The Flash 2x16

The Flash 2x16

The Flash kehrt nach einer mehrwöchigen Pause mit einer klassischen „Fall der Woche“-Episode zurück, die viele charmante Momente aufweisen kann, aber nicht vor einer offensichtlichen Botschaft gefeit ist. Die übergreifende Handlung um den Kampf gegen Zoom wird dabei nur am Rande thematisiert.

Violett Beane und Tom Cavanagh in „Trajectory“ / (c) The CW
Violett Beane und Tom Cavanagh in „Trajectory“ / (c) The CW

Nach der großen Enthüllung am Ende der Episode King Shark, dass sich unter der Maske des unheilbringenden Zoom niemand Geringeres als Jay Garrick (Teddy Sears) befindet (auch wenn noch nicht ganz klar ist, welcher Jay er genau ist), lassen die Autoren das brisante Thema und den Konflikt mit dem „Speed Demon“ in Trajectory erst einmal wieder ein wenig abkühlen. Zwar präsentiert man uns zum Ende der Episode noch einen großen Moment für unsere Charaktere hinsichtlich Zooms wahrer Identität - und auch zwischendurch beschäftigt der finstere Schurke immer wieder mal Barry (Grant Gustin) und Co. Der größte Teil der Episode ist jedoch dem weiblichen Speedster Trajectory gewidmet, die vor allem als mahnendes Beispiel für The Flash fungiert.

Doch nicht nur für den schnellsten Mann der Welt, denn die Serienmacher verwandeln die Geschichte gar in eine überdeutliche Anti-Drogen-Kampagne, an deren Ende nur noch ein abschließender Slogan à la „Don't do drugs!“ fehlt. Zum einen ist die Idee recht clever, über die Velocity-9-süchtige Trajectory die furchtbare Wirkung von Rauschmitteln zu zeigen - auch, weil unser Protagonist kurze Zeit selbst mit dem Gedanken spielt, leistungssteigernde Mittelchen zu nehmen. Auf der anderen Seite wird die ohne Frage wichtige Botschaft für meinen Geschmack doch ein Stück weit zu offensichtlich verpackt. The Flash wird zwar seiner Funktion als familientaugliche Fernsehunterhaltung gerecht, großartig subtil geht man dabei aber nicht vor.

In the dark

Überhaupt scheint es fast ein wenig so, als würde der Episode (ironischerweise) an manchen Stellen das Tempo fehlen, das sich vor der wochenlangen Pause so wunderbar aufgebaut hatte. Es wird etwas auf die Bremse gedrückt und den Figuren mal wieder ein wenig Raum zur Entfaltung gegeben, was durchaus charmante, aber teilweise auch unangenehme Momente der Fremdscham zur Folge hat. Der Kurzweiligkeit von „Trajectory“ tut dies aber keinen Abbruch, auch wenn die Folge hier und da ein wenig Schwung vermissen lässt und nicht über die allgemeine Anspannung verfügt wie noch einige Folgen zuvor.

Für Barry stehen nun erst einmal wieder ein paar Trainingsstunden an, will er sich doch ordentlich auf den Kampf mit Zoom vorbereiten und dafür noch schneller werden. Als jedoch ein unbekannter Speedster Central City heimsucht und alle Welt glaubt, der Flash wäre auf die schiefe Bahn geraten, gilt es, den geheimnisvollen Schwerenöter dingfest zu machen. Caitlins (Danielle Panabaker) entwickelte „speed drug“ Velocity-9 spielt dabei eine recht große Rolle, während es zwischen Harrison Wells (Tom Cavanagh) und seiner Tochter Jessie (Violett Beane) zu einigen Reibereien kommt, die letztlich in einem Abschied der jungen Dame enden.

Allison Paige als Trajectory in %26bdquo;The Flash%26ldquo; © The CW
Allison Paige als Trajectory in %26bdquo;The Flash%26ldquo; © The CW

Going rogue

Doch bevor es in „Trajectory“ etwas dramatischer wird, steht vor allem der Spaß im Vordergrund. Barrys besonderes Trainingprogramm - der Sprung mit neuer Topgeschwindigkeit über einen gewaltigen Canyon - hat dabei ähnlich wie die kleine Feiertour von Team Flash einige amüsante Szenen zu bieten. Aber so spaßig beziehungsweise unangenehm es ist, Cisco (Carlos Valdes) bei dem Versuch des Tanzens zusehen zu müssen, so sehr dreht sich mir der Magen bei den furchtbar aufgesetzten Partyszenen, die sicherlich nicht umsonst so befremdlich sein sollen. Dennoch: Es kostet einiges an Überwindung, hier vor Fremdscham nicht im Boden zu versinken, so gern man die Charaktere auch hat...

Eine interessante Nebengeschichte stellt indes Jesses Absicht dar, ihre neue Umwelt etwas besser kennenzulernen, weshalb sie gerne mit den anderen ausgehen würde. Ihr Vater und sein natürlicher Beschützerinstinkt stellen dabei eine mittelgroße Hürde dar, was man Harrison Wells nach all den Vorkommnissen um Zoom nicht verdenken kann. Aber auch Jesses Wunsch nach einem Neustart und ihrer Unabhängigkeit ist absolut nachvollziehbar.

