The Flash 2x07

The Flash 2x07

Die Episode Gorilla Warfare steht nicht nur im Zeichen des hochintelligenten Primaten Grodd. Auch die Spuren, die der erste Auftritt von Schurke Zoom hinterlassen hat, werden thematisiert. Das Resultat: eine sehr abwechslungsreiche Folge auf hohem Niveau. Spannende neue Entwicklungen inklusive.

Barry (Grant Gustin) und Iris (Candice Patton) in „Gorilla Warfare“. / (c) The CW
Barry (Grant Gustin) und Iris (Candice Patton) in „Gorilla Warfare“. / (c) The CW

Wie fährt man nach einer bahnbrechenden Episode wie Enter Zoom, die viele Zuschauer von The Flash - mich eingeschlossen - auf dem falschen Fuß erwischte und komplett mitriss, fort? Die Antwort der Macher des Superheldendramas könnte einfacher nicht sein: mit einer nicht weniger starken Episode, die vielleicht nicht die ganz großen Wow-Effekte wie „Enter Zoom“ in sich trägt, qualitativ aber dennoch im oberen Bereich der bisherigen zweiten Staffel von „The Flash“ einzuordnen ist.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen widmet man sich nachvollziehbar und schlüssig den Folgen von Zooms erstem richtigen Auftritt, der vor allem Barry (Grant Gustin) schwer getroffen hat und in eine neuerliche Sinnkrise stürzt. Darüber hinaus feilt man gekonnt an der neuen Dynamik von Team Flash, in dem Harrison Wells (Tom Cavanagh) aus Earth-Two nach dieser Episode eine weitaus gefestigtere Rolle einnehmen wird. Und dann gibt es ja noch diesen unmenschlich starken, mit psionischen Kräften ausgestatteten Gorilla namens Grodd, der ein sehenswertes Comeback feiert und dessen Handlungsstrang geschickt mit der zentralen Leidensgeschichte unseres Helden verknüpft wird.

Point of impact

Die Serienmacher um Andrew Kreisberg stellen in Gorilla Warfare abermals unter Beweis, dass sie in der Lage sind, eine vollgepackte Episode sehr rund und stimmig zu gestalten, ohne dass man als Beobachter des Gefühl bekommt, man würde sich hier zu viel vornehmen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Vielfalt an Teilgeschichten hat zur Folge, dass jeder Handlungsstrang etwas Interessantes zu bieten hat. Zwar stellt man sich hier und da ein paar kritische Fragen und kommt ins Grübeln, ob einige der Protagonisten sinnvoll handeln oder sich nur so verhalten, um den Weg für ein vorhersehbares Drama zu ebnen. Insgesamt wird man den Ansprüchen der Zuschauer nach „Enter Zoom“ jedoch mehr als gerecht.

Vater und Sohn wieder vereint: Barry (Grant Gustin) und Henry (John Wesley Shipp) in %26bdquo;Gorilla Warfare%26ldquo;. © The CW
Vater und Sohn wieder vereint: Barry (Grant Gustin) und Henry (John Wesley Shipp) in %26bdquo;Gorilla Warfare%26ldquo;. © The CW

Destroyed

Die fürchterlichen Vorfälle aus der letzten Episode, als Barry von Zoom regelrecht auseinandergenommen wurde, nehmen dabei eine sehr bedeutende Rolle in „Gorilla Warfare“ ein. Barry, der seine schwere Rückenverletzung dank seiner übernatürlichen Kräfte sehr schnell wieder auskurieren kann, ist komplett am Boden zerstört und wird von neuen Selbstzweifeln geplagt. Zoom hat ihm mehr als deutlich aufgezeigt, dass er viel zu schwach ist, um Central City und seine Bewohner zu beschützen. Wir tauchen ganz in das Seelenleben unseres Titelhelden ein. Den Autoren gelingt es glaubhaft, eine sehr niedergeschlagene, psychisch angeknackste Version von Barry zu zeichnen, dessen Ängste und Sorgen für uns absolut nachvollziehbar sind.

