The Flash 3x02

The Flash 3x02

In Paradox lernt Barry nicht nur eine weitere wichtige Lektion fürs Leben, er muss sich darüber hinaus auch in seiner neuen Umgebung zurechtfinden und mit der durch das Flashpoint-Ereignis veränderten Realität arrangieren. Dabei punktet die Episode allem voran auf einem emotionalen Level.

Joe (Jesse L. Martin) und Barry (Grant Gustin) in „Paradox“ / (c) The CW
Joe (Jesse L. Martin) und Barry (Grant Gustin) in „Paradox“ / (c) The CW

Nach dem meines Erachtens nach ordentlichen, aber durchaus ausbaufähigen Auftakt der dritten Staffel von The Flash überzeugt mich die neue Folge Paradox gleich etwas mehr. Grund dafür sind unter anderem die vielen sehr emotionalen Charaktermomente, in denen sich unsere Figuren wiederfinden. Die größte Last liegt dabei auf den Schultern des gut aufgelegten Hauptdarstellers Grant Gustin, der in seiner Rolle des Barry Allen zu einer niederschmetternden Erkenntnis kommt. Wir Zuschauer werden indes Zeugen der ersten Auswirkungen des Flashpoint-Ereignisses, das mitunter große Wellen geschlagen hat. Was für weitere Konsequenzen Barrys riskante Spiel mit der Zeit wirklich hat und welches Ausmaß diese noch annehmen werden, ist nach wie vor offen. „Paradox“ schafft es aber sehr gut, einen ersten Eindruck von der neuen Realität zu vermitteln und wie das Leben unserer Hauptfigur fortan aussehen wird.

Zunächst möchte Barry unbedingt seine Taten ungeschehen machen und sucht in seiner verzwickten Lage erst einmal Felicity (Emily Bett Rickards) in Star City auf, der er von dem ganzen Flashpoint-Ärger erzählt. Aber bereits hier erkennt er, dass er nicht nur sein direktes Umfeld und die Leben seiner engsten Freunde verändert hat. Auch entfernte Bekannte, so zum Beispiel John Diggle, der nun einen kleinen Sohn anstelle einer Tochter hat, sind von Flashpoint betroffen. Wir dürfen gespannt sein, wie sich diese Veränderungen konkret in der Schwesternserie Arrow gestalten werden und wie umfassend das große Gesamtbild ist, das die Serienmacher um Greg Berlanti hier entwerfen wollen.

A heavy burden to bear

Ein hochinteressanter Aspekt von „Paradox“ ist indes, dass Barry weiß, was er verändert hat und wie die Leben seiner Nächsten vorher ausgesehen haben, während diese allesamt natürlich nur irritiert sind, wie sich der junge Superheld plötzlich verhält. Für seine Freunde ist doch alles wie immer, sie haben die Veränderungen ja nicht aktiv mitgemacht und wissen nicht, was ihr alternatives Ich in der anderen Zeitlinie für ein Dasein geführt hat. Nachdem Barry aber erkennt, wie krass die Veränderungen ausgefallen sind (insbesondere am Beispiel Ciscos, der seinen Bruder Dante verloren hat und bei Weitem nicht die Frohnatur vergangener Tage ist), meldet sich bei Barry das Gewissen. Wie bereits im Fall Joe (Jesse L. Martin) und Iris (Candice Patton), eine einst starke Vater-Tochter-Beziehung, die Barry durch sein Tun zerstört hat, wird er sich nun erst richtig seines egoistischen, rücksichtslosen Verhaltens bewusst, mit dem er so viel Schaden angerichtet hat.

Move forward

Barrys erster Impuls: Erneut in die Vergangenheit zurückreisen und abermals die Gegenwart verändern. Es folgt jedoch etwas väterlicher Rat von Jay Garrick (John Wesley Shipp), der sich Barry auf Earth-3 im glorreichen Jahr 1998 (eine Parallelwelt, in der es anscheinend auch Dawson's Creek gibt) mal kurz zur Seite nimmt. Auch Jay hat als Flash schon die gleichen Fehler wie Barry begangen. Natürlich kann er verstehen, dass der junge Held seine Eltern vor dem Tod retten wollte. Aber sie sind nun mal keine Götter, sie sind Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die sie gewissenhaft und verantwortungsbewusst einsetzen müssen. Barry wird nie wieder die ursprüngliche Zeitlinie reparieren können, der Schaden ist angerichtet, jetzt muss er mit den Konsequenzen und dem Wissen leben, dass er das Leben vieler seiner Freunde zum Schlechteren verändert hat.

Es sind wahre Worte, die Barry erst einmal verarbeiten muss. Die neue Realität ist die Realität, in der er fortan leben wird. Das muss er akzeptieren. Es geht nur vorwärts, nicht mehr zurück. Für diese Entscheidung muss man den Autoren ein kleines Kompliment machen, stellen sie sich doch wie ihr Protagonist auch, den Konsequenzen ihres Handelns. Natürlich könnte man einen Plot entwerfen, der uns zeigt, wie Barry vielleicht den alten Status Quo wiederherstellen kann. Wesentlich mutiger und interessanter ist es jedoch, die Flashpoint-Welt beizubehalten und von hier aus die Geschichte weiterzuerzählen.

