The Flash 2x15

Mit Blick auf den verräterischen Episodentitel King Shark dürfte der eine oder andere in dieser Woche wohl eine eher klassische Metahuman beziehungsweise Monster-der-Woche-Geschichte erwartet haben, in der das humanoide Haiwesen, zuletzt gesehen in der Folge The Fury of Firestorm, zum prominenten Widersacher des schnellsten Mannes der Welt wird. Die Serienmacher gehen jedoch einen Schritt weiter und belassen es hier nicht nur bei dem imposanten Auftritt der tödlichen Fischvisage, sondern widmen sich auch gleichzeitig den Konsequenzen des Earth-2-Zweiteilers, welcher letzte Woche mit der Episode Escape from Earth-2 seinen Abschluss fand.
Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Neben vielen spaßigen Einlagen und für The CW-Verhältnisse sehenswertem Actionspektakel punktet die Episode „King Shark“ auch dadurch, dass eine neuerliche Phase der Selbstreflexion eingeleitet wird - für Barry und für seine Freunde. Dies hat einige sehr bewegende Momentaufnahmen zufolge, in denen allen voran Grant Gustin groß aufspielt. Rundum zufrieden kann man aber trotzdem nicht sein, lassen sich in ein paar der vielen Handlungsstränge doch der eine oder andere Makel finden. Überhaupt tischt man uns hier eine prall gefüllte Folge auf, bei der man sich gelegentlich die Frage stellt, ob manch eine Szene oder Nebengeschichte vielleicht in die nächste Episode hätte verschoben werden können.
New circumstances
Erneut handelt es sich hierbei aber um ein Lamentieren auf recht hohem Niveau, ist King Shark trotz allerlei Inhalt doch wie aus einem Guss und gewohnt extrem kurzweilig. Großen Anteil daran hat abermals das gesunde Verhältnis von turbulenter Fernsehunterhaltung und dramatischen Zwischentönen. Für Ersteres ist hier, wie bereits erwähnt, Metahuman King Shark zuständing, dessen ersten richtigen Auftritt ich persönlich sehr entgegengefiebert hatte. Insgesamt wird man von diesem auch keinesfalls enttäuscht. Vorausgesetzt, man ist bereit dazu, sich auf eine sehr klassische Monster-der-Woche-Erzählung einzulassen, die sich ungemein comichaft anfühlt (wie auch sonst, wenn man sich dem DC-Schurken King Shark widmet?), aber dennoch eine ganze Menge Laune macht.

Killer machine
Zunächst einmal möchte ich ein kleines Lob für die visuelle Gestaltung des zweibeinigen Haimonsters aussprechen. Die Produzenten der Serie waren sich lange nicht sicher, ob es aus Budgetgründen möglich wäre (ein ähnliches Problem wie bei Gorilla Grodd), eine Folge über King Shark realisieren zu können. Hier zeigt sich nun, dass doch einiges an Geld in die Effektarbeit geflossen ist, was sich auch auszahlt: Zwar trickst man hier und da ein wenig (King Shark tritt nur im Dunkeln auf, was die Animation etwas erleichtert, da man etwaige Ungereimheiten besser kaschieren kann), die haushohe Kreatur macht aber sofort Lust auf mehr. King Shark funktioniert hervorragend als tödliche Bedrohung, was auch an seiner finsteren Stimme liegt, die der von Oberschurke Zoom locker Konkurrenz macht.
So gut mir King Shark als Extrem und Bösewicht gefällt, einige Störfaktoren macht man in dessen Handlungsstrang dennoch aus: Sei es das eher dämliche Verhalten der A.R.G.U.S.-Wachen zu Beginn der Episode und zwischendurch (King Shark ist doch recht groß, wie kann man ihn da bei der Suche an den Docks übersehen?), die von vornherein zum Misserfolg verdammte Falle, um King Shark zu schnappen, oder aber auch die Motivation des Metahumans, The Flash zu töten (weil es biologisch in ihm verankert ist und Zoom ihm den Auftrag gegeben hat? Aber warum?), die sehr dürftig erklärt wird - die Figur des King Shark hat enormes Unterhaltungspotential, wirft gleichzeitig aber auch ein paar Fragen auf, die nicht wirklich geklärt werden.
