The Flash 2x06

Dies hört sich jetzt vielleicht etwas drastischer an, als es letztlich gemeint ist. Doch mit Enter Zoom geht für mich persönlich die zweite Staffel von The Flash jetzt erst richtig los. Die vorangegangenen Episoden dienten in meinen Augen vor allem dazu, sich der neuen Figurenkonstellation zu widmen sowie die vermeintliche Haupthandlung um Antagonist Zoom auf den Weg zu bringen. Jetzt tauchen wir als Zuschauer zum ersten Mal richtig in dieses Thema ein - und werden sogleich mit einer packenden, kurzweiligen und sehr dramatischen Folge konfrontiert, die der Serie ein Ziel vor Augen gibt, das in Staffel zwei bisher gefehlt hat.
Mit dem ersten richtigen Auftritt von Zoom ändert sich schlagartig einiges für unsere Protagonisten. Aber die hohe Qualität der Episode allein an dem finsteren Speedster festzumachen, wäre den anderen sehr gelungenen Aspekten der Folge unfair gegenüber. So glänzt „Enter Zoom“ nämlich auch dadurch, dass man die Charaktere interessante Entwicklungen durchmachen lässt und eine sehr runde Geschichte erzählt. Hier greift wieder ein Rädchen ins andere. Kleinere Details, die ein paar kritische Fragen aufwerfen könnten, lassen sich somit recht einfach ignorieren. Das Gesamtpaket kann schlichtweg überzeugen - emotional wie dramaturgisch.
Kicking in the door
Ich hatte es in einem Kommentar unter der Review zur letzten Episode (The Darkness and the Light) bereits geschrieben: Irgendetwas störte mich noch an den neuen Folgen von „The Flash“. Kollege Adam brachte kürzlich im Gespräch mit mir das Fehlen der Geschichte um den Mord an Barrys (Grant Gustin) Mutter ins Spiel, die nicht nur den dramaturgischen Unterbau der ersten Staffel von „The Flash“ bildete, sondern eben auch die große Haupthandlung um Harrison Wells aka Eobard Thawne aka dem Reverse-Flash (Tom Cavanagh) immer wieder befeuerte. Und genau das - eine Haupthandlung, die mich packt, unterstützt von Hintergrundgeschichten, die geschickt in die Erzählung eingewoben sind und das Drama nachvollziehbarer machen - ging „The Flash“ in seiner zweiten Staffel etwas abhanden.

Working the offensive line
Bis jetzt. Mit „Enter Zoom“ gelingt den Serienmachern nämlich auf beeindruckende Weise die Rückkehr zu dieser Formel. Was nicht nur zur Folge hat, dass die dramatischen Entwicklungen in der Episode viel greifbarer sind. Der atemberaubende Schlusspunkt von „Enter Zoom“ vermittelt darüber hinaus auch das Gefühl, dass hier unglaublich viel auf dem Spiel steht und unser zentraler Protagonisten vor einer nie dagewesenen Herausforderung steht.
Das Interessante hierbei: Die Hinführung zu dem Moment, als sich Zoom Team Flash und uns erstmalig in seiner ganzen Pracht offenbart, mutet für lange Zeit eher verspielt und bisweilen sogar recht amüsant an. Die Kunst der Macher ist dann jedoch das Bespielen zweier sehr unterschiedlicher Erzählarten (auf der einen Seite lockerleichte Fernsehunterhaltung, auf der anderen elektrisierende Schockmomente) - eine Stärke des Formats und der verantwortlichen Kreativköpfe, die bereits in der ersten Staffel mehrfach zum Tragen kann und nun ihre große Wiederentdeckung feiert.
The best bad idea
Der Plan ist zunächst relativ simpel: Bevor Zoom noch mehr unschuldige Menschen verletzen kann, will Team Flash, allen voran Barry selbst, nun in die Offensive gehen und Zoom aus der Reserve locken. Dabei soll die inhaftierte Dr. Light helfen, die jedoch dank ihrer Fähigkeiten Reißaus nehmen kann. Was das Team vor die Aufgabe stellt, eine neue Möglichkeit zu finden, Zoom eine Falle zu stellen. Da Linda (Malese Jow) wie Dr. Light aussieht, soll sie nun in dieser Rolle einen Showkampf mit Barry inszenieren, wodurch die Niederlage des Flash vorgetäuscht werden und Zoom angelockt werden soll. Ein riskanter Plan, der natürlich etliche Komplikationen mit sich bringt.
