The Flash 2x13

Seit der EinfĂŒhrung von Parallelwelten in der zweiten Staffel von The Flash und der Möglichkeit, zwischen diesen hin und herzuspringen, dĂŒrften zahlreiche Zuschauer der Superheldenserie - meine Wenigkeit inbegriffen - auf diesen Moment gewartet haben: Team Flash von Earth-1 wagt in der Episode Welcome to Earth-2 die Flucht nach vorn und begibt sich in die alternative Welt zu ihrer vertrauten RealitĂ€t, Earth-2. Dort ticken die Uhren wiederum etwas anders und die DoppelgĂ€nger unserer Protagonisten prĂ€sentieren sich in einem ganz anderen Licht, als die uns bekannten Mitglieder von Team Flash auf Earth-1.
GroĂe Teile dieser Episoden fallen recht eindeutig in die Kategorie Fanservice, toben sich die Serienmacher doch voll und ganz im Rahmen von Barrys, Wells' und Ciscos Reise nach Earth-2 aus. Anspielungen zum DC-Comicuniversum noch und nöcher, zahlreiche Referenzen, bei denen Comicfans wohl einen Salto rĂŒckwĂ€rts vollfĂŒhren sowie charmante kleine Vorausblicke auf Geschichten, die im breitgefĂ€cherten âArrowverseâ sich noch zutragen können, von geplanten Crossover-Events bis hin zu Auftritten von weiteren Ikonen aus dem DC-Pool - fĂŒr Kenner der Materie ist „Welcome to Earth-2“ so eine extrem unterhaltsame Achterbahnfahrt, die zum TrĂ€umen einlĂ€dt, welche Charaktere wir in Zukunft vielleicht noch so in dieser Superheldenserienwelt zu Gesicht bekommen werden.
The one and only
Doch „The Flash“ soll ja nicht nur Comic-Aficionados und DC-Fans bedienen, es gibt auch ein Publikum, das eben nicht sehr viel mit dem Blick auf die Schnellwahl eines Telefons anfangen kann, auf dem die Namen âBruceâ (Batman), âDianaâ (Wonder Woman) und âHalâ (Green Lantern) zu lesen sind. (Kein Hinweis auf Green Arrow? Und mag denn wirklich niemand Arthur Curry aka Aquaman? Zumindest wird Atlantis erwĂ€hnt...). Ist diese Episode also nur ein Geschenk fĂŒr die Fans oder kann sie auch darĂŒber hinaus bestehen und uns eine spannende als auch kurzweilige Geschichte erzĂ€hlen, die in sich geschlossen ist und gleichzeitig zur ĂŒbergeordneten Handlung um Antagonist Zoom beitrĂ€gt?
Die Antwort auf diese Frage ist glĂŒcklicherweise ja, selbst wenn man einzelne Elemente der Episode, in denen es sich die Autoren etwas zu leicht machen, durchaus kritisieren kann. In ihrer GĂ€nze dĂŒrfte der Ausflug von Barry (Grant Gustin) und Co. nach Earth-2 jedoch beim GroĂteil der Zuschauerschaft gut ankommen, was nicht nur an den teilweise sehr amĂŒsanten Earth-2-Varianten der Charaktere liegt, sondern auch daran, dass man uns ein paar sehr emotionale Momentaufnahmen serviert, die vor allem unseren Hauptcharakter Barry vor eine schwierige PrĂŒfung stellen.

Under pressure
Dieser hat nĂ€mlich zu Beginn des Abenteuers in einer anderen Welt zusammen mit Cisco (Carlos Valdes) noch reichlich SpaĂ, merkt dann aber nachdem er die Rolle seines adretten DoppelgĂ€ngers auf Earth-2 ĂŒbernommen hat, dass das Zurechtfinden in dieser Alternativwelt bei Weitem nicht so einfach ist, wer er gedacht hĂ€tte. Nicht nur, dass er hier mit Iris (Candice Patton) verheiratet ist und Joe, Entschuldigung, Joseph (Jesse L. Martin), ĂŒberhaupt nicht gut auf ihn zu sprechen ist, auch der Umstand, dass seine Mutter in Earth-2 noch am Leben ist, bringt ihn gehörig durcheinander. Iris, die neue Stimme der Vernunft auf Earth-1, hatte ihn noch gewarnt, dass der Aufenthalt in Earth-2 kein Zuckerschlecken werden wird und Barry nicht vergessen soll, was er in seiner Welt alles hat. Er soll es nicht grundlos riskieren, nur weil er glaubt, dass er nach seiner Trennung von Patty weniger zu verlieren hat, was natĂŒrlich nicht der Fall ist.
