The Flash 2x19

The Flash 2x19

Die The Flash-Episode Back to Normal folgt einer interessanten Prämisse und punktet mehrfach durch starke Charaktermomente, die zu Herzen gehen können. Leider überzeugt nicht jeder Handlungsstrang in dieser Geschichte, die unter anderem an der Metahumanfront schwächelt.

Barry (Grant Gustin) und Cisco (Carlos Valdes) in „Back to Normal“ / (c) The CW
Barry (Grant Gustin) und Cisco (Carlos Valdes) in „Back to Normal“ / (c) The CW

Nach der letzten Episode Versus Zoom machte sich bei vielen Zuschauern von The Flash in Sachen Zoom aka Hunter Zolomon (Teddy Sears) ja etwas Unmut breit. Ich persönlich hatte nicht so viele Probleme mit der „Origin Story“ des finsteren Speedsters, kann aber nachvollziehen, warum sich bei vielen etwas Enttäuschung breitmachte. Sei es aufgrund Zooms beliebiger Motivation, ein Fiesling zu sein, oder aber wegen den schwammigen Erklärungen, wie er Team Flash die ganze Zeit hinters Licht führen konnte - Stichwort Time Remnant.

Es bleibt abzuwarten, ob die Macher der Superheldenserie im Schlussspurt der zweiten Staffel ein paar dieser Makel bezüglich Zoom begradigen können. Back to Normal, die neueste Episode von „The Flash“, behandelt Zoom eher nebensächlich. Es dreht sich alles erst einmal darum, wie Barry (Grant Gustin) mit der aktuellen Situation zurechtkommt, nachdem er in der vorangegangenen Folge seine Superkräfte verloren hat. Ein interessantes Konzept, aus dem man einiges machen kann.

Too slow

Die Handlung um Barry ohne seine Fähigkeiten stellt sich durchaus als unterhaltsam heraus, während einige Nebengeschichten die richtigen Knöpfe drücken, um die Zuschauer emotional zu erreichen. Auf der anderen Seite gestaltet sich der Auftritt eines neuen Metahumans etwas altbacken und lahm, auch wenn der Schurke der Woche über Potential verfügt. Ebenfalls ein paar Probleme bereitet indes der Handlungsstrang um Caitlin (Danielle Panabaker) als Gefangene Zooms, auch wenn wir hier noch einmal gut verdeutlicht bekommen, wie der unberechenbare Hunter Zolomon wirklich tickt.

Joe (Jesse L. Martin); Cisco (Carlos Valdes) und Barry (Grant Gustin) in %26bdquo;Back to Normal%26ldquo; © The CW
Joe (Jesse L. Martin); Cisco (Carlos Valdes) und Barry (Grant Gustin) in %26bdquo;Back to Normal%26ldquo; © The CW

Home Sweet Home

Dies ist wohl auch die wichtigste Information, die man aus dem von den restlichen Geschehnissen in der Episode eher losgelösten Plot um Caitlin und Hunter Zolomon gewinnen kann. Dieser ist zweifellos ein Psychopath, ein manischer, angsteinflößender Verrückter, der komplett in Caitlin vernarrt ist und diese nun zu seiner Geisel macht. Teddy Sears spielt den Wahnsinn seiner Figur überzeugend, während Danielle Panabaker mal wieder die Rolle der Maid in Nöten zugeschustert bekommt. Es ist ja schon fast zu einer „The Flash“-internen Trope geworden, dass die Wissenschaftlerin entführt wird. Wirklich große Sorgen macht man sich um sie eher weniger. Glücklicherweise wird sie aber aktiv und wartet nicht nur auf ihre Rettung, die erst einmal nicht absehbar ist.

