The Flash 3x10

© he Flash (Grant Gustin) in „Borrowing Problems from the Future“ / (c) The CW
Die dritte Staffel von The Flash ist aus ihrer mehrwöchigen Winterpause zurück und hat nun ein sehr konkretes Ziel vor Augen: das Verhindern von Iris' Tod zu Händen des „God of Speed“ Savitar. Den hatte das Team zuletzt eigentlich in die Speedforce verbannt. Er wird aber in gut vier Monaten wieder auf den Plan treten und der Reporterin den Garaus machen... So hat es zumindest Barry (Grant Gustin) mit seinen eigenen Augen gesehen, als er in der Episode The Present in die nahe Zukunft katapultiert und Zeuge der Ermordung seiner großen Liebe geworden war.
Jetzt gilt es, dieses unschöne Schicksal für Iris (Candice Patton) zu verhindern und Borrowing Problems From The Future markiert den ersten Schritt auf dieser schwierigen, aber nicht unmöglichen Mission.
Tatsächlich gestaltet sich „Borrowing Problems from the Future“ für weite Teile der Laufzeit wie eine recht gewöhnliche „The Flash“-Episode. Es gibt spaßige Charaktermomente, herzliche Dialoge und auch kleine Konflikte unter den Teammitgliedern, die dem Zuschauer etwas den Nerv rauben können, weil es derartige Streitereien schon etliche Male zuvor gegeben hat und sich die Serie so gefühlt etwas im Kreis dreht. Alles in allem erscheint das Ganze mehr als solide, aber ohne wahnsinnig besonders oder ausgefallen zu sein.
How to move forward
Die Serienmacher geben der Handlung jedoch mit relativ einfachen Mitteln einen für mich persönlich recht spannenden Kniff, der dem Format in seiner Gesamtheit dank spezieller Aufgabenstellung für unsere Protagonisten frischen Schwung und eine neue Dramatik gibt. Letztlich muss Team Flash nun nämlich eine Art Plan an zukünftigen Ereignissen abarbeiten, um das Schlimmste zu verhindern. Was genau oder ob dies überhaupt etwas bringen wird, weiß niemand so recht. Die Möglichkeiten scheinen endlos zu sein, die Zukunft ist zwar nicht in Stein gemeißelt, das Risiko, andere Dinge zum Schlechteren zu verändern, ist jedoch nach wie vor gewaltig. Das macht wiederum das Salz in der Suppe aus und „The Flash“ womöglich so interessant wie schon lange nicht mehr.
The deep end
Bevor es jedoch zum, zugegeben, sehr rosaroten Schlussakt kommt, in dem die Freunde und Kollegen allesamt optimistisch in die Zukunft blicken und dabei vielleicht Savitars unheilvolle Prophezeiung vergessen („Einer aus eurem Kreis wird euch verraten, einer wird sterben, einem widerfährt ein weitaus schlimmeres Schicksal als der Tod.“), müssen zunächst einmal ein paar andere Hindernisse überwunden werden.
„Borrowing Problems from the Future“ legt den Fokus dabei allen voran auf das Innenleben der Charaktere und deren besondere Dynamik untereinander, was gute, aber auch weniger gute Momentaufnahmen nach sich zieht. Die diversen Nebenplots fügen sich dann schließlich so zusammen, dass abermals der Teamgedanke im Vordergrund steht, eine der großen Stärke der Serie. Doch auch hier muss man eine kleine Einschränkung einfügen, dazu aber später mehr...
Zu Beginn der Episode sehen wir mal wieder, dass Barry immer noch nicht wirklich aus der Vergangenheit gelernt hat und das dunkle Geheimnis von Iris' Tod mit sich herumträgt, ohne ihr oder jemand anderem davon zu erzählen. Folglich belastet ihn dieses Wissen sehr, weshalb er zum Beispiel Wally (Keiynan Lonsdale) rüde anfährt, der ihm als Kid Flash eigentlich nur helfen möchte und selbst von Joe (Jesse L. Martin) jetzt dazu ermutigt wird, als Superheld tätig zu sein.
Als Zuschauer möchte man unserem Titelhelden wie so oft entgegenbrüllen, dass er sich doch seinen Nächsten öffnen, also genau das machen soll, was ihm in schwierigen Zeiten hilft und Halt gibt. Wir müssen aber erst ein paar Minuten mit dem launischen, von Albträumen geplagten Barry verbringen, bis dieser einsieht, was zu tun ist und Iris sowie die anderen einweiht.

