The Flash 3x08

Und los geht die wilde Crossover-Fahrt: Nach einem winzigen Vorgeschmack in der letzten Supergirl-Folge Medusa (1), starten die Helden und Heldinnen des „Arrowverse“ nun in der The Flash-Episode Invasion! (2) richtig durch. Das Kreativteam um Oberguru Greg Berlanti hat die gesamte Rasselbande (mit ein paar Ausnahmen) aus „Supergirl“, „The Flash“, Arrow und Legends of Tomorrow zusammengetrommelt, um die Superfreunde auf ein weiteres gemeinsames Abenteuer von noch nie dagewesenem Ausmaß zu entsenden. Ihre Aufgabe? Die Erde vor einer Invasion von schmierigen Aliens zu bewahren, die nichts Gutes im Schilde führen.
Und damit steht eigentlich schon der Plot des vierteiligen Crossover-Events, das in „Arrow“ weitergeführt wird und mit der „Legends of Tomorrow“-Episode Invasion! (4) abgeschlossen wird. Die Prämisse - eine außerirdische Lebensform bedroht die Menschheit, deren stärkste und mächtigste Vertreter sich zusammenschließen, um die Welt zu retten - könnte simpler nicht sein. Wer sich hier Hoffnung auf eine komplexe Handlung gemacht hat, ist wohl eher fehl am Platz.
Suit Up!
Aber das hat sich „Humans V Aliens“ (eigentlich ja „Humans, Metahumans and an Alien V Aliens“) auch nicht auf die Fahne geschrieben. Erneut steht bei diesem Crossover-Event der Spaß im Vordergrund, während zwischendurch immer mal wieder ein paar dramatische Augenblicke eingestreut werden. Im Großen und Ganze geht der Plan auch auf und wenn man sich als Zuschauer nichts anderes als ein launiges Aufeinandertreffen der liebsten DC-Seriensuperhelden gewünscht hat, in dem ein jeder und eine jede ein wenig glänzen darf, dann dürfte man nach dem eigentlichen Auftakt „Invasion! (2)“ durchaus zufrieden sein. Ganz so einfach ist es aber nicht, muss das Crossover-Event wie bereits das vergleichbare Aufeinandertreffen der Helden erst noch nachweisen, ob es nur ein buntes Paket Fanservice ist, das sich eventuell etwas übernimmt oder aber, ob es problemlos auf eigenen Beinen stehen kann.
Calling the Shots
Ich persönlich bin von „Humans V Aliens“ beziehungsweise „Invasion! (2)“ auf jeden Fall schon mehr angetan als vom letzten Crossover dieser Art, als die „Legends of Tomorrow“ erstmals auf den Plan getreten sind. Jetzt sind alle der hier auftretenden Superhelden in ihren eigenen Serien etabliert, weshalb es gleich ans Eingemachte gehen kann und keine Zeit mit der Charaktereinführung verschwendet werden muss. Der unmittelbare Einstieg zu Beginn der Episode ist Beweis genug, dass die Autoren nicht lange fackeln und uns sofort ins Getümmel schmeißen wollen.
Berlanti und sein Team wählen meiner Meinung nach den richtigen Ansatz, nicht zu komplizierten Pfaden zu folgen und sich für ein simplen Grundkonflikt zu entscheiden, der den Zuschauern und Fans der The CW-Superheldenformate das gibt, was sie sehen wollen: Die verschiedenen Helden und Heldinnen Seite an Seite in Aktion. Dies liefert man gekonnt ab, ebenso wie zahlreiche, spaßige Momentaufnahmen, die den nötigen Charme für eine gute, kurzweilige Episode mit sich bringen. Aber wie immer lauern Gefahren auf die Serienmacher, wenn sie sich an so ein Mammutprojekt wagen. Und wie immer können sie sich diesen nicht vollends entziehen.

Purpose
Der oft zitierte und gerne kritisierte Fanservice, das „Abfeiern“ von berühmten DC-Ikonen, die sich als unaufhaltsames Team zusammenschließen, ist in Invasion! (2) für mich das geringste Problem, haben die Autoren diesen Faktor sehr gut im Griff. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass nach vielen Stunden Superheldenserien von The CW meine Toleranzgrenze für derartige Geschichten nicht ganz so einfach überschritten werden kann. Das, was mir hier am ehesten negativ auffällt, ist die Fülle und das schiere Ausmaß an Charakteren, die sich im neusten Crossover-Event begegnen.
