The Flash 2x08

Die im Vorfeld groß angekündigte Crossoverepisode Legends of Today (1), in der The Flash und Arrow mal wieder im Verbund auf den Plan treten, soll vor allem als eine Art Zubringer für die Spin-off-Serie Legends of Tomorrow dienen, die im Januar 2016 ihre Premiere feiern wird. Den Verantwortlichen gelingt es hier jedoch, sowohl zwei wichtige Charaktere für das kommende Format einzuführen als auch eine eigenständige Geschichte zu erzählen. Diese kann das Beste aus beiden Serienwelten - „The Flash“ auf der einen, „Arrow“ auf der anderen Seite - kombinieren und eine extrem kurzweilige Episode aufs Parkett zaubern, die über mehrere packende Momentaufnahmen verfügt.
Prunkstück ist dabei, wie so oft, das Zusammenspiel der verschiedenen Teams, wobei man natürlich auch die Einschränkung machen muss, dass bei dieser Anzahl an Figuren nicht jeder Charakter seinen Augenblick im Scheinwerferlicht bekommt. Die Einführung des messerschleudernden, magisch veranlagten Schurken Vandal Savage (Casper Crump) funktioniert aber prächtig, ebenso wie die gemeinsame Bekämpfung von diesem, da hier ein Zahnrad ins andere greift. Eine kleine Nebenhandlung in Central City um Harrison Wells (Tom Cavanagh), Jay Garrick (Teddy Sears) und Patty Spivot (Shantel VanSanten) stellt sich darüber hinaus als solider Bonus heraus und könnte vielleicht noch von größerer Wichtigkeit sein.
Der womöglich größte Kritikpunkt in dieser eigentlich rundum gelungenen Crossoverepisode ist derweil die Fülle an Informationen, mit der der Zuschauer bombadiert wird und dass manche Entwicklung vielleicht etwas zu schnell stattfindet. Also zwei „Probleme“, die das ambitionierte Vorhaben der Serienmacher, regelmäßig ihre beiden The CW-Serien zusammenzuführen, fast schon automatisch mit sich bringt.
Crazy town
Das „Flarrow“-Universum ist mittlerweile nun einmal extrem gewachsen und gerade Fans dürfte es freuen, wenn die beiden grundverschiedenen Helden und ihre Teams sich hin und wieder mal die Klinke in die Hand geben und gemeinsam einer Bedrohung entgegentreten. Durch das Hinzufügen neuer Figuren wird diese Serienwelt nur noch umso komplexer und bietet noch mehr Möglichkeiten an, interessante Geschichten zu erzählen. Gleichzeitig exsitiert natürlich immer das Risiko, dass es irgendwann einfach mal zu viel wird. Zu viele Charaktere, zu viele Informationen, zu viel Fanservice.

Lend a hand
Bisher muss man den kreativen Köpfen hinter den beiden Superheldenserien jedoch zugutehalten, dass sie die Balance zwischen den einzelnen Aspekten sehr ordenlich halten konnten. Ja, auch in „Legends of Today (1)“ werden immer wieder allzu offensichtliche Verschnaufspausen eingelegt, um nicht nur den Figuren, sondern vor allem auch uns Zuschauern neues Wissen zu vermitteln. Diese Szenen sind jetzt vielleicht nicht immer besonders spannend und manchmal vielleicht sogar ein klein wenig lächerlich (die Auftritte von Expositionsschleuder Malcolm Merlyn aka Ra's al Ghul und seinen vermummten Assassinen sind das beste Beispiel dafür und werden von den Autoren in einer Szene sogar selbst aufs Korn genommen), aber sie sind auch notwendig.
Und wenn man es dann letztlich schafft, doch eine durchaus flotte und dynamische Episode auf die Beine zu stellen, dann kann man den Machern schon attestieren, dass sie einen guten Mittelweg gefunden haben, der vor allem eines zur Folge hat: abwechslungsreiche Fernsehunterhaltung.
