The Flash 2x10

The Flash 2x10

The Flash kehrt mit ein paar Überraschungen aus seiner Winterpause zurück und präsentiert uns mit der Episode Potential Energy eine insgesamt sehr kurzweilige Folge. Völlig frei von Kritik ist sie jedoch nicht, verhalten sich einige der auftretenden Charaktere doch etwas seltsam.

Patty (Shantel VanSanten) und Barry (Grant Gustin) in „Potential Energy“ / (c) The CW
Patty (Shantel VanSanten) und Barry (Grant Gustin) in „Potential Energy“ / (c) The CW

So viel vorweg: Den Serienmachern von The Flash ist der erfolgreiche Start in die zweite Hälfte der zweiten Staffel der Superheldenserie nach der mehrwöchigen Winterpause im Großen und Ganzen geglückt. Wie gewohnt serviert man uns eine äußerst unterhaltsame Episode, in der die Zeit wie im Fluge vergeht und einige interessante Entwicklungen angestoßen werden, die in naher Zukunft noch von sehr großer Bedeutung sein könnten. Während sich die Hatz nach dem Metahuman der Woche gut in die übergreifende Handlung um Oberschurke Zoom und der Frage danach, wie man diesen aufhalten kann, einfügt, kommt es zusätzlich zu ein paar netten Charaktermomenten, die allen voran von der Eingespieltheit der verschiedenen Darsteller profitiert.

Wie so oft kann man sich in „The Flash“ an der wunderbaren Chemie der Schauspieler untereinander und deren extrem sympathischer Art erfreuen, doch eine bestimmte Sache ist mir in Potential Energy ein Dorn im Auge: So stößt mir nämlich das Verhalten von gleich mehreren Charakteren etwas übel auf. Ein paar der Entscheidungen, die einige Figuren treffen, muten schlichtweg sehr eigenartig an und dienen vor allem dazu, das allgemeine Drama etwas zu befeuern. Für uns als Zuschauer ist das Handeln so mancher unserer Protagonisten in „Potential Energy“ somit nicht immer völlig nachvollziehbar. Eher wird die Frage aufgeworfen, warum die Person gerade das tut, was sie tut, wenn es doch viel einfacher sein könnte.

Boy meets girl

Die Antwort auf diese Frage könnte simpler nicht sein: Damit wir eine dramatische Handlung haben, die über einen gewissen Unterhaltungswert verfügt. Das ist ein legitimer Ansatz der Autoren, dennoch haben sie schon zuvor bewiesen, dass sie Konflikte durchaus eleganter generieren können, während in „Potential Energy“ manch dramatischer Moment doch etwas arg aufgesetzt und konstruiert erscheint. Wir bewegen uns zwar immer noch auf einem guten Niveau, weshalb man als Zuschauer aufgrund solcher Augenblicke nicht komplett aus der Handlung gerissen wird. Auffällig sind diese aber dennoch.

Shantel VanSanten als Patty Spivot in %26bdquo;Potential Energy%26ldquo; © The CW
Shantel VanSanten als Patty Spivot in %26bdquo;Potential Energy%26ldquo; © The CW

Guarded

So zum Beispiel in der Handlung um Barry und Patty, die uns zunächst einen großen Fortschritt in deren gemeinsamer Beziehung in Aussicht stellt (Patty wird womöglich von Barry in sein Geheimnis eingeweiht, dass er The Flash ist), in der letzten Sekunde aber noch eine dramatische Wendung auftischt (Patty verabschiedet sich aus Central City und bricht zu neuen Ufern auf). Pattys Verhalten finde ich in dieser Geschichte absolut verständlich und nachvollziehbar - auch wenn sie als findige Polizistin mal langsam von allein auf den Trichter kommen sollte, dass ihr Freund der Held von Central City ist. Barry und seine Entscheidungen, wie er mit der für ihn belastenden Situation umzugehen hat, geben jedoch ein paar Rätsel auf.

Dass er sich endlich dafür entscheidet, Patty die Wahrheit zu sagen, ist meiner Meinung nach die richtige Entscheidung, auch wenn damit einige Risiken einhergehen (Wells warnt zum Beispiel eindringlich vor Zoom, macht sich Barry doch sehr angreifbar, sollte dieser erfahren, dass Patty seine große Liebe ist).

