The Flash 3x07

Es scheint fast so, als wäre Kevin Smith einer der ersten Kandidaten, den man kontaktiert, wenn man in The Flash mal wieder vor einer emotionalen Mammutaufgabe steht. Bereits in der letzten Staffel führte der Tausendsassa bei der starken Episode The Runaway Dinosaur Regie, die extrem ans Herz ging und die Zuschauer auf eine Achterbahn der Gefühle schickte. In Killer Frost nimmt es nicht ganz dieses Ausmaß an, Smith beweist aber erneut ein feines Händchen dafür, sehr gefühlvolle, packende Darbietungen aus dem glänzend aufgelegten Cast herauszukitzeln.
Die Erzählung legt den Fokus derweil mehr auf die Charaktere, ihr emotionales Innenleben sowie die neue Instabilität und die Brüche innerhalb von Team Flash, die Barrys jüngstes Handeln nach sich gezogen hat. Der übergeordnete Plot um Alchemy und den in der letzten Woche eindrucksvoll eingeführten „God of Speed“ Savitar wird im Großen und Ganzen eher nebensächlich vorangetrieben. Eine richtige Entscheidung, wie sich zeigt, kann so doch erst die Darstellerriege groß auftrumpfen, die in zahlreichen tollen Charaktermomenten begeistern und fesseln kann. Ganz frei von Problemen ist aber auch diese Episode nicht, wie einige Situation zwischendurch sowie eine Enthüllung zum Ende von „Killer Frost“ zeigen. Doch dazu später mehr.
Beyond Human Understanding
Beschäftigen wir uns zunächst mit dem vorläufigen Höhepunkt des bisherigen Handlungsstranges um Caitlin (Danielle Panabaker) in der dritten Staffel von „The Flash“. Nach einigem Hin und Her bezüglich ihres „Killer-Frost-Dilemmas“ wurden in der letzten Episode die Karten offen auf den Tisch gelegt. Immer noch verunsichert, was ihr nächster Schritt sein sollte, ist sie zu Beginn der Folge schon fast dazu gezwungen, ihre Fähigkeiten einsetzen, um Barry (Grant Gustin) vor dem Schlimmsten zu bewahren. Savitar wischt mit unserem Helden nämlich ordentlich den Boden auf, bis Caitlin - die dank Ciscos (Carlos Valdes) Superkräfte am Ort des Geschehens ist - dem neuen Bösewicht kurzfristig auf Eis legen kann. Dummerweise weckt diese Aktion ein für alle Mal die frostige Schurkin Killer Frost in Caitlin, die kurzerhand auf eigene Faust nach einer Lösung für ihr Problem sucht.
Frostbite
Zugegeben, zunächst finde ich es schon ein wenig frustrierend, dass lange Zeit nicht klar ist, was Caitlin beziehungsweise Killer Frost eigentlich will, warum sie Alchemy sucht und dafür Julian (Tom Felton) entführt, der ihr bei der Suche nach dem Kapuzenträger behilflich sein soll. Ist dies aber erst einmal geklärt (Alchemy scheint auch die Fähigkeit zu besitzen, Metahumankräfte „entfernen“ zu können, was von einem seiner Anhänger bestätigt wird), kann man die Wissenschaftlerin in ihrem Handeln schon besser nachvollziehen. Berücksichtigt man dann noch, dass sie aufgrund ihrer weitaus aggressiveren Metahuman-Persönlichkeit ohnehin etwas wilder und unberechenbarer daherkommt, kann man ihr sprung- und wechselhaftes Verhalten durchaus verstehen.
All dies wird wiederum perfekt von Danielle Panabaker wiedergegeben, die für mich in der Vergangenheit oftmals als schwächstes Glied im Team Flash galt - zumeist, weil sie in ihrer Rolle nicht besonders viel zu tun bekam (der tragischer Handlungsbogen um ihren Gatten Ronnie als Ausnahme) und man sie am langen Arm verhungern ließ. Jetzt darf Panabaker endlich etwas auftrumpfen und hinterlässt gleich Eindruck: die beiden Seiten von Caitlins Persönlichkeit zu spielen, ist alles andere als einfach, die Meisterleistung besteht hier aber darin, dass man sich als Zuschauer oftmals nicht wirklich sicher ist, wer gerade in Kontrolle ist. Die durch und durch böse Killer Frost, Caitlin selbst, die irgendwie gegen ihre Veränderung ankämpft, oder aber eine Art Zwischending, eine unterdrückte, finstere Seite von ihr, die nun freigelegt wird.

