The Flash 3x03

The Flash hat bereits in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sich die Serienmacher ohne Probleme auf die exzellente Darstellerriege und die sympathischen Figuren, die sie verkörpern, verlassen können. In Magenta vertraut man nun mehr denn je auf diese Stärke, was sich letzten Endes auch auszahlt.
Die Handlung schreitet im Großen und Ganzen eher gemächlich voran, so dass der Episode etwas Dynamik abhandengeht. Dafür punktet man jedoch mit sehr vielen guten Charaktermomenten, einem interessanten roten Faden sowie einigen sehenswerten Einzelszenen, die durchaus nachhallen. In der talentierten Joey King (bekannt aus diversen Spielfilmen und Serien, siehe zum Beispiel Fargo) findet man indes eine starke Gastdarstellerin, die Eindruck hinterlässt.
„Magenta“ wird größtenteils von Dialogszenen zwischen den verschiedenen Charakteren bestimmt, was hier und da zu einer kleinen Geduldsprobe werden kann, vor allem, weil man sich manchmal kaum dem Gefühl erwehren kann, dass hier est einmal jeder mit jedem gesprochen haben muss, bevor die Episode ein Ende findet. Gelegentlich strapazieren die Autoren dabei ein klein wenig meine Nerven. Hat man sich aber darauf eingestellt, dass diese Woche das ganz große Spektakel (wobei es in dieser Hinsicht einige Szenen zu bestaunen gibt, die durchaus in diese Kategorie fallen) eher ausbleibt und der Fokus vielmehr auf die Figuren, deren persönliche Probleme, Sorgen und Ängste gelegt wird, dann kann man sehr viel Positives aus dieser Folge ziehen.
Messing things up
Als zentrales Thema dienen dabei in den verschiedenen Handlungssträngen die unterschiedlichsten Eltern-Kind-Beziehungen, die sich in „The Flash“ finden lassen. So bekommen wir nach kurzer Auszeit zum Beispiel Harrison Wells (Tom Cavanagh) und seine Tochter Jesse (Violett Beane) wieder zu sehen, die nach Earth-1 zurückkehren und eine kleine Überraschung im Gepäck haben: Der „Dark Matter“-Unfall am Ende der letzten Staffel hat Jesse nämlich doch mit Superkräften, genauer Supergeschwindigkeit, ausgestattet.
Während Wells sich in seiner Rolle als besorgter Vater natürlich den Kopf über das Wohlsein seiner Tochter zerbricht und nicht möchte, dass Jesse Barrys Vorbild folgt und zur Superheldin wird, steht Joe (Jesse L. Martin) vor einem vergleichbaren Problem bezüglich Sohnemann Wally (Keiynan Lonsdale).
Not meant to be
Dieser würde nämlich gerne die Fähigkeiten Jesses haben und fragt sich, warum die dunkle Materie nicht auch ihn beeinflusst hat. Wally geht sogar so weit, seine möglicherweise versteckten Talente auf sehr riskante Art und Weise hervorzurufen. Während Wells also vor der Aufgabe steht, Jesse nach ihrer Veränderung im Zaum zu halten, muss Joe Wally klarmachen, dass dieser keine besonderen, übernatürlichen Fähigkeiten benötigt, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Die Serienmacher kramen also tief in der „Familiendramakiste“ und zaubern folglich ein paar schöne Szenen aufs Parkett, in denen die Schauspieler und Schauspielerinnen glänzen können. Ja, manch ein Dialog hört sich tatsächlich etwas abgedroschen und klischeehaft an, ich als Zuschauer kann jedoch die jeweilige Situation der einzelnen Beteiligten - sei es Jesse, die natürlich aufgeregt ist ob ihrer neuen Kräfte, oder Wells, der sich selbstverständlich Sorgen um sie macht - gut nachvollziehen. Vor allem Wally interessiert mich mit am meisten, da ich mir schon die Frage stelle, warum er so niedergeschlagen ist. Glaubt er wirklich, dass er nur mit Superkräften etwas bewegen kann? Könnte ein Grund dafür sein, dass er denkt, er würde immer noch im Schatten seines „Adoptivbruders“ Barry stehen?

