The Flash 2x20

The Flash hat es einem in den letzten Wochen alles andere als einfach gemacht, die Serie und ihre neuesten Entwicklungen zu bewerten. Während Zoom nicht bei jedem Zuschauer Anklang gefunden hat und man sich den Vergleichen zwischen der außerordentlich guten ersten und der aktuellen zweiten Staffel kaum noch erwehren kann, lässt sich nur schwer abstreiten, dass die Serienmacher es dennoch immer wieder schaffen, Spannung zu generieren, was dazu führt, dass das Publikum den nächsten Episoden erwartungsvoll entgegenblickt. So auch in der Folge Rupture, bei der man lange Zeit nicht wirklich weiß, woran man hier eigentlich ist, die dann aber zu einem der größten Überraschungsmomente der zweiten Staffel ansetzt.
Aber inwiefern ist dies, was am Ende von „Rupture“ passiert, wirklich schockierend? „The Flash“ folgt einem diskussionswürdigen Trend im Fernsehgeschäft, in dem man uns den Tod eines Charakters präsentiert, der aber eigentlich gar nicht sterben kann und dessen Rückkehr nur eine Frage der Zeit ist. So sehr man sich emotional von den Schlussminuten dieser Episode komplett mitreißen lassen kann - ein Beigeschmack bleibt. Bevor es jedoch zu diesem insgesamt sehr aufregenden Finale kommt, kann man einige Elemente der Handlung hinterfragen. Die wie immer ansehnlichen Schauspielleistungen in allen Ehren (insbesondere am Ende der Folge) - manch ein Handlungsstrang gestaltet sich dann doch etwas eigenartig und so, wie es der übergeordneten Geschichte gerade am besten passt.
The only way
Als zentraler Aufhänger der Episode dient die schwierige Frage für Barry (Grant Gustin), ob er nun versuchen soll, über Wells (Tom Cavanagh) und eine weitere Teilchenbeschleunigerkatastrophe seine Superkräfte zurückzubekommen, oder aber einen anderen Weg finden muss, der weniger riskant ist, um Zoom (Teddy Sears) Einhalt zu gebieten und Caitlin (Danielle Panabaker) aus dessen Fängen zu befreien. Für unseren jungen Protagonisten ist dies keine einfache Entscheidung, doch sie liegt nun einmal bei ihm allein, während seine Liebsten und Nächsten von außen auf ihn Einfluss nehmen und den Prozess der Entscheidungsfindung nur noch verkomplizieren.

Need for speed
So sehen wir nach längerer Zeit zum Beispiel Barrys Vater Henry (John Wesley Shipp) wieder, der sich in eine kleine Waldhütte zurückgezogen hatte und nun eventuell permanent nach Central City zurückkehrt. Henry bildet in „Rupture“ gemeinsam mit Joe (Jesse L. Martin) und Wells ein Trio an Vaterfiguren für Barry, von denen ein jeder auf diesen Einfluss nimmt. Henry übernimmt dabei die sehr emotionale Argumentation gegen das riskante Unterfangen von Wells, ist Barry als Persönlichkeit doch viel mehr als „nur“ der Superheld The Flash. Joe kennt seinen Ziehsohn Barry indes nur zu gut und bewegt sich etwas zwischen den Fronten, während Wells klipp und klar sagt, wie die Lage aussieht: Aus eigener Erfahrung weiß er, was passieren wird, was Zoom als nächstes plant und welches Chaos und Unheil Team Flash sowie die gesamte Stadt erwartet. Die einzige Chance, ihn aufzuhalten, ist eine kontrollierte Katastrophe eines Teilchenbeschleunigers, über die Barry wieder an seine Kräfte gelangt - in der Theorie, wohlgemerkt.
John Wesley Shipp, Jesse L. Martin und Tom Cavanagh gemeinsam über das Wohl und Wehe über Barry diskutieren zu sehen, ist eine tolle Szene - nicht nur, weil sich hier drei sehr gute Schauspieler die Klinke in die Hand geben, sondern man auch die Position ihrer Figuren gut nachvollziehen kann. Ein jeder von den dreien sorgt sich auf seine eigene Art und Weise um Barry, doch er selbst muss letzten Endes wissen, was er will, was der richtige Weg ist, um seiner selbstauferlegten Verantwortung als Held und Symbol der Hoffnung für die Stadt gerecht zu werden, aber gleichzeitig seine eigene Identität und Persönlichkeit zu wahren, die nach der Meinung seines leiblichen Vaters eben nicht nur von seinem Dasein als Flash bestimmt wird.
