The Flash 3x06

Die The Flash-Episode Shade stellt für mich eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu den Folgen aus den Wochen zuvor dar. Ja, es lassen sich nach wie vor ein paar Probleme ausmachen, die durchaus nervig sein können, siehe die Wiederholung und das Ausreizen von altbekannten Handlungsabläufen, das Verhalten mancher Charaktere oder furchtbar unwichtige und irrelevante Nebenhandlungsstränge. Insgesamt machen die Verantwortlichen hier jedoch in vielerlei Hinsicht kleine Schritte in die richtige Richtung, um mich wieder etwas mehr in ihre Geschichte zu involvieren.
Gleichzeitig trumpft man mit der bisher am stimmungsvollsten und packensten inszenierten Episode der neuen Staffel auf, zumindest mit Blick auf das aufregende Finale von „Shade“. Und auch an der Charakterfront scheint man sich langsam etwas einzugrooven. Das zeigt sich vor allem in vielen Szenen, in denen unsere Protagonisten endlich mal wieder das Gespräch miteinander suchen (dürfen!) und nicht um der künstlich erzeugten Spannung willen, mit wichtigen Informationen für alle Beteiligten hinterm Berg halten. So entstehen eine Hand voll klassischer, gut gespielter Charaktermomente, für die man die Mitglieder des Team Flash und die Darstellerriege, seit mehr als zwei Staffeln zu schätzen weiß.
Turning Evil
In der vorangegangenen Episode Monster sah ich es noch als großes Problem, wie Caitlin (Danielle Panabaker) mit ihren eisigen Fähigkeiten umgeht und ihre Nächsten nicht davon in Kenntnis setzt. Jetzt rudere ich gerne etwas zurück, denn es überraschen mich die Autoren doch noch damit, dass dem drohenden Hickhack um Caitlins potentielles Metahuman-Dasein etwas der Riegel vorgeschoben wird. Vorbei ist es mit der Geheimniskrämerei, und das ist gut so! Caitlin muss selbst erst einsehen, dass die Wahrheit der einzig richtige Weg ist und ich kann verstehen, dass sie sich von Cisco (Carlos Valdes), dem sie sich zuvor anvertraut hatte, „hintergangen“ fühlt. Aber wenn ihr jemand dabei helfen kann, die Wandlung zur mörderischen Killer Frost zu verhindern, dann sind es ihre Freunde von Team Flash. Wobei Ciscos Vision von der Zukunft natürlich auch ihn als Bösewicht zeigen könnte, der Killer Frost angreift, welche sich wiederum nur zur Wehr setzt...
Ticking Time Bomb
Caitlin ist nur eines von vielen anderen Beispielen in „Shade“, das zeigt, dass „The Flash“ doch nicht unnötig dramatisch und kompliziert sein muss, was oft zur Folge hat, dass sich die Figuren nicht so verhalten, wie wir es von ihnen erwarten. Endlich wird mal wieder Klartext gesprochen, so zum Beispiel auch zwischen Wally (Keiynan Lonsdale), seinem Vater Joe (Jesse L. Martin) und Barry (Grant Gustin). Wallys Frust, nach wie vor nicht wie ein gleichwertiges, erwachsenes Teammitglied behandelt zu werden (so sieht er es zumindest), ist verständlich. Joe sorgt sich vielleicht wirklich zu viel um seinen verlorenen und wiedergekehrten Sohn, während Barry trotz all seiner Verfehlungen - und die Liste ist lang - Narrenfreiheit besitzt.
Wenn sich Wally nun die Möglichkeit bietet, sich den anderen zu beweisen und selbst Superkräfte zu erhalten, dann kann ich seine Beweggründe nachvollziehen. An Barrys Stelle hätte ich Wally und alle anderen schon viel früher über Wallys Leben als Kid Flash in der Flashpoint-Zeitlinie berichtet. Immerhin muss sich unserem Helden doch bewusst gewesen sein, dass Wally dadurch gefährdet ist und von Alchemy attackiert werden könnte. So hätte man früher auf das reagieren können, was sich nun ereignet: Die Versuche Alchemys, Wally von seiner wahren Bestimmung zu überzeugen, was mit Sicherheit unschöne Folgen nach sich ziehen würde.