Caitlin trifft in Zooms Verschlag auf ihre Earth-2-Doppelgängerin Killer Frost, die nach wie vor vom Speed Demon gefangen gehalten wird. Der Grund: Sie erinnert ihn optisch natürlich an seinen Schwarm Caitlin und nachdem er diese jetzt sein Eigen nennen kann, hat er wohl keine Verwendung mehr für Killer Frost. Für Panabaker ist es sicherlich ein großer Spaß, diese Doppelrolle und die zwei sehr verschiedenen Charaktere - die aufreizende Killer Frost auf der einen, die zugeknöpfte Caitlin auf der anderen Seite - zu spielen. Als Zuschauer erfordet es indes eine hohe Toleranzgrenze, gerade bei Killer Frost, übertreibt man es mit ihr doch ein wenig. Für kurze Momente ist die eisige Schurkin ganz nett, sobald sie aber etwas mehr zu tun bekommt, kann ihre extrem comichafte Überzeichnung definitiv ein paar Nerven kosten.

Mistakes

Die beiden Damen machen gemeinsame Sache und wollen sich zusammen aus ihrer Misere befreien. Wer sich Hoffnungen gemacht hat, dass eventuell die Identität des Mannes mit der eisernen Maske enthüllt werden würde, wird enttäuscht. Bevor Caitlin überhaupt den Vorschlag machen kann, auch diesen zu befreien, wird sie von ihrer Doppelgängerin hintergangen. In letzter Sekunde saust jedoch Zoom herbei, „phast“ sich durch Caitlin hindurch (sehr cool!) und erledigt Killer Frost im Handumdrehen, weil er tatsächlich keine Verwendung mehr für sie hat. Was bleibt, ist letztlich Zolomons düstere Ansage, dass er jetzt sogar plant, ganze Welten zu erobern, beginnend mit Earth-1. Ja, er ist ein wahnsinniger Psychopath (Caitlins Worte lösen bei ihm immer wieder kleine Episoden von dem Mord an seiner Mutter aus), dessen Motive aufgrund dessen nicht wirklich definierbar sind. Man hätte aber wohl schlichtweg etwas mehr von dem Überbösewicht erwartet, was seine Figurenzeichnung angeht.

Dessen Erbe ist natürlich gewaltig, denkt man nur an Harrison Wells aus der ersten Staffel und Tom Cavanaghs exzellente Darbietung zurück. Auch in Backt to Normal darf dieser mal wieder etwas auftrumpfen. Dabei werden wir und auch Wells noch einmal darin erinnert, welche Folgen die Katastrophe um den Teilchenbeschleuniger für die verschiedensten Menschen hatte. Während Wells in großer Sorge um seine Tochter Jesse (Violette Beane) ist, kann Zoom doch nun das von Barry und Cisco (Carlos Valdes) geöffnete Portal nutzen und zum erneuten Angriff blasen, wird der Wissenschaftler selbst zum Opfer einer Entführung durch einen geschundenen Metahuman, der sich von Wells Hilfe verspricht.

A heavy burden to bear

Zunächst einmal finde ich es gut, dass Violett Beane zur Serie zurückkehrt, bildet sie zusammen mit Tom Cavanagh doch ein starkes Vater-Tochter-Gespann. Das Interessante an dem Verhältnis zwischen diesen Figuren ist, dass wir beide Seiten absolut nachvollziehen können: Wells möchte als Vater seine Tochter vor allen Gefahren beschützen - nach dem Tod seiner Frau kann er nicht noch einen schweren Verlust verkraften. Jesse strebt als junger Mensch natürlich eine gewisse Unabhängigkeit an und ist ohnehin schockiert, was ihr Vater alles tun würde (zum Beispiel einen Mord begehen), um sie vor Schaden zu bewahren. Doch Wells' Beschützerkomplex hat einfach (moralische) Grenzen, etwas, was der sture Gründer der S.T.A.R. Labs lernen muss zu akzeptieren.

Griffin Grey (Haig Sutherland) gegen The Flash (Grant Gustin) © The CW
Griffin Grey (Haig Sutherland) gegen The Flash (Grant Gustin) © The CW

Quick thinking

Die Autoren entwerfen ein nachvollziehbares Drama zwischen diesen beiden Charakteren, das vorzüglich von den Darstellern getragen wird. Außerdem punktet Jesse, deren kompletter Comicname erstmals ausgesprochen wird, mit ein paar pfiffigen Ideen und avanciert somit als guter Ersatz für die entführte Caitlin - auch, wenn das alles natürlich ganz perfekt zusammenpasst, wie Jesse von jetzt auf gleich Caitlins Lücke füllen kann, weil sie ein sehr helles Köpfchen ist und gleich mehrere Hauptfächer in ihrem Studium belegt hat. Die etwas stärkere Integration von Jesse in Team Flash gefällt mir aber insgesamt sehr gut, kleinere Fragezeichen (Wells taucht mit einer Waffe bei der Wohngemeinschaft seiner Tochter auf und wird von Jesses Mitbewohnerin sofort reingelassen?) kann man mit Leichtigkeit ignorieren.