Aber eine Beziehung fußt nun einmal auf Vertrauen und Patty, die wahrlich die beste und verständnisvollste Freundin ist, die man haben kann, hat es sich einfach verdient, nicht länger von dem jungen Forensiker angelogen zu werden. Sie will ihm helfen und die Last, die auf seinen Schultern liegt, mit ihm teilen. Barry muss nur den Schritt machen, sie in sein Leben eintreten zu lassen, so groß seine Sorge auch sein mag, Patty könnte etwas zustoßen. Je länger er diese Entscheidung aber hinauszögert, desto fataler werden die Folgen sein, wie wir am Ende der Episode sehen, als Patty ihre Zelte in Central City abbaut. Und das nicht nur, weil sie den Mörder ihres Vaters dingfest gemacht hat, sondern auch, weil Barry aus persönlichen Gründen nicht bereit ist, sich auf eine aufrichtige Beziehung mit ihr einzulassen.

Time to move on

Also fasst Barry sich ein Herz und will sich Patty offenbaren, doch die Art und Weise, wie er es sich vornimmt, diesen wichtigen Schritt zu wagen, könnte schlechter nicht sein. Was erwartet er, wenn er im Rahmen einer festlichen Veranstaltung, auf der Team Flash dem Kriminellen Russell Glosson aka The Turtle eine Falle stellen will und gleichzeitig Patty davon erzählen möchte, dass er The Flash ist? Nach all den Abenteuern und Episoden sollte es der Charakter doch besser wissen, eine Szene wie diese ist einzig für den Spannungsmoment da, wirklich charakterkonform erscheint sie mir jedoch nicht. Das ist etwas schade, traue ich den Machern des Superheldendramas doch eigentlich zu, dass sie derartige Dinge geschickter lösen können und nicht erst ihre Hauptfigur sich fragwürdig verhalten lassen müssen, damit die Geschichte etwas an Fahrt aufnimmt.

Das oft sehr emotionale Zusammenspiel von Grant Gustin und Shantel VanSanten bereitet mir indes große Freude, ebenso wie die konsequente Charakterzeichnung Pattys, die sich schlussendlich nicht mehr länger hinhalten lässt. Respekt, dass sie überhaupt so lange Verständnis für Barry, der den tragischen Tod seiner Mutter als Entschuldigung für seine verschlossene Art ins Feld führt, gezeigt hatte. Der vermeintliche Schlusspunkt der Beziehung zwischen ihr und Barry hat zwar einen Hauch von überdramatischer Seifenoper, insbesondere, weil Barry nun anscheinend bereit gewesen wäre, Patty einzuweihen, aber buchstäblich eine Millisekunde zu spät kommt. Da einem das Duo aber schon ans Herz gewachsen ist, schaut man doch recht gespannt auf die nächsten Episoden, was diese (wahrscheinlich kurzzeitige) Veränderung mit sich bringt, vor allem für Barry, der den emotionalen Beistand und Halt Pattys in Zeiten wie diesen sehr gut gebrauchen könnte.

Tail lights

Doch nicht nur an dieser Front kriselt es in Potential Energy zwischenmenschlich, auch die Nebengeschichte um Iris (Candice Patton), Joe (Jesse L. Martin) und dessen Sohn Wally (Keiynan Lonsdale) watet durch ähnliche Gewässer. So kommt es nämlich zu etwas Familiendrama, dem man aber anmerkt, dass es noch etwas Zeit braucht, um wirklich zu zünden. Joe stürzt sich sofort in seine neue Verantwortung, für seinen Sohn Wally da zu sein, während dieser sich eher distanziert verhält und, wie sich später herausstellt, keine sonderlich gute Meinung über seinen Erzeuger hat, der nie für ihn da war. Ich kann ein Stück weit nachvollziehen, dass Wally erbost ist, doch woher sollte Joe auch wissen, dass er einen Sohn hat? Warum sollte er sich vorher also auf die Suche nach seinem Nachwuchs machen, von dem er nicht einmal wusste, dass er exisitiert?