Picking up the Pieces
Es ist eben nicht immer alles nur schwarz oder weiß, wie Barry zum Ende hin Julian predigt, dementsprechend kompliziert ist es auch, Caitlin zu lesen. Man könnte argumentieren, dass es Killer Frost ist, die bewusst provoziert und Barry offen Vorwürfe macht, an all den schrecklichen Vorkommnissen der jüngsten Zeit (ihre Wandlung oder auch der Tod von Ciscos Bruder) schuld zu sein. Das ist nun einmal die Art der Superschurkin. Auf der anderen Seite ist es aber auch vorstellbar, dass all diese Gedankengänge Caitlin schon für eine sehr lange Zeit begleiten, dass sie bisher kulant und verständnisvoll war, jetzt aber die Zeit gekommen ist, all ihrem Leid, Frust und Wut Ausdruck zu verleihen. Und wer mag es ihr verübeln: Barry hat mit fremden Menschenleben gespielt, weil er rücksichtslos seinem persönlichen Glück hinterherjagte. Die Konsequenzen muss nun jemand anderes ausbaden.
Es ist gut und richtig, dass unsere Hauptfigur etwas unter Beschuss gerät und die Dynamik innerhalb von Team Flash konfliktgeladener als je zuvor ist. Alles andere wäre nicht wirklich glaubwürdig. Es entsteht Reibung und zur Abwechslung herrscht mal nicht vorwiegend Sonnenschein. Getragen werden diese Entwicklungen von der starken Besetzung, in der neben Danielle Panabaker auch Carlos Valdes hervorsticht. Als Cisco erfährt, dass Barry direkt für den Tod seines Bruders verantwortlich sein könnte, kommt es zu einer sehr intensiven, packenden Szene zwischen den beiden, in der sowohl Valdes als auch Grant Gustin hervorragend spielen.
Broken
Gustin trifft ohnehin die neue Hilflosigkeit seiner Figur, um die herum vieles droht komplett in die Brüche zu gehen, sehr gut. Insgesamt ist es jedoch Panabaker, die sich in Killer Frost am eindrucksvollsten präsentiert und den Spagat zwischen angsteinflößenden, skrupellosen Metahuman und verwirrter, hilfloser Wissenschaftlerin hervorragend meistert. Ich persönlich empfinde es auch als äußerst angenehm, dass man die sehr comichafte Figurenzeichnung Killer Frosts aus vergangenen Episoden, etwas zurückschraubt und mehr auf Nuancen setzt. Das zieht die Darstellung des Charakters weniger ins überzeichnet Lächerliche und dient der Komplexität der Figur, die sich im inneren Konflikt mit sich selbst befindet.
What ifs, What nots
Weniger nuanciert erscheint mir leider der Auftritt von Iris (Candice Patton), die sich in einer Szene wiederfindet, die wir so schon etliche Male zuvor gesehen haben: Sie spricht dem von Selbstzweifel und Gewissensbissen geplagten Barry neuen Mut zu und erleichtert sein Gewissen. Das mag alles richtig und wichtig sein, vor allem für Barry, der Charakter Iris steckt aber irgendwie fest. Wobei man schon zugeben muss, dass sie nicht Unrecht hat, wenn sie Barry daran erinnert, dass seine Zeitreisen nicht zwangsläufig der Grund für die dramatischen Veränderungen in den Leben seiner Nächsten sein müssen. Barry (in klassischer Heldenmanier) sucht die Schuld immer wieder bei sich selbst. Aber wie kann er sich denn sicher sein, dass er der Ursprung allen Übels ist?
Abseits des Haupthandlungsstranges um Caitlin und den vielen sehenswerten Charaktermomenten, die sich in diesem finden lassen, beschäftigt das Team derweil auch der aktuelle Zustand von Wally (Keiynan Lonsdale), der sich nach dem Aufeinandertreffen mit Alchemy und Savitar in einem seltsamen Kokon befindet. Aus diesem will sein Vater Joe (Jesse L. Martin) ihn befreien, sein Handeln scheint jedoch etwas sehr impulsiv zu sein. Das liegt eventuell aber auch einfach daran, dass die Jungspunde um ihn herum nicht wirklich auf ihn hören, was für Joe frustrierend ist. Überraschenderweise findet der Ermittler aber in HR (Tom Cavanagh) einen verständnisvollen Fürsprecher, der sich immer besser im Team akklimatisiert, und mit guten Ideen sowie emotionalen Beistand glänzt.

Chill
Joes ungewohnt irrationales Verhalten kann etwas störend sein, zum Beispiel, wie er einen Verdächtigen einfach Caitlin überlässt oder aber selbst handanlegt und Wally aus seinem Gefängnis befreien will, ohne zu wissen, was er eigentlich tut. Diese Impulsivität und innere Unruhe sei dem sorgevollen Vater aber verziehen, und letztlich trügt ihn sein Bauchgefühl auch nicht wirklich. Als charmante Momentaufnahme bleibt das Vieraugengespräch zwischen Joe und HR in Erinnerung, in dem die beiden „Oldies“ (nicht abwertend gemeint!) etwas Zeit miteinander verbringen und Tom Cavanagh und Jesse L. Martin ihre gute Chemie zueinander beweisen.