Bait
Das besagte Unterhaltungspotential dürfte aber für viele ausreichend sein, um über ein paar Schwachpunkte hinwegsehen zu können. Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich einen noch größeren Kampf zwischen The Flash und King Shark erwartet, in dem letzterer sein gesamtes Arsenal auffährt. Das tosende Finale, als Barry auf offener See King Shark mit einem gewaltigen Strudel, elektrischer Ladung und Blitzgeschossen das Handwerk legt, ist aber ein echter Hingucker und wahrscheinlich einer der bisherigen Höhepunkte, die die Staffel in Sachen Computereffekte epischen Ausmaßes bisher fabriziert hat. In dieser Szene wird man einfach komplett mitgerissen und macht nicht zu Unrecht große Augen, wenn King Shark die Segel streichen muss.
Was ebenfalls sehr gut aufgeht, ist die Einbindung von Diggle (David Ramsey) und der dubiosen Organisation A.R.G.U.S., die nach dem Tod von Amanda Waller in Diggles Ehefrau Lyla (Audrey Marie Anderson) eine neue Chefin gefunden hat. Man trägt hier nicht nur zu dem serienübergreifenden „Arrow-Verse“ bei, in dem A.R.G.U.S. operiert, sondern konzipiert auch eine schlüssige Geschichte, warum King Shark noch am Leben ist (Waller wollte Metahumans für ihre Zwecke benutzen, Stichwort Suicide Squad) und Lyla nun in ihrer Verantwortung als neu ernannter Kopf der Organisation diese Suppe auslöffeln muss, während sie gleichzeitig eine neue Ausrichtung von A.R.G.U.S. anstrebt.
Hard times
Darüber hinaus merkt man auch, dass Diggle mit seiner rationalen, pragmatischen Art einfach sehr gut in die Welt von „The Flash“ passt. Das sieht man nicht nur in den immer wieder recht amüsanten Augenblicken („He's fast, John. Get over it.“ - „Never.“), sondern auch in den eher ernsten, aber nicht weniger guten Szenen, wenn Diggle zum Beispiel Barry ein paar Ratschläge mit auf den Weg gibt. Dieser macht sich nämlich mal wieder Vorwürfe und gibt sich selbst die Schuld an der allgemeinen, bedrückenden Gesamtsituation.
John, der dieses Verhalten nur zu gut von Oliver Queen kennt, macht Barry aber klar, dass er sich nicht von solchen Gedanken herunterziehen lassen sollte, da es nur hinderlich wäre. Barry muss mit diesen Schuldgefühlen richtig umgehen und Stärke aus ihnen ziehen - ein Rat, den sich Barry letztlich zu Herzen nimmt. Mir gefällt das Duo Grant Gustin und David Ramsey wie so oft sehr gut, während sich das Minicrossover aufgrund einiger netter Referenzen sehr organisch anfühlt. Die Autoren können sich sogar einen kleinen charmanten Fingerzeig nicht verkneifen und spielen auf den nicht wirklich beliebten Helm von Diggle als Teil seines Superheldenoutfits an. Vielleicht bastelt ihm Cisco (Carlos Valdes) ja etwas Neues...

Ice queen
Der junge Wissenschaftler - diese Woche in einem großartigen T-Shirt mit Super-Mario-Motiv gekleidet und nie verlegen darum, diverse „Der weiße Hai“-Anspielungen loszuwerden - ist indes mit seiner Kollegin Caitlin (Danielle Panabaker) beschäftigt, die abermals durch ein Tal der Tränen schreitet. Nach Ronnie (Robbie Amell) hat sie nun auch noch Jay (Teddy Sears) verloren, doch sie selbst lässt die ganzen Emotionen erst gar nicht an sich heran, um zielgerichtet weiterzumachen und diese furchtbaren Schmerzen nicht zu erfahren. Trauer kann aber auch einen sehr kathartischen Effekt haben, der Caitlin guttun könnte, präsentiert sie sich doch von einer ungewohnt harschen Seite, emotional kalt und in keinster Weise so, wie es ihr guter Freund Cisco im Normalfall von Caitlin gewohnt ist.