Flash meets Flash: Grant Gustin und John Wesley Shipp in %26bdquo;Paradox%26ldquo; © The CW
Flash meets Flash: Grant Gustin und John Wesley Shipp in %26bdquo;Paradox%26ldquo; © The CW

Another life

Es ist zumindest meine Hoffnung, dass nicht ein Rückzieher gemacht wird und sich doch noch eine Lösung für Barrys Dilemma auftut. Zumindest nicht all zu bald. Wer weiß, ob es noch ein Hintertürchen geben wird und wir jetzt erst einmal diese neue Gegenwart als gegeben hinnehmen müssen, nur damit Barry irgendwann doch wieder vor der schwiergen Entscheidung steht, die Zeitlinie zu verändern - aus welchen Gründen auch immer. Für den Moment gefällt mir die Entscheidung der Macher aber sehr gut, weil sie der Serie eine kleine Wendung gibt, gewohnte Dynamkien und Beziehungen zwischen den Charakteren aufwirbelt und den verschiedenen Darstellern die Gelegenheit gibt, andere Facetten ihrer Rollen zu ergründen.

Carlos Valdes zum Beispiel fällt sogleich sehr positiv als deutlich veränderter, weniger zum Spaßen aufgelegter Cisco auf. Die tragische Geschichte vom Tod seines Bruders und seine Vorwürfe gegenüber Barry, dass er doch Dante hätte retten können, machen einen sehr packenden Teil der Episode aus. Überhaupt beobachtet man gespannt die neue, veränderte Dynamik im Team Flash. Es fühlt sich alles etwas steriler, nachdenklicher und ernster an, so sehr Barry auch versucht, die Wogen zu glätten und fast schon teambildende Maßnahmen zu ergreifen. Für meinen Geschmack hätte man diese angespannte Lage unter den Freunden sogar noch etwas länger beibehalten können. Zum Ende von Paradox verstehen sich Iris und ihr Vater nämlich doch wieder ziemlich gut (nachdem sie jahrelang nicht miteinander gesprochen haben) und Cisco überwindet ebenfalls seinen Groll, als er Barry im Kampf gegen The Rival zur Hilfe kommt.

Bonding

Auch hier hoffe ich, dass wir noch einen richtigen Prozess des neuen Kennenlernens von Barry und seinen Nächsten sehen werden. Es wäre schlichtweg unglaubwürdig für mich, wenn sich Team Flash nach wenigen Episoden wieder gefunden hat, nachdem wir jetzt erst gesehen haben, wie viel doch eigentlich im Argen liegt. Angesichts der neuen Hintergründe zu den Charakteren und wie diese nun ticken (ein Glück findet Cisco am Ende sein Gespür für Superschurken-Spitznamen wieder) muss man erzählerisch einfach Profit daraus schlagen. Es ist schon fast ein kleiner Neustart, den wir hier sehen, denn von einer perfekten Harmonie und Eingespieltheit zwischen Barry und seinen Mitstreitern kann noch keine Rede sein.

Roomies

Gut möglich, dass Barry auch nie wieder das haben wird, was er in der alten, ausgelöschten Zeitlinie hatte. Aber auch das macht einen großen Reiz der neuen „The Flash“-Staffel aus, die voller Ungewissheiten und neuer Möglichkeiten ist. So könnte zum Beispiel auch Neuzugang Tom Felton (den meisten sicherlich als schmieriger Draco Malfoy aus den „Harry Potter“-Filmen bekannt) zu einem entscheidenden Zünglein an der Waage in Barrys neuem Leben werden. Felton darf glücklicherweise seinen britischen, zu seiner Figur hervorragend passenden Akzent beibehalten und legt sich gleich mehrfach mit Barry an. Diese Antipathie beruht jedoch auf Gegenseitigkeit, denn Barry, so erzählt man sich zumindest, hat auch nicht besonders viel für seinen „neuen“ Kollegen übrig.

Felton gefällt gut in dieser abgehobenen, Barry skeptisch gegenüberstehenden Rolle, während sich bei uns Zuschauern automatisch eine Art unbequeme Vorahnung breit macht, dass der gute Metahuman-Experte Julian Albert noch so manche Überraschung mit sich bringen könnte. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur an Tom Felton selbst, der selten herzensgute Charaktere spielt. Hier begründet Julian seine Skepsis und wenige Sympathien für Barry indes mit einem generellen Misstrauen. Barry trägt so einige Geheimnisse in sich, und Julian wird bereits jetzt in Position gebracht, dem geheimen Superhelden irgendwann auf die Schliche zu kommen. Das Duo Gustin und Felton verspricht bereits jetzt einige interessante Szenen für die Zukunft.