Apropos Chemie: Caitlins Fachwissen als Biochemikerin ist es letztendlich auch, das dabei hilft, Wally ein Stück weit zu normalisieren (oder anders gesagt: synchronisieren), nachdem er auch zu einem Speedster geworden ist. Diesen Szenen geht aber noch ein weiterer sehr spannender, intensiver Moment voran, als Barry sich todesmutig Caitlin stellt und diese folglich mit sich selbst kämpft, ob sie eine eiskalte Killerin ist oder eben nicht. Letzten Endes kann sie ihre finstere Metahuman-Seite unterdrücken und in die Schranken weisen, bevor sie ein für alle Mal auf die dunkle Seite wechselt. Eine permanente Lösung gibt es aber noch nicht, wie die besonderen Handschellen zeigen, die ihre Kräfte unterdrücken und Caitlin am Ende der Folge trägt.
Over the Edge
Das Problem bleibt bestehen und wird uns und die Protagonisten noch weiter beschäftigen, ebenso wie der anhaltende Konflikt zwischen Barry und Cisco. Angeblich wird Caitlin in der Zukunft als Killer Frost eine wichtige Rolle in den Plänen Savitars übernehmen, vielleicht findet Team Flash aber auch eine Möglichkeit, dass sie ihre Superkräfte kontrollieren kann, ohne von diesen korrumpiert zu werden. Bevor sich die Beteiligten aber darum kümmern können, die Wogen zu glätten, muss Barry erst einmal den angeschlagenen Julian davon überzeugen, Caitlin nicht zu verraten. Doch dies kommt mit einem hohen Preis: Barry soll seinen Job kündigen und das CSI-Labor beim Central City Police Department den Rücken kehren.
The Dark Lord
Interessanterweise ist diese Forderung Julians aber nicht darauf zurückzuführen, dass er Barry eins auswischen will. Vielmehr sieht der Metahuman-Experte einen charakterlichen Makel in Barry, der ihn für den Posten als Forensiker und Gesetzeshüter unpassend macht: Barry ist zu emotional, zu befangen, um die Gerechtigkeit aufrecht zu erhalten. Und wenn man kurz überlegt, dann trifft Julian den Nagel auf den Kopf, zeichnet Barry doch eine Art Doppelmoral aus, vor allem in seiner Rolle als Superheld. Es bleibt abzuwarten, wohin es Barry als nächstes verschlagen wird. Eine kleine visuelle Referenz am Anfang der Serie, als Barry in seinem Labor zum Flash wurde, stellt auf jeden Fall eine charmante Idee zum Abschluss dar.
Die mehr oder minder große Überraschung der Episode folgt aber erst ganz zum Ende, als sich zeigt, dass Julian tatsächlich Alchemy ist und abermals von Savitar gelockt wird, ihm als Lakai zu dienen. Diese Entwicklung war ziemlich vorhersehbar und ich hätte eigentlich gedacht, dass man einen nicht ganz so furchtbar offensichtlichen Weg wählen würde. Eine Hoffnung besteht aber noch: Es scheint nämlich fast so, als würde es Julian gar nicht wollen, für Savitar erneut zu Alchemy zu werden. Ist er eventuell wie Caitlin auch eine gespaltene Persönlichkeit im Kampf mit sich selbst? Es ist eben nicht immer alles schwarz oder weiß. Gut denkbar, dass sich auch Julian in einer Art Grauzone befindet, von der wir noch nichts wissen.
Fazit
Killer Frost überzeugt allen voran dank der sehr überzeugenden Leistungen der Darstellerriege sowie vieler emotionaler Höhepunkte, die über die gesamte Episode verteilt sind. Während Kevin Smith mal wieder das richtige Gespür für starke Szenen zwischen den verschiedenen Charakteren beweist (und mit Greg Grunberg als Detective erneut einen guten Freund seinerseits unterbringt), sagt mir insbesondere das neue Konfliktpotential innerhalb von Team Flash zu. Die indirekten Konsequenzen des Flashpoint-Ereignissen kommen mehr und mehr zum Tragen, was die Figuren in einem neuen Licht zeigt. Über ein paar kleinere Probleme zwischendurch kann ich so gut hinüberwegsehen, auch wenn die Enthüllung bezüglich Alchemy mich ziemlich kalt lässt. Vielleicht lässt man sich hier aber noch einen interessanten Twist einfallen.
Trailer zum großen Crossover-Event der DC-Superheldenserie auf The CW:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 23. November 2016The Flash 3x07 Trailer
(The Flash 3x07)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x07
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