The Flash 2x09

The Flash 2x09

Running to Stand Still hält vielleicht nicht die allergrößten Enthüllungen für uns bereit, stellt aber dennoch eine wunderbar unterhaltsame und vor allem vollgepackte Episode mit allerlei kleineren Überraschungen dar. Humor, Action und Drama feiern hier eine äußerst gelungene Symbiose.

Barry (Grant Gustin) und Iris (Candice Patton) in „Running to Stand Still“ / (c) The CW
Barry (Grant Gustin) und Iris (Candice Patton) in „Running to Stand Still“ / (c) The CW

Nach den letzten sehr überzeugenden und packenden Episoden der zweiten Staffel von The Flash waren die Erwartungen an das Mid Season-Finale kurz vor der Winterpause der Superheldenserie ohne Frage recht hoch. Im Gegensatz zum letzten Jahr fällt der große Knall zur Halbzeit der Staffel nicht ganz so spektakulär und gewaltig aus, was aber keineswegs bedeutet, dass die sehr weihnachtliche Episode Running to Stand Still qualitativ weniger hochwertig ist. Die Serienmacher gehen hier einen fast schon besinnlichen Weg und tauschen effektreiches Spektakel für eine Handvoll bewegender Charaktermomente und eine Vorausschau auf die verschiedenen Handlungsstränge ein, in denen einige Fragen aufgeworfen werden, auf deren Beantwortung wir bis zum nächsten Jahr warten müssen.

Ich persönlich hätte ehrlich zugegeben auch mehr mit einem alles überstrahlenden Schockmoment gerechnet, habe mich aber gleichzeitig sehr schnell mit dem etwas anderen Ansatz der Produzenten angefreundet, die sich eine derartige Szene aufgespart haben. Als Zuschauer kann man sich in „Running to Stand Still“ vielmehr an den vielen starken zwischenmenschlichen Szenen erfreuen, ebenso wie an dem geschickten foreshadowing, das hier betrieben wird. Wie so oft sorgt die richtige Portion an Witz und Leichtfüßigkeit für die perfekte Auflockerung der Geschichte, während die Handlung um die beiden Schurken, die The Flash in dieser Woche ans Leder wollen, die Gemüter spalten könnte. Ob der wahnsinnig comichafte Auftritt des Trickster und des Weather Wizard den Geschmack aller Zuschauer trifft, darf nämlich etwas angezweifelt werden.

Early parole

Ich für meinen Teil finde es eigentlich immer wieder sehr amüsant und interessant, wenn die Autoren hinter dem Superheldendrama auf den Pfaden der Comicvorlage aus dem Hause DC Comics wandeln, sich an den überzeichneten Figuren aus diesem Comicuniversum bedienen und die Abgedrehtheit dieser auf Anschlag drehen. Der von Mark Hamill gespielte James Jesse aka The Trickster ist wahrscheinlich das perfekte Beispiel für einen derartigen Charakter, der schon fast etwas zu übertrieben daherkommt und gleichzeitig sehr getreu der Vorlage gestaltet ist. Selbst Leonard Snart aka Captain Cold fällt in „The Flash“ immer wieder durch äußerst abgedroschene Einzeiler auf, die einer Sprechblase aus den „The Flash“-Comics entnommen sein könnten. Von Mark Mardon aka The Weather Wizard mal ganz zu schweigen, welcher hier in „Running to Stand Still“ sein Comeback feiert und dessen erste Wort „Let it snow!“ sind.

Wentworth Miller (l.) und Mark Hamill in %26bdquo;Running to Stand Still%26ldquo; © The CW
Wentworth Miller (l.) und Mark Hamill in %26bdquo;Running to Stand Still%26ldquo; © The CW

Power, flair and smarts

Während ich meinen Spaß mit diesen Charakteren habe, die bisweilen einfach herrlich übertrieben sind (Mark Hamill ist in der Rolle des Trickster Gold wert), kann ich mir vorstellen, dass diese manch anderem Zuschauer zu viel sind. Hamill merkt man förmlich den Spaß an seiner verrückten Figur an („Deck the halls with body parts of a girl named Holly, falalalalalalalala!“), selbst Liam McIntyre gibt sich seiner Comicschurkenfigur vollends hin, während man von Wentworth Miller in seiner Rolle nichts anderes gewohnt ist. Für diese Art des Schauspiels, das im Rahmen eines Handlungsstranges stattfindet, welcher direkt aus einem Comicheft adaptiert sein könnte, muss man schlichtweg etwas übrig haben, sonst wird man mit dieser starken Überzeichnung nicht viel anfangen können.