Struck by lightning
Iris' (Candice Patton) Offenheit, die letztlich Barry ihre Liebe gesteht, kommt für diesen indes zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, kommt er doch dadurch noch mehr ins Grübeln, was er tun soll. So herzlich dieser Augenblick zwischen den beiden ist, so bekannt kommt er einem auch vor, erinnert er doch an das teilweise mühselige Hin und Her zwischen den beiden Charakteren in der ersten Staffel von The Flash. Iris gefiel mir in der zweiten Staffel bisher sehr gut, weil sie sich stets sehr eigenständig, unabhängig und kompromisslos präsentierte. Wie bereits in der vorangegangenen Episode greifen die Macher nun die Beziehung zwischen Barry Allen und Iris West aus der Comicvorlage auf. In welche Richtung sich diese in der Serie entwickeln wird, lässt sich aber noch nicht wirklich sagen.
Die Handlung wird dann von einem neuen Metahuman belebt, der einen durchaus schmissigen Auftritt hinlegt. Zuvor gibt es aber einen charmanten Einstieg zu sehen, hat Team Flash doch provisorisch eine Art Hologramm von The Flash entwickelt, das Cisco (Carlos Valdes) dank ausgeprägter Gaming-Skills durch die Straßen von Central City lenkt. Somit kann man die normalsterblichen Kriminellen erst einmal etwas im Zaum halten. Doch gegen richtige Gegner, wie zum Beispiel Zoom und seine Metahumans, müssen sie sich schon etwas Besseres einfallen lassen, wie Wells mahnt.
Out of control
Das Hologramm kommt aber auch sehr erfolgreich bei der Bekämpfung des übernatürlichen Schurken der Woche zum Einsatz. Der Erfindungsreichtum von Cisco macht sich also bezahlt. Dem jungen Wissenschaftler wird ohnehin eine große Rolle in dieser Episode zu Teil, was aber wiederum gemischte Resultate nach sich zieht. Nach längerer Zeit greifen die Macher nämlich mal wieder die problematische Beziehung zwischen Cisco und seinem Bruder Dante (Nicholas Gonzalez) auf, den wir zuletzt in der ersten Staffel gesehen haben, wo er in der Folge Rogue Time von Captain Cold, Heat Wave und Golden Glider entführt wurde. Während ein paar Szenen zwischen den beiden Ramons ganz nett anzusehen sind, vor allem zum Ende der Episode, wird man insgesamt aber nicht wirklich richtig warm mit dieser Nebengeschichte.

Reaper
Dies liegt zum einem daran, dass Dante sehr plötzlich wieder auftaucht und mit Sicherheit genauso plötzlich wieder weg sein wird. Bei Henrys erneutem Auftritt, der ebenfalls etwas aus dem Nichts kommt, sieht es ganz ähnlich aus, aber hier haben wir zumindest eine längst etablierte, emotional sehr starke Beziehung zwischen Vater und Sohn, die uns abholt und über die Beliebigkeit von Henrys Kommen und Gehen hinwegsehen lässt. Bei Dante ist dies anders, haben wir als Zuschauer doch nie wirklich eine emotionale Bindung zu ihm und seinem Verhältnis mit Cisco aufbauen können. Aus diesem Grund ist uns dieser Handlungsstrang bisweilen sogar etwas egal.
Der Kniff mit dem Metahuman Rupture, der mit einer besonders coolen Super-Sense ausgestattet ist und unter dessen Maske sich der Earth-2-Doppelgänger von Dante verbirgt, ist eine nette Idee, die zumindest dafür sorgt, dass sich die Ramon-Brüder letztlich etwas versöhnen und an ihrer geschwisterlichen Beziehung arbeiten wollen. Dass Rupture aber wieder sehr schnell und erschreckend einfach aus dem Weg geräumt ist, passt mal wieder hervorragend zu „The Flash“. Trotz sehenswerter visuellen Umsetzung seiner Fähigkeiten bleibt der Fiesling, der Rache für seinen toten Bruder Reverb will, schlussendlich doch etwas blass.
No more hope
Ich finde die Idee an sich gut, dem ungemein charmanten und immer wieder sehr witzigen Cisco - allein in Rupture hat er zahlreiche großartige Momente, von nerdigen Videospiel- (spielt da ein Drehbuchautor etwa gerne World of Warcraft?) bis hin zu popkulturelle Filmreferenzen („Expecto Patronum!“) - mal ein paar etwas dramatischere, gefühlvollere Geschichten zuzuschustern. Hier geht der Plan aber nur bedingt auf, da uns der Bezug fehlt und vielleicht auch allein aus erzählerischer Sicht gerade nicht der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um Cisco von einer anderen Seite zu zeigen.
