The Flash 2x18

The Flash 2x18

Versus Zoom schlägt bisweilen äußerst finstere Töne an und stellt die Zuschauer am Ende der Episode vor die große Frage, wie es denn nun im Kampf gegen den unheilvollen Speedster weitergehen wird. Ein Blick auf die Vergangenheit des Oberschurken wirft indes etwas Licht aufs Ungewisse.

Barry (Grant Gustin) in „Versus Zoom“ / (c) The CW
Barry (Grant Gustin) in „Versus Zoom“ / (c) The CW

Wie so viele andere Serien bewegt sich auch The Flash mit stetigen Schritt auf das Finale seiner nunmehr zweiten Staffel zu, welches in etwas mehr als einem Monat ausgestrahlt werden wird. Auf dem Weg dorthin haben wir in der Superheldenserie von The CW nun den Punkt erreicht, an dem es für unsere Helden nun recht düster aussieht und die neuerliche Lage aussichtslos erscheint. Dem skrupellosen Zoom gelingt in der Folge Versus Zoom nämlich ein entscheidender Erfolg über Team Flash, opfert Barry letzten Endes doch seine Geschwindigkeit im Austausch für das Leben von Wally. Wie kann unser Protagonist jetzt, nachdem er seine Superkräfte verloren hat, Zoom noch Einhalt gebieten?

Das Schlussbild dieser Episode markiert eine fast schon ungewohnte Situation, die unsere Charaktere erschreckend hilf- und ratlos zeigt. Was zunächst nach einem guten Plan aussah, Zoom dingfest zu machen, geht komplett nach hinten los. Dies macht schlussendlich auch den besonderen Reiz der Episode aus, überträgt sich diese Hilf- und Ratlosigkeit doch ein Stück weit auch auf die Zuschauer, die ebenfalls schwer ins Grübeln kommen dürften, wie nun der nächste Schritt von Team Flash aussehen wird.

The lucky one

Doch nicht nur diese außergewöhnliche Situation ist hochinteressant, auch der etwas ausführlichere Blick auf Zoom aka Hunter Zolomon (Teddy Sears) und dessen Vorgeschichte bereichert die Episode immens. Nachdem der Staffelantagonist lange Zeit ein anonymes Scheusal vor dem Herren gewesen ist, bekommen wir nun ein paar wertvolle und spannende Informationen zu diesem aufgetischt, die der maskierten Bedrohung ein Gesicht geben. Dabei ist jedoch nicht alles, was die Serienmacher mit Hunter Zolomon anstellen, vollkommen überzeugend. Neben ein paar rasanten Actionsequenzen wartet man aber zusätzlich mit einigen schönen Charaktermomenten auf, die „Versus Zoom“ in der Summe auf ein überdurchschnittliches Niveau hieven.

Cisco (Carlos Valdes) in %26bdquo;Versus Zoom%26ldquo; © The CW
Cisco (Carlos Valdes) in %26bdquo;Versus Zoom%26ldquo; © The CW

Test drive

Selbst die zahlreichen Interaktionen unter den Figuren sind in dieser Woche von einer gewissen Schwermütigkeit geprägt, was verdeutlicht, dass es langsam aber sicher in die sehr ernste Phase der Staffel geht. Zunächst hat Barry (Grant Gustin) noch große Freude daran, dank der Tachyon-Gerätschaft wesentlich schneller als noch zuvor zu sein, und auch bei seinem Team macht sich für einen kurzen Moment Optimismus im Kampf gegen Zoom breit. Relativ beiläufig wird ein kleiner Hinweis in Richtung Crossover-Event mit Supergirl fallen gelassen, die Stimmungslage schlägt dann aber sogleich um, als es ans Eingemachte, sprich den konkreten Plan, wie man Zoom besiegen kann, geht.

Während Wells (Tom Cavanagh) am liebsten den speed demon auf Earth-2 festgesetzt sehen will, sodass dieser keinen Schaden mehr auf Earth-1 anrichten und nicht noch einmal seine Tochter entführen kann, sieht sich Barry in der Pflicht, Earth-2 zu helfen und Zoom ein für alle Mal in die Schranken zu weisen. Wells' Angst vor Zoom ist aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen absolut nachvollziehbar, der Schurke macht vor nichts halt, ist frei von allen Skrupeln und eiskalt. Barry möchte indes seiner Verantwortung gerecht werden und über ein neues Portal nach Earth-2 das Duell mit Zoom suchen. Nachdem alle breaches erfolgreich geschlossen wurden, liegt es nun an Cisco (Carlos Valdes) und seinen besonderen Fähigkeiten, einen neuen Weg in die Parallelwelt zu schaffen.

