The Flash 2x11

Die Zeitreisethematik hat in The Flash schon sehr oft die erhöhte Aufmerksamkeit seiner Zuschauer gefordert, was nun auch in der neuen Episode The Reverse-Flash Returns mal wieder mehr als deutlich wird. Über den erneuten Auftritt des Flash-Antagonisten, dieses Mal in Gestalt des echten Eobard Thawnes (Matt Letscher), widmet man sich abermals dem Erzfeind Barrys, welcher seit dem Finale der ersten Staffel des Superheldendramas eigentlich Geschichte war. Eigentlich. Jetzt kehrt der Reverse-Flash zurück und man präsentiert uns in gewisser Art und Weise dessen origin story, wie er zu der Person wurde, die sich in einem ewigen Konkurrenzkampf mit The Flash wiederfand und letztlich Barrys Mutter ums Leben brachte. Dabei stellt sich uns vor allem eine Frage: Warum erzählt man uns eigentlich diese Geschichte?
Die Quintessenz der Handlung um Eobard Thawne in dieser Episode ist, dass Barry (Grant Gustin) sich von diesem lösen muss, egal, wie schwer es ihm auch fällt. Er muss mit seiner Nemesis leben, auf alle Ewigkeit und wenn er sich zu sehr an dieser festklammert, dann fügt er sich und seinen Mitmenschen nur Schaden zu. Dieses Thema, sich von etwas freizumachen, so schwer es auch ist, aber schlussendlich mit einem besseren Gefühl weiterleben zu können, ist ein wiederkehrendes Element in der Episode. Beispiele: die Handlung um Iris (Candice Patton) und Wally (Keiynan Lonsdale), die mit dem baldigen Tod ihrer Mutter und den Dingen umgehen müssen, die man ihnen jahrelang vorenthalten hat, sowie die Geschichte um Patty (Shantel VanSanten) und Barry, in der sich zeigt, dass Barry einfach nicht den entscheidenden Schritt gehen und Patty die Wahrheit sagen kann, was letztlich beiden große emotionale Schmerzen zufügt.
Why we run
Diese thematischen Parallelen sind recht nett mit anzusehen, ändern jedoch nicht viel daran, dass „The Reverse-Flash Returns“ extrem plotgetrieben ist und die Autoren viel zu sehr glauben, uns mit der Rückkehr Eobards Thawne einen Fantraum zu erfüllen. Selbst wenn die schauspielerischen Leistungen passen, sowohl vom regulären Cast als auch von Gastdarsteller Matt Letscher, zeichnet die Haupthandlung der Woche vor allem viel Gefasel über verschiedene Zeitlinien und Zeitreiseparadoxen aus. Dabei ist man als Zuschauer verzweifelt auf der Suche nach einer Verknüpfung zum eigentlich zentralen Handlungsstrang um Staffelbösewicht Zoom, der in letzter Zeit viel zu kurz kommt. Die Nebenhandlung um Caitlin (Danielle Panabaker) und Jay (Teddy Sears), die auch in jeder anderen Episode hätte eingebaut werden können, stellt da schon am ehesten noch einen kleinen Fortschritt bezüglich Zoom dar, auch wenn es hochspekulativ bleibt.

Outside the box
Am Ende der Episode frage ich mich tatsächlich, was mir der erneute Auftritt von Thawne für den weiteren Verlauf der Staffel gebracht hat. Vielleicht soll die Episode ja auch eher losgelöst von den bisherigen Entwicklungen existieren und uns noch einmal in Gedächtnis rufen, dass der Reverse-Flash untrennbar mit dem Flash verbunden ist und nie wirklich verschwinden wird. Möglicherweise hält man sich so eine Tür für zukünftige Episoden offen, aber ist der Zeitpunkt für eine solche Episode richtig gewählt? Haben wir nicht erstmal genug vom Reverse-Flash und wollen wir nicht lieber mehr über Zoom erfahren, wie man diesen aufhalten und besiegen kann?
