The Flash 2x22

Eigentlich ist Invincible, die neueste und vorletzte Episode der zweiten Staffel von The Flash, eine starke, sehr sehenswerte Dreiviertelstunde der Superheldenserie, die ungemein viel zu bieten hat. Sei es nun das rasante Erzähltempo, mehrere schöne Charaktermomente, die wunderbare Dynamik der Figuren untereinander, bekannte amüsante Zwischentöne oder gar das fulminante Ende der Episode, das bei nicht wenigen für große Augen sorgen wird. „Invincible“ ist ein wunderbares Gesamtpaket, das uns pünktlich zum Staffelfinale und kurz, nachdem wir sowie unsere Protagonisten ein kleines Hoch erfahren haben, wieder den Boden unter den Füßen wegzieht.
Wäre nur das Wörtchen „eigentlich“ nicht. Nach der für mein Empfinden exzellenten Episode aus der letzten Woche (The Runaway Dinosaur) bin ich geneigt, auch der aktuellen Folge eine sehr hohe Bewertung zu geben. Immerhin führt man uns hier hervorragend eine Großzahl der Facetten des Formats vor Augen, die dieses so kurzweilig und erfolgreich machen. Andererseits muss man sich auch in „Invincible“ altbekannten Schwächen und Problemen der Serie bewusst werden, die diese gefühlt doch eigentlich - da haben wir es wieder - gar nicht nötig hat. Konkret geht es dabei unter anderem darum, dass sich unser Held (wie so oft und auch zurecht von vielen Zuschauern immer wieder kritisiert) hier und da etwas zu leichtsinnig, wenn nicht sogar sehr unsinnig verhält. So kommt das Drama natürlich erst einmal ins Rollen; als Beobachter verlangt es einem aber doch eine ordentliche Portion Kulanz ab.
Piece of cake
Ich persönlich habe mich recht gut mit diesem wiederkehrenden „Problem“ arrangiert, verstehe aber, wenn sich manch einer über Barry (Grant Gustin) und seine Entscheidungen ärgert. In „Invincible“ läuft dieser nun nach seiner befreienden Erfahrung in der Speedforce zu neuerlicher Hochform auf und fühlt sich in der Tat unbesiegbar. Mit einem zuversichtlichen Lächeln auf den Lippen predigt er seinem Team bedingungslosen Optimismus, sein gestärktes Selbstvertrauen sorgt aber mehr für Irritation und sorgenvolle Blicke bei seinen Nächsten. Ist Barry vielleicht zu sehr von sich selbst überzeugt? Läuft er Gefahr, die aktuelle Bedrohung zu unterschätzen? Ist es, wie Iris (Candice Patton) ihm an einer Stelle sagt, vielleicht ratsam, doch ein wenig Angst vor Zoom zu haben, damit man nicht zu überstürzt agiert?

Here we go
Die Gedankengänge von Barrys Teammitgliedern sind nachvollziehbar, einer nach dem anderen redet Barry ins Gewissen und mahnt ihn zu etwas mehr Vorsicht. Sein gesteigertes Selbstvertrauen kann im schlimmsten Fall furchtbar nach hinten losgehen. Auf der anderen Seite ist es als Außenstehender aber auch schön zu sehen, was für Kräfte Barry auf einmal freisetzt. Dieser unbändige Optimismus und das Vertrauen in seine Fähigkeiten sowie in sein Team könnten vielleicht das Mittel zum Erfolg sein. Alles andere hat bisher ja eben nicht funktioniert, Zoom (Teddy Sears) profitierte vielmehr von der ständigen Angst seiner Widersacher. Vielleicht war Team Flash wirklich zu zahm, zu ängstlich. Warum nicht diesen neuen Weg gehen?
Die Handlung rund um Barry fühlt sich gelegentlich ein wenig klischeehaft an, sie funktioniert aber dennoch gut, was an der Darstellerriege liegt. Durch sie kaufen wir den Charakteren ihre wertigen Beziehungen untereinander komplett ab. Wir erahnen bereits früh, dass Barry mit seiner neuen Denke auf die Nase fallen wird, doch wir verstehen ihn auch, gerade nach all den Dingen, die er durchmachen musste. Natürlich kann man kritisieren, dass sich Barry rein rational gesehen erneut zu naiv verhält, auf einer emotionalen Ebene ist sein Verhalten aber vollends nachvollziehbar - für ihn als Charakter sowie für den Plot, der so erst richtig Fahrt aufnehmen kann.
Metapocalypse
Generell wird in Invincible nicht lange gefackelt. Allein der Einstieg in die Episode ist eine aufregende Sequenz, in der Zooms 80er Jahre Punk-Versammlung an Metahumans Central City in einen regelrechten Kriegsschauplatz verwandelt. Zugegeben, die Effekte sind in dieser Woche stark ausbaufähig (bei der computeranimierten Rettungsaktion von Tina McGee durch Barry läuft es einem kalt den Rücken runter), trotzdem schaffen es die Macher, ein beunruhigendes Gefühl des Chaos zu erzeugen. In der Stadt geht es drunter und drüber, die Lage scheint mitunter fast hoffnungslos. Da kommen Barrys Zwischenhoch und positive Einstellung gerade recht, der mit seinen Freunden kräftig daran arbeitet, Zooms Handlanger in die Schranken zu weisen.