Barrys Reaktion ist mehr als verständlich. Trotz seiner vollkommenen Genesung wirkt er wie blockiert und hat ein Trauma von seiner Begegnung mit Zoom davongetragen. Aus diesem Tal der Selbstzweifel kann ihm nur eine Person helfen, die vergleichbare Erfahrungen gemacht hat: sein Vater Henry (John Wesley Shipp), der klugerweise von Iris (Candice Patton) kontaktiert und um Hilfe gebeten wird. Mal davon abgesehen, dass Iris nach wie vor durch ihr sehr konsequentes Auftreten glänzt, trägt die Szene, in der sie und ihr Vater Joe (Jesse L. Martin) sich darüber unterhalten, wer Barry helfen könnte, auch eine gewisse Ambivalenz in sich. Im ersten Moment dachte ich nämlich an Patty (Shantel VanSanten) als geeignete Seelsorgerin für Barry (der Anruf von ihr bei Joe, nachdem sich dieser mit Iris unterhalten hat, ist ein netter inszenatorischer Kniff von Regisseur Dermont Downs). Doch die aufstrebende Polizistin wird weiterhin im Dunkeln gelassen, was sich früher oder später als folgenschwere Fehler herausstellen könnte.

Use that brain

Den Konjunktiv können wir hier aber eigentlich getrost weglassen. Barrys Geheimniskrämerei wird früher oder später gewaltig nach hinten losgehen, weshalb jede weitere Lüge, die er Patty auftischt - ob er sie nun dadurch beschützen will oder nicht -, ein Schritt in die falsche Richtung ist. Dieses Gebaren kommt einem irgendwie bekannt vor (Stichwort Iris), und so wiederholt man sich etwas in diesem Handlungsstrang, dessen Ausgang recht vorhersehbar ist. Das ist zwar nicht großartig störend, nimmt dem Ganzen aber ein klein wenig die Spannung. Vielleicht sollte man sich aber auch einfach etwas in Geduld üben, ob sich die Autoren nicht doch noch einen besonderen Dreh in dieser Angelegenheit einfallen lassen. Barry möchte man als Zuschauer indes zurufen, endlich mit offenen Karten zu spielen, richtet er doch wohl mit seinen Unwahrheiten bei der gutherzigen Patty mehr Schaden an, als ihm lieb sein kann.

Aber zurück zu Henry Allen und dem wichtigen Besuch, den er seinem Sohn abstattet. Zunächst einmal ist es schon ein wenig seltsam, dass Barrys Vater wie auf Abruf wieder parat steht. Dies war bereits bei früheren Auftritten von John Wesley Shipp etwas komisch, da dieser immer kam und ging, wie es gerade am besten passte. Der Eindruck entstand, die Macher wussten gelegentlich nicht wirklich wohin mit ihm. Hier wird seine Abwesenheit wiederum recht gut begründet, wollte er sich doch nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis etwas zurückziehen und wieder zu sich selbst finden. Die Notsituation von Barry weckt nun väterliche Instinkte in Henry, der seinem Sohn beistehen und wieder in die Spur bringen will.

Slow down

Dabei zeichnet Henry eine Parallele zu seinem Leben als zu Unrecht verurteilter Mörder, dem nicht einmal mehr seine besten Freunde geglaubt haben und der dadurch den Glauben an sich selbst verlor, zu Barrys derzeitiger Lage auf. Barry muss es schlichtweg akzeptieren, von Zoom geschlagen und gedemütigt worden zu sein. Er muss durch diese fatale Niederlage wachsen und eine neue, „Jetzt erst recht“-Mentalität entwickeln, um sich nicht in einer permanenten Spirale gen Abgrund wiederzufinden. Der Dialog zwischen Shipp und Grant Gustin strotzt entsprechend nur so vor Pathos und einer Botschaft, die mit dem Holzhammer übermittelt wird. Das Erstaunliche ist jedoch, dass diese Szene dennoch bei mir hervorragend funktioniert - was wie so oft an den starken Darbietungen der Darsteller liegt. Vor allem John Wesley Shipp verfügt über extrem viel Gravitas (ganz ähnlich wie Jesse L. Martin).

Shantel VanSanten als Patty Spivot in %26bdquo;Gorilla Warfare%26ldquo;. © The CW
Shantel VanSanten als Patty Spivot in %26bdquo;Gorilla Warfare%26ldquo;. © The CW

Conquer your fear

Die neue Lektion für Barry ist einfach, aber keineswegs unbedeutend: Der Glaube an dich selbst kann Berge versetzen. Während es für Barry um die erfolgreiche Bewältigung seines Traumas geht und er im Zuge dessen für einen Großteil der Episode im Rollstuhl die Zentrale von Team Flash in den S.T.A.R. Labs bemannt, liegt es diese Woche an den anderen Teammitgliedern, aktiv zu werden und die Laufarbeit zu erledigen. Doch bevor die eigentliche Bedrohung Grodd auf den Plan tritt, beschäftigten sich auch Barrys Mitstreiter mit den Vorkommnissen um Zoom, allen voran Harrison Wells aus Earth-Two, welcher Zoom verfolgen, seine entführte Tochter Jesse befreien und ihren Peiniger beseitigen will.