Imposter

Während mir Tom Cavanagh und Violett Beane sehr gut als Vater-Tochter-Gespann gefallen und sich ein interessantes Drama zwischen den beiden entspinnt, bei dem man beide Seiten gut nachvollziehen kann, stellen sich mir doch einige Fragen: Zunächst scheint es zwischen Jesse und Wally (Keiynan Lonsdale) zu einem kleinen Funkensprung gekommen zu sein, was jedoch sofort wieder fallengelassen wird - Teenager eben. Dann erfährt Jesse über das besondere Armband, das ihr von ihrem Vater angelegt worden war (nicht diese Art von „Protection“, an die Jesse gedacht hat), von den Dingen, die ihr Vater getan hat, um sie zu retten. Warum die verhängnisvolle Sprachaufnahme auf der Gerätschaft ist, erschließt sich mir nicht ganz, ist aber herrlich praktisch, um den Stein im Streitgespräch zwischen Vater und Tochter ins Rollen zu bringen.

Mal abgesehen von der extrem zweckdienlichen Herführung des Konflikts zwischen den beiden ist dieser inhaltlich aber gelungen: Für Jesse war ihr Vater stets ihr persönlicher Held, jemand, zu dem sie aufgrund seiner Prinzipientreue aufsehen konnte. Mit dem Wissen, dass ihr Vater Barry opfern wollte, um sie zu retten, bröckelt dieses Bild aber gewaltig. Zu was wäre Wells noch alles im Stande? Lässt ihn sein ständiger Beschützerinstinkt vielleicht sogar die falschen Entscheidungen treffen, die wiederum anderen Menschen großen Schaden zufügen können?

Be better

Für Jesse ist es an der Zeit, sich von ihrem Vater zu lösen und unerschrocken ihr eigenes Leben zu führen, weshalb sie sich am Ende der Episode nach Opal City aufmacht und Central City nach kurzer Zeit schon wieder den Rücken kehrt. Wells muss sich indes den Konsequenzen seines Handelns stellen, so schwer es auch für ihn ist. Selbstverständlich können wir ihn verstehen, warum er als Vater wirklich alles dafür tun würde, um seine eigene Tochter zu beschützen. Doch auch hier stellen sich ihm moralische Grenzen, die er bereit war, zu überschreiten, was für Jesse wiederum eine nachvollziehbare Enttäuschung ist. Hoffen wir nur, dass Jesse nicht nur aus Central City entfernt wurde, damit sie wieder Zoom in die Hände fällt und zu einem Druckmittel wird. Das wäre schade für den Charakter, der mehr als diese einseitige Funktion verdient hat.

Tom Cavanagh in %26bdquo;Trajectory%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Flash%26ldquo; © The CW
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Shortcut

Auch Iris (Candice Patton) bekommt in „Trajectory“ einen kleinen Nebenplot verpasst, der im Großen und Ganzen solide, aber nicht wirklich großartig besonders ist. Über sie erfahren wir etwas mehr über ihren neuen Chef, Scott Evans, der das Chaos, welches in Central City herrscht, The Flash in die Schuhe schieben will und dessen Stellung als unantastbarer Held der Stadt kritisch hinterfragt. Tone Bell verkörpert als unnachgiebiger Skeptiker eine klassische Trope in Superheldengeschichten, die uns jetzt nicht wirklich viel Neues gibt.

Evans und Iris diskutieren, was es bedeutet, ein Held zu sein und sich den damit verbundenen Verantwortungen zu stellen - eine im Genre sehr beliebte Frage, die in Filmen sowie Serien aus dem Comicbereich immer wieder aufgeworfen wird. In „The Flash“ sind mögliche Zweifel der Bevölkerung an dem scharlachroten Speedster aber bisher noch nie wirklich thematisiert worden. Anscheinend möchte man über Evans diesen Aspekt nun etwas prominenter beleuchten. Womöglich auch im Zusammenhang mit Zoom, den The Flash indirekt in seine Stadt locken könnte, in der der Fiesling dann die Bewohner terrorisieren wird, genauso wie im Central City von Earth-2. Dieser Nebengeschichte fehlt in „Trajectory“ dennoch etwas die Frische und das gewisse Etwas. Und auch bei der möglichen amourösen Anspannung zwischen Iris und Evans mag noch nicht wirklich ein Funke überspringen.

Bad Flash

Dafür ist aber die eigentliche Haupthandlung um die Mercury-Labs-Angestellte Eliza Harmon aka Trajectory sehr unterhaltsam (selbst für eine Law & Order-Referenz - Jesse L. Martin wird es gefreut habe - ist hier Platz) und sorgt für den einen oder anderen aufregenden Moment. Die auf ihrer Arbeit wenig wertgeschätzte und generell extrem unter Druck stehende Eliza missbraucht Caitlins Velocity-9-Formel und entwickelt dadurch eine schizophrene Persönlichkeit, die in Form des weiblichen Speedsters Trajectory mal ordentlich Dampf ablässt. Wie bereits erwähnt fühlt sich so manche Szene um Trajectory wie ein etwas zu langer Anti-Drogen-Spot an, vor allem zum Ende der Episode, wenn The Flash der am Boden liegenden Trajectory sagt, dass sie das Velocity-9 doch gar nicht braucht, um ihr Leben zu bewältigen.