Schon der Beginn der Folge stellt sich als geschickter Schachzug heraus, führt man den Antagonisten des Crossovers, den unsterblichen Vandal Savage, welcher auch in Legends of Tomorrow eine zentrale Rolle einnehmen wird, sehr gut ein. Seine Hintergrundgeschichte ist durchaus reizvoll und interessant, seine Talente tödlich und sein Charakter geheimnisvoll. Aus diesen Gründen sind die vielen Momente der Exposition, wenn unsere Figuren mehr über Savage erfahren, auch nicht allzu ermüdend, wie manch einer vielleicht erwartet hätte. Ganz im Gegenteil sogar: Die Figur bringt genau die richtige Prise Mysterium mit sich, so dass man als Beobachter wissbegierig jeden Informationsfetzen aufschnappt.
Like a bird
Savage („rocking the Dothraki look“, wie Felicity so treffend feststellt) hat es in Legends of Today (1) letzten Endes auf Kendra (Ciara Renee) abgesehen, die sich dank Cisco (Carlos Valdes) nun langsam in Central City eingelebt hat und gemeinsam mit ihm ein charmantes Prächen abgibt. Ihre Welt wird dann jedoch sofort wieder auf den Kopf gestellt, als Savage zum Angriff bläst und sich Kendra wenig später der nicht weniger geheimnisvolle Carter Hall aka Khufu aka Hawkman (Falk Hentschel) zu erkennen gibt. Dieser offenbart ihr, dass sie über besondere Fähigkeiten verfügt und eigentlich eine ägyptische Priesterin ist, die seit mehr als 4000 Jahren in den verschiedensten Körpern immer wieder neu auferstanden ist. Ach ja, die beiden sind auch noch ein antikes Liebespaar. Wenn es weiter nichts ist...
Darstellerin Ciara Renee gefällt mir zunächst sehr gut in ihrer Rolle, zum einen, da sie perfekt zum sympathischen Cast beider Serien passt, zum anderen, weil ihre Reaktion auf all diese Neuigkeiten durchaus passend ist. Es prasselt derartig viel neues Wissen auf sie ein, dass sie deutlich überfordert ist - für den gemeinen Zuschauer, der jetzt nicht unbedingt über das größte Comicwissen verfügt, absolut nachvollziehbar. Dass sie sich auf Zureden von Cisco und Barry (Grant Gustin), die ihr beide predigen, dass ihr Glaube an sich selbst ihre wahre Kraft freisetzen kann, letztlich als Hawkgirl entpuppt und ihre Schwingen ausbreitet, kommt vielleicht dann doch etwas plötzlich. Im zeitlichen Rahmen, den die Autoren jedoch haben, geht ihre Entwicklung binnen einer Episode aber gut auf.
No more suprises
Die größte Stärke der Episode liegt derweil in den vielen Interaktionen unter den zahlreichen Charakteren, ob groß oder klein. Und dass es dennoch gelingt, relativ zielgerichtet die Handlung voranzutreiben und nicht in allzu belanglosen Momenten zu versanden. Hier nimmt man gerne ein paar deutlich auf Fanservice ausgelegte Szenen in Kauf, da die Chemie zwischen den Darstellern und Darstellerinnen einfach passt und darüber hinaus die Dialoge mit der richtigen Portion Humor gespickt sind. Die Aufnahmen aus der neu errichteten, jedoch Ciscos Meinung nach völlig falsch verkabelten Arrow-Höhle oder in den vertrauten vier Wänden von Felicity (Emily Bett Rickards) und Oliver (Stephen Amell) sind schlichtweg charmant und tragen unter anderem zum Unterhaltungswert der Episode bei.

Dark times
Gleichzeitig wird aber auch nicht vergessen, dass Barry und Oliver nach wie vor zwei sehr unterschiedliche Superhelden sind, die beide zwar eine gewisse Entwicklung durchgemacht haben, jedoch weiterhin verschiedene Ansätze verfolgen. Während Oliver noch eher als Barry einen kühlen Kopf bewahrt und sehr pragmatisch an die Lösung eines Problems rangeht (was für seine Mitstreiter übrigens sehr anstrengend sein kann), ist Barry weitaus emotionaler.
