The Flash 2x02

The Flash 2x02

Die zweite Folge der neuen Staffel von The Flash befindet sich qualitativ auf einem ähnlich hohen Niveau wie die vorangegangene Auftaktepisode. Zwar verläuft das große Aufeinandertreffen der Speedster nicht immer ganz rund, der Unterhaltungswert der Serie bleibt jedoch gewohnt hoch.

Scarlet Speedster? Crimson Comet! Teddy Sears als Jay Garrick aka The Flash in „Flash of Two Worlds“. / (c) The CW
Scarlet Speedster? Crimson Comet! Teddy Sears als Jay Garrick aka The Flash in „Flash of Two Worlds“. / (c) The CW

Nach dem Staffelauftakt The Man Who Saved Central City aus der letzten Woche, den ich persönlich als sehr gelungen und kurzweilig bewertet habe, machen die Autoren von The Flash in der neuen Episode Flash of Two Worlds nun genau da weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten. So stößt nämlich der mysteriöse Jay Garrick (Teddy Sears) zum Team Flash und bringt Barry und seine Mithelfer auf den aktuellen Stand der Dinge. Der neue Charakter verkommt dabei etwas zur Erklärungs- und Expositionsmaschine, wird letztlich aber sinnvoll in die Handlung integriert. Überhaupt dient die Episode vor allem dazu, unseren Protagonisten sowie den Zuschauer weiter die Ausgangslage der neuen Staffel zu verdeutlichen. Dies gelingt auf bisweilen sehr unterhaltsame Art und Weise, wobei sich die Macher auch Kritik gefallen lassen müssen - stellenweise gehen sie doch sehr mit dem Holzhammer vor und lassen wenig Raum für subtile Details.

Dies war gelegentlich auch schon in der ersten Staffel der Superheldenserie ein kleines Problem, dass man Dinge ausformulierte, die man sich als interessierter Zuschauer eigentlich selbst zusammenreimen konnte. Ausgleichen kann man diesen Kritikpunkt wiederum über sein wie gewohnt sehr flottes und kurzweiliges Erzähltempo und eine für meinen Geschmack weitaus bessere Effektarbeit, als es noch in „The Man Who Saved Central City“ der Fall war. Ein interessanter Diskussionspunkt, so zum Beispiel auch in den Kommentaren unter dem Review zur Episode der letzten Woche, bleiben derweil weiterhin die recht soapigen Elemente des Formats, die die Meinungen eher spalten. Für mein Empfinden kriegt die aktuelle Episode angesichts diesen Aspekts in den meisten Fällen noch ganz gut die Kurve, die „Gefahr“, dass man jedoch irgendwann in übertriebenes Melodrama abdriften könnte (hat hier jemand Arrow, Staffel drei, gesagt?), ist aber nicht von der Hand zu weisen.

New threats

Ich könnte mir vorstellen, dass die zahlreichen Erklärungen und bisweilen recht verwirrend anmutenden wissenschaftlichen Ausschweifungen einiger Charaktere in „Flash of Two Worlds“ dem einen oder anderen Zuschauer vor den Kopf stoßen könnten. Ich persönlich habe mich mittlerweile recht gut mit dieser Art der Exposition in „The Flash“ arrangiert, die man am Ende zumeist trotz allem Wissenschaftshokuspokus selbst auf das Wesentliche herunterbrechen kann. Über die neue Figur des Jay Garrick werden wir an das Konzept des „Multiversums“ herangeführt, zahlreiche Alternativwelten, die parallel zueinander existieren und von denen die eigentliche Heimat (Earth-Two) des gut gebauten Rotschopfes ist.

Teddy Sears als Jay Garrick in %26bdquo;Flash of Two Worlds%26ldquo; © The CW
Teddy Sears als Jay Garrick in %26bdquo;Flash of Two Worlds%26ldquo; © The CW

The face of death

Dort war Garrick gemeinhin nur als „The Flash“ aka „Crimson Comet“ bekannt und ging einer ähnlichen Beschäftigung wie Barry (Grant Gustin) nach: böse Buben dingfest machen. Über die Singularität wurde er dann inmitten eines Kampfes mit dem geheimnisvollen Fiesling Zoom in Barrys Welt (Earth-One) gezogen, wo er nun nach sechs Monaten Recherche endlich Kontakt mit Team Flash aufnimmt, um diese vor den kommenden Gefahren zu warnen. Doch kann man ihm wirklich glauben, geschweige denn vertrauen?

Vor allem Barry ist extrem skeptisch Jay gegenüber, welcher wiederum nach der Reise durch ein durch die Singularität geöffnetes Portal seine Superkräfte verloren hat und nun etlichen Tests unterzogen wird. Das Misstrauen unseres Helden ist absolut nachvollziehbar, denn schnell werden Parallelen zwischen Jay und einem alten Bekannten deutlich, der Barry vor nicht allzu langer Zeit hintergangen und schwer getäuscht hatte: Mentor Harrison Wells (Tom Cavanagh), dessen Verrat Barry dermaßen verändert hat, so dass er eigentlich niemandem mehr vertrauen kann. Die Richtung, in die die Einführung von Jay Garrick gehen soll, ist klar erkennbar: Auch er nimmt deutlich eine Art Mentorrolle für unseren Helden ein, der aber zu Recht vorsichtig agiert und nicht die gleichen Fehler begehen will wie einst im Umgang mit Wells.

