The Flash 2x23

The Flash 2x23

Die zweite Staffel von The Flash endet mit einer gewaltigen Überraschung, die zahlreiche Fragen für die dritte Staffel der Superheldenserie aufwirft. Zuvor stellt sich The Race of His Life aber insgesamt als eine eher durchschnittliche Folge dar, die nicht so recht in Fahrt kommen will.

The Flash (Grant Gustin) gegen Zoom in der Episode „The Race of His Life“ / (c) The CW
The Flash (Grant Gustin) gegen Zoom in der Episode „The Race of His Life“ / (c) The CW

Es ist und bleibt das alte Lied, auch in der Finalepisode der zweiten Staffel von The Flash. The Race of His Life steht fast schon symptomatisch für eine oftmals durchwachsene Staffel, in der es die Serienmacher um Greg Berlanti dennoch immer wieder fertiggebracht haben, emotionale Höhepunkte zu setzen, die zu Herzen rührten und uns komplett mitreißen konnten. Auch die aktuelle Episode vermag es uns derartige kraftvolle Momentaufnahmen zu präsentieren; gleichzeitig werden aber auch die eklatanten Schwächen der Serie in ihrer zweiten Runde offenbart, die sich an manchen Stellen einfach zu sehr verzettelt hat.

Die Probleme in „The Race of His Life“ zeigen sich vor allem in der „Auflösung“ des zentralen Konflikts gegen Staffelantagonist Zoom (Teddy Sears) - ein Handlungsstrang, in dem es eh nicht mehr all zu viel zu kitten gab und viele Zuschauer diesbezüglich längst ihren Unmut kundgetan hatten. Es kommt zwar letztlich zu einem visuell durchaus ansprechenden Duell der beiden Speedster, die emotionale Fallhöhe bleibt aber überschaubar. Andere würden vielleicht sogar so weit gehen zu sagen, dass sich dieser Teil der Episode als schlichtweg unspannend, wenn nicht sogar etwas langweilig gestaltet. Dem gegenüber stehen wiederum zahlreiche überzeugende Charaktermomente, wobei man erneut ein paar der Entscheidungen unserer Protagonisten hinterfragen kann. Was sich das Kreativteam dann jedoch für das Grand Finale ausgedacht hat, steht auf einem gänzlich anderen Blatt und hinterlässt viele sicherlich mit weit aufgerissenen Augen.

For your own good

Das qualitative Ungleichgewicht in „The Race of His Life“ macht sich aber leider viel zu oft bemerkbar, was sich letztlich in der Gesamtbewertung der Episode niederschlägt. Es ist förmlich eine Achterbahnfahrt durch die Stärken und Schwächen von „The Flash“, die wohl nicht jeden vollends zufrieden stimmen kann. Die ersten Minuten der Episode sind zumindest ein starkes Pfund, setzen wir doch unmittelbar nach dem Mord von Barrys Vater durch Zoom an. Grant Gustins Schmerzensschrei und seine gelungene Darbietung führen uns abermals beeindruckend vor Augen, dass die Serie solche Momente immer wieder sehr ergreifend verpacken kann und sich auch deswegen einer großen Beliebtheit bei ihren Fans erfreut.

Auch die verregnete Beerdigung von Henry Allen (John Wesley Shipp) stimmt nachdenklich und gibt einen sehr tragischen Ton vor, der dann jedoch recht fix von einer sehr plotgetriebenen, actionlastigeren Erzählstruktur abgelöst wird. In dieser gönnt man sich zwischendurch kleine Verschnaufspausen, um den Charakteren, ihren Beziehungen und Dynamiken untereinander etwas Raum zur Entfaltung zu geben. Zunächst ist Barry jedoch komplett von seiner Wut und seinem Zorn auf Zoom gepackt und lässt sich auf eine ansehnliche Schlägerei mit dem Fiesling ein. Zoom tötet letzten Endes seinen eigenen Time Remnant, eine Kopie seiner selbst aus der Vergangenheit, um Barry seine bedingungslose Entschlossenheit, der beste und schnellste Speedster überhaupt zu sein, zu demonstrieren.