Wells ursprünglicher Plan, Zoom auf eigene Faust zu stellen, ist selbstverständlich viel zu naiv und für den kalkulierenden Wissenschaftler schon ein klein wenig zu impulsiv. Auf Initiative Caitlins (Danielle Panabaker, die endlich mal wieder etwas mehr zu tun bekommt), die Wells verdeutlicht, dass er und Team Flash das gleiche Ziel verfolgen, lässt sich Wells etwas bremsen. Der wahre Grund, warum er seinen Egotrip jedoch abbläst, ist Gorilla Grodd, der mit einem finsteren Plan wie aus dem Nichts auftritt und Caitlin in seine Gewalt bringt. Wells zeigt infolgedessen, dass er doch nicht so egoistisch ist, wie er sich oft gibt.

Redeemed

Mir gefällt in Gorilla Warfare ausgesprochen gut, wie man schon fast nebensächlich den Teamgedanken von Team Flash behandelt, wobei „nebensächlich“ keinesfalls negativ verstanden werden solle. Es ist vielmehr wie ein sehr positiver Nebeneffekt, der die Episode bereichert und die Charaktere für zukünftige Aufgaben näher zusammenbringt. Grodd lässt sich schlussendlich nur gemeinsam aufhalten, und es ist wunderbar mit anzusehen, wie der etwas andere Harrison Wells in die Gruppe integriert wird und sich seinen Platz letztlich verdient, indem er sich als Grodds Vaterfigur ausgibt und dabei sein Leben für Caitlin riskiert.

Ein interessantes Detail ist dann, wie freundlich und gesittet Henry im Umgang mit Wells ist. Er sieht immerhin so aus wie der Mörder seiner Frau, und andere Teammitglieder (Nicht wahr, Joe?) haben deutlich emotionaler reagiert, als Wells aus Earth-Two auftauchte. Man könnte es so interpretieren, dass Henry einfach über den Dingen steht und mit den schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit abgeschlossen hat. Er weiß, dass dieser Wells nicht verantwortlich für den Tod seiner Frau ist. Er geht seinem Sohn Barry somit als gutes Beispiel voran, was ich persönlich sehr schlüssig finde. Manch einer erkennt hier aber vielleicht ein geschicktes Verhalten von Henry, um eine Fassade aufrechtzuerhalten. Der Name Henry Allen ist im Kommentarbereich schon öfters mit dem geheimnisvollen Zoom in Verbindung gebracht worden. Es darf also weiter spekuliert werden.

Need to repeat

Grodd selbst löst derweil bei mir ein paar kleine Freudensprünge aus, was eigentlich immer der Fall ist, wenn er in The Flash zu sehen ist. Was mich immer wieder überrascht, ist, dass Grodd wahrscheinlich zu den vielschichtigsten Antagonisten gehört, die „The Flash“ bisher hervorgebracht hat. Als Ergebnis perverser Tierversuche, manipuliert und fremdgesteuert, kann man dessen Situation nachvollziehen und empfindet schon fast etwas Mitleid mit ihm, als er letzten Endes durch eines der 52 Portale in Central City nach Earth-Two befördert wird. Grodd wollte mit der Hilfe Caitlins mehr von seiner Art erschaffen, da die Einsamkeit ihm zusetzte. Auf eigenwillige Weise gelingt es den Serienmachern so unter anderem, dass ich als Zuschauer eine spezielle Verbindung zu dem gewaltigen Gorilla aufbauen und sein Handeln nachvollziehen kann.