Diese Fragen sind hier jedoch absolut zweitrangig, der Reverse-Flash ist die unbestrittene Hauptattraktion, Barrys ganz persönlicher „blast from the past“, eine unliebsame Erinnerung aus der Vergangenheit, die Barry niemals loswerden wird. Zugegeben, den wissenschaftlichen Erklärungen zum Thema Zeitreisen, die uns hier aufgetischt werden, kann man einigermaßen gut folgen. Irgendwann entsteht jedoch der Eindruck, dass sich die Autoren doch etwas zusammenreimen, wie es ihnen gerade am besten für die Handlung passt. So kann man schon einmal den Überblick verlieren, warum Thawne nun doch noch existiert (weil er eben aus einer Zeitlinie kommt, in der er noch nicht in die Vergangenheit zurückgereist ist, um Barrys Mutter zu töten, ergo noch nicht von Barry ausgelöscht wurde) und wie sein Auftritt in Earth-1 das Raum-Zeit-Gefüge durcheinanderbringt.
Cause and effect
Auch wenn ich auf den ersten groben Blick keine allzu krassen Ungereimtheiten in den schlauen Ausführungen der wissenschaftlichen Abteilung von Team Flash erkennen kann (bitte korrigiert mich, falls ich falsch liegen sollte, denn irgendwann wurde es auch mir etwas zu viel des Guten), gestaltet sich dieser Teil der Handlung nicht besonders spannend für mich. Der Reverse-Flash ist zurück, will in seine Heimat zurück und letzten Endes wird er durch das Aufeinandertreffen mit Barry aka The Flash zu dem Fiesling, der Barrys Mutter auf dem Gewissen haben wird. Oder hat. Wie man es halt sieht. Der Tod von Barrys Mutter hat übrigens eine neue Zeitlinie erschaffen, an deren Ende der Reverse-Flash ausgelöscht wurde. Da der aktuelle Reverse-Flash aber aus einer Zukunft weit vor diesen Ereignissen und dementsprechend einer gänzlich anderen Zeitlinie kommt, lebt er noch. Letztlich wird er wohl irgendwann herausfinden, wer The Flash wirklich ist, zurück in die Vergangenheit reisen und dessen Mutter töten. So wiederholt sich das, was wir lang und breit in der ersten Staffel der Serie gesehen haben. Also doch: „Time is a flat circle“, um mal Matthew McConaughey aus der ersten Staffel von True Detective zu zitieren.
Da ich aber bis auf die bereits erwähnten, leichten thematischen Parallelen zu anderen Handlungsstrang keinen guten Grund erkennen kann, warum wir genau jetzt diese Episode und origin story vom Reverse-Flash präsentiert bekommen, ist mein Interesse an dieser Geschichte doch eher verhalten. Es wirkt schon fast so, als würden die Macher ganz bewusst eins zu eins auf den Spuren der Comicvorlage wandeln, damit wir ja nicht vergessen, dass wir uns einer Welt bewegen, in der Zeitreisen möglich sind und totgeglaubte Widersacher zu beliebigen Zeitpunkten wiederkehren können. Dadurch lenkt aber vor allem vom eigentliche Thema ab, die Jagd nach Zoom, die sicherlich nicht nur ich spannender finden würde, als sich erneut mit dem Reverse-Flash beschäftigen zu müssen.
Fix point
Die verschiedenen Nebenhandlungen in „The Reverse-Flash Returns“ funktionieren da schon deutlich besser, da sie schlichtweg relevanter für die weitere Entwicklung der Handlung sind. Cisco (Carlos Valdes) („Don't slurp! Don't you do it!“), der dank Wells' (Tom Cavanagh) modifizierter Super-Brille seine Gabe der „Vibes“ kontrolliert einsetzen kann, wird durch die Weiterentwicklung seiner Kräfte - Visionen über die Zukunft sind nun ebenfalls möglich - und die neuerliche Kontrolle über diese zu einem interessanten Faktor, was die Suche nach Zoom und einem Mittel angeht, um den Speed Demon das Handwerk zu legen.

