The Flash 2x14

© arry aka The Flash (Grant Gustin) in âEscape from Earth-2â / (c) The CW
Die aktuelle The Flash-Episode Escape from Earth-2 und die letzte, Welcome to Earth-2, stehen sinnbildlich fĂŒr eine besondere StĂ€rke des Superheldenformats: Die Serienmacher haben uns nun schon mehrfach bewiesen, dass sie ein sehr gutes GespĂŒr fĂŒr die richtige Balance zwischen hoch unterhaltsamen, amĂŒsanten Momenten auf der einen und sehr dramatischen, ĂŒberraschend finsteren Geschichten auf der anderen Seite haben. Nach der eher sehr spaĂigen Episode der letzten Woche kehrt nun wieder der bittere Ernst des Lebens fĂŒr unsere Charaktere in „The Flash“ zurĂŒck. Dieser Tonwechsel, der sich zunĂ€chst sehr abrupt anhört, geht jedoch hervorragend auf und hat eine spannende Folge zum Ergebnis, die den Zuschauer mehrere Male auf dem falschen FuĂ erwischen könnte.
Es fehlt zwar abermals der ganz groĂe Augenblick (die letzte Szene der Episode dĂŒrfte fĂŒr manch einen diese Rolle einnehmen, mir persönlich reichte es aber nicht, was spĂ€ter noch erklĂ€rt werden soll), um „The Flash“ noch eine QualitĂ€tsstufe hoher zu hieven. Auch ein paar störende Kleinigkeiten in der Handlung selbst dĂŒrften nicht jedem schmecken. Jedoch kann man wohl kaum abstreiten, dass man uns hier ein wahnsinniges ErzĂ€hltempo prĂ€sentiert, das einen von Minute eins an fesseln kann. WĂ€hrend Oberschurke Zoom endlich mehr als ein kleiner Cameo-Auftritt zuteilwird, werfen die Macher ein neues Mysterium in den Raum, das die Spekulationen zur wahren IdentitĂ€t des Speed Demon nur noch weiter anheizen. Oder etwa doch nicht?
Hunt
Bevor wir uns dieser Frage etwas genauer widmen, stĂŒrzen wir uns zunĂ€chst einmal in die Auftaktminuten der Episode. Die aktuelle Ausgangslage ist relativ deutlich und wird von Cisco (Carlos Valdes) noch einmal kurz umrissen: Barry (Grant Gustin) ist nun wie Wells' (Tom Cavanagh) Tochter Jesse (Violett Beane) in der Gewalt von Zoom, beide mĂŒssen schnellstmöglich befreit werden. Wie das passieren soll, ist noch unklar. Zoom dreht indes das Spielchen wieder um und wird vom Gejagten zum JĂ€ger. So terrorisiert er Central City und fordert die Auslieferung von Wells. Sein finsterer Bösewichtmonolog wirkt gelegentlich etwas ĂŒbertrieben und arg comichaft. Zooms dĂ€monische Stimme, seine Intonation und sein Ă€uĂerliches Erscheinungsbild machen ihn aber dennoch zu einer gewaltigen, einprĂ€gsamen Bedrohung, gegen die kein Kraut gewachsen zu sein scheint.

Work in progress
Schnell formiert sich ein neues Team bestehend aus Cisco, Wells sowie Iris (Candice Patton) und Barry aus Earth-2. Gerade bei letzterem ist man sich noch nicht ganz sicher, welchen Beitrag er leisten kann, um Zoom aufzuhalten. Als comic relief-Charakter ist âBow Tie-Barryâ indes eine nette ErgĂ€nzung, spielt Grant Gustin die eher Ă€ngstliche und vorsichtige Version seiner Figur doch ausgesprochen gut.