Im kurzen TelefongesprĂ€ch mit seiner Mutter zeigt sich aber, dass es doch sehr schwer mitnimmt, dass diese in Earth-2 noch am Leben ist, wĂ€hrend ihr Tod in seiner Welt so viel Unheil angerichtet und emotionale SchĂ€den hinterlassen hat, die Barry nie wohl komplett hinter sich lassen kann. Barrys EmotionalitĂ€t und Verbundenheit zu seinen NĂ€chsten ist es auch, die ihm keine andere Wahl lĂ€sst, als sich fĂŒr Iris und Joseph von Earth-2 einzusetzen, obwohl er eigentlich keine richtige Verbindung zu diesen hat. Wells (Tom Cavanagh) ist nicht im Unrecht, wenn er sagt, dass Barry sich durch seine GefĂŒhle von seiner eigentlichen Mission, Jessie aus den FĂ€ngen von Zoom zu retten, abbringen lĂ€sst.
Mirror Mirror
Barry zeichnet als Charakter aber nun einmal diese Aufopferungsbereitschaft aus und wer kann es ihm schon verdenken, wenn er vertrauten Gesichtern helfen will, selbst wenn diese andere Persönlichkeiten sind? BezĂŒglich dieser anderen Persönlichkeiten sorgt man in Welcome to Earth-2 neben ein paar dramatischen Szenen (bei dem Tod von Joseph trĂ€gt man schon etwas sehr dick auf, sein herzliches Lebewohl von Iris rĂŒhrt dennoch zu TrĂ€nen) vor allem fĂŒr eine ganze Menge SpaĂ, was man auch den Darstellern und Darstellerinnen anmerkt. Candice Patton darf so mal ihren inneren, hartgesottenen Detective rauskehren, wĂ€hrend der musikalisch veranlagte Jesse L. Martin zurĂŒck zu seinen Wurzeln als BĂŒhnensĂ€nger in TheaterstĂŒcken und am Broadway kehren darf: Er gibt als Joseph West eine herrliche Swing-Nummer zum besten und zeigt sich danach Barry gegenĂŒber eher weniger freundlich, was auch mal eine interessante Abwechslung ist.
Die Unterschiede zwischen den DoppelgĂ€ngern auf Earth-1 und Earth-2 sind im Grunde genommen sehr simpel: Es handelt sich zumeist um das Gegenteil. Deadshot aka Floyd Lawton (Michael Rowe) ist auf Earth-2 ein Polizist mit lausigen SchieĂkĂŒnsten, Snart (ich tippe mal auf Leonard aka Captain Cold) ist der BĂŒrgermeister von Central City, Henry Hewitt aka der zerstörerische Tokamak auf Earth-1 ist ein freundlicher Gehilfe von Harrison Wells in den S.T.A.R. Laboratories. Und Caitlin (Danielle Panabaker), Ronnie (Robbie Amell) und Cisco sind die tödliche Oberschurken Killer Frost, Deathstorm und Reverb, Handlanger von Zoom und erpicht darauf, The Flash die Leviten zu lesen. Dieser Rollentausch bei den etlichen Figuren mischt den Laden wie erwartet mal ordentlich durch und ist ein nettes Gimmick, das oft natĂŒrlich nur Showeffekt hat, siehe die eher unwichtigen Nebenfiguren, aber nicht minder seinen Anteil daran hat, dass „Welcome to Earth-2“ herrlich flott von der Hand geht und kaum LĂ€ngen hat.
The dark side
Das feurig-eisige ScharmĂŒtzel zwischen Barry und Caitlin als Killer Frost sowie Ronnie als Deathstorm ist sogar ein zwischenzeitlicher Action-Höhepunkt, der Lust auf mehr macht und aufregend inszeniert ist. Mehr werden wir aber von den schurkischen DoppelgĂ€ngern von Ronnie und Cisco - der hier als cooler Strippenzieher seinem Earth-1-Ich vor Augen fĂŒhrt, wie mĂ€chtig er eigentlich ist - aber wohl nicht zu sehen bekommen, werden diese doch fĂŒr ihren Ungehorsam schnurstracks von Zoom um die Ecke gebracht. Allein Killer Frost wird verschont, was vermuten lĂ€sst, dass sie in der kommenden Episode eventuell zu einem Faktor in der BekĂ€mpfung Zooms werden könnte, sinnt sie doch auf Rache aufgrund Deathstorms Tod.