Dies scheint selbst den Machern der Serie bewusst zu sein, die sich bereitwillig auf den verrückten Trip um die Superschurken einlassen, die The Flash ein für alle Mal um die Ecke bringen wollen. Die abgefahrene Geschichte, in der der Weather Wizard und der Trickster zum Großangriff auf den Speedster blasen, während sich Captain Cold (Eine kleine Legends of Tomorrow-Anspielung darf nicht fehlen - Cold ist einfach kein Held. Noch nicht...) aufgrund des ausbleibenden Profits vornehm zurückhält und Barry (Grant Gustin) sogar warnt, soll nicht allzu sehr auszuarten. Daher wird die Episode wiederum durch sehr viele charakterzentrierte Momentaufnahmen geerdet. Diese gehen einem durchaus zu Herzen und machen deutlich, warum sich „The Flash“ die Bezeichung „Superheldendrama“ zu Recht verdient.

Reckless

In der Nebengeschichte um Patty (Shantel VanSanten), die mit der Rückkehr von Mark Mardon nach Central City nun endlich ihre Chance gekommen sieht, um Rache für den Mord an ihrem Vater zu üben, wird es zum Beispiel sehr dramatisch und emotional, was wiederum blendend von den Darstellern getragen wird, allen voran Shantel VanSanten. Pattys persönliches Drama (sie gibt sich selbst die Schuld für den Tod ihres Vaters) ist nachvollziehbar, während Barry abermals auf seine eigenen leidvollen Erfahrungen, dieses Mal bezüglich unerfüllter Rache und was diese Gelüste aus einem machen, zurückgreifen kann, um Patty letztlich davor zu bewahren, sich selbst großen Schaden zuzufügen und einen folgenschweren Fehler zu begehen, der den Tod ihres Vaters auch nicht ungeschehen macht.

Wirklich fragwürdig an der finalen Szene zwischen Patty, dem Weather Wizard und The Flash - und eigentlich auch dem Trickster, der die Ansprache des Superhelden einfach wundervoll findet - ist eigentlich nur, wo Patty die besondere Waffe herhat, mit der sie den Speedster festsetzen kann. Das Schauspiel aller Beteiligten sowie Pattys ausschlaggebende Motivation, ihr bestimmtes Auftreten, das sie schon fast zu einer ganz anderen Persönlichkeit macht, und ihre letztendliche Entwicklung sind stark geschrieben und werden sehr stimmig aufgelöst. Die junge Polizistin, die wirklich ein wunderbares Pärchen mit Forensiker Barry abgibt, gewinnt an charakterlicher Tiefe und wächst als Figur, die immer vollwertiger für uns Zuschauer wird, so dass uns zum Beispiel ihr Ableben jetzt nach gerade einmal einer Halbstaffel doch sehr schwer treffen würde.

Processing

Kaum weniger emotional ist indes die Aussprache zwischen Iris (Candice Patton) und ihrem Vater Joe (Jesse L. Martin), dem sie nun endlich von dessen Sohn Wally erzählt. Interessant ist hierbei, dass Iris eben nicht wie Barry und Joe, die sie beide lange angelogen hatten, was die wahre Identität des Flash betrifft, mit diesem großen Geheimnis leben kann.

Ich habe es bereits ein paar Mal in anderen Reviews erwähnt: Die neue charakterliche Ausrichtung von Iris gefällt mir ausgesprochen gut, verhält sie sich in der zweiten Staffel von The Flash doch oft nicht nur sehr konsequent, sondern auch sehr aufrichtig und ehrlich. Was hätte sie davon, ihrem Vater weiter die Wahrheit vorzuenthalten? Es ist richtig und wichtig, dass der Ermittler nun im Bilde ist und folglich selbst einen bedeutenden Schritt in Richtung seiner geschassten Ehefrau Francine macht. Es ist nicht einfach für ihn, dieser zu verzeihen, nachdem sie ihn und Iris immer wieder enttäuscht hatte. Wenn man jedoch über solchen Dingen stehen und die Größe aufbringen kann, jemandem zu vergeben, kann dies einen nahezu kathartischen Effekt auf einen haben.

Shantel VanSanten in %26bdquo;Running to Stand Still%26ldquo; © The CW
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Togetherness

Sogar Barry erkennt dies und vergibt Harrison Wells (Tom Cavanagh) aus Earth-2 stellvertretend für all das, was sein diabolischer Doppelgänger aus Earth-1 (der ja eigenlich gar nicht Wells, sondern Eobard Thawne war) alles angerichtet hat. Es zählt in diesem Moment der Gedanke, Barry braucht einen Abschluss, sonst wird er für immer eine unstillbare Wut mit sich herumtragen - so wie Patty und so wie Joe.

