The Flash 3x01

Das Warten hat ein Ende: Seit gestern saust der schnellste Mann der Welt wieder durch unsere Wohnzimmer und hat dabei so einige folgenschwere Fehler auszubĂŒgeln. Nachdem Barry aka The Flash (Grant Gustin) am Ende der letzten Staffel von Trauer gepackt (nach seiner Mutter segnete auch sein Vater Henry das Zeitliche) in die Vergangenheit zurĂŒckreiste, um dort den Mord an seiner Mutter durch den Reverse-Flash erfolgreich zu verhindern, hat sich fĂŒr unseren Protagonisten vieles geĂ€ndert.
Das von Barry ausgelöste Flashpoint-Ereignis prÀsentiert uns nicht nur eine neue RealitÀt beziehungsweise Zeitlinie. Sie stellt den Titelhelden auch erneut vor eine schwierige Entscheidung sowie neue Herausforderungen, deren Ausmaà bisher nur zu erahnen sind. Mit Zeit spielt man einfach nicht, das wurde Barry in der Vergangenheit immer wieder eingeblÀut und auch jetzt weist ihn der eingesperrte Reverse-Flash (Matt Letscher) immer wieder darauf hin, dass Barry keine Vorstellung davon hat, was er eigentlich getan hat.
Take it slow
WĂ€hrend Barrys Entscheidung, die Gegenwart durch seine Rettungstat zu verĂ€ndern, aus rein rationaler Sicht nicht sehr viel Sinn ergeben hat (immerhin konnte er sich ja denken, dass dies groĂe Konsequenzen haben wird), war dieser Schritt - rein emotional betrachtet - nachvollziehbar. Gerade, als Barry wieder eine wunderbare Beziehung zu seinem Vater (John Wesley Shipp) aufgebaut hatte, wurde dieser wieder aus seinem Leben gerissen. RĂŒckblickend nahm die gesamte Leidensgeschichte Barrys mit dem Tod seiner Mutter ihren Lauf, also ist es fĂŒr ihn nur logisch gewesen, diesen Moment zu verhindern und in ein neues, glĂŒcklicheres Leben zu schreiten, in dem seine beiden Eltern nicht verstorben sind.
Total strangers
Dass all dies eine unglaublich egoistische Entscheidung gewesen ist, mit der eine wahnsinnige Verantwortung verbunden ist, erschlieĂt sich Barry erst im Laufe der ersten Episode der neuen Staffel. Auch wenn er sein Dasein kurzfristig zum Guten gewendet hat, die Zeit holt ihn immer wieder ein. Ebenso wie der Blick auf die Menschen um ihn herum, die jetzt auf einmal wie Fremde fĂŒr ihn und teilweise sogar ganz andere Persönlichkeiten sind. Schön, dass Barry sein Leben gefixt hat. Aber was gab ihm das Recht, Familie West auseinanderzureiĂen, die sich in der alten Zeitlinie nach vielen Jahren endlich wieder gefunden hatte?
Jetzt ist Joe (Jesse L. Martin) alles andere als ein Vorzeigeermittler und mehr ein fauler Trunkenbold, dessen Beziehung zu seinem Nachwuchs alles andere als rosig ist. WÀhrend Wally (Keiynan Lonsdale) als Kid Flash den bösen Buben den Kampf angesagt hat (seine SuperkrÀfte erhielt er durch einen seltsamen Sturm, in den er mit seinem getunten Rennwagen reinbrauste), assistiert ihm Iris (Candice Patton), nebenbei als Reporterin tÀtig, bei der VerbrechensbekÀmpfung.
Als eine Art TechmĂ€zen der West-Geschwester tritt indes Cisco (Carlos Valdes) auf, in der neuen RealitĂ€t der reichste Mann von Amerika und ein schmieriger Schnösel mit gesteigertem Selbstbewusstsein. Und Caitlin (Danielle Panabaker) arbeitet ganz unspektakulĂ€r als AugenĂ€rztin fĂŒr Kinder. So viel zu Team Flash.