Man merkt einfach, dass bei The CW (löblicherweise, wohlgemerkt) eine bunte, diverse und vor allem große Truppe an DC-Figuren entstanden ist und es ist nicht leicht, sie alle unter einen Hut zu bekommen. In „Invasion! (2)“ schlägt sich das vor allem in vielen abrupten Szenenwechseln wieder, die die Folge hier und da schon ein bisschen überladen wirken lässt. Bei so vielen Charakteren ist das ein Risiko, dessen man sich als Serienmacher bewusst sein muss. Aber glücklicherweise verkommt „Invasion! (2)“ nicht gänzlich zu einer vollgestopften Superheldenparty.
Don't Hold Back
Ein Grund dafür sind wie so oft die sympathischen Darsteller und Darstellerinnen, die aus den paar Szenen die ihnen gegeben werden, das Beste machen und durch amüsante Momentaufnahmen etwaige Probleme gut kaschieren können. Vor allem David Ramsey fällt als fassungsloser Diggle positiv auf und sichert sich den Lacher der Episode („I'm convinced.“, nachdem Supergirl gezeigt hat, warum sie so super ist), wobei ihm Dominic Purcell als unverbesserlicher Psychopath Mick Rory dicht auf den Fersen ist. Aber auch Melissa Benoist schlägt sich als die „Neue“ hervorragend. Als mächtigste Heldin im Team fungiert Supergirl nicht nur als größte Waffe gegen die Aliens, welche sie von ihrer Zeit auf Krypton kennt, sondern auch als praktischer Sparringspartner für die anderen, damit man sich ordentlich auf die „Dominators“ vorbereiten kann.
Making a Difference
So geht es die meiste Zeit auch äußerst schwungvoll zu, die kleinen Späße zwischendurch (Barry als Anführer, der sich von Oliver ein wenig unter die Arme greifen lässt, ist durchaus witzig mit anzusehen) sind unterhaltsam und die mitunter fulminante Action geht ebenfalls in Ordnung, auch wenn gerade zum Ende der Episode, ein Übermaß an schwammigen CGI-Effekten eine kleine Herausforderung für uns Zuschauer sein kann. Insgesamt verläuft die Handlung aber sehr stringent und rund - doof nur, dass nicht immer alles einen Sinn ergibt und die außerirdischen Widersacher ein bisschen arg öde sind. Mit der Einfachheit des Plots verhindert man zwar, dass es zu unübersichtlich wird, jedoch holt man sich dadurch auch andere Probleme ins Haus.
So zum Beispiel die Vorhersehbarkeit der Handlung. Man schaue sich nur an, wie unsere Helden schnurstracks in eine schrecklich offensichtliche Falle marschieren, ohne vorher einen Plan zu fassen wie man vorgehen sollte, um den Präsidenten der USA zu retten. Bis auf Barry und Oliver werden die Superhelden von den Aliens gedankengesteuert, was auch nicht besonders originell ist, aber natürlich zu einer abwechslungsreichen Klopperei der DC-Ikonen führt, die wir ja alle gerne sehen möchten. Darüber hinaus frage ich mich, warum man ein Aufnahmegerät mit pikanten Informationen (deren Veröffentlichung das Team spalten könnten, was letztlich auch passiert) einfach so herumliegen lässt, obwohl man doch dessen Wert bestens kennt. Es muss ja zu einer Aussprache zwischen Barry und den anderen kommen, was das Flashpoint-Ereignis angeht. Diese hätte aber gerne etwas weniger holprig herbeigeführt werden können.

Part of the Job
Außerdem wäre es ganz gut, wenn man etwas mehr über die dubiosen Dominators (bekannt aus den Comics) erfahren würde, deren Beweggründe für eine Invasion der Erde nicht deutlich werden. Aber wahrscheinlich sind diese einfach nur auf die Zerstörung und Auslöschung der Menschheit sowie die Übernahme des Planeten aus, weil sie eben böse sind. Das mag einigen reichen, ich finde es jedoch immer etwas langweilig, wenn die Motivation von Böswichten so einfach ist. Aber vielleicht haben die Autoren diesbezüglich ja noch einen Pfeil im Köcher, ich würde mich zumindest freuen und mehr für die Invasoren interessieren, wenn diese etwas ausführlicher gezeichnet und vorgestellt werden würden.
