The Flash 2x17

Nach dem kurzen Abstecher des schnellsten Mannes der Welt in die Serienwelt von Supergirl, was der Maid aus Stahl quotenmäßig durchaus gutgetan hat, steht für unseren Protagonisten Barry (Grant Gustin) in The Flash nun erst einmal wieder die Suche nach einer Möglichkeit an, um noch schneller zu werden. Zwar hapert es ein wenig an der Kontinuität zwischen dem Crossoverevent der beiden Serien, die Episode Flash Back erzählt aber auch so eine aufregende und abwechslungsreiche Geschichte, die vor allem von einer cleveren Prämisse sowie sehenswerten Schauspielleistungen lebt.
In „Flash Back“ kommt es nämlich wortwörtlich zu einem Flashback - für Barry und auch für uns Zuschauer. Denn, weil der junge Speedster einfach nicht mehr weiter weiß, wie er seine Geschwindigkeit ohne leistungssteigernde Mittelchen erhöhen soll, fasst er nach einem erleuchtenden Gespräch mit Wally (Keiynan Lonsdale) einen durchaus riskanten, aber nachvollziehbaren Plan. So, wie Wally für sein erfolgreiches Motorenprojekt sich bei den Größen dieses Forschungsfelds - wie Enzo Ferrari und Ferdinand Porsche in Form von alten Journalen - ein paar Tipps geholt hat, will auch Barry eine Koryphäe auf dem Gebiet, welches der Forensiker zu meistern versucht, zurate ziehen. Es soll in die Vergangenheit zu einem gewissen Harrison Wells aka Eobard Thawne aka The Reverse-Flash (Tom Cavanagh) gehen, der eventuell Abhilfe bezüglich Barrys Geschwindigkeitsproblem schaffen kann.
Cracking the code
Die Serienmacher folgen hier einer durchaus interessanten Idee, die ihnen diverse Möglichkeiten in der mannigfaltigen Gestaltung der Handlung gibt. Und tatsächlich erweist sich der Grundgedanke, die Charaktere zurückblicken zu lassen, um einen entscheidenden Schritt nach vorne zu machen, als ein gelungener Einfall, wobei manch einer sich vielleicht ein paar drastischere Konsequenzen von Barrys Reise zurück in die Vergangenheit erwartet hätte, die natürlich alles andere als rund verläuft. Aufgrund dessen hat die Episode auch einen leichten Beigeschmack, wobei ja noch lange nicht das letzte Wort bezüglich Barrys Trip durch die Zeit gesprochen sein muss.

Running back
Dieser dient unter anderem dazu, dass die Zuschauer ein Verständnis von Barrys Fähigkeit des Durch-die-Zeit-Reisen bekommen, welche Risiken ein solches Vorhaben in sich birgt und wie gefährlich es für die eigene Zeitlinie sein kann. Um dies noch etwas mehr zu verdeutlichen, hätte sich hier vielleicht ein etwas krasseres Ergebnis von Barrys Zeitreise angeboten, geht das Unterfangen letztlich doch eher glimpflich aus. Und das, obwohl Barry in seiner eigenen Vergangenheit viele Sachen komplett auf den Kopf stellt und große Veränderungen bewirkt, die sich am Ende der Folge aber (noch?) nicht wirklich zeigen.
Die Überlegung Barrys, den alten Harrison Wells als helfende Hand zu engagieren, ist indes gar nicht mal so verkehrt, wobei man sich schon fragen muss, warum dieser ihm überhaupt helfen sollte. Der aktuelle Wells hat derweil überhaupt nicht viel für Barrys Plan übrig, geht er damit doch ein viel zu hohes Risiko ein. Barry selbst ist sich seiner Sache sicher und überzeugt davon, dass er schon nicht an der Vergangenheit herumfuschen wird. Außerdem bleibt ihm eh keine andere Wahl: Entweder er riskiert die intakte Existenz seiner Zeitlinie oder aber Zoom wird einen Weg finden, ihm und seinen Nächsten großes Leid zuzufügen, während er nur hilflos zuschauen kann, da er nicht schnell genug ist.
On your own
Es geht also zurück in die erste Staffel von The Flash, zu dem Augenblick, als Wells einstiger Musterschüler Hartley Rathaway (Andy Mientus) Amok lief und als Pied Piper Central City in Atem hielt. Da aber ein gespenstisches Wesen - ein „Time Wraith“, wie sich später herausstellt - Barry etwas zu früh in die alte Zeitlinie befördert, nimmt das vorprogrammierte Chaos seinen Lauf, auch wenn Barry zunächst noch daran glaubt, dieses Problem fixen zu können. Jedoch hat er dabei nicht an den alles durchschauenden Harrison Wells aka Eobard Thawne gedacht, der natürlich nicht von gestern ist (no pun intended).