Unsere Figuren durchleben hier allesamt eine extrem wichtige Entwicklung, die sie als Persönlichkeit weiterbringen und die Drehbuchautoren verknüpfen deren Einzelschicksale äußerst geschickt miteinander, so dass man als Beobachter gerne die Parallelen zwischen den Charakteren zieht und sich darüber hinaus über die starken darstellerischen Leistungen freut. Sei es von der bereits erwähnten Shantel VanSanten, Jesse L. Martin, Candice Patton oder auch Grant Gustin, der zusammen mit Martin einen schönen kleinen Dialog führt, in dem Barry seinem Ziehvater als Seelsorger dient.

Das Mid Season-Finale stimmt einen dahingehend schon fast ein wenig nachdenklich und spielt eine Stärke des Formats aus, mit der man zum Abschluss der Halbstaffel nicht unbedingt gerechnet hätte. Was zählt, sind hier die Figuren, die uns seit über einer Staffel (im Falle von Patty noch kürzer) ans Herz gewachsen sind und deren Probleme für uns verständlich und nachzuvollziehen sind. Der Auftritt von Keiynan Lonsdale als Wally West am Ende der Episode, als Team Flash noch einmal weihnachtlich zusammenkommt (Schöner Pulli, Patty!), ist vielleicht etwas zu viel des Guten. Andererseits finde ich es gut, dass man dieses Thema nicht weiter aufschiebt und direkt angeht. Für Joe (und Jesse L. Martin) ist dies ein großer emotionaler Moment, der letztlich doch gut ans Ende dieser Folge passt, die sich eben den vielen persönlichen Altlasten der Charaktere widmet. Welche Folgen diese familiäre Zusammenführung letztlich hat, ist eine der Fragen, die erst im neuen Jahr beantwortet werden wird.

Speed freak

Neben den zahlreichen rührseligen und gefühlvollen Momenten in Running to Stand Still werden die Serienmacher in der Episode aber natürlich wie gewohnt auch der sehr unterhaltsamen Seite von The Flash gerecht. Dabei fühlt man sich schon fast ein wenig schlecht, hat man doch auf seltsame Art und Weise großen Spaß an dem eigentlich überhaupt nicht witzigen Chaos, das der Trickster gemeinsam mit dem Weather Wizard anrichtet. Die kreativen Köpfe hinter dem Format dürfen sich etwas austoben (Dreidelsprengfallen?!?) und entwerfen ein bisweilen erschreckend gruseliges Terrorszenario, wenn sich der manische Bombenbastler James Jesse als Weihnachtsmann verkleidet und unschuldigen Kindern als Weihnachtsgeschenke verpackte Bomben mit nach Hause gibt.

Barry wird zum Spielball der beiden Bösewichte, die versprechen, die vielen Familien zu verschonen, wenn sich The Flash für diese opfert. Glücklicherweise können Cisco (Carlos Valdes), Jay (Teddy Sears) und Wells rechtzeitig mit einer Lösung daherkommen, um die Bomben zu entschärfen. Dieser Teil der Handlung ist zwar von teilweise unverständlichem Wissenschaftsblabla geprägt und fühlt sich schwer nach Deus ex Machina an, hat aber immerhin einen herzhaften Lacher sowie eine nette Verbeugung vor dem Serienmeilenstein Breaking Bad zu bieten - „Magnets, bitch!“ Positiv fällt darüber hinaus die kleine Verfolgungsjagd zwischen dem Weather Wizard (er kann jetzt fliegen) und The Flash (er kann jetzt auch fliegen) auf, bei der Barry die Häuserwände entlang über das Rotorenblatt eines Helikopters der Nachrichtenstation News 52 Report (Wie passend!) saust. Eine coole kleine Actionsequenz für zwischendurch, während auch die Wettereffekte von Mark Mardon recht solide sind.

Time's up

Um diesen zu bekämpfen, entwickelt Team Flash übrigens einen ganz besonderen Stab, den wir bereits aus der herausragenden Episode Out of Time aus dem März dieses Jahres kennen, in der Mardon Central City beinahe zerstört hätte, Barry jedoch durch seine Zeitreise die Katastrophe verhindern konnte.

