The Flash 3x05

Es mag in der neuen Staffel von The Flash für den schnellsten Mann der Welt einfach noch nicht rund laufen. Nach einem ordentlichen, mitunter viel versprechenden Start stellt sich nach der meiner Meinung nach leicht enttäuschenden letzten Folge The New Rogues in der neuesten Episode Monster nur bedingt Besserung ein. Während man ein paar der fragwürdigen Entscheidungen der Charaktere aus der vorangegangen Woche begradigen will, treibt man gleichzeitig das persönliche Drama einiger Figuren vorwärts. Dies hat gemischte Ergebnisse zur Folge und wirft nebenbei eine ganze Menge Fragen auf, warum unsere Protagonisten das tun, was sie tun.
Beginnen wir mit dem neuen Mitglied im Team Flash, Harrison Wells von Earth-19 oder kurz H.R. (Tom Cavanagh), wie er vorzugsweise genannt werden möchte. In „The New Rogues“ war es für mich unverständlich, wie man ihn einfach so in den erlauchten Kreis um The Flash integrieren konnte, ohne wirklich zu wissen, wer er eigentlich ist. Anstatt etwas gesundes Misstrauen und allgemeine Vorsicht von Seiten des Teams gegenüber H.R. direkt nach seiner Ankunft anzudeuten, zeigen sich die arrivierten Charaktere erst jetzt in „Monster“ etwas skeptischer. So angetan diese zunächst von H.R. waren, so misstrauisch ist zum Beispiel nun San Francisco aka Cisco (Carlos Valdes) mit Blick auf den Neuling, der definitiv etwas zu verbergen hat.
Step back
Warum sich Barry, Cisco, Caitlin und Co. nicht gleich vorsichtiger verhalten haben, erschließt sich mir nicht wirklich. Es mag zwar für die Struktur der aktuellen Folge einen Sinn ergeben, dass sich die Charaktere erst jetzt ausführlicher mit H.R. beschäftigen, rein rational betrachet würde man jedoch ein clevereres Vorgehen erwarten. Aber gut, man setzt die Lupe mit etwas Verspätung an und widmet sich jetzt dem geheimnisumwobenen H.R., der, wie sich herausstellt, mehr Hochstapler als wissenschaftliches Genie ist. Er verdingt sich in Wirklichkeit als das Gesicht der S.T.A.R. Labs in seiner Heimatwelt und versteht sich als eine Art Muse, die andere Menschen auf die richtigen Ideen bringt. Ganz nebenbei ist er auch ein Schriftsteller (H.R. Wells, ein offensichtlicher Fingerzeig in Richtung des bekannten Autors H. G. Wells), der in seiner Reise nach Earth-1 das Potential für einen fantastischen Roman sieht. („The Timeline Machine“ vielleicht?)
Odd duck
Erneut liefert uns Tom Cavanagh eine durchaus kurzweilige Darbietung als energiegeladener, eigenwilliger Showman, der letztlich um eine faire Chance bittet sich beweisen zu dürfen und zu zeigen, dass er für Team Flash von großer Hilfe sein kann. Gleichzeitig muss ich aber auch zugeben, dass nicht jede der vielen zwischenmenschlichen Szenen zwischen H.R. und Team Flash funktionieren. Das mag zum einen daran liegen, dass sich das ganze Hickhack um die wahren Absichten von H.R. und ob ihm das Team vertrauen kann oder nicht sehr konstruiert und unnötig kompliziert anfühlt. Zum anderen läuft der Humor gelegentlich etwas ins Leere, hier und da bekommt man sogar den Eindruck, dass es insgesamt dann vielleicht doch zu viel Klamauk ist.
So unterhaltsam manche Eigenheit von H.R. (siehe sein Vokabular und der Gebrauch von seltsamen Floskeln) auch ist, die Serienmacher treiben es hier beinahe zu sehr auf die Spitze. Letzten Endes haben wir diesen neuen Charakter zwar etwas besser kennengelernt, vollends zufrienden bin ich aber nicht, da ich nicht umhinkomme das Gefühl zu haben, dass all dies weniger verzwickt und eleganter hätte aufgebaut sein können. Inwiefern H.R. das Team, welches ihm nun erst einmal einen Vertrauensvorschuss entgegenbringt, auf lange Sicht wirklich bereichern kann, ist ebenfalls unklar.