Rookie
Ich kann ja verstehen, dass die aktuelle Situation für Barry nicht besonders einfach und sehr belastend ist. Nach all den Dingen, die ihm widerfahren sind, sollte er aber natürlich wissen, dass er nicht allein auf weiter Flur steht und mit welchen Problemen, Ängsten und Sorgen auch immer er sich seinen Freunden anvertrauen kann. Dass er sich jedes Mal einigelt, wenn etwas Schlimmes passiert und am Ende nicht daraus lernt, ist irgendwann dann doch etwas unrealistisch.
Aber gut, diese repetitiven Szenen (auch das Hin und Her zwischen Barry und Wally, bremst ersterer letzteren zwischendurch doch erneut, bin ich persönlich langsam überdrüssig) werden dafür von den überzeugenden, mitunter sehr bewegenden schauspielerischen Leistungen aufgefangen und ausgeglichen. So zu sehen im emotionalen, aufrichtigen Zusammenspiel von Candice Patton und Grant Gustin.
Aber nicht nur dieses Duo harmoniert gut, auch eine neue Charakterkonstellation drängt sich unerwartet in den Vordergrund: Caitlin (Danielle Panabaker) und Julian (Tom Felton). In dieser Randgeschichte bittet Caitlin den zurückgezogenen Metahumanexperten um dessen Hilfe, ihre frostigen Kräfte nicht nur in den Griff zu bekommen, sondern sogar komplett zu beseitigen. Das Interessante an diesen beiden Figuren ist, dass beide gebrandmarkte Seelen sind, die über eine dunkle Seite verfügen (beziehungsweise verfügt haben), die keiner von ihnen wirklich kontrollieren kann. Das schreckt Julian anfangs auch ab, doch er erkennt, dass er sich seinen mentalen Problemen eventuell erfolgreicher stellen kann, wenn er Caitlin hilft und sich Team Flash anschließt.
The gift that keeps on giving
Dass er als Neuling mit finsterer, wenn auch unfreiwilliger Vergangenheit zu Savitar (könnte er erneut „zwangsrekrutiert“ werden?) wiederum einen Risikofaktor darstellt (abermals weise ich auf dessen düstere Worte hin), behalten wir mal im Hinterkopf. An und für sich gefällt mir aber, dass Julian ins Team aufgenommen wird, allen voran aufgrund der sehenswerten Darbietung, die Tom Felton in dieser Rolle zum Besten gibt.
Diese Art Charakter hat der Gruppe noch gefehlt und könnte der Teamdynamik etwas Würze geben, gleichzeitig beweist Felton erneut, dass er über eine gute Chemie mit den arrivierten Darstellern verfügt, so distanziert und eigen Julian auch als Figur gezeichnet ist. Die Szenen mit Caitlin strahlen eine gewisse Intimität und Charaktertiefe aus, die es wert ist, noch mehr ergründet zu werden.
In progress
Erstaunlich tiefgründig geht es ebenfalls zwischen Cisco (Carlos Valdes) und HR (Tom Cavanagh) zu, wobei das Duo zu Beginn allen voran mal wieder seinem comic relief-Status gerecht wird. Dies ist auch ganz kurzweilig (Olga?), selbst wenn Cisco zwischendurch ganz schön austeilt. Der Wissenschaftler hat nämlich nicht besonders viel für HRs Pläne übrig, gerade jetzt das S.T.A.R. Labs Museum zu eröffnen. Der stets gut gelaunte Strahlemann ist angesichts seines neuesten Projekts extrem euphorisch, doch es zeigt sich auch, dass er dies nicht nur aus Spaß an der Freude macht, sondern, dass mehr dahintersteckt.
HR sucht nämlich nach wie vor nach einem anderen Lebenssinn auf dieser Erde, als nur der Pausenclown für zwischendurch zu sein. Dies erkennt letzten Endes auch Cisco, der HR mit einer herzensguten Geste bei seiner neuen Arbeit unterstützt, um das Museum am Laufen zu halten. Wobei dies ja auch im Interesse des gesamten Teams liegt, wie sich dann im Rahmen des großen Plans zum Verhindern von Iris' Tod zeigt. Die Zukunft lässt sich nämlich durchaus verändern, man muss halt nur an den richtigen Stellschrauben drehen - und das nicht zu viel oder zu wenig.
So „viben“ Cisco und Barry nämlich zurück in die Zukunft, um weitere Informationen zu sammeln. Dabei kommt eine Liste an zukünftigen Ereignissen heraus, die das Team verändern will, um Iris zu retten und Savitar Einhalt zu gebieten.

Challenge accepted!
