The Flash 2x12

Mit der Episode Fast Lane kehren die Serienmacher von The Flash mal wieder etwas prominenter zu den Procedural-Elementen des Superheldendramas zurück. Das Team muss sich mit einem neuen Metahuman befassen, der seine Kräfte im Zuge der Katastrophe um den Teilchenbeschleuniger der S.T.A.R. Labs erhielt, die nun mittlerweile auch schon gut zwei Jahre zuückliegt.
Diese Nebengeschichte um Comicschurken Joseph Monteleone aka Tar Pit (Marco Grazzini) kann man aber getrost vergessen, da diese bisweilen dermaßen lieblos inszeniert ist, dass man den Eindruck bekommt, die Autoren würden sich selbst nicht viel um ihr mörderisches Teermonster scheren. Die Folge überzeugt vielmehr darin, uns schöne, gut gespielte Augenblicke zwischen den Charakteren und den nächsten (wenn auch kleinen) Schritt vorwärts im Kampf gegen den monströsen Zoom zu geben, der nun allmählich in die heiße Phase gehen könnte.
My fight
In der Tat sorgt dieser Teil der Episode, die Handlung um Wells (Tom Cavanagh) und dessen Dilemma, Barry (Grant Gustin) verraten zu müssen, um seine eigene Tochter vor schlimmeren Dingen zu bewahren, für das größte Interesse, was dieses Mal aber nicht nur an der gewohnt starken schauspielerischen Leistung von Tom Cavanagh liegt. Die Macher nehmen sich Zeit, uns Wells' verzwickte Lage vor Augen zu führen, wie er mit sich ringt, die richtige Entscheidung zu treffen, ohne dabei das Leben seiner Tochter Jessie zu gefährden. Mit Cavanagh hat man für einen solchen innerlichen Kampf eines Charakters mit sich selbst indes den richtigen Darsteller an Bord, der die Gefühlslage seiner Figur ob der schwierigen Situation - in der jeder große Probleme hätte, zu entscheiden, was zu tun ist - sehr gut einfängt und transportieren kann.

At any cost
Wie wir wissen, hat Wells Zoom zugestimmt, für diesen Barry um seine Geschwindigkeit beziehungsweise speed force zu erleichtern, um im Austausch für diese seine Tochter unbeschadet zurückzubekommen. Dafür entwirft Wells eine kleine Gerätschaft, die er an Barrys Anzug anbringt und diesem unwissentlich seine Energie raubt, die er dann in handlichen Ampullen an den Oberschurken Zoom weitergeben kann. Doch man merkt Wells bereits früh in der Episode an, dass er mit sich hadert und sein Handeln hinterfragt. Er weiß, was er tun muss, um seine Tochter zu retten.
Doch wie hoch ist der Preis dafür wirklich? Barry, diese Woche erfrischenderweise mal nicht von etwaigen Beziehungsproblemen geplagt, da Patty (Shantel VanSanten) die Stadt verlassen hat, möchte Wells indes bei ein paar wissenschaftlichen Problemen zur Hand gehen. Das ist sicherlich gut gemeint, führt Wells aber belastend vor Augen, wie schwerwiegend sein Verrat ist und dass er das Leben eines anderen skrupellos gegen das Leben seiner Tochter eintauschen würde.
Cavanagh spielt Wells in dieser angespannten Lage sehr authentisch, so dass es für uns als Zuschauer ein Leichtes ist, sich in die Position des Charakters zu versetzen. Barrys Übereifer, das Problem der nach wie vor weit geöffneten 52 Portale in Central City zu lösen (endlich!), kann schon etwas nervig sein, doch Wells fährt nicht nur deshalb aus der Haut, sondern vor allem auch, weil Barry und sein Tatendrang ihn an seine eigene Tochter Jessie erinnern. Dazu kommen die Gewissensbisse, den gutherzigen Barry, der Wells bei der Rettung seiner Tochter helfen will, schamlos auszunutzen. Gibt es wirklich keinen anderen Weg, Jessie aus den Fängen Zooms zu befreien oder sollte Wells vielleicht seine schwere Bürde als sorgevoller Vater mit Team Flash teilen, anstelle Barry und Co zu betrügen?