Letztlich gibt er sich als er selbst zum Ende der Episode einen motivierenden pep talk, der den von Zoom gefangen genommenen Barry von Earth-1 Glauben schenkt. Es schlummert halt doch ein nicht ganz so verschiedener Charakter in dem Barry von Earth-2, der dank seiner FĂ€higkeiten als Forensiker und dem Zugriff auf eine Ă€uĂerst praktische Metahumandatenbank ausgesprochen nĂŒtzlich ist. Eine gewisse Patty Spivot hat ĂŒbrigens ihren Anteil an dieser geleistet und so zum Beispiel wichtige Informationen ĂŒber Killer Frost (Danielle Panabaker) zusammengetragen.
Ăber die Datenbank lĂ€sst sich zwar nicht Zoom lokalisieren, dafĂŒr aber die besagte Schurkin, die nach dem Tod von ihrer Flamme Deathstorm eigentlich nicht allzu gut auf Zoom zu sprechen sein sollte. Gemeinsam mit der frostigen Zeitgenossin (Cisco nennt sie an einer Stelle wunderbarerweise einfach nur Elsa) soll die Rettungsmission vonstattengehen, wĂ€hrend der Rest von Team Flash auf Earth-1 ganz andere Probleme vor der Brust hat: Nicht nur, dass der Metahuman Geomancer immer noch Chaos in Central City anrichtet, auch das Portal nach Earth-2 bereitet groĂe Sorgen. Sollte es Caitlin, Jay (Teddy Sears), Iris und Joe (Jesse L. Martin) nĂ€mlich nicht gelingen, dieses rechtzeitig zu stabilisieren, könnten ihre Freunde auf Earth-2 festsitzen.
Need for speed
Wie bereits erwÀhnt schreitet die Handlung in Escape from Earth-2 ungemein flott voran. Es gibt kaum Verschnaufspausen, permanent springen wir zwischen den verschiedenen HandlungsstrÀngen, so zum Beispiel auch zu Barry und Jesse, die in Zooms Versteck an ihrer Flucht arbeiten und dabei auf den geheimnisvollen Mann mit der eisernen Maske aus der Vorwoche treffen, der sich mit Klopfzeichen irgendwie zu verstÀndigen versucht. Das hohe Tempo der Episode hat zum einen zur Folge, dass man stets mitgerissen wird und mit Spannung die nÀchste rasante Entwicklung im Kampf gegen Zoom erwartet.
Der Nachteil dieser Sprunghaftigkeit vieler Szenen, die wahrlich Schlag auf Schlag folgen, ist indes, dass viele von diesen oftmals schon wieder vorbei sind, bevor sie eigentlich richtig angefangen haben. Ein Beispiel ist hier der kurze Zwischenkampf zwischen Team Wells und Killer Frost, der zwar unterhaltsam ist, weil Panabaker in ihrer ungewohnten Schurkenrolle aufgeht und groĂen SpaĂ an dieser hat. WĂ€hrend man jedoch eine etwas komplexere Lösung erwartet, um Killer Frost auf die Seite der Guten zu ziehen, wird sie dann doch relativ fix in ihre Schranken verwiesen. Ganz Ă€hnlich sieht es bei dem (erneut vergessenswerten) Auftritt von Geomancer aus, der ratzfatz wieder passĂ© ist. Selbst die Flucht unserer Helden vor Zoom am Ende der Episode kommt extrem plötzlich. Nicht, dass es nicht nachvollziehbar wĂ€re, aber Szenen wie diese fĂŒhlen sich doch ein klein wenig unrund an, weil wir förmlich durch diese hindurchfegen.
Regeneration
Dies ist aber ein Jammern auf recht hohem Niveau, sorgt bei mir persönlich aber dennoch dafĂŒr, dass die Folge ein paar Punkte einbĂŒĂt. Etwas nebensĂ€chlich erscheint mir derweil abermals der Plot auf Earth-1, welcher jedoch nur am Anfang der Episode schwĂ€chelt. Im weiteren Verlauf wird diese Handlungsebene recht gut mit der Hauptgeschichte verknĂŒpft, auch, weil die Nebenhandlung um Jay geschickt ein groĂes RĂ€tsel innerhalb der Episode befeuert. Caitlin bringt es tatsĂ€chlich fertig, das Zaubermittel Velocity-9 zusammenzumischen, wodurch Jay wiederum seine Geschwindigkeit ohne weitere Nebenwirkungen zurĂŒckbekommt. Komplett sind seine KrĂ€fte noch nicht wiederhergestellt, wĂ€hrend Caitlin ihm dann auch noch eine Heilung fĂŒr seine Erkrankung in Aussicht stellt.