Everything's great
Doch fĂŒr Barry scheint das alles gar nicht weiter störend zu sein. Er ist nun schon mehrere Wochen in dieser neuen âWeltâ und kann sein GlĂŒck kaum fassen, dass seine Familie intakt ist. Und ein StĂŒck weit gönnt man ihm auch dieses persönliche Hoch, jedoch ist der Preis, den er dafĂŒr bezahlt hat, womöglich viel zu hoch gewesen. Barry geht tatsĂ€chlich etwas zu blauĂ€ugig an die neuen UmstĂ€nde heran. So will er zum Beispiel noch einmal sein GlĂŒck mit Iris probieren, die ihn jetzt nicht wirklich kennt, aber doch irgendwie eine besondere Verbindung zu ihm verspĂŒrt. Gleichzeitig will er Kid Flash im Kampf gegen den Fiesling The Rival etwas unter die Arme greifen, was jedoch nicht ganz glatt lĂ€uft.
Barry zwingt sich nahezu in dieses neue Leben hinein und denkt, er könnte dieses problemlos fĂŒhren, als wĂ€re nie etwas gewesen. Doch die mahnenden Worte des Reverse-Flash sind keine leeren Drohungen, in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden wird unser Titelheld von persönlichen Erinnerungen an seine Freunde und sein eigentliches Leben eingeholt, die immer mehr verblassen.
Die Vorstellung, all diese wertvollen Erfahrungen zu verlieren, lĂ€sst Barry seine Entscheidung hinterfragen. Ich persönlich hĂ€tte mir aber noch gewĂŒnscht, dass die schrecklichen Konsequenzen, von denen der Reverse-Flash spricht, etwas deutlicher und weniger vage formuliert werden. Bricht die neu geschaffene RealitĂ€t irgendwann einmal in sich zusammen, weil Barry mit dem Raum-Zeit-Kontinuum gespielt hat? Oder verliert er ânurâ seine eigentliche Persönlichkeit?
Side effects
Barry wird sich zumindest wieder einmal dieser groĂen Verantwortung bewusst, die mit seinen FĂ€higkeiten einhergeht. Dabei erkennt er, dass es in seiner Macht liegt, zu verhindern, dass zum Beispiel Wally im Kampf gegen The Rival schwer verletzt wird. Auch scheint es langsam bei ihm angekommen zu sein, was er aufgegeben und geopfert hat, um das Leben seiner Eltern zu retten. Irgendwie versteht man ihn ja, nach all den Dingen, die er durchmachen musste. Aber wie fair war seine Entscheidung gegenĂŒber seinen Liebsten und NĂ€chsten?
The price of happiness
Die neue RealitĂ€t ist und bleibt eine Illusion, eine regelrechte Wunschvorstellung, die nicht der Wahrheit entspricht. Klammert sich Barry zu sehr an diese, wird er nie seine Trauer ĂŒberwinden können, wĂ€hrend er gleichzeitig die Leben anderer mutwillig verĂ€ndert, wenn nicht sogar zerstört hat. Aus dieser Erkenntnis heraus entscheidet er sich letzten Endes auch wieder dafĂŒr, seine Tat ungeschehen zu machen. Dass er dabei indirekt zum Auftraggeber des Mordes an seiner eigenen Mutter wird, ist harter Tobak, jedoch unvermeidbar.
Zuvor gilt es aber noch, den Schurken The Rival auszuschalten, denkt Barry doch noch zu diesem Zeitpunkt, er könne ein neues Team Flash aus dem Boden stampfen, mit der er gemeinsam sein altes Leben ânachspielenâ kann. Von einer eingespielten Truppe kann jedoch keine Rede sein, Wally ĂŒberschĂ€tzt sich zum Beispiel maĂlos, wĂ€hrend The Rival nach einem effektvollen Zweikampf mit The Flash den KĂŒrzeren zieht und letztlich noch von Joe (zauberhaft vor Ort und Stelle) niedergeschossen wird. Mit Blick auf die visuelle Umsetzung hat man sich nicht lumpen lassen und ein paar sehr ordentliche Actionsequenzen mit ansehnlichen Effekten aus dem Ărmel geschĂŒttelt.
Der ganze Handlungsstrang um The Rival (gespielt von Todd Lasance, von dem wir allem Anschein nach noch nicht zum letzten Mal etwas gesehen haben) entwickelt indes keine allzu groĂe Relevanz, auch wenn Wallys heftige Verletzung einen gelungenen Schockmoment darstellt.