Zoom ist und bleibt nun mal das alles bestimmende Thema, und je mehr auch ich langsam den Szenen zwischen Hunter Zolomon und der entführten Caitlin ein wenig überdrüssig werde (wo flitzt der Speed Demon zwischendurch eigentlich immer hin? Wäre es nicht sinnvoll, die S.T.A.R. Labs zu attackieren?), so sehr gelingt den Serienmachern, ihren Antagonisten Zoom von ebenjener Seite zu zeigen, die ihn zu Beginn der Staffel zu furchteinflößend und beeindruckend schauderhaft gemacht haben. Wie Zoom flugs etliche Polizisten ausschaltet, indem er ihnen kaltblütig das Genick bricht, ist eine schockierende Momentaufnahme, bei der einem mal wieder bewusst wird, was für ein Monster er eigentlich ist. Einziger Wermutstropfen ist derweil, dass das naive Team Flash durchaus mit dieser Entwicklung hätte rechnen können, dass Zoom im Zweifel halt doch die Drecksarbeit übernimmt und eigenhändig seine Macht demonstriert. Central City gehört ihm, Gegenwehr leistet man ihm besser nicht.
Recreation
Für Barry ist diese grausame Art der Machtdemonstration wiederum der Auslöser dafür, dass er sich eben doch dagegen entscheidet, Zoom auf einen anderen Weg zur Strecke zu bringen. Viel eher möchte er seine Kräfte zurückhaben, um der Stadt und ihren Bewohnern in dieser schrecklichen Zeit zu helfen. Also geht es für ihn doch in den Teilchenbeschleuniger - leider mit verheerenden Folgen. Wells' Plan geht nämlich gehörig schief und so löst sich Barry unter großen Schmerzen schon fast in Luft auf. Was bleibt, ist ein Fetzen seines Superheldenkostüms und ein zufriedener Zoom, der nun gar nichts mehr zu fürchten hat.

Zugegeben, der Moment von Barrys Tod (wer's glaubt) an sich ist ungemein aufregend und hat mich definitiv auf dem falschen Fuß erwischt. Der Charakter und Grant Gustin selbst sind aber viel zu essentiell für die Serie, als dass es dabei bleiben wird, weshalb die tragischen Konsequenzen der zweiten Teilchenbeschleunigerexplosion im Rahmen bleiben. Spannend ist nun jedoch, wie Barry zurückkehren wird, die Frage nach dem „ob“ stellt sich einem eigentlich gar nicht (Stichwort Zeitreisen). Auch sehr interessant ist, inwiefern Jesse (Violett Beane) und Wally (Keiynan Lonsdale) von der Katastrophe beeinflusst worden sind. Die beiden wurden ja passenderweise zu ihrer Sicherheit weggesperrt, um dann im richtigen Moment zu entkommen und von der Strahlung weggerissen zu werden. Erleben wir schon bald den Auftritt zweier weiterer Helden aus der Comicvorlage? Es sieht ganz danach aus.
Fazit
Trotz ein paar Längen, fast schon unnötigem Nebengeplänkel und gewohnter Zweckdienlichkeit im Sinne der Rahmenhandlung gelingt der The Flash-Episode Rupture das, wofür wöchentlich nach wie vor viele Menschen einschalten: Große Spannungsmomente, die brandheiße Fragen aufwerfen und die Erwartungshaltung in die Höhe schrauben. „The Flash“ mag in den letzten Episoden vielleicht nicht ganz so rund verlaufen, wie es noch vor einigen Wochen oder gar in der ersten Staffel der Fall gewesen ist - dem Reiz der gewaltigen, mitunter sehr mutigen Entwicklungen des Formats kann man sich als Beobachter und Fan aber trotzdem nicht entziehen. Der Tod von Barry als narratives Element dürfte die Meinungen spalten, sollte doch klar sein (allein die seltsame Kontinuität im Arrowverse, siehe die Arrow-Episode Canary Cry, ist Indiz genug), was passieren wird. Dennoch bleibt die Frage nach dem „Wie genau?“ und was die neuerliche Katastrophe noch alles angerichtet hat.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 4. Mai 2016The Flash 2x20 Trailer
(The Flash 2x20)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x20
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?