Bei dem Entwurf und der Konstruktion der Waffe gegen Mardon hilft indes Jay mit und Cisco kann die Unterstützung gebrauchen. Jays kleine Liebelei mit Caitlin (Danielle Panabaker) wird nebenbei etwas mehr in den Fokus gerückt, was besser als noch zuvor funktioniert. Eigentlich passen die beiden doch irgendwie gut zusammen, während ihr unbeholfenes Verhalten recht amüsant ist - oder schmerzhaft, wie Cisco treffend anmerkt.

Dem jungen Wissenschaftler, der sonst für die sehr humorvollen Momente verantwortlich ist und davon auch einige in „Running to Stand Still“ hat, wird aber dahingehend etwas die Show gestohlen und zwar von niemand Geringerem als Harrison Wells. Ob eine kleine „Pate“-Referenz („Every earth has The Godfather, Vito.“) oder die urkomische Szene, in der Wells einem kleinen Jungen sagt, dass er ihm all sein Spielzeug geben soll („Mooooooom?“) - Tom Cavanagh liefert diese Augenblicke derartig trocken, dass man sich ein Lachen nicht verkneifen kann.

Keiynan Lonsdale (r.) feiert in %26bdquo;Running to Stand Still%26ldquo; seinen ersten Auftritt als Wally West. © © The CW
Keiynan Lonsdale (r.) feiert in %26bdquo;Running to Stand Still%26ldquo; seinen ersten Auftritt als Wally West. © © The CW

Dieses könnte einem aber wiederum im Halse stecken bleiben, bedenkt man die sehr finstere Nebenhandlung von Wells, die durchaus große Bedeutung für den weiteren Verlauf des Konflikts von Team Flash mit Fiesling Zoom haben könnte. Wells lässt sich nämlich auf einen Deal mit dem dämonischen Speedster ein, damit dieser seiner Tochter Jesse (Violett Beane) kein Haar krümmt. Dafür wird Wells Zoom helfen, Barry noch schneller zu machen, damit Zoom Barry letztlich seine gewaltige Speedforce abnehmen kann.

Zoom möchte nämlich eigentlich gar nicht, dass Barry von einem der bösen Metahumans getötet wird - zumindest noch nicht. The Flash muss erst noch „gemästet“ werden, bevor Zoom dessen Kräfte absorbiert und noch mächtiger werden kann. Mal ganz davon abgesehen, dass der Auftritt von Zoom erneut extrem atmosphärisch und gespenstisch ist (die Anfangssequenz, als Wells von ihm verfolgt wird, wirft uns direkt ins Geschehen und hat neben einer mitreißenden Inszenierung auch einen packenden Hallo-Wach-Effekt zu bieten), bringt diese Entwicklung natürlich automatisch auch reichlich Spannung mit sich. Wird Wells sein neues Team hintergehen, um seine Tochter zu retten? Oder gibt es doch einen anderen Ausweg aus dieser Misere? Die zweite Hälfte der zweiten Staffel von The Flash wird es uns zeigen.

Fazit

Wie bereits erwähnt, bleibt der ganz große Knall im Mid Season-Finale der zweiten Staffel von The Flash aus, was jedoch kein wirklicher Kritikpunkt sein kann. Die Macher präsentieren uns nämlich eine starke Episode, in der vor allem noch einmal die Darstellerriege zum Abschluss der Halbstafffel glänzen darf. Unterhaltsame Action, einfühlsames Drama, zwei Antagonisten, die vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig sind, aber ihre eigene Note mitbringen, charmanter Humor und ein erwartungsvoll stimmender Ausblick auf die Fortsetzung der Staffel machen Running to Stand Still zu einer sehr runden und abwechslungsreichen Angelegenheit, in der kleinere Logikfehler und Makel nicht all zu schwer ins Gewicht fallen. (Dieses Portal unter den S.T.A.R. Labs, durch das Zoom kommt und geht, wie er will, muss doch irgendwie wieder zu schließen sein... Aber allem Anschein nach arbeiten Jay und Caitlin daran.) Ein guter bis sehr guter Abschluss der ersten Staffelhälfte, der die hervorragende Form der Serie in den letzten Wochen zu einem starken Ende bringt.

The Flash verabschiedet sich nun in die Winterpause und wird am 19. Januar 2016 mit der Episode Potential Energy zurückkehren.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 9. Dezember 2015

The Flash 2x09 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 9
(The Flash 2x09)
Deutscher Titel der Episode
Trio Infernal
Titel der Episode im Original
Running to Stand Still
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 8. Dezember 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. Mai 2016
Autor
Andrew Kreisberg
Regisseur
Kevin Tancharoen

Schauspieler in der Episode The Flash 2x09

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