Keiynan Lonsdale; Candice Patton und Jesse L. Martin in %26bdquo;The Race of His Life%26ldquo; © The CW
Keiynan Lonsdale; Candice Patton und Jesse L. Martin in %26bdquo;The Race of His Life%26ldquo; © The CW

The fastest men alive

Um diesen Konflikt zwischen The Flash und Zoom beizulegen, fordert letzterer Barry nun zum ultimativen Rennen heraus, das bestimmen soll, wer der einzig wahre Speedster ist. Diese Herausforderung von Zoom hört sich, wenn man ganz ehrlich ist, aber ziemlich unspektakulär an und generiert nicht wirklich wahnsinnig viel Spannung, geschweige denn eine epische Grundstimmung ob dieses Duells der beiden Erzfeinde. Der Masterplan von Zoom ist aber natürlich etwas umfangreicher: Durch dieses Rennen soll eine zerstörerische Gerätschaft aus den Mercury Labs, die Zoom von dort gestohlen hat, aufgeladen werden, mit der der Bösewicht schließlich das gesamte Mulitversum vernichten will. Warum? Weil er eben wahnsinnig böse ist.

Wie bereits zuvor zeichnet Zoom in seiner Charakterzeichnung das pure, ungefilterte Böse aus. Seine Motive bleiben bis zu guter Letzt banal und erschreckend einfach, was sich wiederum auf den Spannungsbogen auswirkt, der gefühlt nicht wirklich existent ist. Somit fehlt dem Duell der Speedster auch ein wenig der Reiz, auch wenn die Macher letzten Endes budgettechnisch noch einmal tief in die Taschen langen, um ein paar saubere Effekte zu erzeugen, die den Kampf zwischen The Flash und Zoom zumindest optisch überzeugend gestalten. Bevor es jedoch zu diesem kommt, muss sich Team Flash erst einmal sammeln und eine schwierige Entscheidung treffen.

Take a breath

Hier zeigt sich The Race of His Life auch von seiner stärksten Seite: Barry ist nach dem furchtbaren Verlust seines Vaters nachvollziehbarerweise sehr ungehalten und auf sofortige Rache aus. Zoom soll nicht nur sterben, Barry will ihn sogar leiden sehen und schmerzvoll dafür büßen lassen, was er ihm angetan hat. Und wir verstehen unsere junge Hauptfigur, die gerade erst einen sehr persönlichen Schicksalsschlag (den Tod der Mutter) zu den Akten gelegt hat und jetzt das nächste Tal der Tränen durchschreiten muss. Seine Wut ist verständlich, ebenso wie es verständlich ist, dass sich sein Team große Sorgen um ihm macht, sieht es doch, wie sehr er von seinen Rachegedanken aufgezehrt und korrumpiert wird. So bleibt dem Team gar keine andere Wahl, als Barry zu seinem eigenen Schutz einzusperren, rennt er doch geradewegs in sein Verderben.

Aus rein emotionaler Sicht ist die Entscheidung von Barrys Mitstreitern komplett nachzuvollziehen; ihre Bereitschaft, für Barry Zoom zur Strecke bringen zu wollen und im Zuge dessen eventuell sogar ihr Leben zu lassen, ist eine große Geste. Rational gesehen ist es dann doch etwas riskant gedacht, ohne Barrys Superkräfte dem übermächtigen Zoom entgegenzutreten. Zwar klügelt man einen ordentlichen Schlachtplan aus, der in gewisser Weise auch von Erfolg gekrönt ist (mit einer großen Einschränkung, wohlgemerkt), aber ebenfalls etwas lückenhaft wirkt. Man möchte Zoom durch ein Portal zurück nach Earth-2 schicken und ihn sozusagen einfach nur aussperren, indem man die Portale für immer versiegelt. Aber es ist doch bereits etabliert, dass dieser Portale nach seinem Gutdünken öffnen kann (wie auch immer er dies bewerkstelligt), wie man sogar wenig später in der Episode sieht.

Hollow

Auch die mächtige Superwaffe Zooms stellt mich vor ein paar Rätsel. Diese wird durch die von Barry und Zoom erzeugte Energie betrieben, dadurch wird wiederum ein Impuls auf Earth-1 ausgelöst, dem Zentrum des Multiversums, durch den alle übrigen Welten zerstört werden. Wie kann Barry nun dieses Aufladen verhindern, indem er sich auf einen Rennen gegen Zoom innerhalb der Höllenaparatur einlässt? Die Autoren wollen hier, so scheint es zumindest, auf Teufel komm raus ganz großes Drama inszenieren. Was bleibt, sind jedoch reichlich Fragezeichen. Der Time Remnant-Trick, den sich Barry von Zoom abschaut, ist eine smarte Idee von ihm. Als sich die „Kopie“ Barrys aber für Team Flash opfert, verpufft die Anspannung sogleich. Die emotionale Wirkung dieser Szene, so sehenswert der Effekt auch ist, bleibt aus, da es sich ja eh um keinen vollwertigen Charaktertod handelt.