One step ahead
Wie für Barry ist es auch für die Technikspezialisten eine Art Genugtuung, den Reverse-Flash nun geschnappt zu haben, vor allem nach all den Dingen, die dieser ihnen angetan hat (obwohl der hier gezeigte Reverse-Flash noch nichts von Dingen getan hat, die wir in Staffel 1 gesehen haben). Diese für Barry und Cisco emotionale Gegenüberstellung mit Thawne zündet jedoch nicht richtig für uns als Zuschauer, weil wir eben ein ganz anderes Gesicht mit Eobard Thawne assoziieren, als das von Matt Letscher. Ohne Tom Cavanagh als skrupelloses Übel im Kostüm des Reserve-Flash verpuffen die Ausführungen Ciscos und Barrys etwas, was man sich eigentlich hätte denken können. Es ist übrigens erstaunlich zu sehen, wie schauerlich-gut sich Cavanagh in gerade einmal wenigen Sekunden Screentime im Anzug des Reverse-Flash präsentiert und dadurch Ciscos Adrenalinlevel hebt, wodurch dieser seine Gabe einsetzen kann. Beim sämtlichen Tun und Handeln von Wells schwingen außerdem düstere Befürchtungen mit, wann und wie er sein neues Team hintergehen könnte. Dies ist ein durchaus spannendes Element der letzten Episoden, das nicht zu krass überreizt wird.
Sehr unterhaltsam sind in dieser Woche indes viele der actionreicheren Szenen, sei es der flotte Einstieg (Barry setzt seine Fähigkeit clever ein und verhindert eine fatale Katastrophe, bei der sonst ein Chemietransport in die Luft geflogen wäre) oder aber auch im direkten Kampf zwischen Flash und Reverse-Flash, in dem Barry beinahe über die Stränge schlägt und Thawne eindeutig die Leviten liest. Diese Szene funktioniert in Anspielung an all das, was Barry aufgrund der Untaten Thawne durchgemacht hat beziehungsweise durchmachen musste, noch am besten, kanalisiert sich seine Wut doch zu einer unaufhaltbaren Kraft, die einem schon fast Angst machen kann. Wenn der Auftritt vom Reverse-Flash hier vor allem eines bewirkt hat, dann, dass wir sehen, wie sich Barry weiterentwickelt hat und er nun in der Lage ist, seinem Erzfeind nicht nur Paroli zu bieten, sondern ihn auch relativ einfach zu besiegen. Vielleicht sogar etwas zu einfach...
Sacrifices
Während Barry hier also sichtbare Fortschritte gemacht hat, wartet auf ihn an der zwischenmenschlichen Front noch die eine oder andere Lehrstunde. Natürlich können wir sein Dilemma verstehen, Patty nicht von seinem Geheimnis erzählen zu wollen, um sie so zu schützen. Er sollte doch aber langsam gemerkt haben, dass Patty mit dieser Gefahr umgehen kann und sich sein Vertrauen in ihr emotional nur bezahlt machen kann. So quält er nicht nur sich selbst, sondern auch Patty weiter, blockt er doch alle Versuche ihrerseits, ihm noch eine weitere Chance zu geben, die Wahrheit zu sagen, ab. Selbst als Patty („smart girl“) erkennt, dass Barry The Flash sein muss und nicht mehr viel fehlt, bis sämtliche Karten endlich offen liegen, weicht Barry zurück. Dies kann schon ein Stück weit frustrierend für uns Zuschauer sein, wird doch weiterhin um den heißen Brei herumgetanzt.
Die Serienmacher zögern das Drama etwas unnötig hinaus, recht eindeutig mit der Absicht, dass es in naher Zukunft zu eben so einer Situation kommt, in der sich Patty in Gefahr wiederfindet, weil sie Barrys Geheimnis kennt. Es spricht ja nichts dagegen, wenn man irgendwann auf diese Art die hochdramatische Ernte einholen will, ich würde mir nur wünschen, wenn Barry sich mal etwas verständnisvoller Patty gegenüber verhalten und sie weniger bevormunden würde, nur weil er glaubt zu wissen, was das Beste für sie ist. Pattys Reaktion ist deshalb absolut nachvollziehbar für mich, lernt Barry doch nicht aus seinen Fehlern und denkt äußerst egoistisch: Was, wenn meiner Patty etwas zustößt? Seine verkopfte Herangehensweise ist eher selbstzerstörerischer Natur und kontraproduktiv - für sein emotionales Befinden, für seine Persönlichkeit sowie für die Handlung, die so nicht wirklich vorankommt.