Stop that thing
Im Kampf gegen eine eher außergewöhnliche Bedrohung der Woche vermag H.R. zwar nicht direkt behilflich zu sein, aber immerhin ist er der Stein des Anstoßes, um das Team auf die richtige Fährte zu führen. The Flash und seine Nächsten müssen sich nämlich um ein gewaltiges Monster kümmern, das urplötzlich Central City heimsucht. Grundsätzlich gefällt mir die Idee, weil sie herrlich absurd und definitiv einmal etwas anderes ist. Andererseits kann ich mich auch nicht komplett von ein paar kritischen Fragen freimachen, die mir bezüglich dieses Handlungsstranges durch den Kopf schießen.
Was ich zum Beispiel nicht so recht verstehen kann ist, wie „normal“ dieser Angriff der monströsen Kreatur für die meisten der Betroffenen erscheint. Natürlich hat man es vorher schon mit den unterschiedlichsten, gefährlichsten Metahumans zu tun bekommen. Aber ein hochhausgroßes Monster, das durch die Straßen der Stadt zieht? Da fehlt mir schon ein wenig die Fassungslosigkeit einiger Charaktere sowie zumindest ein kleines bisschen Panik bei der Bevölkerung, denn so etwas sieht man in der Tat nicht alle Tage. Hinsichtlich der Wendung, dass es sich bei dem echsenartigen Ungetüm um ein Hologramm handelt, bin ich mir ebenfalls nicht sicher, was ich davon halten soll; es ist ein Stück weit erfrischend, dass es einmal kein Metahuman ist, der hier für Ärger sorgt. Die Motivation des Übeltäters - ein Teenager, der in der Schule drangsaliert wird und es allen zeigen wollte - wird indes in einem flotten Nebensatz („Papa“ Joe dient mit väterlichem Rat) geklärt.
Golden boy
Die „Monster of the Week“-Geschichte (diese Woche im wahrsten Sinne) ist im Grunde genommen nur ein sehr einfaches Vehikel für einen der drei zentralen Handlungsstränge dieser Folge, was an und für sich ja akzeptabel wäre, wenn die Querverbindung nicht so weit herbeigeholt wäre. Am Ende zieht der zu einer neuen Erkenntnis gekommende Julian (Tom Felton) nämlich eine furchtbar einfache Parallele zu dem jungen Unruhestifter, den der Metahuman-Experte fast erschossen hätte. Erneut frage ich mich, ob es diesen monströsen Unterbau wirklich gebraucht hätte, um Julians Charakter ein wenig für uns offenzulegen und zu zeigen, was sich sonst noch so unter der fiesen, Kollegen verpetzenden Schale verbirgt.
Powerless
Diese Zusammenführung der Monstergeschichte und einer Art Aussprache zwischen Barry (Grant Gustin) und Julian erscheint mir doch ein wenig zu holprig und - auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen - unnötig verkopft. Inhaltlich sagt mir die neue Seite von Tom Feltons Charakter aber durchaus zu. Bisher haben wir nur eine sehr grantige, Barry gegenüber eher unfaire Facette Julians gesehen. Der Zeitpunkt erscheint mir nun richtig, ein wenig zu erläutern, warum der talentierte Wissenschaftler so tickt wie er tickt, weshalb er eine Abneigung gegenüber Metahumans hat und welche (familiären) Umstände ihn zu dem Menschen gemacht haben, der er heute ist.
Das macht es auch für Barry einfacher, seinen Kollegen zu verstehen und an dem Verhältnis zwischen den beiden zu arbeiten. Dabei ist es durchaus interessant, dass Julians Hass gegenüber Metahumans daher rührt, dass die meisten von ihnen ihre besonderen Talente verschwenden und für niedere Taten einsetzen. Hätte er selbst übernatürliche Kräfte, würde er Gutes mit diesen vollbringen. Man möchte meinen, dass er deshalb zumindest The Flash wertschätzt, der als Held seine Fähigkeiten sinnvoll einsetzt. Doch hier zeigt sich wiederum für Julian das Problem, dass sich die Präsenz des Speedsters negativ auf seinesgleichen bei der örtlichen Polizei auswirkt, die zu abhängig von dem Superhelden und dementsprechend faul sowie inaktiv geworden sind. Für Julian, jemand, der stets die Kontrolle haben will und sich nicht machtlos fühlen möchte, ein Unding.

Being cold
Während Grant Gustin in diesen Szenen ausnahmsweise mal nicht Schwerstarbeit verrichten muss, wird Tom Felton diese Aufgabe zuteil, die er wiederum bravourös meistert. Von dieser kleinen Aussprache kann die Dynamik der beiden Figuren nur profitieren, und ich für meinen Teil freue mich schon ein wenig, wenn das Duo erneut in gemeinsamen Szenen auftreten wird.