The long run
Die Figuren bekommen eine wertige, charakterliche Tiefe verpasst, was mir persönlich gut gefällt. Darüber hinaus haben auch die Darsteller offensichtlich ihren Spaß daran, mal wieder etwas mehr Zeit in ihre Charaktere investieren zu dürfen. Vor allem Jesse L. Martin präsentiert sich in gewohnt guter Form, aber auch die Violett Beane und Keiynan Lonsdale schlagen sich formidabel (eine Einschränkung: Die gemeinsamen Szenen zwischen Jesse und Wally sind mir persönlich etwas zu unangenehm „Teenie Love“-esk). Tom Cavanagh darf indes am Ende bei einer finalen Aussprache, als er Jesse klar und deutlich von seinen väterlichen Sorgen erzählt, sie aber letztlich in ihrer neuen Unabhängigkeit voll und ganz unterstützen wird, groß aufspielen.
Zuvor läuft aber nicht jede Szene mit Harrison Wells rund. Das erneute Aufeinandertreffen mit Cisco (Carlos Valdes) und Caitlin (Danielle Panabaker), die als „Vermittlerin“ wider Willen ran muss, hat einige spaßige Augenblicke zufolge, Wells' neue Eigenart („Not!“, das gemäß der „Rule of three“ ganze drei Mal zu begutachten ist) dürfte aber so manchem Zuschauer auf den Geist gehen. Insgesamt bekommen wir aber reichlich charmante, gut nachvollziehbare Charaktermomente zu sehen, in denen das Hauptaugenmerk auf sehr spezifische, tiefergreifende Befindlichkeiten und Probleme der Figuren liegt.
Tough love
Die Szenen zwischen Barry (Grant Gustin) und Iris (Candice Patton) zu Beginn und zum Ende von Magenta, in denen die beiden ihre Beziehung wieder neu entfachen wollen, fühlen sich gelegentlich zwar auch ein wenig abgedroschen an und sollen natürlich für uns Zuschauer alles andere als angenehm sein, um zu verdeutlichen, wie schwierig sich diese beiden Charaktere tun, wieder zueinanderzufinden.
Aber auch solche Momente muss man The Flash von Zeit zu Zeit zugestehen. Es kann nicht immer um eine „Bedrohung der Woche“ gehen, die unsere Protagonisten bewegt und den zentralen Anstoß für etwaige Überlegungen der Hauptfiguren darstellt. Auch hier nimmt man sich Zeit für das Duo Barry und Iris, die am Ende einen weiteren kleinen Schritt nach vorne machen, indem sie eben nicht verkrampf versuchen, ihre eigentlichen Leben auszublenden, während sie zusammen sind.
Jekyll and Hyde
Die „Bedrohung der Woche“ oder der „Metahuman der Woche“ ist in „Magenta“ derweil eben schon fast eine Randerscheinung und wird sehr geschickt in die Handlung eingeflochten. Denn auch die junge Frankie Kane hat wie viele unserer arrivierten Charaktere mit familiären Problemen zu kämpfen, wird sie doch von ihrem leicht reizbaren Adoptivvater seelisch und körperlich (auch wenn wir es nicht direkt sehen, sind die Implikationen meiner Meinung nach eindeutig) malträtiert.
Bei Frankie manifestiert sich aus der Angst vor ihrem Ziehvater aber auch aus dem Hass heraus wiederum der Metahuman Magenta, erneut „freigelegt“ durch Dr. Alchemy, wie schon bei The Rival gesehen. Frankie, die vorher schon mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte, wird nun wortwörtlich zu einer gespaltenen Persönlichkeit, von der eine große Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht.
Bei Magenta als Fiesling beziehungsweise Frankie als Figur gefällt mir persönlich der charakterliche Unterbau sehr gut. Joey King spielt die Dualität ihrer Rolle nicht nur sehr glaubwürdig und überzeugend, als Zuschauer baue ich auch sehr schnell eine emotionale Beziehung zu dieser geschundenen Seele auf, deren Schmerzen und psychische Schäden nun von Alchemy ausgenutzt werden, um Magenta heraufzubeschwören. Deren Fähigkeiten (die Manipulation von Magnetfeldern), die Erinnerungen an die „X-Men“ wecken, werden indes stark und sehr konzentriert in Szene gesetzt. Allen voran das Finale, in dem Magenta einen massiven Tanker über dem Krankenhaus schweben lässt, in dem das Scheusal von ihrem Ziehvater untergebracht ist, sorgt bei mir für große Augen.

