The Flash 3x04

Nach drei Episoden in der gerade erst gestarteten dritten Staffel von The Flash lassen die Serienmacher ihre Geschichte um den vermeintlichen Hauptbösewicht Dr. Alchemy in der neuen Episode The New Rogues erst einmal ein wenig ruhen und befassen sich hingegen mit einem guten, alten Metahuman-Fall der Woche. Ursprung allen Übels ist ganz klassisch die Explosion des Teilchenbeschleunigers der S.T.A.R. Labs vor ungefähr drei Jahren, der zwei widerspenstigen Mitgliedern einer ehemaligen Verbrechenbande von Leonard Snart aka Captain Cold (Wentworth Miller) mit außergewöhnlichen Fähigkeiten versehen hat.
Nun ist die Zeit der Rache endlich gekommen und Team Flash stellt sich den „neuen Rogues“, Mirror Master und Top, zwei durchaus bekannte Namen aus den DC-Comics, die auch hier schon Teil der illustren Schurkenverbindung waren beziehungsweise sind. Neben der Metahuman-Bedrohung tut sich erneut einiges innerhalb des Teamgebildes um unseren Helden The Flash (Grant Gustin). Unangenehmer Beziehungstress, personelle Veränderungen, wichtige Lernprozesse und eine ganze Reihe an peinlichen sozialen Interaktionen pflastern den Weg, den die Autoren hier einschlagen - wodurch man sich aber leider ein Stück weit ins eigene Knie schießt.
Stuck
Wie so oft präsentiert man uns ein ganze Hand voll charmanter Szenen, die uns immer wieder zum Schmunzeln bringen und von der ursympathischen Darstellerriege profitieren. Das Problem: In „The New Rogues“ nehmen die zwischenmenschlichen Charaktermomente fast schon zu sehr überhand, sodass alles andere in dieser Folge extrem stiefmütterlich und spürbar zweitrangig behandelt wird. Wenn Barry zwischendurch allein vor der Schaltzentrale in den S.T.A.R. Labs sitzend feststellt, dass er ja der einzige ist, der sich hier um die wirklichen Probleme (die neuen Superschurken) kümmert, dann ist das fast schon ein wenig symptomatisch für die gesamte Episode, die uns alles in allem zu oft mehr vom Gleichen als etwas Neues gibt.
Power and precision
Der Handlungsstrang um Mirror Master und Top - zwei Figuren aus den Comics, mit denen man aufgrund ihrer reichen Historie als Rogues in der Serie einen Handlungsbogen über mehrere Episoden hätte aufbauen können - verkommt so zu oft zu einer beiläufigen Nebengeschichte, für die sich nicht mal einige unserer Charaktere zu interessieren scheinen. Warum also als Zuschauer gespannt am Ball bleiben, wenn Metahuman-Bonnie und Clyde für etwas Ärger sorgen, aber man gar nicht richtig das Gefühl hat, dass dies zwei vollwertige Charaktere sind, die man ernst nehmen sollte?
Die letzte Episode (Magenta) hat gezeigt, dass „The Flash“ sich durchaus auf seine Figuren und ihre persönlichen Beziehungen zueinander als Antrieb für eine gesamte Folge verlassen kann. Hier überspannt man den Bogen wiederum fast, was auch daran liegt, dass sich viele Probleme gleich anfühlen und es einem so vorkommt, als wäre man schon einmal genau an dieser Stelle gewesen. Als Wally (Keiynan Lonsdale) zum Beispiel Jesse (Violett Beane) Mut zuspricht und predigt, sie solle auf sich selbst vertrauen und sich nicht entmutigen lassen, dann mag das so schon stimmen. Was für Jesse eine wertvolle Lektion ist, stellt sich für uns aber als ein alter Hut dar. Natürlich muss gezeigt werden, wie Jesse nun ihre Entwicklung zur Superheldin Jesse Quick durchläuft. Gibt es dafür aber keinen weniger abgedroscheneren Weg ohne all die altbekannten, wiedergekäuten Phrasen?

