The Flash 3x11

The Flash 3x11

In der sehr kurzweiligen The Flash-Episode Dead or Alive spielen sich ein paar der Nebencharaktere in den Vordergrund, was eine abwechslungsreiche und angenehm frische Erzählung nach sich zieht. Der hohe Unterhaltungswert macht einige seltsame Entscheidungen der Charaktere vergessen.

Carlos Valdes als Cisco Ramon in „Dead or Alive“ / (c) The CW
Carlos Valdes als Cisco Ramon in „Dead or Alive“ / (c) The CW
© arlos Valdes als Cisco Ramon in „Dead or Alive“ / (c) The CW

Es muss nicht immer alles finster und furchtbar fatalistisch zugehen, vor allem in The Flash, das zwar im Laufe seiner bisherigen Staffeln mehr und mehr in düstere Gefilde abgedriftet ist, zwischendurch aber auch immer wieder die Leichtigkeit seiner ersten Staffel wiederfindet. Das Format ist nach wie vor von einem eher hellen als dunklen Grundton gezeichnet, mittlerweile bewegt man sich atmosphärisch gefühlt irgendwo zwischen Arrow und Supergirl. Wobei man schon zugeben muss, dass gerade in den jüngsten Episoden der Ernst der Lage das Geschehen dominiert hat und es für uns sowie unsere Protagonisten angesichts des zerstörerischen Savitars nicht besonders viel zu lachen gab.

Umso mehr freut es mich, dass man mit der Episode Dead or Alive jetzt wieder etwas mehr den Spaß in den Vordergrund stellt, auch wenn es nebenbei immer noch um Leben und Tod geht, während gleichzeitig die nahende, unschöne, eventuell unausweichliche Zukunft schwer auf den Charakteren wiegt. Trotzdem gelingt es, eine Art positive, auflockernde Stimmung zu transportieren, die zu Beginn der zweiten Hälfte der dritten Staffel von „The Flash“ gut tut und einfach nur Laune macht. Die Serienmacher erfinden dabei das Rad keineswegs neu, sondern besinnen sich auf bekannte Stärken, so zum Beispiel die extrem charmante Darstellerriege und die hervorragende Chemie der Schauspieler untereinander.

Enjoy the moment

Rein strukturell gesehen geht man äußerst simpel vor und präsentiert uns in „Dead or Alive“ eine sehr geradlinige Erzählung, die in einen Haupt- und Nebenplot aufgeteilt ist. Während Iris (Candice Patton) nicht tatenlos auf ihr vermeintliches Schicksal warten und gemeinsam mit ihrem Bruder Wally (Keiynan Lonsdale) einen gefährlicher Waffenhändler hopsnehmen will, muss sich der Großteil von Team Flash einer neuen Bedrohung stellen, die einem aus dem inneren Kreis ans Leder will. Ihnen entgegen stellt sich die Metahuman Gypsy von Earth-19, die wir bereits am Ende der letzten Folge kurz gesehen haben. Deren Aufgabe ist es, den flüchtigen H.R. (Tom Cavanagh) zurück auf seine Erde zu bringen, wo er für das nicht autorisierte Reisen zwischen verschiedenen Welten mit dem Tod bestraft werden soll.

Intruder

Schaut man sich diese Prämisse und den Episodentitel an, könnte man annehmen, dass die Stimmung in der Folge überwiegend gedämpft ist. So kommt es unter anderem zu einem Duell, in dem es tatsächlich um Leben und Tod geht, auch wenn jeder Zuschauer weiß, dass Letzteres sehr wahrscheinlich nicht eintreten wird. Die Verantwortlichen finden in der auf dem Papier finsteren Ausgangslage jedoch eine ganze Menge Spaß, wodurch die gesamte Episode wunderbar von der Hand geht und kaum Längen hat. Dies beginnt schon mit dem sehr amüsanten Einstieg um Actionheld H.R. Wells, der mit einer mächtigen Wumme den bösen Buben das Fürchten lehrt. In seiner Fantasie versteht sich, spielt sich all dies doch nur in seinen Romanen ab, die er in den Äther bläst, damit ein jeder im Multiversum seine tollen Geschichten liest.