Dass Zoom dann noch von ein paar Time Wraiths hinfortgeschleppt und schrecklich entstellt wird, weil er eben Schindluder mit dem Raum-Zeit-Kontinuum getrieben hat, ist wie viele andere Dinge in dieser Episode visuell gut umgesetzt, wirklich spannungsvoll oder fesselnd ist aber auch diese Entwicklung nicht. Mal ganz davon abgesehen, dass man ja nicht mit Bestimmtheit sagen kann, ob Zoom jetzt noch lebt oder nicht. Irgendwie schließen wir insgesamt auf sehr unbefriedigende Art und Weise diesen zentralen Handlungsstrang ab, manch einer zuckt vielleicht sogar unbeeindruckt mit den Schultern.

Teddy Sears in %26bdquo;The Race of His Life%26ldquo; © The CW
Teddy Sears in %26bdquo;The Race of His Life%26ldquo; © The CW

Running out of time

Diese Reaktion ist äußerst einfach zu erklären: Zoom ist uns egal, seine Motivation ist uns egal. Die kleine Zusammenfassung, die uns Hunter Zolomon über seinen Werdegang gibt, nachdem er Joe (Jesse L. Martin) mit durch das Portal nach Earth-2 gerissen hat, ist zwar ganz nett - doch die Szene interessiert einen letztlich nur, weil es auch um die Identität des Mannes mit der eisernen Maske geht, unter der sich der echte Jay Garrick befinden soll. Hier wartet aber noch eine mittelgroße Überraschung auf uns. Als Zuschauer geben einem indes viele kleine Momente zwischen den Charakteren weitaus mehr als die Zoom-Geschichte. So zum Beispiel die kurze, aber sehr schöne Szene zwischen Wally (Keiynan Lonsdale) und Barry, in der ersterer letzterem seine Hilfe in dieser schwierigen Phase seines Lebens zusichert.

Auch der Augenblick zwischen Wells (Tom Cavanagh) und seiner Tochter Jessie (Violett Beane), die es verstehen kann, dass dieser eventuell gerne auf Earth-1 bleiben möchte, nachdem sie Zoom besiegt haben, gefällt gut. Wells ist tatsächlich ein wertvoller Bestandteil von Team Flash geworden, er ist mehr und mehr aufgetaut und glücklicher als jemals zuvor. Die beiden jüngsten Protagonisten der Serie fallen durch ein sehr reifes Verhalten auf, nicht nur Jesse L. Martin wird somit in The Race of His Life die Rolle zuteil, die Menschen um ihn herum (allen voran Barry) zu erden. Auch Wally und Jessie fungieren zum Abschluss der Staffel als emotionale Anker für ihre Nächsten, was gut funktioniert.

The right call

Nach Zooms Niederlage hat sich die Lage derweil drastisch entspannt. Bleibt nur noch die Frage zu klären, wer denn nun wirklich der geheimnisvolle Gefangene des Speed Demon ist. In der Tat handelt es sich hierbei um Jay Garrick; dieser stammt jedoch von Earth-3 und ist der Doppelgänger von Barrys verstorbenem Vater Henry. Wir rufen uns die kurze Erwähnung von Henrys Mutter ins Gedächtnis, deren Mädchenname Garrick gewesen ist. Für Barry ist es ein weiterer Tiefschlag, das Ebenbild von Henry gerettet zu haben, dadurch aber an den herben Verlust seines Vaters erinnert zu werden. Für ihn ist das einfach zu viel. Gerade erst hat er den Tod seiner Mutter verarbeitet, erneut schmeißt ihm das Leben einen Knüppel zwischen die Beine und lässt ihn leiden. Wie kann er nur damit fertig werden?