Double-crossed
Jays Auftritt als Flash ist durchaus episch, wirklich spannend wird seine Geschichte aber erst, als plözlich die Frage im Raum steht, ob er nicht etwas mit dem maskierten Zoom und dessen unbekannten Gefangenen zu tun haben könnte. Der Mann mit der eisernen Maske weist Barry und Jesse nĂ€mlich auf den Namen Jay hin, was nicht nur unserem Protagonisten ein paar Fragezeichen ins Gesicht zaubert. Achtet man dann auf den weiteren Verlauf der Handlung, fĂ€llt einem auf, dass Jay auf Earth-1 immer dann abwesend ist, wenn Zoom auf Earth-2 auf den Plan tritt. Oder versteckt sich unter der Fratze des Fieslings vielleicht die Earth-1-Version von Jay? Und wer ist der Maskenmann, welcher von Barry und Co letzten Endes zurĂŒckgelassen werden muss, weil die Zeit drĂ€ngt?
Diese aufregenden Fragen stellen den perfekten Treibstoff fĂŒr diese Episode dar, in der man sich nie wirklich sicher sein kann, wem man vertrauen kann und wem nicht. WĂ€hrend der neuerliche Verdacht gegenĂŒber Jay recht ĂŒberraschend kommt, ist Killer Frosts doppeltes Spiel mit Zoom und unseren Helden derweil ein klein wenig vorhersehbar. Dies Ă€ndert aber nicht viel daran, dass Ciscos Ansprache ihr gegenĂŒber, als er an das Gute in ihr und ihre Liebe fĂŒr Deathstorm appelliert, um sie gegen Zoom aufzuwiegeln, eine schöne, emotionale Momentaufnahme darstellt. Dass sie Team Flash zunĂ€chst hintergeht, dann aber doch die Hand gegen Zoom erhebt (keine Sekunde zu spĂ€t, wohlgemerkt), war zu erwarten. Ihr weiteres Schicksal bleibt derweil im Unklaren, wobei man schon davon ausgehen kann, dass Zoom eher nicht gut auf sie zu sprechen ist.
Vortex
Ăberhaupt spielen die Konsequenzen, welche der Konflikt mit Zoom auf Earth-2 nach sich zieht, eine sehr geringe Rolle. Iris und Barry von Earth-2 sollen erst einmal abtauchen - in Atlantis, wo ein paar Familienangehörige von den beiden leben -, schaut man sich aber Zooms FĂ€higkeiten sowie dessen weitreichenden Einfluss an, dĂŒrfte die Gefahr fĂŒr sie noch lange nicht vorbei sein. So sehr ich Zoom als Antagonisten mag, dem man jederzeit etwas Schreckliches zutraut (mich hĂ€tte es nicht verwundert, wenn er Jesse vor den Augen von Wells umgebracht hĂ€tte) - er ist auch ein StĂŒck weit ĂŒbermĂ€chtig.
Dies schafft natĂŒrlich ordentlich Eindruck bei uns und macht es nur umso spannender, wer er wirklich ist und wie er besiegt werden kann. AllmĂ€hlich könnten die Autoren aber auch zur Sache kommen. In den nĂ€chsten Episoden wird sich zeigen, ob man Zooms GeheimidentitĂ€t zeitnah enthĂŒllen oder ob noch etwas lĂ€nger ein Geheimnis daraus gemacht wird, so dass uns vielleicht erst zum Staffelfinale der groĂe Moment bevorsteht. Ich tippe jedoch auf ersteres, weil man sonst Gefahr lĂ€uft, die Haupthandlung unnötig in die LĂ€nge zu ziehen. Langsam, aber sicher wollen wir wissen, wer Zoom wirklich ist. Dass er unglaublich stark, skrupellos und mordsgefĂ€hrlich ist, wurde nun zur GenĂŒge etabliert.
