on Central City (2)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 28. Februar 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 22. Juni 2017
Regisseur
Dermott Downs

Schauspieler in der Episode The Flash 3x14

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