Für John Wesley Shipp ist dies natürlich eine sehr charmante Wendung, auch mit Blick auf seine frühere Rolle als The Flash in der gleichnamigen Serie aus den 1990er Jahren. Der bullige Darsteller macht in seinem klassischen Kostüm auch eine gute Figur als Jay Garrick. Für ihn geht es nun über den Zwischenstopp Earth-2 zurück in seine Heimat. Jessie und Wells, der natürlich bei seiner Tochter bleibt, verabschieden sich ebenfalls vom Team. Zu früh sollte man dem dynamischen Duo Wells und Cisco aber noch nicht Lebewohl sagen, haben die Macher doch noch einen großen Pfeil im Köcher, den sie auf den letzten Metern dieses sehr harmonischen Schlussakts abfeuern.

Move on

In Barry rumort es nämlich weiterhin gewaltig. Iris (Candice Patton) möchte für ihn da sein und bietet ihm in einer herzlichen Szene ihre Unterstützung an. Mehr noch, es kommt zum finalen Liebesbekenntnis zwischen den beiden. Dies ist ein wenig kitschig inszeniert, fühlt sich aber sich erneut verdient und authentisch an, was natürlich auch an der guten Chemie zwischen Grant Gustin und Candice Patton liegt. Bei Barry zeigt sich aber eine neue Art der Resignation in seinem Gesicht: eine Trauer und Ratlosigkeit, die verarbeitet werden muss, weshalb er sich von Iris verabschiedet, die ihm wiederum alle Zeit der Welt gibt, um einen Abschluss zu finden.

Die Überraschung ist dann aber groß, als Barry plötzlich zurück in die Vergangenheit reist und den Mord seiner Mutter durch den Reverse-Flash verhindert, die Gräueltat, mit der das gesamte Drama seinen Anfang nahm. Dass Barry dadurch komplett die Zukunft verändert, die Beziehung zu seinen Freunden, zu Joe oder eben auch zu Iris, blendet er aus. Dieses Opfer ist er bereit einzugehen, um seine Eltern nicht zu verlieren. Doch wie werden die Konsequenzen dieser folgenschweren Tat aussehen? Wie bereits am Ende der ersten Staffel müssen wir uns in Geduld üben...

Tom Cavanagh und Grant Gustin in %26bdquo;The Race of His Life%26ldquo; © The CW
Tom Cavanagh und Grant Gustin in %26bdquo;The Race of His Life%26ldquo; © The CW

Fazit

The Race of His Life, das Finale der zweiten Staffel von The Flash, wirkt lange Zeit etwas unausgewogen und wechselhaft. Starke, bewegende Momentaufnahmen, in denen die Darstellerriege mit Grant Gustin an ihrer Spitze hervorragend aufspielt, wechseln sich mit dem schwammigen Plot um Zoom, Barrys finalen Kampf mit dem fiesen Speedster und der schlussendlichen Auflösung dieses Handlungsstranges ab. Insgesamt macht sich da schon ein wenig Enttäuschung breit, weil man eigentlich weiß, dass es die Macher der Superheldenserie besser können. Mit der Enthüllung der Identität des Mannes unter der eisernen Maske und was dies mit unserem Helden anstellt, nimmt die Episode dann aber noch einmal etwas Schwung auf und endet auf eine sehr unerwartete Weise, die uns nun auf die Folter spannt, bis „The Flash“ im Herbst diesen Jahres mit seiner dritten Staffel zurückkehrt.

Welche Folgen hat Barrys Entscheidung? Erleben wir einen hard reset? Wie clever war dieser drastische Schritt, sowohl von Barry als auch von den Autoren? Im Grunde genommen könnten nun stark etablierte Charakterdynamiken komplett auseinandergerissen werden, vielleicht beginnen wir sogar direkt bei Null. Es besteht das Risiko, dass man sich selbst einer eigenen Stärke beraubt - andererseits ist der Cast so gut eingespielt, dass ein neuer, frischer Wind äußerst interessant sein könnte. Wie seht Ihr das? Findet Ihr Barrys ultimative Entscheidung nachvollziehbar? Und was können wir in der kommenden Staffel erwarten?

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 25. Mai 2016

The Flash 2x23 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 23
(The Flash 2x23)
Deutscher Titel der Episode
Rennen des Schicksals
Titel der Episode im Original
The Race of His Life
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 24. Mai 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 4. August 2016
Autoren
Aaron Helbing, Todd Helbing
Regisseur
Antonio Negret

Schauspieler in der Episode The Flash 2x23

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