The Flash 2x01

Nach der sehr gelungenen und bisweilen extrem mitreißenden ersten Staffel von The Flash war die Vorfreude bei den zahlreichen Fans der The CW-Superheldenserie auf die neue Staffel sehr groß. Einen nicht unbedeutenden Anteil daran hatte auch das packende Staffelfinale selbst, welches mit einem gigantischen Cliffhanger endete und Fragen nach dem Schicksal Barry Allens und seiner Heimatstadt Central City aufwarf. Diese werden in der Auftaktepisode zur zweiten Staffel, The Man Who Saved Central City, selbstverständlich geklärt, doch die Macher beschränken sich nicht nur darauf.
Denn, wie nicht anders zu erwarten war, bleibt man sich und seinem rasanten Erzähltempo treu, indem man sofort wieder ordentlich auf die Tube drückt. Dabei trumpft man aber auch mit einer der Qualitäten der ersten Staffel auf, denn trotz flotter Handlung inklusive spannenden Schlusspunkts nimmt man sich reichlich Zeit für emotionale Zwischentöne, die vielleicht nicht wahnsinnig subtil inszeniert sind, aber dennoch hervorragend funktionieren, weil einem die Protagonisten schlichtweg ans Herz gewachsen sind. So kann man über kleinere Makel, so zum Beispiel in der Figurenzeichnung des Bösewichts der Woche, hinwegsehen und sogleich wieder eine gewisse Vorfreude ob der neuen Folgen aufbauen. Es fühlt sich einfach gut an, dass Team Flash endlich wieder zurück ist.
On your own
Natürlich dürfte die meisten Zuschauer interessiert haben, wie sich Barry (Grant Gustin) und seine Freunde aus dem Schlamassel der letzten Finalfolge herausgewunden haben und dem zerstörerischen Wurmloch über Central City Einhalt gebieten konnten. Doch, bevor wir Antworten auf diese Fragen bekommen, vergeht erst einmal etwas Zeit, was sich letztlich als ein sehr geschickter Kniff der Autoren herausstellt.
Zunächst versucht man, uns ein klein wenig auf dem falschen Fuß zu erwischen, sehen wir doch, wie Barry aka The Flash gemeinsam mit Ronnie aka Firestorm (Robbie Amell) die Ganoven Captain Cold (Wentworth Miller) und Heat Wave (Dominic Purcell) in ihre Schranken weist. Team Flash ist bester Laune, der Tag ist gerettet. Plötzlich tritt Eddie (Rick Cosnett) ins Bild, der im Finale der ersten Staffel eigentlich das Zeitliche segnete und auch Harrison Wells (Tom Cavanaugh) ist auf einmal anwesend. Haben wir irgendetwas verpasst? Was geht hier vor?

Lone wolf
Die lebhafte Fantasie von unserem Helden spielt uns einen kleinen Streich, denn die aktuelle Situation ist mitnichten so harmonisch, wie uns vorgegaukelt wird. Barry steht allein in den S.T.A.R. Labs, denn, wie wir später herausfinden, hat er die Verbindung zu seinem Team gekappt und operiert jetzt auf eigene Faust. Eigentlich sollte Barry nach den Erfahrungen, die er als Flash gesammelt hat, wissen, dass Alleingänge töricht und hochgefährlich sind, doch nach den Ereignissen im Finale der ersten Staffel sieht er keine andere Möglichkeit, um seine Nächsten zu schützen. Diese haben Barry die Zeit (sechs Monate) gegeben, um alles zu verarbeiten, doch insbesondere Iris (Candice Patton) vertritt die Meinung, dass Barrys Solotripp kein gutes Ende nehmen wird und dass das verstoßene Team ihm beistehen muss.
Barrys Abkapselung ist ein nachvollziehbarer Schritt, der mit dem Blick auf den wahren Ablauf der Zerstörung der Singularität untermauert wird. Wir haben unsere Hauptfigur als sehr schuldbewusst kennengelernt, jemand, der stets an seine Liebsten denkt und sich für diese verantwortlich fühlt. An jenem Tag, als Central City beinahe zerstört worden wäre, versagte er diesbzüglich, wie er selbst zu Protokoll gibt.