Zunächst einmal finde ich die Entscheidung der Autoren, Barry und Co. in die Offensive gehen zu lassen, sehr positiv. Die Vorfälle aus der Vergangenheit haben gerade Barry gelehrt, dass proaktives Handeln durchaus sinnvoll sein kann. Auf der anderen Seite greift man mit der Figur Joes (Jesse L. Martin) abermals auf die Stimme der Vernunft zurück, was nicht weniger nachvollziehbar ist als Barrys Pläne, nicht auf Zoom zu warten, sondern ihn direkt zu konfrontieren. Beide Parteien präsentieren für ihre Position schlüssige Argumente. Barry denkt an all die Kollateralschäden, die Zoom weiterhin verursachen wird. Joe, der von der sorgevollen Caitlin (Danielle Panabaker) und Cisco (Carlos Valdes) unterstützt wird, mahnt derweil eher zur Vorsicht. Er befürchtet, dass Barry etwas zu voreilig zum Angriff bläst und dabei eben genau das hervorruft, was er verhindern will: dass Menschen in seinem direkten Umfeld in Gefahr geraten.
Void
Die Szenen zwischen Grant Gustin und Jesse L. Martin stehen dabei exemplarisch für zahlreiche Momentaufnahmen, in denen die Charaktere sich für uns Zuschauer verständlich, aber auch im Rahmen ihrer Figurenzeichnung extrem schlüssig verhalten. Auch Linda Parks Motivation, nach dem schockierenden Tod ihres Verlegers nicht untätig herumzusitzen, nehmen wir dem Charakter ab. Dadurch, dass sich die handelnden Personen in Enter Zoom stets so verhalten, wie wir es nicht nur von ihnen erwarten würden, sondern auch so, dass es auch einen Sinn ergibt, fühlt sich die Episode unglaublich rund und stimmig an.
Barry wird nach wie vor von den Worten Wells' beziehungsweise Eobard Thawnes verfolgt: Egal, was du auch tust, du wirst niemals wirklich glücklich werden. Was, wenn der Mörder seiner Mutter Recht hat? Es herrscht eine Leere in Barry, die er irgendwie zu füllen gedenkt. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, scheint für ihn der Kampf gegen Zoom, der nicht nur für ihn, sondern auch für seine Freunde eine Bedrohung darstellt. Joe erinnert Barry jedoch daran, dass nur er selbst für sein Glück verantwortlich ist und niemand anderes.

Under control
Charaktermomente wie diese bringen in „Enter Zoom“ eine Facette des Formats zum Vorschein, die The Flash auszeichnet: Durch solche Szenen bauen wir eine emotionale Bindung zu den Charakteren auf, wir verstehen, was sie antreibt und dass sie immer wieder von Selbstzweifeln geplagt werden, weil sie eben menschlich sind. Im Gegenzug springt das Herz vor Freude über, scheint Barry in Patty (Shantel VanSanten) doch jemand gefunden zu haben, mit dem er Wells und dessen Vorhersage Lügen strafen kann. Wobei, das Verhältnis zu Patty fast schon zu perfekt ist, sodass man eine Katastrophe geradezu erwartet. Der Handlungsstrang um Patty nimmt nun ohnehin eine neue Wendung, scheint sie doch längst auf den Trichter gekommen zu sein, dass sowohl ihr Parnter Joe als auch Barry etwas vor ihr geheim halten. Für Patty, die Transparenz und gegenseitiges Vertrauen sehr hoch bewertet, eine schwierige Situation.
Darüber hinaus bekommen wir in „Enter Zoom“ spannende Hintergrundinformationen serviert, die einen wichtigen Anteil an dem Fundament für die kommende Handlung um Zoom haben. Überraschend und sehr interessant ist dabei, dass Wells eben nicht nur eine einfache Marionette von Zoom ist, sondern sich nach Earth-One begeben hat, um von eine Möglichkeit zu finden, Zoom zu besiegen und seine entführte Tochter Jesse (Violett Beane) zu befreien. Eine Möglichkeit, die ich persönlich zuvor gar nicht in Erwägung gezogen habe. Den nach wie vor sehr bestimmten, bisweilen aggressiven Wells aus Earth-Two sieht man so in einem neuen Licht. Was auch auf Team Flash zutrifft, das nach einer Vision Ciscos letztlich im Bilde ist, was Wells bisher verheimlicht hatte. Zusätzlich bereitet man über die Rückblicke von Wells den Auftritt von Jesse Quick vor („Jesse. Always so quick“ - ein schönes kleines Wortspiel wohlgemerkt). Ein netter Bonus für alle Comickenner und eine interessante Wendung mit Blick auf zukünftige Episoden. Nebenbei bemerkt ist auch der Fernsehbericht in Earth-Two über den Arrow, der in dieser Welt Robert Queen ist (Sohnemann Oliver kam bei einem Bootsunglück ums Leben...) ein charmantes Detail mit Blick auf das DC-Serienuniversum.
Bright side
Den Höhepunkt der Episode stellt ohne Frage die Auseinandersetzung zwischen The Flash und Zoom dar. Bevor es dazu kommt, treten die Serienmacher abermals den Beweis an, wie gut sie Gradwanderung zwischen Spaß und bitterem Ernst beherrschen. Die kleine Trainingsmontage von Linda, wie sie sich als Dr. Light probiert, ist sehr kurzweilig inszeniert. Überhaupt gefällt mir Malese Jow sehr gut, ebenso wie die Entscheidung der Autoren, sie in Barrys Geheimnis einzuweihen. Wie sonst kann er ihr den Mut und den Glauben an sich selbst geben, den riskanten Plan gegen Zoom durchzuführen? Wenn einer weiß, was das Vertrauen anderer und der Glaube in einen alles bewirken kann, dann ist es Barry.