Blöd nur, dass seine ausschweifenden Abenteuer Gypsy nach Earth-1 gebracht haben. Der bekannte DC-Charakter, in den Comics unter anderem Mitglied der Justice League und der Birds of Prey, fungiert hier als „Collector“, eine Art Kopfgeldjägerin, die diejenigen zur Rechenschaft ziehen soll, die einfach so Portale öffnen und durchs Multiversum streifen. Earth-19 hat in der Vergangenheit diesbezüglich schlechte Erfahrung gemacht und eine Null-Toleranz-Politik eingeführt, die hart bestraft wird. Den von Jessica Camacho gespielten Charakter zeichnen etwas andere Fähigkeiten als in dem Comics aus (Unsichtbarkeit, das Erzeugen von Illusionen und Vorhersehen von Ereignissen). In „The Flash“ kann Gypsy mit Leichtigkeit Portale öffnen und deftige Energieschübe von sich geben. Talente, die sich mit einem unserer Mitglieder von Team Flash decken: Cisco aka Vibe (Carlos Valdes).

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The CW - © The CW

A man of science

Tatsächlich schlägt in Dead or Alive die große Stunde des talentierten Wissenschaftlers, der sich aufopferungsvoll auf einen für ihn möglicherweise tödlichen Zweikampf mit Gypsy einlässt, um die Haut von H.R. zu retten. Sein Einsatz für diesen kommt etwas unerwartet und versetzt die restlichen Teammitglieder in große Sorge. Cisco möchte jedoch etwas zurückgeben und fühlt sich verpflichtet, jetzt mal den Held zu spielen und für H.R. zu kämpfen. Dass sich die beiden ziemlich gut verstehen, auch wenn es zwischendurch hier und da mal ein paar Reibereien gibt, ist jedem klar. Ciscos Begründung finde ich dennoch etwas schwammig, steht er seiner Ansicht nach doch auch in der Pflicht des alten Harrison Wells, der in ihm stets großes Potential gesehen hatte.

Dass es sich dabei aber zu weiten Teilen um Fiesling Eobard Thawne im Körper von Harrison Wells handelte, der das Team letztlich hinters Licht führte und verriet, wird ignoriert. Aber gut, es scheint hier mehr um einen sentimentalen Faktor als um Logik zu gehen, und wer bin ich, dass ich mich gegen eine Episode aussprechen würde, in der Cisco im Mittelpunkt steht? Zunächst gilt es, ihn auf den Kampf vorzubereiten, doch das Training könnte besser verlaufen. Eine absolute Bereicherung für die Gruppe und ihre Dynamik, sowohl komödiantisch als auch mit Blick auf die Suche nach Lösungsansätzen, stellt Tom Felton in seiner Rolle als Julian dar. Seine trockenen, empathiebefreiten Kommentare sind ein Fest, und so sehr er auch an seinen sozialen Kompetenzen arbeiten möchte, er hat den Dreh einfach noch nicht raus. Dafür ist er aber mit seiner analytischen Art von großer Hilfe, als er einen Schwachpunkt der sehr starken Gypsy ausloten kann.

More trouble

Dieser wollen Barry (Grant Gustin) und H.R. noch vor dem Duell mit Cisco eins auswischen, was jedoch ziemlich nach hinten losgeht. Gypsy ist ein durchaus mächtiger Charakter, der selbst Speedster mit Leichtigkeit ausknocken kann. Wie glaubhaft das ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich macht Gastdarstellerin Jessica Camacho eine exzellente Figur in dieser sehr taffen, gnadenlosen und lässigen Rolle. Vor allem das Zusammenspiel mit Cisco, der sich sofort in die rassige Metahuman verguckt, bereitet mir persönlich große Freude. Ja, mitunter tragen die beiden in ihren Dialogen ziemlich dick auf, aber die spaßigen verbalen Scharmützel sowie der flotte Kampf zum Ende der Episode (mit Zwischenhalt im Büro von James Olson in der Welt von Supergirl) unterhalten mich auf einen sehr hohen Niveau.