Home
Etwas emotionaler wird es dann noch einmal zum Schluss, als Barry Abschied von seinen Eltern nimmt. Dieses Mal wohl wirklich, wobei man sich ja nicht wirklich sicher sein kann, was die Zukunft bringt. Möglich aber, dass Barry seine Lehren gezogen hat und das Thema Zeitreisen erst einmal ad acta gelegt wird, da die Folgen solcher Unternehmungen schlichtweg unberechenbar sind. Dies zeigt sich zum Ende der Episode, als eine kleine Ăberraschung auf uns wartet. Nachdem die ursprĂŒngliche Zeitlinie nĂ€mlich wiederhergestellt wurde, wĂ€hnt sich Barry in seinem alten, unverĂ€nderten Leben...
Jedoch hat sein Ausflug auch Einfluss auf diese RealitÀt genommen, ist doch nun Iris von ihrem Vater Joe entfremdet. Ich hatte zunÀchst mit einer noch viel drastischeren Entwicklung gerechnet (zum Beispiel Iris' Tod), aber so weit wollten die Macher dann wohl doch nicht gehen. Man beendet die Episode somit auf einer durchaus interessanten, wenn auch etwas absehbaren Note, werden wir doch erst in den nÀchsten Wochen so richtig erfahren, welche Folgen Barrys Pfuscherei mit der Zeit nach sich gezogen hat.
Im ersten Moment war ich ein klein wenig enttĂ€uscht, dass wir die alternative RealtitĂ€t schon wieder hinter uns lassen. Letztlich bekommen die Verantwortlichen aber noch einmal die Kurve und stellen uns vor eine spannende neue PrĂ€misse, die prĂ€gend fĂŒr die gesamte Staffel werden könnte.
Brave new world
Dabei ist es vielleicht sogar cleverer, eine uns bereits bekannte RealitĂ€t durch kleinere VerĂ€nderungen anzupassen, als eine komplett andersartige Gegenwart zu gestalten. Wir dĂŒrfen nun gespannt sein, wie oder ob Barry ĂŒberhaupt seine Fehler wieder begradigen kann und was sich sonst noch so verĂ€ndert hat. AuĂerdem erwartet uns mit Dr. Alchemy ein neuer Strippenzieher auf der Seite der Schurken, der zum Abschluss von Flashpoint seine FĂŒhler nach Edward Clariss ausstreckt aka The Rival aus der anderen Zeitlinie.
Fazit
Flashpoint stellt eine solide Auftaktepisode der dritten Staffel von The Flash dar, auch wenn hier und da etwas Elan fehlt - trotz einiger schwungvoller Actionsequenzen, die durchaus unterhaltsam sind. Am Ende profitiert die Folge von einer spannenden neuen Ausgangslage, bei der sich erst noch zeigen muss, ob Iris als einzige von Barrys Handlungen betroffen ist oder ob dies nur der Anfang vieler neuer Probleme ist. Die unheilvollen Worte des Reverse-Flash deuten zumindest schon einmal darauf hin, dass uns sowie Barry noch die eine oder andere Ăberraschung erwartet.
Ich persönlich hĂ€tte indes tatsĂ€chlich gerne noch etwas mehr von der neuen RealitĂ€t und den verĂ€nderten Figuren gesehen. Die kurzen Auftritte der Alternativversionen von Cisco, Caitlin, Joe und mehr waren zwar ganz ordentlich (vor allem Carlos Valdes hatte seinen SpaĂ, was bei seiner neuen Rolle auch nicht sehr verwunderlich ist), im Endeffekt hĂ€tte ich mir aber auch vorstellen können, mehr als nur eine Folge diese neue Welt zu entdecken und Barry dabei zu begleiten, wie er langsam erkennt, dass er einen groĂen Fehler begangen hat. Dies folgt nun wahrscheinlich in der eigentlichen Gegenwart, was bereits jetzt ob all der möglichen kleineren oder gröĂeren Anomalien neugierig macht.
Der Trailer zur nĂ€chsten Episode der US-Serie âThe Flashâ, âParadoxâ (3x02):
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 5. Oktober 2016The Flash 3x01 Trailer
(The Flash 3x01)
Schauspieler in der Episode The Flash 3x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?