Zwar nicht mit immens großer Vorfreude, aber dafür mit Spannung habe ich in den bisherigen Folgen der dritten Staffel derweil das Geschehen um Caitlin verfolgt, bei der sich in letzter Zeit frostige Metahuman-Kräfte bemerkbar gemacht haben. Nun bekommt der Charakter von Danielle Panabaker etwas mehr zu tun als zuvor, dreht sich der dritte zentrale Handlungsstrang in Monster doch um die junge Wissenschaftlerin beziehungsweise ein Monster in spe, um die offensichtliche Verbindung zum Episodentitel zu machen.
Caitlin sucht hier ihre Mutter auf, die renommierte Ärztin Dr. Carla Tannhauser (Susan Walters), mit der sie eine eher unterkühlte Mutter-Tochter-Beziehung führt. Um als Zuschauer in dieses konfliktgeladene Verhältnis zwischen den beiden Frauen richtig eintauchen zu können, fehlt mir persönlich aber leider etwas das Hintergrundwissen, das man wiederum relativ schnell nachschiebt (tragischer Tod von Caitlins Vater, sie wollte ihren eigenen Weg gehen etc.). Diese Facette von Caitlin war mir bisher aber nicht bekannt, und so fühlt sich das Wiedersehen mit ihrer Mutter (passenderweise eine Expertin, die Caitlin eventuell helfen könnte) sehr plötzlich und für den Plot etwas zu zweckmäßig an.
Momentary fix
Ohnehin frage ich mich, warum Caitlin so ein großes Geheimnis um ihre unerwarteten Fähigkeiten macht. Natürlich muss es so sein, damit man später eine dramatische Enthüllung vor den Augen von Team Flash haben kann. Aber der Charakter Caitlin dürfte doch so clever sein zu wissen, dass ihre Freunde ihr sofort helfen würden, dass sie mit ihrem Geheimnis bei ihnen sicher ist. Das mag sich vielleicht etwas kleinlich anhören und ich verstehe ja, dass die Serienmacher an einem Spannungsbogen interessiert sind. Aber auch in diesem Fall fällt es mir nicht ganz leicht, nachzuvollziehen, warum Caitlin diesen Weg der Geheimniskrämerei einschlägt.
So interessant und spannend man meiner Ansicht nach Caitlins Dilemma bis hierhin aufgebaut hat, so unzufrieden bin ich jetzt mit diesem neuen Schritt, bei dem man sinnvolles Charakterverhalten für einen plumpen Spannungseffekt opfert. Zumindest dürfte es nicht mehr allzu lange dauern, bis Caitlins Kräfte öffentlich werden, denn mit jedem Einsatz ihrer eiskalten Gabe übernimmt das boshafte Metahuman-Ich in ihr. Alchemy scheint bezüglich Caitlins Wandlung derweil nicht wirklich seine Finger mit im Spiel zu haben (eine Vermutung, die ich persönlich in Betracht gezogen habe, immerhin ist das Ausmaß seiner Fähigkeiten noch nicht wirklich geklärt), geht Caitlin doch selbst davon aus, dass die Explosion des Teilchenbeschleunigers für den ganzen Schlamassel verantwortlich ist. Auf konkretere Antworten müssen wir wohl noch etwas warten.
Fazit
Es ist ein wenig Sand im The Flash-Getriebe, gestaltet sich doch auch Monster nicht ganz so rund und geschmeidig wie man es von dem Superheldendrama eigentlich gewohnt ist. Während man in fast jedem Erzählstrang das eine oder andere Problem ausfindig machen kann, störe ich mich derzeit wohl am meisten daran, dass viele Entscheidungen unserer Protagonisten nicht ganz schlüssig sind und vieles einfacher gehen könnte, als es hier dargestellt wird. Dahinter stecken zwar Kalkül und Absicht der Serienmacher, um die Handlung am Laufen zu halten, dies könnte für meinen Geschmack aber gerne wieder geradliniger getan werden. Ein besonderer Lichtblick der Episode ist derweil ohne Frage Tom Felton und die Entwicklung um seinen Charakter in der Serie. Dadurch kann man über so manchen Makel, wenn auch nicht jeden, hinwegsehen.
Trailer zu „The Flash“-Episode 3x06 „Shade“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 2. November 2016The Flash 3x05 Trailer
(The Flash 3x05)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?