Face the music

Es gefällt mir auch, dass Cisco (der mir zu Beginn der Staffel aufgrund des Flashpoint-Ereignisses gelegentlich ganz schön den Nerv geraubt hat) zu altbekannter Form aufläuft und dabei nicht nur gut getimte Sprüche anbringt, sondern erneut auch Charaktertiefe offenbart. Wie alle anderen im Team Flash möchte er seinen Beitrag leisten. Normalerweise steht er in der zweiten Reihe, doch manchmal muss der Einsatz eben etwas direkter sein, wenn man für seine Nächsten und Liebsten da sein möchte. Die Auseinandersetzung mit Gypsy hat gezeigt, dass das gegenseitige Vertrauen der Freunde eine ihrer stärksten Waffen ist, selbst wenn Barry und H.R. zwischenzeitlich daran erinnert werden müssen. H.R. ist mittlerweile ein vollwertiger Bestandteil des Teams und Cisco hat nicht umsonst sein Leben für ihn riskiert, weil er eben weiß, dass H.R. dies früher oder später zurückzahlen wird.

Es ist ein schöner, kleiner Charaktermoment zwischendurch, der noch einmal den Zusammenhalt von Team Flash untermauert. Man merkt jedoch, dass die Autoren wohl mit Absicht jetzt immer wieder derartige Szenen einbauen, um die Gruppe an Freunden noch näher zusammenbringen, was es für uns Zuschauer letztlich nur umso schwerer machen wird, zu entschlüsseln, wer letztlich der Verräter unter ihnen sein wird.

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Trust your instincts

Gypsy kann letzten Endes in die Knie gezwungen werden (Julian zufolge muss sie wohl einen schlechten Tag gehabt haben, denn Ciscos Chancen waren unbeschreiblich gering) und verabschiedet sich - ein Wiedersehen ist aber nicht ausgeschlossen. Dass sie auf Earth-19 so einfach damit durchkommen wird, dass sie behauptet, sie hätte Wells getötet, bezweifle ich. Vor allem, wenn H.R. weiterhin seine Geschichten ins Multiversum „ausstrahlt“ und eben nicht die Füße still hält, um unentdeckt zu bleiben. Für Cisco stellt dieser Erfolg einen deutlich Schub für sein Selbstbewusstsein dar, ein Date mit Gypsy, die von Cisco nicht abgeneigt scheint, springt aber nicht mehr raus. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Etwas ernster geht es derweil in Iris' Leben zu, die sich auf die Ersatzbank versetzt fühlt. Zum einen kann man Barry verstehen, der seine Liebste nicht unnötig in Gefahr bringen möchte. Zum anderen ist es auch verständlich, dass Iris eine schwierige Zeit durchmacht, hat man ihr doch gesagt, dass sie in wenigen Monaten das Zeitliche segnen wird, was Team Flash natürlich verhindern will. Iris verhält sich trotz dieser für sie unvorstellbar emotional belastenden Phase ihres Lebens ein wenig zu irrational, marschiert sie doch schnurstracks in die nächstbeste Gefahrensituation, damit ihr Name als Journalistin nicht in Vergessenheit gerät, sollte sie mal nicht mehr sein. Sie dreht den Spieß einfach um und schaut ihrem Ende todesmutig entgegen. Das Schicksal soll ja erst in ein paar Wochen zuschlagen, was kann ihr jetzt schon passieren?