Diese kleine Nebengeschichte funktioniert gleich aus mehreren Gründen gut: Zum einen agieren hier zwei Charaktere miteinander, mit denen wir mitfühlen und deren Gedankenwelt nachvollziehen können. Hinzu kommt das sehr sympathische Verhältnis zwischen den beiden sowie Caitlins neue „Strategie“, mit einem persönlichen Verlust umzugehen, die man aufgrund ihrer Vergangenheit ebenfalls verstehen kann. Cisco sorgt sich um sie, hat er doch auf Earth-2 gesehen, wie die dunkle, gefühlsbefreite Seite Cailins aussehen könnte - und zwar in Person von Killer Frost. Eigentlich sollen er und Barry ja nicht verraten, was sie auf Earth-2 erlebt haben, um ihre Freunde zu schützen. Viel wichtiger ist aber sein Vertrauen in Caitlin, die nun einfach etwas Zeit benötigt, um den vermeintlichen Tod Jays zu verarbeiten und zwar auf ihre eigene Art und Weise.
The weight of the world
Das Verarbeiten von schockierenden Ereignissen und die Bewältigung daraus resultierender Konsequenzen ist ein zentrales Thema der Episode, das vor allem sehr prominent in dem Handlungsstrang um Barry behandelt wird. Auch ihm wird von Wells (Tom Cavanagh) geraten, Joe (Jesse L. Martin) und Iris (Candice Patton) nichts von den tragischen Vorfällen auf Earth-2 zu erzählen, könnte dies doch großen Einfluss auf deren Leben nehmen. Doch wir kennen Barry, der ein herzensguter Typ Mensch ist, sich aber oft ein paar Gedanken zu viel macht und leichte Anzeichen der „Oliver-Queen-Krankheit“ zeigt, sich stets alles aufzubürden, was an schlechten Dingen um ihn herum passiert.
Er könnte sich freuen, dass Zoom in die Schranken gewiesen wurde und alle Portale für immer geschlossen sind, doch vielmehr denkt er daran, dass er Earth-2 einem Monster überlassen hat, während er untätig in Earth-1 festsitzt. Dass der Tod Jays auf seine Kappe geht. Dass der ganze Konflikt mit dem Speed Demon seine Schuld ist und er seine Freunde dadurch in Lebensgefahr gebracht hat. Barry steht vor der schweren Aufgabe, dieses Schuldbewusstsein in eine neue Art der Kraft umzuwandeln, sich seiner Verantwortung und den Opfern des Kampfes gegen Zoom bewusst zu sein, sich aber nicht davon hemmen zu lassen. Wie Caitlin geht er zunächst extrem proaktiv gegen King Shark vor, während die Probleme auf ihn einprasseln und er berechtigte Zweifel daran hat, ob er wirklich ein Held ist oder die Ursache allen Übels. In einem rührenden Monolog, in dem Barry Joe und Iris von Earth-2 berichtet, wirft Gustin alles in die Waagschale, was wiederum den emotionalen Höhepunkt der Episode markiert.
Crossfire
Etwas stutzig macht mich indes die Integration von Wallys (Keiynan Lonsdale) Nebengeschichte in diesen eigentlich sehr überzeugenden Handlungsstrang. Die Eifersüchteleien von Joes leiblichem Sohn hätte man sich ein Stück weit sparen oder vielleicht in einer anderen Episode übernehmen können. Ja, Wallys Unmut Barry gegenüber, der in Joe stets einen Vater hatte, ist in gewisser Weise nachvollziehbar. Wally verhält sich trotzdem zum wiederholten Male sehr unsympathisch und wie ein bockiges Kleinkind, was meiner Meinung nach etwas anstrengend sein und was man nicht so einfach auf sein junges Alter schieben kann.