Keiynan Lonsdale als Wally West in %26bdquo;Potential Energy%26ldquo; © The CW
Keiynan Lonsdale als Wally West in %26bdquo;Potential Energy%26ldquo; © The CW

Bad habits

Die fiesen Vorwürfe Wallys, welcher bei illegalen Straßenrennen Geld für die Behandlung seiner todkranken Mutter verdient, gegenüber Joe finde ich etwas unangemessen und unfair. Auf der anderen Seite ist Wally noch sehr jung, impulsiv und dementsprechend trotzig. Ich kann verstehen, dass er mehr von Joe erwartet hatte, dass er enttäuscht gewesen ist, nie einen Vater gehabt zu haben. Joe, der sich seiner Schuld bewusst ist und gerne an der Beziehung zu seinem Sohn arbeiten möchte, ohne zu aufdringlich zu werden, kann einem aber auch etwas leid tun. Hätte er von Wallys Existenz gewusst, wäre er wohl sofort für ihn dagewesen. Nun wird er jedoch zum Buhmann gemacht, ist aber gleichzeitig verständnisvoll genug, Wallys Wut (die zum großen Teil wohl auch darauf fußt, seiner Mutter nicht helfen zu könen) zu akzeptieren und angemessen damit umzugehen.

Ich könnte mir vorstellen, dass Wallys Verhalten gegenüber Joe nicht jedem gefallen wird, auf den zweiten Blick ist es aber nachvollziehbar, betrachtet man die verschiedenen Faktoren (sein Alter, seine Hilflosigkeit ob des nahenden Todes seiner Mutter), die dieses bedingen. Etwas komisch ist nur, dass er in der letzten Episode aus freien Stücken vor der Tür der Familie West aufkreuzte, nun aber Joe entgegenpfeffert, dass er eigentlich nichts von ihm wissen will. Dieses entgegengesetzte Verhalten beißt sich schon stark - man hätte ja auch komplett darauf verzichten können, indem man Joe und Wally zum Beispiel einfach über eine Art Razzia bei einem illegalen Straßenrennen in Central City zusammenführen hätte können. Schauspielerisch möchte ich derweil bei dem jungen Keiynan Lonsdale noch kein Urteil fällen, merkt man ihm trotz seines überzeugenden ersten richtigen Auftritts doch an, dass er noch nicht komplett in dem Ensemble angekommen ist und ein klein wenig wie ein Fremdkörper wirkt.

Nice and slow

Der „Fremdkörperproblematik“ musste sich in jüngster Vergangenheit auch ein gewisser Jay Garrick (Teddy Sears) stellen, den man nun, wie es scheint, etwas mehr in die Handlung und Team Flash integrieren möchte. Die kleine Romanze mit Caitlin (Danielle Panabaker) ist ganz charmant, wenn auch eher nebensächlich. Die überraschende Nachricht, dass Jay schwerkrank ist und einzig das Zurückgewinnen seiner Superkräfte ihn retten könnte, stellt jetzt nicht den allergrößten Schockmoment dar, was wohl einfach daran liegt, dass wir Jay aufgrund seiner bisher eher unwichtigen Rolle in der zweiten Staffel von The Flash nicht sonderlich vermissen würden.

Die genaueren Umstände seiner Erkrankung bleiben auch furchtbar vage, aber anscheinend haben die Autoren in der zweiten Staffelhälfte einen Plan für den Ur-Flash, weshalb ich aus Interesse daran gewillt bin, ihnen noch etwas Zeit einzuräumen, diese Nebenhandlung etwas relevanter für die gesamte Serie zu gestalten. Dies war für mich persönlich ein großer Kritikpunkt an der ersten Hälfte der zweiten Staffel, der nun eventuell angegangen wird.

Neben all den recht charakterzentrierten Elementen der Episode befassen wir uns in Potential Energy natürlich auch mal wieder mit einem Metahuman der Woche, welcher jedoch mal nicht von Zoom auf The Flash gehetzt wurde. Der Comicschurke The Turtle kann seinem direkten Umfeld die kinetische Energie entnehmen und so alles um sich herum verlangsamen, was eine interessante Gabe darstellt, die Team Flash wiederum zur Bekämpfung Zooms nutzen könnte. Der Verlangsamungseffekt ist visuell ordentlich umgesetzt, während Gastdarsteller Aaron Douglas (Les Revenants) sich sehr überzeugend in der Rolle des Psychopathen präsentiert, der sich entsprechend seines Schurkennamens auch etwas langsamer ausdrückt.