Der aufgesetzte Kampf zwischen Barry und Linda als Flash und Dr. Light wirkt dann gelegentlich wie eine kleine Slapstick-Einlage, ist im Großen und Ganzen aber charmant. Etwas naiv ist es jedoch schon, dass Team Flash glaubt, man könnte den allmächtigen Zoom mit einer derartigen simplen Finte aufs Glatteis führen. Hier lässt sich eventuell der einzige Kritikpunkt der Episode finden. Andererseits kann man die Durchführung des sehr riskanten Plans damit erklären, dass es trotz Warnung von Jay einfach noch keine Erfahrungswerte für unsere Protagonisten im Kampf gegen Zoom gibt. So hat man ihn schlichtweg unterschätzt - ein sehr großer Fehler, wie sich dann herausstellt.
Monster
Die letzten Minuten von Enter Zoom sind mitunter unglaublich: Zoom, großartig von Tony Todd gesprochen, ist eine unaufhaltbare Naturgewalt, die Inkarnation des Bösen und absolut furchterregend. So und nicht anders führt man einen alles überstrahlenden Antagonisten ein, der, als wäre es das Einfachste der Welt, einen von Barry entsandten Blitz abfängt und zurückschleudert. Auch dem Kreativdepartment der Serie gebührt mein Respekt für das finstere Design von Zoom, dessen schreckliche Maske schon fast Erinnerung an Batman-Schurke Scarecrow wecken. Ebenfalls mehr als überzeugend ist das Effektgewitter, das dann in der Auseinandersetzung zwischen Flash und Zoom losbricht, in der Barry sämtliche Register (Faustkampf im freien Fall) zieht, aber letztlich keinen Stich gegen seinen übermächtigen Gegner sieht.

Heroes die
Zoom wischt mit Barry den Boden auf. Noch viel heftiger und schmerzhafter, als es anfangs der Reverse-Flash in der ersten Staffel der Superheldenserie tat. Die Schläge sind schmerzhaft und gehen durch Mark und Bein. Eine von Wells entwickelte Waffe, um Zooms Geschwindigkeit einzudämmen, wird lockerleicht abgewehrt und gegen Barry angewandt. Der dunkle Speedster wird dann aber nur noch umso bedrohlicher, als er den bewusstlosen Flash erst der Presse und dann der Polizei (Gänsehaut pur in der Szene mit den Kugeln) vorführt. Dieses kümmerliche Subjekt ist euer Held? Dass ich nicht lache! Wir werden Zeugen einer komplette Demontage von The Flash, die unvergessen bleibt. Zoom ist die größte Hürde, die Barry jemals bewältigen musste. Und nach dieser Episode ist es für mich nur schwer vorstellbar, wie er dies bewerkstelligen will. Das macht „Enter Zoom“ letztendlich umso spannender und beeindruckender.
Dass Zoom, kurz bevor er Barry endgültig den Garaus machen kann, doch noch durch Cisco von Wells' Waffe aufgehalten wird, ist natürlich ein klein wenig zweckdienlich. Doch der Flash kann ja auch nicht so einfach die Segel streichen. Schockierend ist dann aber die finale Aufnahme, als Barry schwer gebeutelt zu sich kommt - ohne Gefühl in seinen Beinen. Ein starker Schlusspunkt einer fast perfekten Episode, in der eindrucksvoll aufgezeigt wird, wie facettenreich, fesselnd und dramatisch diese Serie sein kann.
Fazit
Enter Zoom ist die meiner Meinung nach beste Episode der zweiten Staffel von The Flash. Kleinere Kritikpunkt werden leicht durch unheimlich viel Spannung, schöne kleine Charakterszenen, einer stimmigen Erzählung, in der die einzelnen Elemente wunderbar ineinandergreifen, sowie dem unvergesslichen Auftritt von Bösewicht Zoom egalisiert. Der Kampf zwischen diesem und The Flash ist visuell wuchtig umgesetzt und markiert den erfolgreichen Aufgalopp einer Schurkenikone aus dem Flash-Universum, die auf unvergleichbare Art eingeführt wird. Zoom als greifbare Bedrohung hebt „The Flash“ in seiner zweiten Staffel von jetzt auf gleich auf ein anderes Niveau. Die rätselhafte Frage, wer sich denn wohl unter der Maske von Zoom verbirgt, ist dann sogar noch das Sahnehäubchen und stimmt erwartungsvoll.
Trailer zur „The Flash“-Episode 2x07 Gorilla Warfare:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 11. November 2015The Flash 2x06 Trailer
(The Flash 2x06)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?