Cisco (Carlos Valdes) und Wells (Tom Cavanagh) in %26bdquo;Gorilla Warfare%26ldquo;. © The CW
Cisco (Carlos Valdes) und Wells (Tom Cavanagh) in %26bdquo;Gorilla Warfare%26ldquo;. © The CW

Time to go home

Dadurch nimmt man ihn auch als einen vollwertigen Charakter wahr, nicht nur als seelenlosen Affen, der auf Zerstörung aus ist. Auch die Effektarbeit muss löblich erwähnt werden, gerade mit Blick auf das Budget, das den Verantwortlichen zur Verfügung steht. Grodd sieht gut und realistisch genug aus, die Szenen mit ihm gestalten sich hochspannend und das Zusammenspiel zwischen computergenerierten Effekten und Echtzeit-Aufnahmen ist auf sehr hohen Network-Fernsehen-Niveau. Dass man Grodd letztlich nicht ein für alle Mal besiegt, sondern nur aus dem Weg schafft, entspricht dann wiederum dem klassischen Comic-Ansatz, sich Türen für weitere Geschichten mit dem gefährlichen, aber auch missverstandenen Gorilla offen zu halten. Auf Earth-Two scheint er bei einem besonderen Zufluchtsort für Primaten, an denen ähnliche Experimente zur Gedankenkontrolle durchgeführt wurden, einen Platz gefunden zu haben. Comickenner denken hier sofort an Gorilla City, die in The New 52 eine wichtige Rolle spielt. Die Autoren ebnen sich somit den Weg für weitere Auseinandersetzungen zwischen Grodd und The Flash.

Neben diesen drei großen Pfeilern der Episode - Barrys Selbstzweifel, der Teamaspekt und die Geschichte um Gorilla Grodd - präsentiert man uns dann noch viele weitere kleine Details, die Spannung versprechen und geschickt in die Handlung eingearbeitet sind. Neben ein paar charmanten popkulturellen Referenzen (Caitlin in blütenweißer Tracht in den Fängen von Grodd könnte keine deutlichere „King Kong“-Anspielung sein) und gewohnt humoristischen Momentaufnahmen (Cisco und Wells sind ein fantastisches Duo, wie die kleine Schauspieleinlage von letzterem zeigt), spielt auch der erste Blick auf Kendra Saunders' (Ciara Renee) episch anmutendes Superhelden-Ego Hawkgirl eine Rolle, die wir über eine Vision Ciscos (Carlos Valdes) zu Gesicht bekommen. Während so erneut ein Hinweis in Richtung Spin-off Legends of Tomorrow fallen gelassen wird, geben die beiden auch ein sehr liebenswertes Pärchen ab. Außerdem thematisiert man in einer kleinen Szene zwischen Iris und Joe - der zwar immer Barrys Ziehvater sein wird, wohl aber nie eine vergleichbare Vater-Sohn-Beziehung wie zwischen Barry und Henry mit seinem Ziehsohn haben kann - auch noch einmal den noch namenlosen Sohn Joes, von dem Iris weiß und der in Form von Wally West in naher Zukunft auftreten wird.

Fazit

Gorilla Warfare ist eine vollgepackte Episode von The Flash, die neben ihren drei Hauptelementen auch etliche kleine Details zu bieten hat, die man aufmerksam aufsaugt. Das Wunderbare ist dabei, dass man nie den Überblick verliert und die Macher erfolgreich alle Bälle gleichzeitig in der Luft jonglieren können. Neben sehenswerten Darbietungen (so zum Beispiel von Gustin Grant, John Wesley Shipp und erneut Tom Cavanagh) überzeugt man mit Grodd auch auf technischer Ebene, wobei der Antagonist weit mehr als nur eine triviale CGI-Figur ist. Charakterentwicklung, eine gute, schlüssige „Schurke der Woche“-Erzählung und ein spannender Ausblick auf den weiteren Verlauf der Handlung machen „Gorilla Warfare“ zu einer sehr guten Episode, die uns vielleicht nicht die größten Schocker auftischen kann, aber auch nicht muss. Man leistet sich, wenn überhaupt, nur kleinere Makel, wobei das größte Problem der Folge wohl vor allem darin liegt, dass sie direkt nach Enter Zoom lief. Die Episode „Gorilla Warfare“ steht dieser aber auf ihrer eigenen Art in nicht sehr viel nach. Die niedrigere Bewertung fußt einzig darauf, dass mir hier das gewisse, undefinierbare Etwas fehlt.

„The Flash“ macht nun für eine Woche Pause und kehrt am 1. Dezember mit „Legends of Today“, dem ersten Teil des großen Crossover-Events mit „Arrow“, zurück.

Trailer zur „The Flash“-Episode 2x08 Legends of Today:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 18. November 2015

The Flash 2x07 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 7
(The Flash 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Grodds Rückkehr
Titel der Episode im Original
Gorilla Warfare
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 17. November 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 21. April 2016
Autoren
Aaron Helbing, Todd Helbing
Regisseur
Dermott Downs

Schauspieler in der Episode The Flash 2x07

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