Auch die ganzen Feierlichkeiten um The Flash sind ihm ein Dorn im Auge, da er sich selbst nicht als den Helden sieht, zu dem er von der Stadtbevölkerung gemacht wird. In Wahrheit opferte sich nämlich Ronnie, um das Wurmloch von innen zu zerstören, nachdem Barry es zuvor stabilisiert hatte. Dabei wurde Professor Stein (Victor Garber) von Ronnie getrennt (womit eine Erklärung für dessen Soloauftritt in der Spin-off-Serie Legends of Tomorrow gegeben wäre), während von Caitlins (Danielle Panabaker) Gatten keine Spur zu finden war. Ob dieser wirklich verstorben ist, wovon Team Flash ausgeht, bleibt abzuwarten. Denn durch die bestätigte Existenz von Parallelwelten besteht durchaus die Möglichkeit, dass Ronnie schlichtweg in eine andere Welt oder Zeitlinie gezogen wurde.
Weird stuff
Barry entscheidet sich letztlich doch dazu, das Symbol für die Menschen von Central City zu sein, welches diese so dringend brauchen. Und wie sich zeigt, tut er das keine Sekunde zu spät, denn ein neuer Metahuman tritt auf den Plan, der aufgrund seiner abnormalen Kraft eine große Herausforderung für Barry darstellt. Dabei kommen Joe (Jesse L. Martin) und Cisco (Carlos Valdes), die nun gemeinsam in einer Sondereinheit für Metahumans arbeiten, schwer ins Grübeln, denn der Angreifer namens Al Rothstein (Adam Copeland) wurde kürzlich erst tot in einem Atomkraftwerk gefunden und verfügte auch nie über Metahuman-Kräfte. Wie kann nun also dieser Hüne, der sich vergrößern kann, vor ihnen stehen?
Während der Zuschauer sich aufgrund zahlreicher Promomaterialen zur neuen Staffel von The Flash sicherlich bereits denken kann, wie es den Fiesling in Barrys Welt verschlagen hat, tappen unsere Protagonisten weiter im Dunkeln. Wichtig ist erst einmal, herauszufinden, wie dieser zu seiner Kraft kommt und wie man ihn aufhalten kann. Wie sich herausstellt, absorbiert Rothstein radioaktive Strahlung, wodurch seine Stärke ansteigt und er wachsen kann. Der CGI-Effekt bei seiner zweiten Fähigkeit mag jetzt nicht der allerbeste sein, doch Exwrestler Adam Copeland (einigen noch als Edge bekannt) schlägt sich keinesfalls schlecht als muskelbepackter Haudrauf. Schade ist lediglich, dass Atom-Smasher (Steins Einfall, wofür ihn Cisco offiziell im Team begrüßt) letzten Endes recht simpel in eine Fall gelockt wird und nur dafür da ist, noch mehr Verwirrung bei Barry zu stiften, als er den Namen desjenigen von sich gibt, der ihn auf den Flash angesetzt hatte: Zoom.
Showtime
Kein unbekannter Name für alle Comicleser unter den Zuschauern, doch wir möchten aus Spoilergründen nicht zu sehr auf diesen Charakter eingehen, da er in der neuen Staffel von „The Flash“ wohl keine unbedeutende Rolle spielen wird. Mit dem bisherigen Wissen aus dieser Episode können wir zumindest davon ausgehen, dass besagter Zoom Rothstein aus seiner Welt in die von Barry verfrachtet hat, wo dieser den Flash um die Ecke bringen sollte. Im Austausch dafür wäre es für Atom-Smasher zurück nach Hause gegangen. Man erahnt schon, wohin die Reise gehen wird und dass Barry womöglich in den nächsten Episoden sich noch dem einen oder anderen Auftrags-Metahuman entgegenstellen muss. Dies ist eine relativ einfache Möglichkeit, das „Bösewicht/Metahuman der Woche“-Prinzip aus der ersten Staffel am Laufen zu halten und gleichzeitig tiefer in das Thema Parallelwelten und Zeitreisen einzutauchen.