Da sieht es wiederum beim Handlungsstrang um den Metahuman der Woche, namentlich Griffin Grey (Haig Sutherland), etwas anders aus. Ich wunder mich schon ein Stück weit, warum der gute Griffin mit seinem verzwickten Problem - er ist zwar superstark, altert aber rapide - nicht auf normalem Weg die Hilfe von Team Flash oder Harrison Wells aufsucht und gleich zu einem zornigen Haudrauf mit Rachegedanken verkommt. Dass er Wells recht einfach aufspüren kann, ist ebenfalls etwas rätselhaft. Aber warum nicht Kontakt mit dem Wissenschaftler aufnehmen und um dessen Hilfe bitten?

Natürlich schäumt Grey vor Wut, weil Wells für die Teilchenbeschleunigerexplosion verantwortlich war (nicht dieser Wells in dieser Welt, aber das weiß der Metahuman ja nicht) und so das Leben des eigentlich erst 18-jährigen zerstört wurde. Diese „Ich werde dich dafür büßen lassen, was du mir angetan hast“-Geschichte hat aber langsam etwas Lack verloren und lockt mich in The Flash nicht mehr komplett hinter dem Ofen hervor. Man hätte doch mal viel mehr in die Richtung einer dramatischen Geschichte über einen armen jungen Heranwachsenden gehen können, der einfach nur geheilt werden möchte.

Regular guy

Am interessantesten ist hier noch der Blick auf Wells, der sich nicht nur den Vorwürfen seiner Tochter, sondern auch denen von Grey ausgesetzt sieht. Er denkt über seine eigenen Fehler nach, über seinen Egoismus und die Verantwortungslosigkeit, die damit einhergeht. Die Katastrophe um den Teilchenbeschleuniger auf Earth-2 geht ebenfalls auf seine Kappe, Grey erinnert ihn daran, dass es viele Menschen gibt, die ähnlich schwerwiegende Veränderungen durchgemacht haben und deren Leben er eventuell sogar zerstört hat. Cavanagh ist für diese nachdenklichen Momente der Figur natürlich wie gemacht und so hat der etwas beliebige Metahumanhandlungsstrang neben ein paar netten Effekten (der rapide Alterungsprozess ist ordentlich umgesetzt) zumindest diese Komponente zu bieten.

Auch die Verbindung zu Barrys derzeitiger wortwörtlicher Machtlosigkeit geht hier in Ordnung, wobei jeder andere Widersacher dasselbe Resultat zur Folge gehabt hätte. Wie bereits zu Beginn erwähnt ist es immer interessant, wenn ein Superheld seine Fähigkeiten verliert und nach längerer Zeit wieder ohne diese zurechtkommen muss. Eine clevere Montage zum Auftakt der Episode zeigt gut auf, wie sich Barrys Leben mit Superkräften verändert hat und dass nun wieder ein sehr lahmer, gewöhnlicher Alltag sein Leben bestimmt. Das Team schafft es dennoch dank Technologie (Superwaffen, ein durch Ray Palmers Technologie verstärkten Flash-Anzug, das Metahuman-Ortungsgerät von Wells), Gray zu besiegen, der sich letztlich nach seinem Tod aufgrund Altersschwäche zurück in sein jüngeres Ich verwandelt.