The dark side

Der Druck, der hierbei von Barry auf Cisco ausgeübt wird, sorgt dafür, dass wir den sonst sehr lockeren Technik-Nerd, der stets eine charmante Referenz aus der Popkultur auf den Lippen hat, mal von einer anderen Seite sehen. Und wer kann es ihm verübeln, dass er gar kein Portal öffnen will: Über seine mächtige Begabung, die tief in ihm schlummert, könnte er eine große Gefahr heraufbeschwören - in diesem konkreten Fall Zoom, der nur darauf wartet, nach Earth-1 zurückkehren zu können. Zusätzlich könnte Cisco von dieser Macht korrumpiert werden, siehe sein Earth-2-Doppelgänger Reverb, der auf die dunkle Seite übergewandert ist. (Die „Star Wars“-Analogie bezüglich Anakin Skywalkers Entwicklung zu Darth Vader passt übrigens wie die Faust aufs Auge.)

Wo Reverb oder auch Zoom jedoch allein auf weiter Flur stehen, hat Cisco Freunde, die ihn unterstützen und ihm bei der Bewältigung seiner neuen Verantwortung helfen werden, so wie Barry bei seiner Entwicklung zum Superhelden unter die Arme gegriffen wurde. Die Serienmacher vertrauen hier auf das starke Band, das sich zwischen den einzelnen Figuren entwickelt hat, was wiederum nicht nur diese überzeugenden Szenen zwischen Barry und Cisco, sondern auch viele andere Charakterinteraktionen sehenswert macht.

Destiny

Auch der kurze Austausch zwischen Iris (Candice Patton) und Caitlin (Danielle Panabaker) funktioniert gut, selbst wenn diese beiden Figuren eher selten gemeinsame Szenen haben. Iris' neuerliche Zweifel ob ihres Liebeslebens (ein Date mit ihrem Chef Scott lässt sie sausen), weil sie sich abermals zu Barry hingezogen fühlt, sind nachvollziehbar. Ob ihr Wissen, dass sie und Barry in der Zukunft ein Paar sind, Grund genug dafür sind, dass sie eine Beziehung mit Barry anfängt, muss sich zeigen. Der zweiten Staffel hatte es bisher ganz gut getan, dass die beiden eine wertvolle Beziehung als Geschwister aufgebaut haben. Dass dieses Fass, eine mögliche Liebelei zwischen Iris und Barry, früher oder später wieder aufgemacht werden musste, dürfte aber nicht wirklich überraschen.

Joe (Jesse L. Martin) in %26bdquo;Versus Zoom%26ldquo; © The CW
Joe (Jesse L. Martin) in %26bdquo;Versus Zoom%26ldquo; © The CW

Involved

Die Autoren finden in Versus Zoom generell großen Gefallen an zahlreichen Parallelen zwischen den verschiedenen Charakteren, siehe Barry und Cisco oder Iris und Caitlin, die die Gefühlslage der Reporterin aufgrund eigener Erfahrung gut verstehen kann. Zwischen Wells und Joe (Jesse L. Martin) wird ebenfalls ein Bogen gespannt, sehen sich beide als besorgte Väter doch in der Verantwortung an ihren Nachwuchs zu denken und alles dafür zu tun, diesen zu beschützen. Dabei weiß Joe jedoch, dass man Barry nicht so schnell von dessen Plänen abbringen kann, was Wells letztlich auch einsieht und mit seiner Expertise (er entwickelt zum Beispiel ein schlankeres Design für die Tachyon-Gerätschaft, die man gut unter dem Flash-Logo verstecken kann) Barry beisteht, um Zoom zu besiegen.

Joe muss sich indes etwas mit Wally (Keiynan Lonsdale) herumschlagen, der nach wie vor auf Distanz geht und ein wenig zu seinem Familienglück gezwungen werden muss. Beide befinden sich in einer ganz neuen Situation, die sie so noch nie erlebt haben. Deshalb wirkt das Ganze hier und da auch etwas unbeholfen, als Joe jedoch Wally das Angebot unterbreitet, bei ihm im Haus einzuziehen, wärmt es einem aber schon das Herz, wie Vater und Sohn immer mehr zueinanderfinden. Die Serienmacher tun in der Figurenzeichnung Wallys auch gut daran, diesen nicht mehr von einer arg unreifen und unfreundlichen (zum Beispiel gegenüber Barry) Seite zu zeigen. Der charmante Vater-Sohn-Moment zwischen ihm und Joe tut gut, während man uns in einer trügerischen Sicherheit wiegt.

All alone

Die größte Parallele der Episode lässt sich indes natürlich zwischen Barry und seinem Nemesis Zoom aka Hunter Zolomon finden, was vor allem in den ersten Minuten von Versus Zoom zu sehen ist. Der Rückblick auf die Kindheit des kleinen Hunter, die uns sogleich an Barrys tragische Vergangenheit erinnert, ist ein starker Einstieg, der von Beginn an den Ton der Folge vorgibt. So sehen wir, dass Zolomons Mutter von seinem gewalttätigen Vater vor seinen Augen ermordet wurde - eine schreckliche Vorstellung, die Zoom letzten Endes schwer geprägt und vor seiner Verwandlung zum Speedster zu einem wahnsinnigen Massenmörder gemacht hat.