Deep wounds
Überhaupt dürften Comicfans in The Man Who Saved Central City mehrfach ein breites Grinsen im Gesicht haben. Für meinen Geschmack trifft man die perfekte Balance, nicht zu viel Fanservice zu leisten und nette Anspielungen zu verstecken, die in keiner Weise störend für den Nichtcomickenner sind. Die Autoren bauen einige Referenzen zum DC-Universum ein, von denen die größte am Schluss der Episode folgt, doch zuvor darf sich vor allem Cisco verdient machen (so zum Beispiel mit dem eigens entworfenen Flash-Signal, das uns doch irgendwie bekannt vorkommt), um den es wiederum auch ein separates Rätsel in dieser neuen Staffel zu lösen gibt. Denn auch Cisco verfügt ja bekanntermaßen über Metahuman-Kräfte, denen er sich noch gar nicht richtig bewusst ist. Es scheint sich um eine Art Visionsfähigkeit zu handeln, bei der abzuwarten bleibt, inwiefern man diese im großen Gesamtbild der Handlung einbauen wird.
Ein weiterer interessanter Punkt ist die generelle Frage nach der Zusammenstellung des Team Flash, welche in der Episode aufgeworfen wird. Caitlin hat sich nach dem Verlust Ronnies und aufgrund von Schuldgefühlen nun den Mercury Labs unter der Leitung von Tina McGee angeschlossen. Mit Professor Stein als ihrem „Ersatz“ hat man die passende Figur in petto und Victor Garber fügt sich auch rasch in die herrliche Charakterdynamik unter den Teammitgliedern ein. Ich persönlich hätte mir jedoch gewünscht, dass man vielleicht für ein paar weitere Episoden eine andere Teamkonstellation sieht, rein aus Interesse. Denn am Ende von „The Man Who Saved Central City“ ist Team Flash wieder komplett, was ich natürlich nicht als störend empfinde, aber dennoch hätte man mit dem Gedanken spielen können, die Gruppe ein wenig durchzuwürfeln und eventuell andere interessante Ansätze zu finden.
Good news
Auf der anderen Seite wissen die Macher aber auch, was sie an ihrer Figurenkonstellation haben und wie die einzelnden Darsteller miteinander harmonieren. Dementsprechend kann ich auch nachvollziehen, dass man diese funktionierende Einheit nicht zu sehr zerpflücken möchte. Man bietet uns hier zahlreiche Beispiele an, warum gerade die Charaktere und ihre Verhältnisse untereinander so wichtig für die Serie sind. Zwischen Barry und Caitlin gibt es einen schönen kleinen Moment, bei dem ich jetzt nicht zu viel interpretieren möchte. (Spüre nur ich ein kleines Knistern? Angesichts von Ronnies Abgang eventuell etwas fehl am Platz, aber das später ausgerufene neue Credo des Teams könnte auch als Indiz gelesen werden.)
Aber auch vor allem das Gespann Jesse L. Martin und Grant Gustin überzeugt mal wieder in einer sehr emotionalen Szene, in der Joe Barry zu verstehen gibt, dass es völlig normal ist, zu trauern. Doch es muss weitergehen - und das nicht zwangsläufig allein, denn Barry hat Menschen, die ihm gerne beistehen und für ihn da sein wollen. Nachdem Barry heimlich verschiedene zerstörte Läden in der Stadt wieder aufgebaut hat, ist es nun Zeit, seine Beziehungen einer Renovierung zu unterziehen.