Regular day

Ich hätte mir vielleicht sogar noch ein paar mehr Szenen von Barry gewünscht, wie er mit dieser einschneidenden Veränderung in seinem Leben umgeht. Während er der Verbrechensbekämpfung im Stile der guten alten Ermittlerschule nachgeht, nimmt die Kriminalitätsrate in der Stadt wieder zu. Kein Wunder, ist Barry doch nicht mehr in der Lage dazu, die Straßen von Central City zu säubern. Für meinen Geschmack kann man die Abwesenheit des Flash gerne etwas mehr thematisieren. Zoom hat Barry seiner Fähigkeiten beraubt, da darf man die Konsequenzen für die Stadt, aber auch für die psychische Verfassung Barrys ruhig deutlich aufzeigen.

Etwas absehbar ist derweil der Ausgang des kurzen Gespräches zwischen Barry und Iris (Candice Patton): Barry denkt, seine Geschwindigkeit wäre das einzige, was ihn als Persönlichkeit wirklich auszeichnet. Iris widerspricht natürlich und sagt ihm, dass er auch ohne Superkräfte ein Held ist. Etwas platt, wie ich finde, aber eine derartige Szene darf ja nicht fehlen.

Barry (Gustin Grant) in %26bdquo;Back to Normal%26ldquo; © The CW
Barry (Gustin Grant) in %26bdquo;Back to Normal%26ldquo; © The CW

Ein wenig eigenartig ist dann noch die kleine Nebengeschichte um Wally, der sich bei The Flash für dessen Rettungstat aus der letzten Episode bedanken möchte. Mir gefällt erneut, dass die noch sehr frische Vater-Sohn-Beziehung zwischen Joe (Jesse L. Martin) und Wally weiter gedeiht und der Charakter von Keiynan Lonsdale immer mehr auftaut. Auch sein Versprechen an The Flash, sein Leben nicht zu verschwenden (etwas, was auch seine Schwester Iris und Joe schon angesprochen hatten, als Wally noch in illegale Straßenrennen verwickelt war), ist charmant.

Der gesamte Plot um Wally, der sich einfach nur bei dem maskierten Helden bedanken will, kommt dann aber doch zu einem sehr abrupten Ende, das „Gespräch“ zwischen den beiden ist schon wieder zu Ende, bevor es richtig angefangen hat. Wohin wollten die Macher mit dieser Geschichte? Sollte es tatsächlich nur ein einfaches Danke von Wally an The Flash sein, ein Zeichen für Barry, dass seine Heldenfigur als Symbol großen Wert für die normalsterblichen Menschen hat und er deshalb trotz des derzeitigen Rückschlags weitermachen muss? Ganz klar wird es nicht.

Fazit

Es bleibt spannend, wie Barry seine Superkräfte zurückbekommen wird, vor allem, nachdem Wells ihm am Ende der Episode den Plan unterbreitet, erneut einen Teilchenbeschleuniger zum Explodieren zu bringen, um Barry wieder zum Flash zu machen. Ich dachte zwischenzeitlich, dass vielleicht sogar Wally mit seinen Forschungen zum Thema Hochgeschwindigkeitsmotoren ein Faktor werden könnte. Es bleibt abzuwarten, wie dieser riskante Plan von Wells ausgehen wird, vor allem, weil er doch weiß, welch großen Schaden er mit einer weiteren Katastrophe anrichten könnte.

Die Episode Back to Normal lässt an sich indes ein paar Chancen liegen, gleicht vieles aber dank erneut guter Darbietungen und dem gewohnten Charme und Humor (Cisco sollte definitiv an seinen Motivationsreden arbeiten) aus. Nicht alle Handlungsstränge überzeugen letztendlich in ihrer Gänze und die Causa Zoom hat ebenfalls noch Luft nach oben. Dennoch blickt man erwartungsvoll auf die nächste Episode, allein wegen dem äußerst gefährlichen, eigentlich moralisch verwerflichen Vorhaben, das uns bevorstehen könnte.

Trailer zur „The Flash“-Episode 2x20, „Rupture“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 27. April 2016

The Flash 2x19 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 19
(The Flash 2x19)
Deutscher Titel der Episode
Held ohne Kräfte
Titel der Episode im Original
Back to Normal
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 26. April 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 14. Juli 2016
Autoren
Brooke Roberts, Katherine Walczak
Regisseur
John F. Showalter

Schauspieler in der Episode The Flash 2x19

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