Zwischen diesem und Barry kommt es zwischendurch sogar zu einem kleinen Zusammentreffen, in dem Zoom unserem Helden abermals vor Augen führt, dass die beiden gar nicht einmal so verschieden sind. Dieses Gespräch hat an sich aber nicht besonders viel Neues zu bieten. Zoom hinkt weiter etwas den Erwartungen hinterher, wobei der größte Unterschied zwischen ihm und Barry durchaus interessant ist: Barrys unstillbarer Drang, ein Held zu sein, wird dafür sorgen, dass Zoom siegreich sein wird. Die Verantwortung, die sich Barry selbst aufbürdet, schwächt diesen und lenkt ihn nur ab. Dieser Aspekt wird sicherlich noch einmal thematisiert werden; der Konflikt zwischen Barry und Zoom ist indes endgültig an dem Punkt „Gut gegen Böse“ angekommen. Im Vergleich zu der weitaus nuancierteren Figurenzeichnung von Harrison Wells beziehungsweise Eobard Thawne in Staffel 1 ist dies vielleicht etwas enttäuschend, für den Moment genügt es aber.
Dark times
Etwas eigenartig erscheint mir derweil die kleine Nebengeschichte von Caitlin, die von Zoom freigelassen wurde und aufgrund ihrer Gefangenschaft schwere psychische Schäden erlitten hat. Irgendwie reicht es mir aber nicht aus, ihr ihre Leiden abzunehmen, da wir zum einen nicht genug von der seelischen Folter Caitlins gesehen haben und zum anderen ihr Handlungsstrang mit Zoom ohnehin eher schwach gewesen ist. So fällt es einem schwer, mit ihr mitzufühlen, bei allem Respekt vor Danielle Panabakers Darbietung. Jenes Problem wird jedoch recht gut von den anderen Charakteren aufgefangen, so zum Beispiel Cisco (Carlos Valdes), der Caitlin mit warmen Worten zurück im Team begrüßt. Dieses wird in Zeiten der Krise derweil immer größer, stößt doch nun auch Mercury Labs-Chefin Tina McGee zu unserer Truppe, die ohnehin schon längst im Bilde ist, wer sich unter der Maske des Flash verbirgt. Sie ist ja nicht von gestern.

We got this
„Invincible“ gefällt besonders gut, wenn es um die Interaktion innerhalb des Teams Flash geht, bei der man einfach merkt, dass hier ein eingespielter Cast wunderbar miteinander harmoniert. Vor allem Cisco und Wells (Tom Cavanagh) kristallisieren sich recht zügig als wertvollste Pferde im Stall heraus („Beats by Wells“), doch auch Henry stellt eine gute Ergänzung dar. Zwischen John Wesley Shipp und Tina McGee-Darstellerin Amanda Pays kommt es darüber hinaus zu ein paar charmanten Augenblicken und netten Anspielungen. Immerhin kennen sich die beiden doch sehr gut von ihrer gemeinsamen Arbeit an der „The Flash“-Serie aus den 1990er Jahren, in denen Pays ebenfalls in die Rolle der Wissenschaftlerin schlüpfte und eine wichtige Gehilfin von Shipps Flash war. Die Macher können es sich auch nicht nehmen lassen, ein paar Hinweise auf eine leicht amouröse Beziehung zwischen den beiden fallen zu lassen.
Neben all diesen leichten Momenten, die das Geschehen wunderbar auflockern, bleibt die Lage jedoch angespannt, terrorisieren Zooms Metahuman-Schergen doch weiterhin die Stadt. Die gefährlichste von diesen ist Black Siren, die Earth-2-Doppelgängerin der verstorbenen Laurel Lance. Sie verfügt über die gleichen Fähigkeiten wie Black Canary (sind die toten Vögel in Ciscos Visionen eine morbide Anspielung auf Laurels Schicksal?). Wenn ich ganz ehrlich bin, war ich nie der größte Fan von Laurels „Schreipower“, sah die gute Katie Cassidy hierbei doch immer etwas lächerlich aus. Der Effekt an sich ist auch nicht der beste. Cassidy hat aber sichtlich Spaß an dieser etwas anderen Inkarnation ihrer langjährigen Rolle und trift die selbstsichere Black Siren auf den Punkt.
Determined
Ciscos Plan, sich als Reverb auszugeben und dabei von Caitlin als Killer Frost begleitet zu werden, um etwas Zeit zu schinden, ist derweil eine herrliche Idee. Selbstverständlich ist dies ein äußerst riskanter Einfall, könnte Black Siren ihnen doch ohne Probleme den Garaus machen. Die beiden Laborratten (nicht abwertend gemeint) mal so in Aktion zu sehen, entlockt mir aber einige Schmunzler. Außerdem zeigen sich Ciscos neue Superkräfte, auch wenn er diese noch nicht wirklich kontrollieren kann. Die Metahuman-Brut kann dann dank einer Erfindung außer Gefecht gesetzt werden; selbst Zoom ist von den Frequenzwellen, die Lebewesen von Earth-2 Schaden zufügen, betroffen.