Cold as ice
Doch was plant Team Flash nun eigentlich genau, nachdem sie Jesse befreit haben? Hier macht es zunĂ€chst den Anschein, dass man erst einmal ganz zufrieden damit wĂ€re, Zoom einfach nur aus Earth-1 auszusperren. Das Portal in die Parallelwelt soll nĂ€mlich sofort geschlossen, nachdem Barry und Co wieder zurĂŒck sind. Will man etwas Zeit gewinnen, um einen neuen Plan zu schmieden? Das Team feiert zumindest ordentlich, als Jay das Portal verschlieĂt - wie er zumindest glaubt. Wirklich ĂŒberraschend (Jay stellt sich schon sehr eindeutig mit dem RĂŒcken zum Portal, das alles andere als vollkommen verschlossen aussieht) ist der Schockmoment nicht, weshalb die finale Szene der Folge mich ein klein wenig spaltet. Dass der Ur-Flash so hinterrĂŒcks von Zoom ermordet wird, muss dennoch erst einmal verarbeitet werden.

Insbesondere mit Blick auf die Theorie Barrys, dass Jay Zoom sein könnte - eine Ăberlegung, die der junge Forensiker nach dem Aufeinandertreffen mit dem Maskenmann definitiv hat -, ist dies eine hochinteressante Entwicklung. Man kann so zumindest ausschlieĂen, dass Jay Zoom ist, wobei es auch hier noch andere Möglichkeiten gibt: In den Kommentaren machte letztens die Theorie die Runde, dass Zoom eine Art Inkarnation der Folgen von Jays Experimenten mit sich selbst sein könnte. Dass der Jay aus Earth-1, namentlich Hunter Zolomon (!), Zoom sein könnte, ist ebenfalls nicht auszuschlieĂen. Oder man fĂŒhrt uns komplett an der Nase herum und prĂ€sentiert uns demnĂ€chst ein völlig unerwartetes Gesicht. Selbst, wenn mir die Inszenierung von Jays Ableben nicht so gut gefallen hat, könnte dieser Vorfall nun ein paar Steine ins Rollen bringen, die die bereits sehr dubiose Haupthandlung um Zoom noch ein kleines bisschen spannender machen.
Fazit
The Flash bĂŒĂt auch in der Episode Escape from Earth-2 nichts von seinem hohen Unterhaltungswert ein und prĂ€sentiert uns eine rasante Folge, bei der es kaum Zeit zum Luftholen gibt. Dies ist fĂŒr die meiste Zeit ein Vorteil, reiĂt einen die Spannung doch wahrlich mit. Ab und an merkt man jedoch, dass ein paar Ruhephasen vielleicht gar keine schlechte Idee gewesen wĂ€ren, um den einzelnen Szenen etwas Raum zur Entfaltung zu geben.
Einige Details, zum Beispiel Iris' neuer Vorgesetzer (Tone Bell), der dem Flash gegenĂŒber eher zweifelhaft und pessimistisch ist, fallen aufgrund ihrer Irrelevanz etwas unter den Tisch, wĂ€hrend manch scheinbar ausweglose Situation (Barry âphastâ dann doch recht zĂŒgig durch die WĂ€nde seines GlasgefĂ€ngnisses) ĂŒberraschend einfach gelöst werden kann. Die Summe von Kritikpunkten wie diese verhindert, dass „Escape from Earth-2“ eine höhere Bewertung von mir bekommt, ebenso wie das (scheinbare) Ableben Jays, das zwar sehr bedeutungsvoll ist, aber etwas holprig in Szene gesetzt ist. „The Flash“ bleibt dennoch weiter hochspannend und extrem kurzweilig.
Trailer zur âThe Flashâ-Episode 2x15 âKing Sharkâ:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 17. Februar 2016The Flash 2x14 Trailer
(The Flash 2x14)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x14
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?