Neverland
Aber gut, die große Enthüllung um Wally, dessen Träume in einer anderen, ausgelöschten Realität verankert sind, kommt für alle Beteiligten erst jetzt, passend zur Alchemys nächsten Großoffensive. Zu der gehört übrigens der titelgebende Shade, ein weiterer Metahuman aus Alchemys Gruselkabinett, den man jedoch getrost ignorieren kann. Shade ist nichts mehr, als eine Ablenkung für The Flash, damit Alchemy, den aus Sicherheitsgründen weggesperrten Wally, verführen kann und genau mit dieser Aufmerksamkeit widmen man sich auch dem Schattenmonster. Shade an sich ist von seinen Fähigkeiten her eigentlich kein uninteressanter Metahuman, letztlich aber herzlich egal und schnell wieder vergessen. Das ist in dieser Folge aber nicht weiter wild, da die Charaktere und der übergeordnete Handlungsstrang um Alchemys Machenschaften viel interessanter sind.
Den Antagonisten baut man erneut sehr solide auf und generiert zwischendurch immer wieder ein paar spannende Momente. So gibt es mit Sicherheit einige Fragen, zum Beispiel wo sich eigentlich Julian (Tom Felton) rumtreibt, als es ans Eingemachte geht und die Jagd nach Alchemy eröffnet wird. Hier versucht man recht offensichtlich einen unschönen Verdacht zu nähren, dass Barrys Kollege (beide scheinen während der Arbeit nun etwas besser miteinander klarzukommen) eventuell der Kapuzenfiesling sein könnte. Ehrlich zugegeben wäre das aber doch etwas zu einfach und nicht besonders originell, was auch die Macher wissen dürften. Also sollte man bezüglich Alchemys eigentlicher Identität lieber noch etwas abwarten, bevor man mit dem Rätselraten und Theoretisieren beginnt.
On Edge
Bevor es zum großen Finale der Episode kommt, auf das stark hingearbeitet wird und bei dem ich mich mal wieder seit etwas Längerem in The Flash sehr gepackt gefühlt habe, spendiert man den verschiedenen Charakteren noch etwas Raum zur Entfaltung. Dies gefällt mir wiederum weitaus besser, als es noch zuvor der Fall gewesen ist. Joe gönnt man schlichtweg etwas Abwechslung und Glück in der Liebe mit der Staatsanwältin Cecile Horton (es hatte sich ja in den Vorwochen bereits angebahnt), auch wenn dem Ermittler vom schrecklich charmanten HR (Tom Cavanagh) bei einer Filmvorführung etwas die Show gestohlen wird.
Disguise
Der Neuling von Earth-19, wo es nebenbei bemerkt, anscheinend eine ganze Menge an hochintelligenten Gorillas gibt, fügt sich derweil besser ins Team Flash ein, was auch auf den etwas anderen Harrison-Wells-Charakter per se zutrifft. Seine Quirlig- und Andersartigkeit im Vergleich zu den vorangegangenen Versionen des Wissenschaftlers ist immer noch etwas gewöhnungsbedürftig, unterhaltsam ist HR diese Woche aber allemal. Äußerst praktisch ist natürlich seine kleine Zaubergerätschaft, mit der er das bei der Bevölkerung von Central City verhasste Gesicht der Mörders Harrison Wells verbergen kann. Und umso praktischer ist es, dass er per Knopfdruck für Team Flash HR bleibt und nur in den Augen Außenstehender seine Visage in die seines ehemaligen Arbeitspartners von Earth-19 verwandelt. Es wäre ja auch zu schade, wenn Tom Cavanagh uns nicht erhalten bleiben würde.
All diese Spielereien sind zwar nicht weltbewegend, aber dennoch charmant, und die neuartige Dynamik zwischen HR und Cisco blüht tatsächlich etwas auf, auch wenn sicherlich noch nicht jeder gänzlich mit dieser Veränderung zurechtkommt. Die starken Szenen zwischen Cisco und Caitlin habe ich bereits erwähnt, und auch Grant Gustin teilt eine gute Momentaufnahme mit Danielle Panabaker, bei der er erneut seine Schuld an dem ganzen Schlamassel zugibt - und ich nicht richtig weiß, wie man Caitlins Blick am Ende deuten soll, die es Barry sehr übel nehmen könnte, was sein rücksichtsloses Manipulieren der Zeitlinie angerichtet hat.