Off balance

Diese Denke ist selbstverständlich gefährlich, und es regt mich schon ein wenig auf, wie sehr sich Iris von der Situation mitnehmen lässt und wie kurzsichtig sie handelt, erwarte ich doch einfach etwas mehr von diesem Charakter. Ich kann nachvollziehen, dass ihre derzeitige Lage einzigartig ist, dass sie große Ambitionen als Reporterin verfolgt und vermutlich aus Angst so leichtsinnig und unverantwortlich vorgeht. Dies ist aber eben auch wahnsinnig egoistisch. Auch sie muss Vertrauen in Barry und alle anderen zeigen und darf nicht annehmen, dass sie bis zu ihrem vermeintlichen Tod durch Savitar in keinerlei Gefahr schwebt. Gespielt sind diese Szenen indes sehr gut, Candice Patton vermag es, die verzweifelte Situation von Iris authentisch zu übermitteln. Den Charakter hätte ich zu diesem Zeitpunkt schlichtweg etwas sinniger und weniger impulsiv eingeschätzt.

Dass Joe (Jesse L. Martin) weiterhin im Ungewissen gelassen wird, was das Schicksal seiner Tochter angeht, habe ich ja bereits in der letzten Episode bemängelt, schreit dies doch viel zu sehr nach offensichtlichem Drama. Und wann haben Geheimnisse untereinander innerhalb von Team Flash je etwas gebracht? Sehr amüsant ist derweil Iris' kleines Ablenkungsmanöver, bei dem Joe kurz vor einer Panikattacke steht, bereitet er sich mental doch bereits darauf vor, Großvater zu werden. Die Erwähnung eines dubiosen Waffendealers, der derzeit äußerst gefährliche Schießeisen in der Stadt vertreibt, lässt unterdessen einen Handlungsstrang für die nahe Zukunft anklingen. Ich hatte mich ja schon in der letzten Episode gefragt, woher der Schurke Plunder seine Ausrüstung hat. Gut, dass man dieses Thema nicht ungeklärt unter den Tisch fallen lässt. Abschließend nimmt Barry dann noch eine eventuell wichtige Veränderung am großen Plan vor, Iris' Leben zu retten. Er scheint nicht in der Lage zu sein, in so kurzer Zeit viel schneller zu werden, als er gerade ist (danke für diese sehr direkte Analyse, Julian). Deshalb soll Wally diese Mammutaufgabe stemmen, der langsam aber sicher in seiner Rolle als Kid Flash angekommen ist und seine Schwester vor ihrem Tod bewahren soll.

Fazit

The Flash probiert sich nach vielen ernsten Episoden, in denen die Aussicht auf die Zukunft alles andere als rosig gezeichnet wurde, mal wieder an einer weitaus lockereren, spaßigeren Episode und landet mit Dead or Alive trotz kleinerer Makel einen Volltreffer. Die Charakterinteraktionen sind extrem unterhaltsam, die Effektarbeit mehr als solide und die Darsteller und Darstellerinnen glänzend aufgelegt. Der sehr launige Haupthandlungsstrang gefällt mir persönlich dabei besser als die Nebenhandlung um Iris, doch auch diese hat ein paar schöne Szenen zu bieten. Am Rande feilt das Team derweil weiter an dem übergeordneten Plan, um die Zukunft zu verändern. Wally jetzt in Position zu bringen, spricht für die Botschaft der Folge, die zeigt, dass es nicht immer Barry sein muss, der den Tag rettet oder im Mittelpunkt steht. Unser Hauptcharakter tritt für die Rettung von Iris gerne aus dem Rampenlicht heraus, ob das Schicksal dies aber zulässt und es nicht genau ihm vorbestimmt ist, gegen Savitar anzutreten, muss sich erst noch zeigen.

Trailer zu der „The Flash“-Episode 3x12 „Untouchable“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 1. Februar 2017

The Flash 3x11 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 11
(The Flash 3x11)
Deutscher Titel der Episode
Die Kopfgeldjägerin
Titel der Episode im Original
Dead or Alive
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 31. Januar 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 1. Juni 2017
Regisseur
Harry Jierjian

Schauspieler in der Episode The Flash 3x11

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