Do what you got to do
Hinsichtlich der frischen Beziehung zwischen Barry und Iris (Candice Patton) treibt man es indes ebenfalls fast auf die Spitze mit unangenehmen Situationen und Momenten der Fremdscham. Auch hier kann ich Verständnis aufbringen, dass die junge Liebe der beiden noch ganz am Anfang steht, dass noch lange nicht alles rund verläuft und gerade in dem besonderen Familienkonstrukt um Joe (Jesse L. Martin), Iris und Barry alles etwas komplizierter ist. Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Verantwortlichen das Ganze etwas herunterfahren und dosierter angehen könnten.
Letzten Endes ist das alles aufgrund des Flashpoint-Ereignisses ja irgendwie auch neu für die Charaktere. Als Beobachter erwische ich mich jedoch in The New Rogues ehrlich zugegeben aber ein paar Mal dabei, wie ich gerne ein bisschen vorspulen würde, weil man sich ja eh schon denken kann (oder weiß), was als nächstes passiert. Letzte Woche habe ich noch gelobt, dass man Barry und Iris die Zeit für Emotionen und ehrliche Aussprache gibt, damit sich eine neue, andersartige, weil viel tiefergreifende Beziehung zwischen ihnen entwickeln kann. In „Magenta“ fühlten sich diese Momente aber weitaus natürlicher und organischer als hier in „The New Rogues“ an, wo einige Szenen fast schon unnötig erscheinen.
Trapped
Vielleicht ist es aber auch das Übermaß an Brennpunkten, das hier seinen Tribut einfordert. So sehen wir nämlich zum Beispiel auch, dass Jesse ihre ersten Schritte als Speedster macht und dabei noch einiges zu lernen hat, während sie gleichzeitig mehr und mehr mit Wally anbandelt. Diese junge Liebe steht aber vor der großen Herausforderung, auch dann noch Bestand zu haben, wenn Jesse wieder zurück auf Earth-2 ist. Nach etwas Hin und Her gibt sich das Duo letztlich einen Ruck, was ja ganz charmant und nett ist, aber mich persönlich nicht wirklich bewegt. Generell muss ich festhalten, dass dies ziemlich oft der Fall in dieser Folge ist, die für meinen Geschmack versucht, zu viele Dinge auf einmal zu wollen und dabei etwas den Fokus verliert.
Help wanted
Es ist ja nicht so, dass man keinen Spaß hat (das wird schon wieder mit den Schurkenbezeichnungen, Cisco!), im Gegenteil sogar. Erneut gibt es viele kurzweilige Szenen, die wunderbar unterhalten und einem ein wohliges Gefühl geben. Wie einige von diesen Momentaufnahmen jedoch zustandekommen, ist mehr als fragwürdig. Bestes Beispiel dafür: die Rekrutierung eines „neuen“ Harrison Wells (Tom Cavanagh) fürs Team, möchte die Earth-2-Version doch gerne permanent zurück in seine Welt. Spaßig ist es allemal, die verschiedenen Harrison Wells' des Multiversums zu sehen (auch, weil Tom Cavanagh mal ein bisschen freidrehen darf), vom Cowboy über den franzöischen Pantominen hin zum hippen Genie. Aber um Himmels Willen, der Plan, den Cisco (Carlos Valdes), Caitlin (Danielle Panabaker) und Wells fassen, um einen „Ersatzmann“ zu finden, verwundert doch sehr.
Man schießt einfach so eine Art Rätsel für besonders helle Köpfchen ins Multiversum und erhofft sich dadurch positive Rückmeldungen. Mal ganz davon abgesehen, dass man gar nicht wirklich wissen kann, wer oder was sich da draußen im Orbit so rumtreibt und kaum erwarten kann, Chaos auf Earth-1 anzurichten, nimmt man auch den neuen Harrison Wells ziemlich locker in seinen erlauchten Kreis auf. Er ist halt ein cooler Typ, das wird schon passen. Diese eklatante Sorglosigkeit bei allen Beteiligten mag nach all den Dingen, die das Team hinsichtlich Portalen in andere Welten durchgemacht hat, nicht so recht in meinen Kopf rein.