Teddy Sears als Jay Garrick in %26bdquo;Potential Energy%26ldquo; © The CW
Teddy Sears als Jay Garrick in %26bdquo;Potential Energy%26ldquo; © The CW

Dark instincts

Ein paar Probleme gibt es trotzdem: Zum einen finde ich die Motivation von The Turtle etwas dürftig, Patty als Geisel zu nehmen und dem Flash somit zu schaden. Letztlich geht es dem Schurken nur darum, besonders böse zu sein und seinen kranken Geist auszuleben. Weiterhin stört es schon ein klein wenig, dass Barry mehrfach blindlings in das Verlangsamungsfeld des Fieslings hineinrennt, ohne wirklich seine Lehren daraus zu ziehen. Dass er Patty schließlich retten kann, scheint mit der unaufhaltbaren Kraft der Liebe zusammenzuhängen, was ich wiederum akzeptieren kann.

Eine wirkliche Taktik, wie Team Flash sie sonst gegen Metahumans ausarbeitet, gibt es diese Woche aber nicht. Amüsant sind derweil die vielen Metakommentare, dass Cisco (aka Ishmael) (Carlos Valdes) mit The Turtle aka Ciscos persönlicher Moby Dick einen Superschurken aus dem Register zieht, von dem weder Barry noch wir bisher etwas gehört hatten, obwohl dieser schon länger in Central City zugange ist. Wo kommt Turtle her und warum erfahren wir erst jetzt von ihm? Die Autoren machen sich einen Spaß aus diesem comicbuchhaften Plotelement („Schurke aus dem Nichts“), das wir als Zuschauer einfach so hinnehmen müssen.

Die Auseinandersetzung mit The Turtle ist insgesamt eine unterhaltsame und mitunter sehr düstere Angelegenheit, die direkten Einfluss auf die zentrale Handlung um Zoom haben könnte. Dessen Grausam- und Skrupellosigkeit wird uns noch einmal in einer schauerlichen Anekdote von Harrison Wells (Tom Cavanagh) vor Augen geführt, der dann wiederum die Kräfte von The Turtle (eingesperrt im unmenschlichen Metahumanknast unter den S.T.A.R. Labs) nutzen möchte, um seine Tochter Jessie zu befreien. Dafür geht Wells anscheinend sogar so weit, dass er den gefangen genommenen, wehrlosen (warum?) Metahuman für dieses Ziel kaltblütig opfert.

Der finstere Abschluss der Episode sorgt so noch einmal für einen tonalen Umschwung und einen abschließenden Spannungsmoment, was uns demnächst erwarten könnte. Welche Rolle dabei Eobard Thawne (Matt Letscher), der Reverse-Flash höchstpersönlich, spielen könnte, der irgendwie doch noch existiert und sich plötzlich in Barrys Welt wiederfindet, ist ungewiss. Der Schlusspunkt der Folge ist vielleicht etwas sehr willkürlich und auf große Überraschung gebürstet, könnte aber dennoch sehr interessante Konsequenzen haben.

Fazit

Das Superheldendrama The Flash meldet sich nach seiner Winterpause mit einer sehr ordentlichen Episode zurück, in der vor allem das Befinden der verschiedenen Charaktere als der zentrale Plot um Zoom im Zentrum steht. Die vielen zwischenmenschlichen Konflikte und Probleme, die man uns hier präsentiert, haben ein paar sehenswerte Charaktermomente zur Folge, wobei das Handeln einiger Figuren nicht immer ganz nachvollziehbar ist.

Die guten Darstellerinnen und Darsteller können diesen Kritikpunkt etwas aufwiegen, während die „Metahuman der Woche“-Geschichte solide, wenn auch nicht sonderlich herausragend ist. Dafür könnte sie aber die übergreifende Handlung entscheidend voranbringen, was erwartungsvoll stimmt. Vielleicht bietet uns Potential Energy den einen oder anderen schockierenden Moment zu viel an, was dazu führt, dass nicht jeder von diesen Augenblicken die Kraft entfaltet, welche sich die Macher wohl erhofft haben. Hier könnte man mit Blick auf die nächsten Episoden eventuell den Regler etwas zurückdrehen. Für den Auftakt der zweiten Hälfte der zweiten Staffel von The Flash, der zwar nicht ausgezeichnet ist, aber definitiv Lust auf mehr macht, konnte man aber eigentlich nichts anderes erwarten.

Trailer zur nächsten „The Flash“-Episode, „The Reverse-Flash Returns“ (2x11):

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 20. Januar 2016

The Flash 2x10 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 10
(The Flash 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Die Macht der Langsamkeit
Titel der Episode im Original
Potential Energy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 19. Januar 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 12. Mai 2016
Autor
Bryan Q. Miller
Regisseur
Rob Hardy

Schauspieler in der Episode The Flash 2x10

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