The darkness inside
Aufgehalten werden kann Magenta letztlich durch die Hilfe von Jesse, die fast schon von ihrem Vater in ihre Unabhängigkeit entlassen wird - um es sehr dramatisch zu formulieren - und The Flash Rückendeckung gibt. Dieser kann Frankie wiederrum dank einiger weiser Worte wieder auf den rechten Pfad bringen. Sie muss die immer wiederkehrenden Dunkelheiten in ihr bekämpfen und darf ihrem berechtigten Zorn nicht freien Lauf lassen, da dadurch nur Unschuldige zu Schaden kommen würden und sie nicht besser als ihr Adoptivvater wäre.
Man präsentiert uns schlussendlich eine sehr klassische Moral der Geschichte, die irgendwie aber passend ist und gut funktioniert. Es ist darüber hinaus erfrischend, dass Frankie nicht wie ein Metahumanfreak behandelt, sondern Verständnis für ihre Probleme geschaffen wird. So bringt man in diesem Kontext gleichzeitig auch einen gelungenen Kommentar zum Thema psychische Erkrankungen unter und wie wir in unserer heutigen Gesellschaft mit dieser Thematik umgehen sollten.
Brilliant minds
Über Frankie erhalten wir dann noch ein paar Informationen zu Alchemy, den man bisher sehr geheimnisvoll, mächtig (siehe der mysteriöse Tod des inhaftierten Edward Clariss aka The Rival) und spannend aufbaut. Bis dato macht man in dieser Hinsicht vieles richtig, um unsere Neugierde zu wahren, wenn nicht sogar zu nähren. Hinsichtlich Tom Feltons Charakter steigern die Macher indes weiterhin ein wachsendes Misstrauen gegenüber Julian, dessen Methoden eher fragwürdig sind. Die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Analysten und Metahumanexperten stehen außer Frage, doch wie bereits nach der Episode in der letzten Woche (Paradox) genießt man den „neuen“ Kollegen Barrys mit Vorsicht.
Bleibt nur abzuwarten, ob all dies nur eine falsche Fährte ist oder ob die Autoren dieses neuartige Element noch eine ganze Weile lang ausreizen werden. Spannend dürfte es unterdessen auch noch einmal mit Blick auf Wally werden, der nun die Information hat, dass Alchemy die Fähigkeit besitzt, ein Metahuman-Ich aus der alternativen Zeitline in die Flashpoint-Zeitlinie zu „transferieren“. In der alternativen Zeitlinie war Wally nämlich der Flash und superschnell, genau das, was er in der Flashpoint-Zeitline um jeden Preis will. Es würde also nicht verwundern, wenn er sich schon bald im Dunstkreis von Alchemy wiederfindet, um seinen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen, was Team Flash dann vor neuerliche Probleme stellen dürfte.
Fazit
Zunächst machte sich bei mir während der Sichtung von Magenta ein klein wenig Langeweile breit, was vor allem daran lag, dass die Episode aus der Vorwoche ein sehr ordentliches Tempo vorgelegt hatte und im Vergleich einfach etwas flotter sowie dynamischer von der Hand ging. Mit der Zeit und etwas Geduld meinerseits entwickelte sich die aktuelle Folge aber ebenfalls zu einer sehr sehenswerten Episode von The Flash, in der die komplexen Charaktere den Ton angeben.
Gute schauspielerische Leistungen, viele charmante sowie emotionale Dialogszenen („Run, Jesse. Run.“) und eine interessante Metahumannebengeschichte mit beeindruckenden Effekten sind nur ein paar positive Aspekte dieser „The Flash“-Episode, die ein klein wenig anders ist, was letzten Endes aber eine gute Entscheidung der Macher und eine willkommene Abwechslung darstellt.
Trailer zur nächsten „The Flash“-Episode, „The New Rogues“ (3x04):
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 19. Oktober 2016The Flash 3x03 Trailer
(The Flash 3x03)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x03
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