Wenig überraschend stellt die „Rückkehr“ des Harrison Wells aus der ersten Staffel von „The Flash“ einen der Höhepunkte der Folge dar, was einzig und allein Tom Cavanagh und dessen Schauspiel zuzuschreiben ist. Da dieses wie immer ausgezeichnet ist, fällt es einem nicht besonders einfach, die Figur des Harrison Wells zu lesen. Aber natürlich entlarvt Wells den falschen Barry recht schnell, der zuvor noch - nach einem eigentlich coolen, aber aufgrund schwacher CGI-Effekte dann doch etwas visuell sehr seltsam anmutenden Duell der scharlachroten Speedster - sein jüngeres Ich sediert hat.
Learn from the best
Die Szene zwischen dem gefangen genommen Barry und Wells aka Thawne weckt sogleich Erinnerungen an die vielen starken Charaktermomente zwischen den beiden aus der Vergangenheit. Es ist als Beobachter daher mal wieder ein Fest, den beiden Darstellern dabei zusehen zu dürfen, wie sich ihre Charaktere gegenseitig ausspielen wollen und Wells letztlich den Kürzeren zieht, weil Barry hoch pokert und damit droht, sein Geheimnis bereits jetzt schon auffliegen zu lassen - ein gewagter Schachzug, der an Oberpuppenspieler und „Mentor“ Harrison Wells aka Eobard Thawne erinnert. Dieser weiß wiederum, dass sein Plan anscheinend fehlgeschlagen ist, wenn Barry aus der Zukunft hergereist ist. Doch auch dies stimmt nicht ganz, wie wir in der Folge The Reverse-Flash Returns erfahren haben, wo der ewige Kampf zwischen Reverse-Flash und Flash über die verschiedensten Zeitlinien hinaus etabliert wurde.

Speed limits
Als Zuschauer muss man mal wieder Hirnschmalz bemühen, um etwas Ordnung in den Wust an Zeitlinien und -paradoxen zu bekommen. Inwiefern würde Wells' Drohung, Zukunfts-Barry zu eliminieren, nicht einfach zur Folge haben, dass der Barry aus der Vergangenheit eh irgendwann an denselben Zeitpunkt wie sein zukünftiges Ich im Kampf gegen Zoom ankommt und dann erneut in die Vergangenheit zurückreist, um Wells aka Thawne für Hilfe aufzusuchen. So kommt die Gefahr einer immer wiederkehrenden Zeitschleife (Cisco wählt Terry Gilliams Spielfilm „12 Monkeys“ als Vergleich) ins Spiel, die eine der schwerwiegenden Konsequenzen von Barrys Unternehmung sein könnte.
Wie bereits erwähnt gibt es von derartigen Komplikationen in „Flash Back“ aber nicht besonders viel zu sehen, vielmehr kann Barry die Vergangenheit zu seinen Gunsten (und denen anderer Menschen) verändern. Hartley wird aufgrund des Auftritts von Zukunfts-Barry so zum Beispiel vom manischen Fiesling zu einer helfenden Hand im Kampf gegen das schaurige, sehr ansehnlich designte Time-Wraith-Wesen, welches unsere Charaktere an die Dementoren aus den „Harry Potter“-Universum erinnert. Dass Gastdarsteller Andy Mientus eine gewisse optische Ähnlichkeit mit Daniel Radcliffe verbindet, ist dabei noch eine nette kleine Referenz, die zum Schmunzeln anregt. Bei seinem ersten Auftritt (in The Sound and the Fury) als Hartley Rathaway aka Pied Piper machten ja im Netz nicht umsonst Bezeichnungen wie „Evil Harry Potter“ oder „Dark Potter“ die Runde.
Big opportunities
Die Szenen um den grässlichen Time Wraith, von dem es mehrere gibt, die sich immer wieder auf die Jagd nach Speedstern machen, wenn diese zwischen den Zeiten reisen und dadurch das Raum-Zeit-Gefüge beeinflussen, treiben den Puls ordentlich in die Höhe - auch, weil neben dem coolen Design gegen die gespensterhafte Erscheinung scheinbar kein Kraut gewachsen ist (außer natürlich besonderes Metahumangefängnisglas). Als sich Barry jedoch von seinem eigenen Ich verabschiedet und in seine Zeit zurückreisen will, um so den Time Wraith mitzuschleifen, gibt er Cisco (Carlos Valdes) neben der Information, dass Hartley über Ronnies Aufenthaltsort Bescheid weiß (welche Auswirkungen wird dies haben?), auch den Hinweis, in gut einem Jahr auf seine Rückehr mit dem Time Wraith vorbereitet zu sein. Eine durchaus clevere Idee, doch leider verkommt die entwickelte Waffe zum Rohrkrepierer.