Wie die flotte Dame mit dem guten Barry zwischenzeitlich den Boden wischt, was ihn zusätzlich zu seinen Sorgen bezüglich Zoom fast dazu verleitet, selbst Velocity-9 einzunehmen, ist wiederum sehr kurzweilig. Elizas Motivation beschränkt sich indes tatsächlich nur auf „etwas Dampf ablassen“, was etwas flach, andererseits aber auch in gewisser Art und Weise passend ist, stellt sie sich doch als ein waschechter Junkie heraus, die sich von der abnormalen Geschwindigkeit, die das Velocity-9 in ihr hervorbringt und der damit einhergehenden Macht korrumpieren lässt. Barry könnte sich ebenfalls für diesen einfachen Weg entscheiden, der ihm aber letztlich nur schaden würde, wie er am tragischen Beispiel von Trajectory und ihrer selbstzerstörischen Abhängigkeit sieht.

Rigged game

Gastdarstellerin Allison Paige hat ohne Zweifel Spaß an ihrer oftmals sehr manischen Figur, während die Geschichte um Trajectory und der Superdroge Velocity-9 schlussendlich ein guter Brückenschlag zurück zu Zoom ist. Denn nachdem sich Eliza eine finale Dosis von dem Mittelchen setzt, erreicht sie zunächst eine extrem hohe Geschwindigkeit, so dass sie von blauen Blitzen umgeben wird, bis sie sich dann plötzlich aufgrund der furchtbaren Nebenwirkungen des Velocity-9 komplett auflöst. Team Flash zieht sofort die Verbindung zu Zoom, der ihren Vermutungen nach im Sterben liegt und Barrys Geschwindigkeit benötigt, um sich zu heilen. Er hat anscheinend selbst das Velocity-9 genutzt und sich damit geschadet - genauso wie Jay, weshalb bei dem Team der unschöne Verdacht entsteht, dass Jay in Wirklichkeit Zoom ist. Wurden sie alle hinters Licht geführt? Es wäre bekanntermaßen nicht das erste Mal, siehe Reverse-Flash...

The Flash (Grant Gustin) in Nöten © The CW
The Flash (Grant Gustin) in Nöten © The CW

Dank Ciscos Vibe-Fähigkeiten herrscht kurz darauf die schockierende Gewissheit: Jay beziehungsweise eine Form von ihm (vielleicht eine fleischgewordene Abspaltung seiner selbst, so wie es bei der schizophrenen Eliza angedeutet wird?) ist Zoom. Somit sind nun auch unsere Protagonisten im Bilde und müssen diesen Verrat erst einmal verdauen. Uns Zuschauern bringt dieser Schockmoment nur bedingt etwas, wissen wir doch bereits, wer unter der Maske Zooms steckt. Aus diesem Grund verpufft der Augenblick auch ein klein wenig. Dafür entsteht aber sogleich wieder ein Gefühl der erwartungsvollen Aufregung, wie Team Flash mit dieser Neuigkeit umgehen wird und welche Pläne sie nun fassen werden, um Jay zu stellen. Dass noch lange nicht absolute Klarheit in der Causa Zoom herrscht, sollte indes wohl jedem bis auf unsere Helden bewusst sein.

Fazit

Aufgrund der längeren Sendepause von The Flash geht der aktuellen Episode Trajectory das Momentum aus der letzten Woche abhanden, was man nur bedingt durch eine unterhaltsame „Schurke der Woche“-Erzählung auffangen kann. Einigen Szenen fehlt außerdem der Biss, weshalb sich die Episode manchmal nicht ganz wie aus einem Guss anfühlt. Derweil ist es ein klein wenig schade, dass Jesse Wells sich bereits wieder verabschiedet. Trajectorys Anzug könnte aber nicht umsonst aufgehoben werden, dürften einige Comickenner doch mit ihren Gedanken bereits bei einem anderen weiblichen Speedster sein... Die Dynamik unter den Darstellern und Darstellerinnen zieht indes wie so oft ein paar sehr sympathische Momente nach sich, während die Handlung um Zoom zum Ende noch einmal etwas Spannung reinbringt. Eine gute, leicht überdurchschnittliche Episode von „The Flash“ trotz einiger Kritikpunkte.

Trailer zur nächsten Episode der US-Serie „The Flash“, „Flash Back“ (2x17):

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 23. März 2016
Episode
Staffel 2, Episode 16
(The Flash 2x16)
Titel der Episode im Original
Trajectory
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 22. März 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 23. Juni 2016
Autoren
Lauren Certo, Lilah Vandenburgh
Regisseur
Glen Winter

Schauspieler in der Episode The Flash 2x16

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