Da fragt man sich nur, warum man nicht schon früher auf diese Idee gekommen ist. Gut, Zoom hätte sich wohl so oder so einfach vom Acker gemacht, wie es nun hier der Fall ist. Sehr schön finde ich übrigens Joes (Meta-)Kommentar („This is where I play stupid and you explain science“), mit dem er vielen Zuschauern sicherlich aus der Seele spricht. Für Joe tut sich nebenbei ein weiteres Problem auf, sieht sich doch plötzlich Wally in der Pflicht, sich für seine Stadt einzusetzen. Der Flash hat ihm indirekt ein paar Flausen in den Kopf gesetzt, weshalb Wally nun sein eigenes Leben riskiert, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Ja, auch Wally können wir ein Stück weit nachvollziehen; dieser Nebenhandlungsstrang wird jedoch etwas holprig und beliebig auf den Weg gebracht (Wally steht mit seinem Wagen in irgendeiner Gasse, um perfekt eingreifen zu können? Joe ist auch gleich da?).
Playing hero
Barry loszuschicken, um Wally etwas zu bremsen, ist ebenfalls nicht die beste Idee. Jesse L. Martin und auch Keiynan Lonsdale feilen aber durch ihre Darbietung weiter an dieser Vater-Sohn-Beziehung, die für die dritte Staffel von The Flash Potential hat. Zusätzlich gibt es in diesem Handlungsstrang die eine oder andere versteckte Comicreferenz bezüglich Wallys Comic-Alter Ego sowie dessen Verbindung zu Barry. Werden die Macher einen Weg wie in der Comicvorlage gehen? Oder schraubt man etwas an dieser Geschichte? Der junge Geschwindigkeitsfreak (wie er Black Siren wegrammt, ist göttlich) ist jetzt zumindest schon einmal im Bilde, wer der Flash wirklich ist...

The blackest of nights
Doch wie kommt es dazu? In einer The CW-esken Szene (die musikalische Untermalung durch einen emotionalen Popsong darf nicht fehlen) zum Ende der Episode scheint alles wie gemalt: Zoom konnte zunächst in die Flucht geschlagen werden, es ist ein wenig Liebe in der Luft (Tina und Henry, Barry und Iris, Wally und Jessie?) und generell könnte die Stimmung harmonischer nicht sein. Dann braust jedoch Zoom heran, schnappt sich Barrys Vater, entführt diesen in das alte Familienhaus der Allens und tötet Henry dort vor den Augen seines Sohnes. Als Zuschauer hatte man gespürt, dass da noch etwas Großes kommen musste. Zu offensichtlich ist die Botschaft dieser Episode, zu verräterisch das vermeintliche Schlussbild des perfekten Glücks.
Der Schlag sitzt dennoch tief, ist Henry uns doch ungemein ans Herz gewachsen und immer wieder ein Anker für Barry gewesen. Ein fieser Zug der Autoren, der emotiomal voll ins Schwarze trifft und den einen oder anderen sicherlich ein Stück weit fassungslos stimmt. War es das wirklich für Henry? Und wenn ja, wie wird Barry mit diesem Verlust umgehen, gerade jetzt, wo es für ihn so gut aussah? Ein hochspannendes, großes Ende einer Episode, die vielleicht eine der besten der gesamten Staffel hätte sein können, gäbe es nicht diese vielen kleinen Störfeuer, von denen man sich einige im Laufe der Staffel selbst eingebrockt hat.
Fazit
Invincible ist eine tolle Episode, die mich als The Flash-Fan mehrfach abholen kann, vor allem in emotionaler Hinsicht. Der schockierende Schlusspunkt erwischt einen mit voller Wucht. Zuvor gefällt die Erzählung durch ein angenehm schnelles Tempo sowie sehenswerte Schauspielleistungen und sehr gute Charaktermomente, ob diese nun humorvoll oder dramatisch sind. Zwischendurch leistet man sich aber ein paar „Aussetzer“, die einfach ins Gewicht fallen und nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Schade, da viele davon vermeidbar gewesen wären. All zu eklatant sind diese zum Glück aber nicht, weshalb man ohne Frage großen Spaß mit dieser Folge haben kann. Für das Staffelfinale ist nun alles angerichtet, fast schon erwartungsgemäß geht es mit einem herben Dämpfer in die finale Schlacht mit Zoom. Wird Earth-2, wie es Cisco vorhergesehen hat, dem Scheusal zum Opfer fallen oder kann Team Flash dies verhindern? Wir werden es sehen.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 18. Mai 2016The Flash 2x22 Trailer
(The Flash 2x22)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x22
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