Binary thinking
Zugegeben, ein paar Details in diesem Handlungsstrang wirken etwas an den Haaren herbeigzogen (Barry frischt dank seiner Geschwindkeit flugs sein wissenschaftliches Wissen auf, indem er schnell durch ein Buch blättert, wobei dies ja nicht im Geringsten etwas mit seiner Aufnahmefähigkeit zu tun hat), doch die Geschichte um den verzweifelten Wells, der alles für seinen Nachwuchs tun würde, funktioniert im Großen und Ganzen sehr gut, da es für den Zuschauer sehr einfach ist, sein Verhalten aufgrund Wells' misslicher Lage nachzuvollziehen. Welche andere Wahl bleibt ihm schon, weiß er doch, dass Zoom nicht zu besiegen ist? Die Antwort darauf liegt in dem Vertrauen, das er Barry und Team Flash entgegenbringen muss, werden sie gemeinsam doch irgendwie eine Lösung finden, um dem speed demon Einhalt zu gebieten.
Nachdem deutlich wird, dass Barry auf ungeklärte Weise langsamer geworden ist, hat Wells' Scharade auch schon wieder ein jähes Ende, kann er es eben doch nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, seine neuen Mitstreiter zu hintergehen. Während Joes (Jesse L. Martin) Reaktion - ein heftiger Faustschlag ins Gesicht des Wissenschaftlers - für dessen Charakter angemessen ist, zeigt Barry, warum er eben doch immer wieder das Herz und die gute Seele der Truppe ist. Er versteht Wells und weiß zu schätzen, dass er doch noch die Wahrheit gesagt hat, was nicht einfach für ihn gewesen sein muss, könnte er somit doch das Schicksal seiner Tochter besiegelt haben. Wells' Angebot, ihn zurück nach Earth-2 zu schicken, wo Zoom sich befindet und hinter ihm alle Portale zu schließen, um so Zoom aus Barrys Welt auszuschließen, ist zwar selbstlos, aber keine Option für Barry.
Vulnerable
Sie sitzen gemeinsam in diesem Boot und gemeinsam werden sie einen Weg finden, Jessie zu befreien und Zoom zu besiegen. Wells, der sich zuvor immer noch recht distanziert seinen neuen Kollegen gegenüber verhalten hat, wird nun endgültig zu einem vollwertigen Teil des Teams, das den Kampf gegen Zoom nun zu dessen Haustür in Earth-2 bringen wird. Nicht nur, dass so automatisch die Vorfreude auf die kommende Episode gehoben wird, auch die weiterhin exzellente Dynamik des neuen Team Flash mit dem andersartigen Harrison Wells im Vergleich zu dem bekannten Charakter aus Staffel eins macht großen Spaß und möchte man ungern missen.

Wrong side
Passend zu dieser Teilgeschichte der Episode, in der unter anderem auch ergründet wird, was es bedeutet, Vater zu sein, widmet sich auch die Handlung um Joe, Wally (Keiynan Lonsdale) und Iris (Candice Patton) dieser Thematik, wodurch eine nette kleine Parallele zwischen den verschiedenen Erzählsträngen entsteht. Während sich Wells seiner Verantwotung als Vater von Jessie bewusst ist und alles für diese tun würde, muss Joe erst einmal ausloten, was für ein Vater er für seinen „neuen“ Sohn Wally sein will. Nicht nur Iris fällt auf, dass sich Joe im Umgang mit Wally verstellt, was aber auch ein klein wenig verständlich ist, möchte er den Jungen doch nicht gleich wieder erschrecken und die noch sehr frische Vater-Sohn-Beziehung mit Bedacht aufbauen.
Doch dieser ruhige Ansatz bringt nichts, wenn Joe sich selbst nicht treu bleibt und Wally sich in einer schwierigen Phase seines Lebens (seine Mutter ist nun verstorben, eine Information, die mir nach der letzten Episode nicht bewusst war und hier etwas nebensächlich eingestreut wird) grundlos in Gefahr bringt. So greift Iris beherzt ein, um ihn von den riskanten Straßenrennen abzubringen, die früher oder später kein gutes Ende für ihren Bruder nehmen würden. Iris präsentiert sich mal wieder äußerst proaktiv, vielleicht sogar ein bisschen zu sehr, so dass sie in ihrem Tun und Handeln stets an der Grenze dazu wandelt, in ihrer „Mutterrolle“ für den jugendlichen Wally sich etwas zu aufdringlich, wenn nicht sogar nervig, zu verhalten - ihre guten Absichten in allen Ehren.
Good kid
Ihre Sorge ist aber nicht unberechtigt und letzten Endes macht sie ein schönes Statement dahingehend, wie wichtig Familie ist, dass jeder Menschen um sich herum braucht, die sich um einen sorgen und kümmern, so wie es jetzt in der neugeformten Familie West der Fall ist, in die Wally von Joe und Iris mit offenen Armen empfangen wurde. Nachdem Iris bei den Folgen eines Straßenrennens und dem Auftritt von Tar Pit fast schwerer zu Schaden gekommen wäre, öffnet sich Wally auch endlich etwas seiner Schwester und stellt sich der Trauer ob des Todes seiner Mutter. Hier zeigt Keiynan Lonsdale auch endlich mal, dass er ein durchaus talentierter Bursche ist, der gemeinsam mit Candice Patton ein gutes Geschwisterduo abgibt.