Zusätzlich haben natürlich auch die letzten Ereignisse (Zeitreisen, Parallelwelten, ein gewisser Gorilla und von Zoom ganz zu schweigen) starken Einfluss auf Barry genommen, der sich trotz seiner Superkräfte nie so hilf- und machtlos gefühlt hat. Ich finde es gut, dass diese nachdenkliche, von Selbstzweifeln geplagte Seite Barrys weiter thematisiert wird. Gerade in Oliver hat er einen Freund, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, wodurch man eine schöne Parallele zwischen diesen beiden Figuren aufzeigt, und der Barry eventuell helfen kann.
Zunächst muss aber Barry Oliver und seinem Team unter die Arme greifen, finden diese sich doch abermals in einem Scharmützel mit Damien Darhk wieder, der mit seinen Helfershelfern eine Gerätschaft der Organisation A.R.G.U.S. entwenden will. Das „Arrow“-Stuntteam darf sich in einer knackigen Actionsequenz austoben, während ein kleiner Hinweis auf den weiteren Verlauf des Handlungsstranges um Neal McDonoughs Bösewicht (ich bin ein großer Fan seiner spielerischen Art) gestreut wird. Dass Barry genau zum richtigen Zeitpunkt erscheint, ist eine von vielen kleineren Zweckdienlichkeiten der gesamten Handlung, über die man aus Gründen der Unterhaltung aber hinwegsehen kann.
Boost
Neben dem kleinen Verweis auf die Handlung in Arrow wird darüber hinaus auch die zentrale Geschichte um Zoom in The Flash vorangetrieben, sehen wir doch, wie Caitlin (Danielle Panabaker) und Wells an einer Art Superdroge arbeiten, die Barry schneller und zu einem ebenbürtigen Gegner für den düsteren Speedster machen kann. Jay Garrick soll zunächst als Testperson herhalten, da durch seinen Körper einst die „Speedforce“ floss. Er sieht in Wells Experimenten aber nicht viel Gutes, sondern viel eher eine Gefahr für Barry, als dass das Mittelchen diesen wirklich schneller machen würde. Welche Nebenwirkungen die Droge haben könnte, wird nie wirklich deutlich, selbst nachdem Jay sie einnimmt, um das Leben von Wells zu retten, der von Patty angeschossen wurde und um sein Leben kämpfen muss.
Es bleibt die Frage im Raum, ob das Mittel tatsächlich die erhoffte Wirkung erzielen oder nach dieser Episode schon wieder verworfen wird, da sich Jay vehement dagegen ausspricht. Der plötzliche Auftritt des einstigen Flash aus Earth-2 ist derweil auch schön passend für die Nebenhandlung. Erneut bekommt man das Gefühl, dass man immer noch auf der Suche nach einem Platz für Jay als Charakter in der Serie ist. Etwas spannender und vor allem überraschender sind da schon die Szenen um Patty, die erst Wells niederschießt (hier haben sicherlich nicht wenige große Augen gemacht) und dann von Joe (Jesse L. Martin) flugs wieder der S.T.A.R. Labs verwiesen wird. Der Vorfall wird aber zweifellos einige Fragen bei ihr aufwerfen, so dass sie vielleicht schon früher als erwartet in die Geheimnisse von Team Flash eingeweiht werden könnte, was ich wiederum begrüßen würde.
Destiny
Für die kommende „Arrow“-Episode Legends of Today (2) bringt man indes Vandal Savage noch einmal in Position, der sich in Central City den anscheinend sehr mächtigen Stab der Gottheit Horus geschnappt hat, mit dem er Barry und Oliver schwer zusetzt. Gemeinsam mit Hawkman Carter, der auf seine eigene Art und Weise etwas hat (wie er Kendra gen Abgrund schubst und damit umgeht, ist schon recht amüsant) und Kendra, die nun ihre neuen Talente meistern muss, um zu überleben, werden Team Flash und Team Arrow es mit dem unsterblichen Savage aufnehmen müssen, was im Grunde genommen eine nur noch viel actionreichere Episode mit weiteren bekannten Figuren aus beiden Serien als Resultat haben kann.