Tom Felton als Julian Albert in %26bdquo;Paradox%26ldquo; © The CW
Tom Felton als Julian Albert in %26bdquo;Paradox%26ldquo; © The CW

Erased

Barry aka The Flash muss sich jedoch nicht nur mit Julian Albert und einigen sehr schwierigen persönlichen Entscheidungen herumschlagen, auch an der Schurkenfront gibt es einiges zu tun. Edward Clariss aka The Rival (Todd Lasance) tritt nämlich erneut auf den Plan. Interessant dabei: Der mysteriöse Oberfiesling Dr. Alchemy hat hier seine Finger mit im Spiel und weckt in Clariss eine Art Erinnerung an sein Superschurkendasein in der von Barry ausgelöschten Zeitlinie aus der letzten Episode. Und anscheinend ist Clariss nicht der einzige, der für Alchemys dubiose Zwecke rekrutiert wird. So gibt es nämlich einige seltsame Fälle in der Stadt, bei denen die Hauthülle eines Menschen gefunden wurde, so wie bei Clariss, der sich nun zum fiesen Metahuman gewandelt hat.

Warum und weshalb (Alchemy bleibt hinsichtlich seiner Pläne sehr vage) ist noch unklar; was Zooms Earth-2-Metahuman-Handlanger in Staffel 2 waren, scheinen nun Alchemys Rekruten zu sein. Die Motivation der neuen Schurken finde ich aber irgendwie interessanter, denn auch ihnen wurde durch Barrys Manipulation der Zeitlinie ihr anderes, eventuell besseres Leben genommen. Dies macht ihren Konflikt mit The Flash sogleich etwas persönlicher. Beim Kampf mit The Rival stellen sich bei mir indes ein paar kleinere Ermüdungserscheinungen ein, da wir langsam einfach genug Speedster gesehen haben. Die fulminante Teamaktion zwischen Cisco (mit Vibe-Ausstattung) und The Flash gegen The Rival ist aber dennoch eine feine Momentaufnahme.

Always

Bevor es dann ein paar verheißungsvolle Aufnahmen zum Ende der Episode gibt, wandelt man noch einmal auf etwas gefühlvolleren Pfaden. Wobei man schon ein Stück weit zugeben muss, dass die abschließende Szene zwischen Iris und Barry durchaus kitschig ist. Auf der anderen Seite ist die Beziehung und das besondere Verhältnis zwischen den beiden aber auch eine schöne Konstante, vor allem in Barrys Leben, egal wie oft er das Raum-Zeit-Kontinuum auf den Kopf stellt. Ja, die Serienmacher tragen hier furchtbar dick auf, jedoch fühlt sich dieser kleine Moment zwischen Iris und Barry verdient an, gerade wenn man sich noch einmal vor Augen führt, was diese beiden Charaktere bisher durchgemacht haben.

Darüber hinaus wird zuvor noch die Andeutung fallengelassen, dass Caitlin (Danielle Panabaker) schon bald ihr „wahres Ich“ entdecken (es sieht doch schon sehr nach ihrem Schurken-Alias Killer Frost aus) und vielleicht sogar zur Marionette von Alchemy werden könnte. Bei diesem potentiellen Superschurken (und Anführer eines Kults?) muss irgendwann nur noch geklärt werden, wie seine Fähigkeiten genau definiert sind, was seine Ziele sind und wie es ihm gelingt, Metahumans zu erschaffen, indem er Erinnerungen in seinen „Opfern“ hervorruft, die diese eigentlich gar nicht haben können. Diese und viele weitere Fragen halten uns Zuschauer früh in der neuen Staffel von „The Flash“ auf Trab, was ein willkommender Nebeneffekt zur großen Storyline um das Flashpoint-Ereignis ist.

Fazit

Für uns Zuschauer ist Flashpoint vielleicht das Beste, was hätte passieren können, auch wenn unser Titelheld in The Flash das sicherlich etwas anders sieht. Was in der Auftaktepisode der dritten Staffel vorbereitet wurde, wird nun in Paradox interessant und spannend weitergesponnen. Die kleinen bis mittelgroßen Veränderungen für die Charaktere geben der Superheldenserie einen neuerlichen Flair der Ungewissheit und Überraschung. Ganz nebenbei spielt auch die Darstellerriege stark auf, die neuen Gesichter mit inbegriffen. Nach ein paar Durststrecken in der vorangegangen Staffel befinden wir uns nun wieder an einem Punkt in „The Flash“, an dem es viele Fragen für uns gibt, deren Antworten wir unbedingt wissen wollen. Wir dürfen gespannt sein, was das Autorenteam sonst noch so im Köcher hat - sowohl für „The Flash“ als auch alle anderen The CW-Superheldenformate.

Trailer zur „The Flash“-Episode 3x03 „Magenta“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 12. Oktober 2016

The Flash 3x02 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 2
(The Flash 3x02)
Titel der Episode im Original
Paradox
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 11. Oktober 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 13. April 2017
Autoren
Aaron Helbing, Todd Helbing
Regisseur
Ralph Hemecker

Schauspieler in der Episode The Flash 3x02

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