Bystander
Etwas wiederholend und unnötig erscheint mir auf der anderen Seite Iris' (Candice Patton) Ausführungen zu ihrer scheinbar unbedeutenden Rolle im Team Flash, da sie ebenfalls über keine Superkräfte oder besonderes Wissen verfügt, mit dem sie die Gruppe bereichern kann. Wallys Konflikt dieser Art reicht mir für die Episode. Dass die schlagfertige Iris jetzt auch noch Zweifel bekommt, die ihr Barry sogleich wieder ausreden will, braucht es meiner Meinung nach gar nicht wirklich. Auch wenn ich verstehen kann, dass jeder seine Rolle im Team Flash irgendwann hinterfragt und vielleicht zur Abwechslung auch einen etwas aktiveren Posten übernehmen möchte.
Kommen wir aber zum Prunkstück von Shade, dem Episodenabschluss um Wally und Alchemy. Über ersteren wollen Joe, The Flash und ein Einsatzteam dem maskierten Oberschurken eine Falle stellen, was durchaus riskant ist, aber aufgrund mangelnder Alternativen die einzig wahre Option darstellt. Tatsächlich geht der Plan auch auf und Alchemy sowie die drei verbliebenden seiner sechs Metahuman-Diener (davon gehe ich jetzt einfach mal aus) können gestellt werden. Einen düsterer Oneliner des gefassten Kultanführers später, wendet sich das Blatt jedoch zu seinen Gunsten: Nicht nur, dass plötzlich Savitar, der „Gott der Geschwindigkeit“ gnadenlos aufräumt und ein Bild der Verwüstung hinterlässt. Wally erliegt auch noch dem Reiz seines eigenen Schicksals und gibt sich Alchemys Verführung hin.
The God of Speed
Zunächst einmal funktioniert die Inszenierung der finalen Szenen ausgesprochen gut für mich und zieht mich voll und ganz in ihren Bann. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle die hervorragende musikalische Untermalung, die perfekt zu der sektenähnlichen Szenerie um den mysteriösen Alchemy passt. Der Auftritt von Savitar (den in dieser Szene anscheinend nur Barry sehen kann) markiert den Höhepunkt des Geschehens. Und ja, auch wenn ich nicht müde werde zu erwähnen, dass es mir langsam mit den ganzen Speedstern als Widersacher reicht, die einprägsame Einführung von Savitar sagt mir zu und erinnert ein Stück weit an die Brutalität Zooms in der zweiten Staffel, der ähnlich kaltherzig und präzise vorgegangen ist.
Doch so stark und effektiv diese Momentaufnahme von Savitar ist, vollends zufrieden stimmt sie mich nicht. Der Grund ist einfach: Zoom. Die Parallelen, die ich gerade ja schon gezogen habe, sind zu offensichtlich und so entsteht ein klein wenig der Eindruck, dass sich The Flash zu wiederholen droht. Wir kennen all das schon, und so fehlt dem Ganzen etwas die Frische. Ich hoffe, dass Alchemy noch zum entscheidenden Zünglein an der Waage wird und die Handlung etwas andersartige gestaltet, als es eine Geschichte einzig und allein um Savitar, sein dürfte. Ein zutiefst böser, skrupelloser, scheinbar übermächtiger Speedster, auf dessen Level Barry erst einmal kommen muss, um ihm Einhalt zu gebieten? Das kommt wahrscheinlich nicht nur mir sehr bekannt vor.
Fazit
Shade leitet zwar keine Trendwende auf ganzer Linie in der dritten Staffel von The Flash ein, die aktuelle Formkurve zeigt aber wieder etwas nach oben. Eine große Stärke stellt in dieser Woche die gekonnte und mitunter extrem spannungsgeladene Inszenierung der Folge dar, gleichzeitig kommt auch die Dynamik unter den verschiedenen Charakteren wieder etwas besser ins Rollen. Zwar lassen sich erneut auch ein paar Kritikpunkte finden und für die Zukunft müssen die Macher Acht geben, sich nicht zu sehr zu wiederholen und selbst zu kopieren. Für den Moment ist „Shade“ aber mal wieder eine durchaus kurzweilige „The Flash“-Episode, die Lust auf mehr macht und ein paar interessante Fragen aufwirft, so zum Beispiel bezüglich Wally und dem eigenartigen Kokon, in den er letzten Endes eingeschlossen wird.
Trailer zu „The Flash“-Episode 3x07 „Killer Frost“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 16. November 2016The Flash 3x06 Trailer
(The Flash 3x06)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?