Interessant ist indes, dass erneut das Thema Flashpoint aufkommt und jetzt alle Charaktere des „Arrowverse“ im Bilde sind, was Barry möglicherweise angestellt hat. Das könnte Auswirkungen auf die Figuren in „ihren“ Serien haben, die einige spannende Konflikte und Probleme (siehe Professor Stein) nach sich ziehen könnten. Während ich mir hinsichtlich Cisco (Carlos Valdes) uneins bin, ob er mir in seiner neuen Rolle als dauerschmollender Miesepeter (ich verstehe ihn ja ein Stück weit, aber irgendwie vermisst man den alten Cisco langsam ein klein wenig) gefällt, bin ich etwas überrascht, dass Oliver (Stephen Amell) so klar Partei für Barry ergreift und sich unterstützend hinter ihn stellt. Unrecht hat er ja nicht, wenn er sagt, dass wohl jeder in Barrys Position und mit dessen Fähigkeiten den Tod der eigenen Eltern ungeschehen gemacht hätte. Auch finde ich das Argument valide, dass die ganzen Veränderungen in der Zeitlinie nicht zwangsläufig auf Barrys Handel zurückzuführen sind und man deshalb nachsichtig sein sollte.
Darn Gloomy
Wie heißt es gleich nochmal: „Shit happens.“ Es gibt immer wieder Drama und unschöne Dinge die eben passieren, das ist der Lauf des Lebens. Klar hat Barry (Grant Gustin) einen Fehler begangen, diesen hat er jedoch längst eingestanden. Vielleicht wäre es jetzt langsam an der Zeit, dass seine Freunde ihm etwas Verständnis entgegenbringen und ihm verzeihen, so sehr ich mir auch vorstellen kann, dass es für Cisco oder auch Diggle alles andere als einfach sein wird. Mit offenen Karten und Barrys unheilvoller Warnung aus der Zukunft, darf man nun gespannt sein, welche Konsequenzen Flashpoint noch haben könnte. Interessant ist, ob die jüngsten Ereignisse wirklich alle auf Barrys Taten zurückzuführen sind oder doch einen anderen Ursprung haben könnten. Die Invasion der Aliens kann ja eigentlich nicht seine Schuld sein, kreuzten diese doch bereits in den 1950er Jahren auf der Erde auf und sorgten damals schon für reichlich Ärger.
Casualties
Abseits des Kampfes gegen besagte Außerirdische, deren simple CGI-Animation für mich einen Hauch von trashigen B-Movie-Charme versprüht, wird außerdem eine Nebenhandlung aus The Flash fortgeführt. Wallys (Keiynan Lonsdale) Umgang mit seinen neuen Kräften und wie sich seine Freunde wünschen, dass er es etwas ruhiger angehen lässt. Tatsächlich ist Wally zwischendurch eine große Hilfe, seine Schwester Iris (Candice Patton) möchte dennoch, dass er sich aus dem Team-Up heraushält, da das alles noch sehr neu für ihn ist. Der Familienkonflikt um Iris, Wally und Joe (Jesse L. Martin) ist ein solider Plot am Rande der eigentlichen Hauptattraktion, so richtig holt man mich damit aber nicht hinter dem Ofen hervor.
Es gibt in dieser Folge schlichtweg spannendere Szenen zu begutachten, auch wenn Wallys Ärger über mangelnden Respekt, Iris Sorgen um ihren halsbrecherischen Bruder sowie HRs (Tom Cavanagh) versprochener Hilfe für Wally nicht komplett in all dem Alientrubel untergehen. Diesem kann zumindest kurzzeitig Einhalt geboten werden, als The Flash und The Green Arrow ihre Freunde von der Gedankenkontrolle der Dominators befreien können, nur um dann mit anzusehen, wie einige Mitglieder des Teams auf mysteriöse Art und Weise verschwinden, darunter auch Oliver. Was genau mit ihnen geschehen ist, erfahren wir im nächsten Teil des Crossover-Events „Humans V Aliens“, dass am heutigen Mittwoch in Arrow fortgesetzt wird.
Fazit
Der erste richtige Teil (sorry, Supergirl) des neusten Aufeinandertreffens aller aktuellen The CW-Superheldenserien, unterhält auf einem guten Niveau und zieht seine größte Stärke zweifellos aus den verschiedenen Charakteren und ihren Dynamiken untereinander. Invasion! (2) stellt sich als durchaus kurzweilige Episode mit flotter Action und ein paar sehr gelungenen Momentaufnahmen zwischen den Figuren dar. Die Einfachheit des Crossovers ist aber Fluch und Segen zugleich, wirkt die Handlung gelegentlich ein wenig zu simpel. Dadurch schleichen sich ein paar Ungereimtheiten ein, über die man hinwegsehen muss, um seinen Spaß mit „Humans V Aliens“ zu haben. Der ist aber definitiv geben, trotz einiger unübersehbarer Makel.
Trailer zu der „The Flash“-Episode 3x09 „The Present“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 30. November 2016The Flash 3x08 Trailer
(The Flash 3x08)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?