Promises
Ein paar Aspekte verlaufen in dieser kurzweiligen Episode dann aber doch etwas holprig: SĂ€mtliche wissenschaftliche ErklĂ€rkungen, sei es zu Ciscos Vibe-Brille, die plötzlich nicht mehr funktioniert oder die ErwĂ€hnung einer nicht nĂ€her erklĂ€rten GerĂ€tschaft, mit der man Killer Frost und Deathstorm Einhalt gebieten kann, kann man als Zuschauer getrost ignorieren - eine wirkliche Rolle spielen sie eh nicht. Auch der âPlanâ von Barry, Earth-2-Iris und Co., âMetahuman-Bonnie und Clydeâ dingfest zu machen, ist Ă€uĂerst dĂŒnn und endet dank einer glĂŒcklichen FĂŒgung (Zooms Auftritt) fĂŒr die Beteiligten - Barry ausgeschlossen - glimpflich. Und manchmal kommt dann doch recht deutlich das GefĂŒhl in einem auf, dass man uns Fans hier einfach nur einen sehr groĂen Gefallen getan hat und vielleicht doch - um in den Worten von Harrison Wells zu bleiben - die kostbare Zeit im Kampf gegen Zoom ein klein wenig verschwendet.
Wells, der zu Beginn der Reise noch wunderbar Feuer und Flamme ist, gemeinsam mit Team Flash Zoom das Handwerk zu legen und Jessie zu befreien, kann einem schon fast leid tun, wird diese wichtige Mission in „Welcome to Earth-2“ doch sehr schnell zur absoluten Nebensache. Vielmehr findet sich Barry zum Ende der Folge in einer Ă€hnlich prekĂ€ren Situation wie die Tochter von Wells wieder: Von Zoom entfĂŒhrt sieht die Lage fĂŒr Barry nun recht dĂŒster aus und so bleibt abzuwarten, ob (oder besser: wie) er einen Ausweg aus seiner Gefangenschaft finden kann. Ein RĂ€tsel gibt indes ein unbekannter Gefangener Zooms mit Metallmaske auf. Wer verbirgt sich darunter? Warum wurde er von Zoom gefangen genommen? Ich lehne mich mal ein klein wenig aus dem Fenster und tippe auf Eddie, wobei dieser genauso gut Zoom sein könnte. Vielleicht habt Ihr Leser ja eine Theorie zu dieser Frage.
Trapped
WĂ€hrend die Geschehnisse in Earth-2 am meisten Interesse beim Zuschauer wecken können, ist die erste Reaktion beim Abstecher zurĂŒck nach Earth-1 zunĂ€chst einmal ein klein wenig ErnĂŒchterung. Dies legt sich mit der Zeit wieder etwas, ist die Nebenhandlung um Joe, Caitlin und Jay (Teddy Sears) doch im GroĂen und Ganzen gar nicht so verkehrt. Earth-2 hat es einem aber auch dank seines schimmernden Steam-Punk-Stils und generellen Andersartigkeit so sehr angetan, dass man gut und gerne mal auf Earth-1 hĂ€tte verzichten können. Doch ich möchte dem zurĂŒckgebliebenen Team Flash nicht Unrecht tun, immerhin fĂ€llt ihnen jetzt die schwierige Aufgabe zu, das Portal, durch welches Barry und Co. gereist sind, wieder zu stabilisieren, da diese sonst in Earth-2 feststecken.
Nachdem Team Flash nĂ€mlich endlich alle Portale in Central City geschlossen hat, ist das letzte noch offene Portal aus, nun ja, âirgendwelchen wissenschaftlichen GrĂŒndenâ nach der Abreise von Barry, Cisco und Wells in sich zusammengebrochen. Dass es einfach logisch gewesen wĂ€re, das SchlieĂen der Portale in Central City zur PrioritĂ€t Nummer 1 zu machen, habe ich schon oft bemĂ€ngelt. So hĂ€tte man sich einige der fiesen Metahumans erspart, die von Zoom angeheuert wurden. Doch dann hĂ€tte man wiederum keinen Plot gehabt, weshalb ich die Autoren ein klein wenig verstehen kann, auch wenn sie ihre Charaktere lange Zeit nicht sehr glaubwĂŒrdig haben agieren lassen, indem sie die Portale fĂŒr die HĂ€lfte der Staffel sperrangelweit offen stehen lassen.
Side effects
Mit Barry in Earth-2 muss nun auĂerdem Jay dessen FuĂstapfen fĂŒhlen, tritt doch der Metahuman Geomancer (sehr vergessenswert, weil ohne besondere Motivation ausgestattet und schneller wieder weg, als er da war) auf. Diesen kann Jay gemeinsam mit Joe irgendwie abwehren (unter anderem durch einen sehr coolen Einsatz seines Helms), wodurch der Tag erst einmal gerettet ist. Weitaus interessanter ist aber, dass wir erfahren, wie Jay wirklich seine Schnelligkeit verloren hat. Nicht Zoom ist dafĂŒr verantwortlich, er selbst hat an sich herumgedoktort und wollte unbedingt schneller werden.