Nebenbei erfahren wir in der Episode auch etwas mehr über Wally als Charakter, dass er zum Beispiel nahezu besessen von dem Rausch der hohen Geschwindigkeit ist, was sicherlich auch als kleiner Fingerzeig in Richtung Wally West aus der Comicvorlage zu verstehen ist. Der Vorfall bei dem illegalen Straßenrennen, bei dem Tar Pit Rache an einem alten Knastbruder üben will, ist indes das Ergebnis eines herrlichen Zufalls (der zwielichtige Organisator dieser Rennen steht auf der Abschussliste von Tar Pit, wodurch die Metahumangeschichte mit der Nebenhandlung um Iris und Wally verknüpft wird), hat aber vor allem einen sehr denkwürdigen Moment zur Folge, bei dem manch einer vielleicht etwas auf dem falschen Fuß erwischt werden könnte.

Tar freak
Während man wie immer erwartet, dass Barry in seiner Flash-Montur schon irgendwie den Tag retten wird, wird einem erst, kurz bevor Iris verletzt wird, klar, dass Barry tatsächlich langsamer geworden ist und das Leben einer seiner Freunde auf dem Spiel steht. Die gesamte Szene ist stark inszeniert (lassen wir die computergenerierten Effekte mal außen vor), hochspannend und gleichzeitig Auslöser für die Frage, was Barrys Geschwindigkeit verringert hat, woraufhin Wells sein Geständnis ablegt. Nicht besonders schön mit anzusehen ist derweil Tar Pit in seiner vollen Pracht, auch wenn es nur wenige Sekunden sind, in denen wir den Metahuman in seiner final form begutachten dürfen, bedeuten ein paar spezielle Handgranaten doch das Ende des Teermonsters.
In gewisser Weise entspricht die visuelle Umsetzung mithilfe Computereffekten dem Tar Pit aus den Comics, ein Fest für die Augen ist es aber dennoch nicht. Da das Scheusal aber ruckzuck auch schon wieder Geschichte und nichts an dessen Auftritt erinnerungswürdig ist, sollte dieser Metahuman relativ schnell wieder in Vergessenheit geraten. Für die Episode ist es unterdessen ein kleiner Schandfleck, gibt uns diese Bösewichtgeschichte doch nicht wirklich viel. Das scheinen aber auch die Autoren gewusst zu haben, die Tar Pit nur das Nötigste an Screentime einräumen und ihren Fokus ganz klar auf die Charaktere aus Team Flash verlagern.
Mit diesen haben wir wiederum neben vielen dramatischen Momentaufnahmen, wie so oft, auch sehr viel Spaß. So zum Beispiel in Person von Cisco (Carlos Valdes), der zwar ein Tinder für Metahumans entwickelt, aber sich leider nicht bester Hacker der Welt schimpfen darf. Dieser Titel ist und bleibt einer gewissen Dame aus Star City vorbehalten.
Fazit
Fast Lane schürt zum Ende hin vor allem die Erwartungen an unseren ersten richtigen Abstecher nach Earth-2, der Team Flash in der nächste Woche bevorsteht. Doch klammert man die uninteressante, irrelevante Metahumangeschichte der Woche aus, kann man sich darüber hinaus auch an ein paar sehr guten Schauspielleistungen des Ensembles, neuen Entwicklungen in der Causa Zoom und ein paar charmanten, zwischenmenschlichen Momenten erfreuen. Kleinere Makel (klassisches Wissenschaftsgefasel à la The Flash, das man einfach so hinnehmen muss, sowie bequeme Zweckdienlichkeiten für den Plot) fallen indes nicht so sehr ins Gewicht wie die abenteuerliche Effektarbeit bezüglich Tar Pit. Insgesamt sorgt der gut aufgelegte Cast sowie das zumeist schlüssige Verhalten der Charaktere für eine alles in allem gute Folge, dir mir persönlich besser als die Episode aus der Vorwoche gefällt.
Auf der nächsten Seite findet Ihr eine Vorschau zu der nächsten „The Flash“-Episode, „Welcome to Earth-2“. Vorsicht, Spoilergefahr!
Trailer zur „The Flash“-Episode „Welcome to Earth-2“ (2x13):
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 3. Februar 2016The Flash 2x12 Trailer
(The Flash 2x12)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x12
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