Trigger
Positiv fällt mir in dieser Woche derweil die kleine, rührselige Nebengeschichte auf, in der Iris Abschied von ihrer Mutter nimmt, die sie eigentlich nie kannte, sowie der langsam wachsende Bund unter den beiden West-Geschwistern. Iris tränenreiche Reaktion auf das baldige Ableben ihrer Mutter, obwohl (wie sie selbst anmerkt) sie zu dieser nie wirklich eine richtige Mutter-Tochter-Beziehung hatte, ist eine sehr gefühlvolle Momentaufnahme, deren emotionale Tragweite sich einem absolut erschließt. Es handelt sich immerhin um ihre Mutter. Wally ist unterdessen weiterhin etwas trotzig (wenn nicht sogar arg pampig), Iris kann ihn jedoch etwas „enteisen“ und so verbindet das tragische Schicksal Francines (Vanessa Williams) die beiden letzten Endes. Eine gute, nicht zu aufdringliche Fortführung der Geschichte des neuen Charakters von Wally West und wie dieser in das Leben von Iris und ihrem Vater Joe (Jesse L. Martin) passen könnte.

Ebenfalls am Rande erzählen die Macher auch die Liaison zwischen Caitlin und Jay weiter, die in The Reverse-Flash Returns nicht mehr ganz so aufgezwungen wirkt, wie noch in einigen Episoden zuvor. Caitlin möchte Jay bei seiner Erkrankung helfen, für die dessen DNA-Zellen ausgetauscht werden müssen. Jays Earth-1-Doppelgänger könnte in dieser Hinsicht Abhilfe schaffen, Jay teilt Caitlin aber mit, dass seine Krankheit so einfach nicht geheilt werden kann. Dafür muss er schon seine Geschwindigkeit von Zoom zurückgewinnen. Während Jays Krankheitsbild weiterhin furchbar schwammig bleibt, sorgt eine interessante Namensnennung in der Episode wohl vor allem bei Comickennern für überraschte Gesichter. Jays Earth-1-Doppelgänger hört nämlich auf den Namen Hunter Zolomon. Und Zooms echter Name in den Comics ist - genau - Hunter Zolomon. Es wäre wohl viel zu einfach, hier eine Verbindung zwischen dem Earth-1-Jay und Zoom zu ziehen, die Macher werden sich dabei aber schon etwas gedacht haben - selbst wenn es uns am Ende auch nur auf eine falsche Fährte führt.
Fazit
The Flash bekommt in dieser Woche eine etwas schlechte Wertung von mir, erzielte die Episode „The Reverse-Flash Return“ insgesamt doch nicht die gewünschte Wirkung. Die Folge strotzt nicht nur vor Inhalt, ihre Haupthandlung um die Rückkehr des Reverse-Flash lässt mich darüber hinaus eher kalt. Daran können auch nicht viele amüsante Augenblicke (vor allem Cisco sichert sich mal wieder einige von diesen) ändern. Die Nebengeschichten, von denen man aus Gründen der Kompaktheit auch auf eine hätte verzichten können beziehungsweise in eine andere Episode verschieben können, geben mir persönlich schon etwas mehr, vor allem mit Blick auf den zentralen Handlungsstrang der Staffel, der sehr gerne wieder etwas mehr in den Fokus rücken darf. The Flash fühlt sich derzeit ein wenig so an, als würde man uns hinhalten und am langen Arm verhungern lassen. Zeit, dass man mal wieder etwas aufs Gaspedal drückt.
Trailer zu „The Flash“-Episode 2x12 „Fast Lane“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 27. Januar 2016The Flash 2x11 Trailer
(The Flash 2x11)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?