New king in town
Aber sehen wir es positiv, so bleibt uns Zuschauern zumindest Tom Cavanagh erhalten, wenn auch in einer etwas anderen Rolle. Größere Veränderungen lassen sich indes auch bei Caitlin beobachten, dank deren noch verborgener Superkräfte Barry aus seinem Spiegel-Gefängnis befreit werden kann. Langsam aber sicher dringt die eiskalte Killerin Frost in der Wissenschaftlerin immer mehr durch, die alles daran setzt, ihre Fähigkeiten geheimzuhalten. Diese Entwicklung finde ich tatsächlich ziemlich spannend und die Macher gehen mit dem genau richtigen Tempo voran, diese Nebengeschichte zu erzählen. Ob sich die Kräfte von Caitlin mit etwas Verspätung zeigen oder gar Dr. Alchemy dahintersteckt, der Caitlins Metahuman-Ich freisetzen könnte, um Ärger in Team Flash zu forcieren, wird sich noch zeigen müssen.
Leider nicht ganz so spannend sind derweil unsere beiden Fieslinge Sam Scudder und Rosalind Dillon aka Mirror Master und Top (in den Comics ist Top übrigens männlich und heißt Roscoe Neyle Dillon), die wie bereits erwähnt ein wenig auf Bonnie und Clyde machen und als Metahuman-Ganovenduo Central City heimsuchen. Er nutzt seine Fähigkeiten, um in reflektierenden Flächen zu verschwinden und diese als Art Portale zu benutzen, sie kann auf Anhieb Höhenangst und Schwindelgefühle bei ihren Gegner auslösen. Dabei wird jedoch einiges an Potential verschwendet, was durchaus schade ist. Scudder treibt zunächst eine sehr persönliche Motivation an (die Rache an Snart), letztlich avanciert er gemeinsam mit seiner Kumpanin aber auch nur zum nächsten großspurigen Schurken, der die Stadt unterwerfen und zu seinem Spielplatz machen will.
The real deal
Während mir der Showdown im Spiegelkabinett (eine kleine Referenz für alle Comickenner) zwischen The Flash und Mirror Master eigentlich ganz gut gefällt, weil die Stärke des Bösewichts geschickt zu dessen Schwache gemacht wird, wirken einige Szenen vorher zwischen unseren Helden und ihren Widersachern etwas dümmlich. Das Team ist relativ schnell im Bilde, welche Fähigkeiten Scudder und Dillon haben, Barry und Jesse marschieren dennoch sehr naiv ins erste Gefecht, umgeben von allerlei reflektierenden Flächen. Dillon aka Top kann dann wiederum im zweiten Anlauf sehr leicht von Jesse niedergestreckt werden (der Glaube an sich selbst versetzt eben Berge), deren Lernkurve erstaunlich steil ist.
Trotz solider, wenn auch etwas überspielter (was für eine Comicserien aber in Ordnung geht) Darbietungen der beiden Gastdarsteller Ashley Rickards (bekannt aus der Jugendserie Awkward., in der sie die Hauptrolle spielt) und Grey Damon (Friday Night Lights, Aquarius) hinterlassen unsere Metahumans der Woche aber wie bereits erwähnt aufgrund ihrer teilweisen krassen Nichtberücksichtigung im Plot keinen bleibenden Eindruck. Dafür, dass die Episode den Titel „The New Rogues“ trägt, kann man dies schon als kleine Enttäuschung verbuchen.
Fazit
The New Rogues ist meiner Ansicht nach weder Fisch noch Fleisch und weiß oft selbst nicht wirklich, was es eigentlich sein will. Der Cast macht gewohnt viel Spaß, hier und da lassen sich auch einige interessante Andeutungen für die Zukunft entdecken. Die Handlung wirkt in dieser Woche aber etwas unausgegoren und vollgepackt mit allerlei Elementen, die mir nicht viel Neues geben oder schon längst da gewesen sind. Bei den Schurkenfiguren lässt man sich indes eine Chance durch die Lappen gehen und liefert schlussendlich eher Einheitsbrei ab. Das kann The Flash besser, was auch für die Charaktermomente gilt. Die Darstellerriege rettet am Ende die Folge auf ein solides Niveau.
Trailer zur „The Flash“-Episode 3x05 „Monster“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 26. Oktober 2016The Flash 3x04 Trailer
(The Flash 3x04)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x04
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