Glücklicherweise ist Hartley höchstpersönlich zur Stelle, schaltet den Time Wraith aus und fungiert nun als eine Art Sidekick für die S.T.A.R.-Labs-Crew. Außerdem ist seine Beziehung zu seinen Eltern wieder intakt, was in der Vergangenheit nicht der Fall gewesen ist. Somit hat Barrys Zeitreise durchaus etwas Gutes bewirkt. Dennoch erwarte ich, dass wir noch nicht das Ende der Konsequenzen dieses Trips gesehen haben. Vielleicht wollen die Macher aber auch einfach nur zeigen, dass Barrys dieses Mal gehörig Glück hatte und nun eine Lektion aus seinen Erlebnissen zieht, Zeitreisen nicht mehr auf die leichte Schulter zu nehmen. Diese Lehrstunde wäre durch eine folgenschwere dramatische Veränderung seiner Zeitlinie aber etwas glaubwürdiger.
Moving forward
Barry hat nun zumindest dank der Einwilligung Thawnes, ihm zu helfen, Zugriff auf die wertvollen Informationen bezüglich Tachyon-Technologie, mit der Thawne seine Speedforce erhöhen konnte. Somit muss nicht auf das schädliche Velocity 9 zurückgegriffen werden. In dessen Kammer erspähen wir übrigens auch die Gerätschaft, die Flash in dem Crossover mit Supergirl trug, was wiederum in den nächsten Episoden der The CW-Serie sicherlich noch einmal zur Sprache kommen wird. Während Barry dem an sich selbst zweifelnden Harrison Wells, immer noch auf der Suche nach Tochter Jesse, Mut zuspricht und ihm sagt, dass man manchmal einfach auf seine Entscheidungen vertrauen muss (so, wie er darauf vertraut, dass sein Abstecher in die Vergangenheit die richtige Entscheidung war), wird dann noch die herzliche Nebengeschichte um Iris auf sehr ergreifende Art und Weise zu einem Ende gebracht.

Flash Back gehört eigentlich größtenteils Barry und seiner Zeitreise, doch die Autoren schaffen etwas Platz für Iris und ihre traurigen Erinnerungen an ihre große Liebe Eddie, was wiederum eine gute Parallele zur Hauptgeschichte der Episode darstellt. So, wie Barry das Vergangene noch einmal Revue passieren lässt, um Stärke daraus zu ziehen, muss auch Iris einen letzten Blick zurück werfen, um endlich weiterziehen zu können. Ein sehr romantischer und emotionaler Geburtstagsgruß von Eddie an Iris - bei dessen Anblick Barry sichtlich durch den Wind ist - ist ein schöner, gefühlvoller Abschluss dieses Handlungsstranges, in dem sowohl Candice Patton als auch Rick Cosnett sehr überzeugend aufspielen. Ein rührender Schlusspunkt, der einem eindrucksvoll vor Augen führt, wie viel einem die Charaktere in The Flash doch tatsächlich bedeuten können.
Fazit
Die Episode Flash Back wagt einen Blick zurück und, so schmerzvoll ein solcher auch sein kann, hier hat er für unsere Charaktere einen kathartischen (Iris) sowie kraftgebenden (Barry) Effekt hinsichtlich der Aufgaben und Herausforderungen, die in der nahen Zukunft auf sie warten. Der Trip zurück in die Vergangenheit von The Flash fördert zahlreiche sehr gute Momentaufnahmen unter den Darstellern zutage, während Tom Cavanagh in seiner „alten“ Rolle mal wieder zum absoluten scene stealer avanciert.
Ein paar charmante Referenzen (Vergangenheits-Cisco lässt zum Beispiel unwissentlich eine Anspielung bezüglich seiner Vibe-Fähigkeit fallen) sowie eine sehr schöne, wenn auch tragische, Nebengeschichte haben ein vielfältiges, weil spannendes, unterhaltsames und emotionales Gesamtpaket zur Folge. In meinen Augen leistet dies sich nur einen größeren Kritikpunkt: das scheinbare Ausbleiben von größeren Konsequenzen im Zuge der durch Barry bewirkten Veränderungen in seiner eigenen Vergangenheit. Denkbar, dass der Speedster von diesen aber noch eingeholt werden wird...
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 30. März 2016The Flash 2x17 Trailer
(The Flash 2x17)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x17
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