Was die Action in Legends of Today (1) betrifft, hat man zumindest schon einmal sehr gut vorgelegt. Die Effekte befinden sich auf einem sehr soliden Niveau, außerdem ist es immer wieder eine Freude mit anzusehen, wenn die Fähigkeiten unserer Charaktere miteinander kombiniert werden und diese im Team agieren. Die Macher zeigen einfach ihr Händchen dafür, genau zu wissen, wann der Zuschauer eine etwas rasantere Szene braucht, um am Ball zu bleiben - siehe der kurze Zwischenkampf gegen Savage, bei dem Thea (Willa Holland) mal wieder etwas übers Ziel hinausschießt, oder auch Flash und Arrow gegen den keulenschwingenden Hawkman, mitsamt neuer Kampftechnik Barrys, die auch Oliver noch nicht kennt.
Dies zeugt natürlich auch von einer gewissen inszenatorischen Stärke, wodurch die Episode nur profitieren kann. Ich persönlich bin darüber hinaus sehr angetan von den sehr speziellen Musikkompositionen in dieser Folge, die durchaus passend zu dem sehr mythologischen Hintergrund von Hawkgirl und Hawkman sowie Vandal Savage als Zeitzeuge aller möglichen Jahrhunderte ist. Diesem ist es bisher gelungen, die beiden ganze 206 mal ums Leben zu bringen, wodurch er noch stärker wurde. Wie es unsere Helden fertigbringen werden, das 207. Mal zu verhindern, sehen wir vielleicht schon morgen in Arrow.

Fazit
Legends of Tomorrow (1) ist ein abwechslungsreicher, unterhaltsamer Aufgalopp zum Crossoverevent zwischen The Flash und Arrow, der sich in seinem ersten Teil glücklicherweise nicht zu sehr in den Dienst des baldigen Spin-offs Legends of Tomorrow stellt. Die hier erzählte Geschichte funktioniert auch so sehr gut und präsentiert uns zahlreiche wunderbar charmante Charaktermomente, gemischt mit kurzweiligen Actioneinlagen.
Die Balance stimmt einfach und so fallen etwaige Schwächen wie diverse Zweckdienlichkeiten und das Zurückgreifen auf die einfachsten Expositionsmittel (der arme John Barrowman) nicht allzu schwer ins Gewicht. Hawkgirl und Hawkman stellen zwei interessante neue Gesichter dar und Vandal Savage, überzeugend von dem Dänen Casper Crump verkörpert, hat das Potential für einen sehr einprägsamen Schurken, der noch die eine oder andere Überraschung für uns bereithalten könnte.
Etwas eigenartig wirkt (weil fast schon wie eine völlig losgelöste Post-Credit-Scene, wie wir sie von Konkurrent Marvel aus dem Kinosaal kennen) unterdessen die abschließende Szene zwischen Oliver und Barry, die auf ein Heißgetänk bei CC Jitters in Central City vorbeischauen. Dort erspäht Oliver die Frau, die von seiner Mutter für viel Geld aus dem damaligen Starling City „vertrieben“ wurde und mit seinem Kind schwanger war. Dieses - ein Junge, der offensichtlich ein Flash-Fan ist - hat nun einen kleinen Wachstumssprung gemacht. Während es Oliver wie Schuppen von den Augen fällt, dass sein Sohn vor ihm steht (auch ein schöner Zufall), fragen wir uns, welchen Effekt diese Erkenntnis auf die weitere Handlung nehmen könnte. Die Autoren machen hier ein nicht uninteressantes Fass auf - nun heißt es abwarten, wie diese Nebengeschichte in die übergeordnete Handlung passen könnte.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 2. Dezember 2015The Flash 2x08 Trailer
(The Flash 2x08)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x08
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