Neben dem baldigen Auftritt des Music Meister, der Schließung des S.T.A.R. Labs Museums, einem Angriff durch einen Gorilla (oder gar mehrere Gorillas?) sowie der Meldung, dass Killer Frost immer noch auf freiem Fuß ist, beschäftigt das Team erst einmal das aktuellste Problem: der Räuber Jared Morillo aka Plunder (Stephen Huszar). Dieser macht derzeit die Stadt unsicher (unter anderem aufgrund einer mächtigen Schusswaffe, deren Ursprung nicht wirklich geklärt wird) und wird in der Zukunft vom Flash geschnappt.
Jetzt soll aber Kid Flash den Fiesling dingfest machen, womit man zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Zum einen bekommt Wally den Respekt, die Aufmerksamkeit und die Aufmunterung, die er sich als neuer Superheld verdient hat. Zum anderen verändert das Team automatisch die Zukunft, womit das erste Puzzleteil von der Liste ist.
Natürlich ist es etwas zufällig, dass sich Team Flash bei seiner Liste an einem beliebigen Laufband während einer Nachrichtensendung orientiert. Wer sagt, dass es genau diese Ereignisse sein werden, die letzten Endes den Unterschied ausmachen werden? Da muss man schon ein Auge zudrücken, das Konzept gefällt mir aber so gut, dass ich damit nur wenige Probleme habe. Das Team wird jetzt nämlich mal nicht vor ein neues Problem gestellt, das sie einfach nur lösen müssen. Sie wissen jetzt schon, was konkret die Probleme der Zukunft sind und müssen für diese alternative Lösungsansätze finden, wobei sie sich nie wirklich sicher sein können, welchen Effekt ihr Handeln haben wird. So gut sie sich auch auf die Dinge, die da kommen, vorbereiten können...
Blind side
Als Zuschauer bin ich schon interessiert, was sich die Gruppe einfallen lassen wird. Zusätzlich bekommen wir einen netten kleinen Vorgeschmack, was uns und Team Flash in nächster Zeit erwartet. Als bekanntermaßen großer Fan von Gorilla Grodd bin ich auf dessen Rückkehr natürlich sehr gespannt, aber auch Caitlins Wandlung zu Killer Frost bleibt ein aufregendes Thema. Und dabei bekommt sie zum Ende der Episode schon ein schickes Amulett von Cisco und Julian geschenkt, das ihr helfen soll. Jedoch glaube ich nicht, dass es damit schon getan ist. Das Team blickt dennoch unerschrockener und optimistischer als noch zuvor in die Zukunft. Das finale Bild der Episode erweckt einen trügerisch-idyllischen Eindruck, dem man aber nicht trauen sollte.
Was mir persönlich auffällt, ist, wie sehr Joe außen vor gelassen wird, indem man ihm zum Beispiel als einzigem nicht davon erzählt, was seiner Tochter zustoßen wird. Auch hier sollten die Charaktere aufgrund vergangener Ereignisse wissen, dass dies nicht der richtige Weg ist. Klar, Joe könnte zu emotional und impulsiv auf diese schockierende Neuigkeit reagieren. Ihn aber im Ungewissen zu lassen, schreit geradezu danach, nach hinten loszugehen. Darüber hinaus habe ich das Gefühl, dass Joe dadurch auch ein bisschen zur Zielscheibe wird, da er von allen Figuren am wenigstens involviert und in ihren Berechnungen nicht wirklich berücksichtigt wird. Was, wenn Iris am Ende gerettet werden kann, dafür aber ihr Vater das Zeitliche segnet? Zu diesem Zeitpunkt scheint nichts unmöglich...
Fazit
Mit Borrowing Problems From The Future kommt The Flash sehr ordentlich aus seiner Mid Season-Pause zurück, daran ändern auch ein paar Stolpersteine zwischendurch nicht viel. Allen bekannten, immer wiederkehrenden Kritikpunkten zum Trotz punktet die Folge dank der gut aufgelegten Darstellerriege und den glaubhaften Charaktermomenten sowie der spannenden Aussicht auf die nächsten Wochen, in denen Team Flash gefordert ist und mal etwas anders arbeiten muss, als sie es gewohnt sind.
Für eine kleine Prise Mystery sorgt zum Ende der Episode dann noch der kurze Auftritt von Jessica Camacho in der Rolle von Cindy Reynolds aka Gypsy, eine bekannte Figur aus dem DC-Universum, die es in der Serie allem Anschein nach auf HR abgesehen hat. Doch dazu bei gegebener Zeit mehr...
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 25. Januar 2017The Flash 3x10 Trailer
(The Flash 3x10)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?