Wissbegierig saugt man jeden neuen Informationsschnipsel zu Hunter Zolomon auf, der als Charakter immer mehr Profil annimmt: In Rückblicken, die durchaus atmosphärisch und sehr gespenstisch inszeniert sind, erschließt sich uns die Figur etwas mehr, als es bisher der Fall gewesen ist. Wir sehen das Ausmaß von Zolomons Wahnsinn, wie er „behandelt“ wurde (sein Hannibal-Lecter-artiger Mundschutz erinnert bereits ein Stück weit an seine Maske als Zoom), zu seinen Kräften kam (die Katastrophe um Wells' Teilchenbeschleuniger) und letztlich von seiner finsteren Macht korrumpiert wurde. Doch warum hat er all dies verbrochen? Die Antwort ist einfach: Aus Spaß daran, ein Held beziehungsweise Monster zu sein.

Kicking the hornets' nest

So sehr es mir gefällt, dass wir mehr über Zoom aka Hunter Zolomon erfahren, diese Motivation ist dann doch recht banal. Damit habe ich aber weniger Probleme (Barrys Motivation, ein Held zu sein, ist ja ähnlich simpel), als mit dem Umstand, dass sich Zoom zwischendurch etwas leicht aus der Reserve locken lässt. Das flotte Scharmützel zwischen ihm und Barry ist optisch sehenswert, etwas mehr Weitsicht hätte ich von Zoom, der in eine Falle gelockt wird, dennoch erwartet. Ebenso wundere ich mich etwas, dass Team Flash nach der Befreiung Wallys, den Zoom zwischenzeitlich als Geisel genommen hat, weiter nach seiner Pfeife tanzt, obwohl dieser effektiv kein Druckmittel mehr hat. Womöglich kann man dies mit dem Respekt vor Zoom begründen, der immer wieder ein Ass im Ärmel hat, sowie mit der Tatsache, dass Barry und Co. keine weiteren Risiken mehr eingehen wollen.

Hunter Zolomon aka Zoom (Teddy Sears) in %26bdquo;Versus Zoom%26ldquo; © The CW
Hunter Zolomon aka Zoom (Teddy Sears) in %26bdquo;Versus Zoom%26ldquo; © The CW

Charade

Das Ende kommt dann etwas überraschend: Um Wally zu retten, übergibt Barry bereitwillig seine Speed Force an Zoom, der sich diese wiederum sofort einverleibt. Zuvor gibt es noch eine kurze Erklärung, wie Zoom sich selbst, also Jay, hatte umbringen können: Es handelte sich bei diesem um einen Time Remnant, eine frühere Version von Hunter Zolomon, der freiwillig sein Leben gab, um sein zukünftiges Ich vor dem Tod zu bewahren. Denn erst Jays Tod markierte den Auslöser für Barry, noch schneller zu werden - eine Energie, die Zoom nun für seine Heilung nutzen kann. Weiter hinterfragen sollte man die Sache mit dem Time Remnant wohl besser nicht, die Erklärung erscheint mir zumindest etwas schwammig, erfüllt letztlich aber ihren Zweck.

Barry büßt am Ende seine Superkräfte ein und wird dann noch von Jay hart in die Mangel genommen, bevor Caitlins Appell an ihn und den letzten Funken Gutherzigkeit in ihm Schlimmeres verhindern kann. Sie wird jedoch von ihm entführt und Team Flash kann nichts dagegen unternehmen, allen voran Barry, der nun wieder ein normaler Mensch ohne Superkräfte ist. Wie Zoom jetzt besiegt werden soll, bleibt die gewaltige Frage, mit der man uns am Ende von „Versus Zoom“ zurücklässt.

Fazit

Versus Zoom überzeugt dank vieler starker Charaktermomente und einer etwas anderen Tonlage, was eine gelungene Abwechslung darstellt. Die zahlreichen Parallelen zwischen den Charakteren geben der Episode eine interessante Struktur, zusätzlich verfolgt man gespannt die Entstehungs- und Hintergrundgeschichte von Hunter Zolomon aka Zoom. Diese sind zwar nicht ganz frei von Problemen, siehe Zooms Motivation oder auch kurzzeitige Naivität, das aufregende Ende der Folge, das nun zum Spekulieren einlädt, wie es für Team Flash in dieser angespannten Notlage weitergehen wird, schürt aber sogleich wieder die Vorfreude auf die nächste Episode. Während weiterhin ein großes Geheimnis um den mysteriösen Mann mit der eisernen Maske gemacht wird, wurden die Karten im Konflikt mit Zoom nun neu gemischt, was mit Blick auf den baldigen Staffelabschluss den spannenden Anfang eines großen Finales sein könnte.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 20. April 2016

The Flash 2x18 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 18
(The Flash 2x18)
Titel der Episode im Original
Versus Zoom
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 19. April 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 7. Juli 2016
Autoren
Joe Pesce, David Kob
Regisseur
Stefan Pleszczynski

Schauspieler in der Episode The Flash 2x18

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?