Denn emotionaler Beistand kann extrem wertvoll sein, so zu sehen in der Szene mit Caitlin, als sich Barry eine Videobotschaft von Harrison Wells beziehungsweise Eobard Thawne anschaut, die dieser noch vor seinem Tod aufgenommen hatte. Barry werden dadurch nicht nur die S.T.A.R. Labs vermacht, er bekommt sogar ein Geständnis von Wells geliefert, der zugibt, Barrys Mutter getötet zu haben, wodurch Henry Allen (John Wesley Shipp) unschuldig ist. Der Grund, warum Wells dies nun so offen zugibt, ist etwas schwammig (er hat eh nichts mehr zu verlieren und glaubt sowieso, dass Barry nie glücklich werden wird, egal was passiert), doch, als man in das strahlende Gesicht von Barry blickt, geht einem einfach das Herz auf. Die Figur hat sich diese tolle Nachricht verdient, umso härter ist es dann, dass ein anderer Charakter ihn sogleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Kadima
Hierbei handelt es sich um Henry Allen selbst, der nach seiner Freilassung (und einer The CW-esken Willkommensparty) seinem Sohn mitteilt, dass er nicht an seiner Seite bleiben kann. Kann Barry der Flash sein, wenn sein Vater in seiner Nähe ist? Leidet seine Konzentration auf diese wichtige Aufgabe, die Menschen von Central City zu beschützen, darunter? Ein guter Punkt von Papa Allen, doch hätte man sich diese Überlegungen nicht für etwas später aufheben können? Immerhin ist es wohl der glücklichste Tag in Barry Allens Leben, der nach 14 Jahren endlich wieder seinen Vater umarmen kann.
Ein harter Schlag für unseren Protagonisten, der diesen aber verdaut und die schwierige Entscheidung seines Vaters unter Tränen hinnimmt. Auch hier wäre es eine Möglichkeit gewesen, Henry Allen zum kurzzeitigen Mitglied in Team Flash zu machen. Die (herzlosen) Autoren scheinen jedoch andere Pläne zu haben und trennen Vater und Sohn erneut voneinander.
Ohne Henry an seiner Seite, aber mit seinem Team und neuem strahlenden Anzug sowie dem Schlüssel zur Stadt in der Tasche scheint Barry zum Ende der Episode für kommende Aufgaben gerüstet. Die neue Marschrichtung lautet „vorwärts“ - die vergangenen Schmerzen überwinden und nach vorne blicken. Die „Flash-Höhle“ ist auch auf dem neuesten Stand und gesichert - denkt zumindest Cisco. Denn plötzlich taucht eine Gestalt in den S.T.A.R. Labs auf, die bereits zuvor dabei zu sehen war, wie sie ein Foto von Barry während seiner Arbeit schoss.
Vorhang auf für Jay Garrick (Teddy Sears), der aus der Comicvoralge bekannte Ur-Flash, der hier aus einer anderen Welt zu kommen scheint und Team Flash vor einer großen Gefahr warnen will. Welche dies genau sein wird (Stichwort Zoom), werden wir wohl in der nächsten Episode erfahren. Wie Garrick selbst in die Handlung eingebaut werden wird - eventuell als neuer Mentor für Barry, wie man schon vermehrt lesen konnte -, wird sich zeigen.
Fazit
Die erste Episode der neuen Staffel von The Flash führt die hohe Qualität der ersten Staffel unverändert weiter und steigert sofort die Vorfreude auf die neuen Folgen. Wie gewohnt stimmt die Mischung zwischen leichten Actionszenen, emotionalen Momentaufnahmen und spannenden Andeutungen für die Zukunft. Visuell trumpft man noch einmal mit dem erstaunlich gut aussehenden Wurmloch auf, während die Szenen um Fiesling Atom-Smasher nicht ganz überzeugen können - sowohl optisch als auch mit Blick auf dessen Figurenzeichnung. Diese und andere kleinere Probleme fallen jedoch aufgrund dieser insgesamt sehr runden und kurzweiligen Auftaktepisode nicht allzu schwer ins Gewicht. Ein guter, vielversprechender Start in die neue Staffel.
Trailer zu „The Flash“, Episode 2x02 - „Flash of Two Worlds“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 7. Oktober 2015(The Flash 2x01)
Schauspieler in der Episode The Flash 2x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?