Die Zaubermixtur Velocity 6, die Jay mehr Geschwindigkeit gibt, hat nĂ€mlich furchtbare Nebenwirkung, doch Caitlin mischt mal schnell eine neue Formel zusammen, Velocity 7, mit der Jay kurzfristig nicht nur seine KrĂ€fte zurĂŒckbekommt, sondern vielleicht auch die Chance auf eine Heilung erhĂ€lt. Ich wiederhole mich gern: Es ist positiv, dass man der Handlung um Jay etwas mehr Raum zur Entfaltung zugesteht und auch diese Woche ist das Ergebnis grundsolide. Inhaltlich schustern sich die Autoren aber viele Dinge so zusammen, wie es ihnen gerade am besten passt. Wie lauft das genau mit Velocity 7 ab? Kann Caitlin das Mittelchen so einfach zusammenmischen? Detailfragen, die durchaus etwas stören können.

Looking glas
AbschlieĂend möchte ich noch einmal gerne auf all die bereits kurz erwĂ€hnten Anspielungen und Referenzen in Welcome to Earth-2 eingehen, die mitunter zum Spekulieren einladen:
Bei der Reise von Barry, Cisco und Wells von Earth-1 nach Earth-2 können wir so einiges erspĂ€hen, das sowohl netter Fanservice als auch Vorschau auf kommende Abenteuer im âArrowverseâ sind. Zu ersterem gehört ohne Frage der Blick auf John Wesley Shipp als âalterâ Flash in der Serie aus den frĂŒhen 1990er, was eine charmante Hommage darstellt. DarĂŒber hinaus saust dann auch noch Supergirl (Melissa Benoist) an uns vorbei, was die PlĂ€ne des Crossovers zwischen den beiden Serien insofern bestĂ€tigt, dass die Zusammenkunft der World's Finest durch das Bestehen verschiedener Alternativwelten zustande kommt. AuĂerdem sehen wir noch kurz Grodd (Gorilla City incoming?) sowie Jonah Hex, der schon bald einen Gastauftritt im Spin-off Legends of Tomorrow feiern wird „73311“.
Etwas ins GrĂŒbeln kommen ich und mein werter Kollege Adam, den ich mal schnell zu Rate gezogen habe, indes bei dem Green Arrow, den man sehen kann. Stephen Amell ist dies nicht, auch Jamey Sheridan aka Robert Queen (Green Arrow in Earth-2) verbirgt sich nicht hinter der Maske. Könnte es sich vielleicht um Connor Hawke handeln, Oliver Queens Sohn in der Comicvorlage? Diese Figur ist ĂŒbrigens ebenfalls fĂŒr „Legends of Tomorrow“ im GesprĂ€ch. Zu guter Letzt sehen wir noch den Legion Flight Ring, Symbol der Superheldengruppierung Legion of Super-Heroes, die weit in der Zukunft des DC-Universums operiert und der unter anderem Supergirl zugehörig ist. Auch dies ist ein interessantes Detail mit Blick auf zukĂŒnftige Geschichten im âArrowverseâ.
Fazit
Die Episode Welcome to Earth-2 strotzt geradezu von vielen Details, Verneigungen vor dem Ausgangsmaterial aus dem Hause DC Comics und charmanten Anspielungen zu einem Comicuniversum, das viele Möglichkeiten bietet. Fans dĂŒrfte dies erfreuen, doch auch nicht so Comic-affine Zuschauer sollten hier auf ihre Kosten kommen, bietet die Episode doch neben einem neuen, unverbrauchten Setting auch SpaĂ und Unterhaltung sowie ordentlich Action und gefĂŒhlvolles Drama. Die uns vertrauten Charaktere mal von einer gĂ€nzlich anderen Seite zu sehen, ist eine bisweilen sehr amĂŒsante Angelegenheit, selbst wenn ihre âneuenâ Rolle mitunter stark ĂŒberzeichnet sind. Der Teufel liegt jedoch wie so oft im Detail, weshalb man sich hier und da selbst ein Bein stellt. Die Handlung um Zoom nimmt aber dennoch wieder etwas Fahrt auf, was bitter nötig war, und so dĂŒrfen wir bereits jetzt schon gespannt auf die Auflösung des Ausflugs von Team Flash nach Earth-2 blicken, die sicherlich noch die eine oder andere Ăberraschung fĂŒr uns bereithalten wird.
Trailer zur âThe Flashâ-Episode 2x14 âEscape from Earth-2â:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 10. Februar 2016The Flash 2x13 Trailer
(The Flash 2x13)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?