Vielleicht will man ihn aber auch bewusst als eine Art Konkurrent für Barry etablieren, um die Gerüchte zu nähren, dass Wally eventuell Zoom ist. Dieser Theorie wird wiederum am Ende der Episode der Wind aus den Segeln genommen, weshalb die Frage im Raum stehen bleibt, warum die Macher das sehr unfaire, teilweise giftige Verhalten von Wally gegenüber Barry so sehr auf die Spitze treiben.

Complication
Den Schlusspunkt der Episode King Shark stellt dann noch einmal eine fast schon aufbrausende, Gänsehaut erregende Ansprache Barrys an sein Team dar, in der dieser den offenen Kampf gegen Zoom ausruft. Jays Helm dient als ehrenvolle Erinnerung, aber auch Versprechen, dass die fiesen Machenschaften des dunklen Speedsters ein Ende haben werden. Barry akzepiert seine Mitschuld, lässt sich von dieser aber nicht mehr auffressen. Im Gegenteil sogar, vielmehr wird sie nun zu seinem Antrieb im Kampf gegen Zoom. Worte, die Lust auf mehr machen und die Vorfreude auf die weitere Entwicklung dieses Konflikts schüren.
Der Abschluss der Folge ist dies jedoch noch nicht, springen wir doch noch einmal fix nach Earth-2, wo Zoom in seinem Versteck den toten Jay ablegt. Aber ist dieser überhaupt tot? Es scheint so, hält doch selbst Zoom dessen Ableben für eine unnötige Komplikation. Und während der Mann mit der eisernen Maske entsetzt durch die Glasscheibe starrt, wird dann flugs die wahre Identität des finsteren Zeitgenossen enthüllt: Siehe da, es ist Jay Garrick beziehungsweise dessen Doppelgänger Hunter Zolomon. Oder gibt es gar noch eine andere Version von ihm? Ist des Rätsels Lösung bewusst zu einfach? Es ist auf jeden Fall etwas ungewöhnlich, das größte Geheimnis der gesamten Staffel so simpel aufzuklären. Haben sich die Autoren hier vielleicht die Chance auf einen ganz großen Moment genommen? Oder ist in diesem Fall weniger mehr? Und wer befindet sich nun unter der Maske? Diese Fragen dürfen gerne im Kommentarbereich geklärt werden.
Fazit
Wie bereits die beiden Episoden zuvor bewegt sich auch die Folge King Shark auf einem hohen Niveau und bietet dank einer gesunden Mischung an Action, Drama und Comic-Relief-Momenten kaum Gründe zur Langeweile. Die tolle Effektarbeit und mitunter hervorragenden schauspielerischen Leistungen wiegen einige der bereits erwähnten Schwachpunkte auf, dennoch muss man sich die Frage stellen, ob das eine oder andere Element der Handlung nicht aus der Folge hätte rausfliegen können. So ist zum Beispiel die winzig kleine Nebengeschichte um Wells und seine Tochter zwar charmant, im Gesamtbild geht sie aber komplett unter. Etwas unentschlossen bin ich derweil bei der Enthüllung von Zooms wahrer Identität.
Dabei geht es weniger um die Frage, wer Zoom wirklich ist, sondern darum, wie die Serienmacher diesen bedeutenden Moment inszeniert haben. Dennoch verdient sich „King Shark“ eine überdurchschnittliche Wertung, was alleine der ausgezeichnete Auftritt von Grant Gustin rechtfertigt.
„The Flash“ verabschiedet sich nun erst einmal für vier Wochen in eine kleine Pause und kehrt am 22. März mit neuen Folgen seiner zweiten Staffel zurück.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 24. Februar 2016The Flash 2x15 Trailer
(The Flash 2x15)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x15
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