Enter Sandman

Doch Jays Warnungen werden schon bald Realität, denn Zoom lädt, wie bereits schon mit Atom-Smasher in der Vorwoche, den nächsten Metahuman in Earth-One ab, der sich um The Flash kümmern soll. Die Motive des unheilvollen Speedsters aus einer anderen Welt bleiben weiterhin recht unklar, Jay weiß nur so viel, dass sein Erzfeind Zoom (Tony Todd) der einzige Speedster sein will, den es gibt. Ob mehr als nur das dahintersteckt, bleibt abzuwarten - auch mit Blick auf das überraschende Ende der Episode, auf welches ich an späterer Stelle noch einmal eingehen werde. Der Metahuman der Woche hört derweil auf den Namen Eddie Slick aka Sand Demon (Kett Turton) und verfügt über die - zugegeben - ziemlich coole Fähigkeit, sich in Sand zu verwandeln und diesen wie eine Waffe zu kontrollieren.

Slick ist über eines von insgesamt 52 interdimensionalen Portalen oder auch breaches in Barrys Welt gelangt und will dort nun dem scharlachroten Speedster an den Kragen, um selbst in seine Heimatwelt zurückkehren zu können. Die computergenerierten Effekte des Schurken gefallen mir hier schon wesentlich besser als noch in der letzte Woche und auch der kurze Kampf mit Barry - der von Jay die in naher Zukunft wohl äußerst nützliche Fähigkeit erlernt hat, Zeus-typische Blitze zu schleudern - ist unterhaltsam. Über den Status eines generischen Handlangers wächst Slick aber nicht hinaus und so dient sein Auftritt vor allem der von vielen Fans erwarteten Konstellation zweier „Flashs“, die Hand in Hand arbeiten.

Und, sind wir mal ehrlich, Jay und Barry als Flash-Duo mutet schon ein klein wenig episch an, was auch an der guten Chemie zwischen den beiden Darstellern liegt. Teddy Sears bewegt sich zwar nicht auf einem Level mit Tom Cavanagh, was jedoch auch kaum möglich ist. Im Zusammenspiel mit Grant Gustin überzeugt er trotzdem in seiner Rolle als neuer Mitstreiter und Lehrer, der sich nach seinem riskanten Einsatz gegen Sand Demon verdient gemacht hat.

Quick study

Die sehr offensichtliche Referenz an das bekannte Comiccover, welches im Vorfeld der Staffel auch als Poster zu sehen war „69849“, ist dann vielleicht sogar ein wenig zu viel des Guten, wobei wahrscheinlich nicht gerade wenige Comicfans wohl einen kleinen Freudensprung vollführt haben. Die Episode strotzt im Generellen vor sehr vielen Anspielungen, sei es bezüglich Cisco (Carlos Valdes), der einen ganz besonderen vibe verspürt, wenn er seine seltsamen Visionen hat, oder auch mit Blick auf eine weitere neue Figur, die man uns vorstellt: Patty Spivot (Shantel VanSanten), eine junge und hochbegabte Polizistin, die aus persönlichen Gründen (ihr Vater wurde von Mark Mardon ermordet, bevor dieser zum Weather Wizard wurde) Joes (Jesse L. Martin) Sondereinheit gegen Metahumans beitreten will und einfach nicht lockerlässt. Sie ist es auch, die die Flashs am Ende des Tages retten müssen.

Shantel VanSanten als Patty Spivot in %26bdquo;Flash of Two Worlds%26ldquo; © The CW
Shantel VanSanten als Patty Spivot in %26bdquo;Flash of Two Worlds%26ldquo; © The CW

Slow down

Shantel VanSantens erster Auftritt in dieser Rolle geht im Großen und Ganzen in Ordnung, wobei ihre Szenen mit Gustin mitunter etwas aufgesetzt wirken. Ihre Funktion als potentieller love interest für unseren Protagonisten war im Vorfeld bekannt, hier reizen die Macher die amourösen Spannungen zwischen den beiden Figuren fast etwas zu sehr aus. An dieser Stelle ist zum Beispiel die Kritik an etwaigen Soap-Elementen angebracht, verhalten sich die beiden Charaktere doch meiner Meinung nach sehr auffällig seltsam.

Es heißt abwarten, wie man Patty in naher Zukunft in die Handlung einbauen wird und ob sie mehr als nur ein einfaches Objekt der Begierde für Barry sein wird. Als Teil von Joes Sondereinheit und mit der richtigen Einstellung sowie entsprechenden Fähigkeiten ausgestattet verfügt sie über Potential. Hoffen wir nur, dass sie eben nicht nur zu einer schnell wieder vergessenen „Phase“ Barrys verkommt (erinnert sich noch jemand an Linda Park?), bevor dieser sich aller Wahrscheinlichkeit nach wieder auf Iris (Candice Patton) fokussiert.

Diese tritt indessen in gewisser Weise in die Fußstapfen ihres Vaters, redet sie doch auf Barry ein, der sich im Klaren darüber sein muss, dass er als Anführer von Team Flash über neue Verantwortungen verfügt und seinen Freunden Vertrauen entgegenbringen muss, um den Laden am Laufen zu halten. Derweil bahnt sich für sie und Vater Joe der Auftritt einer Person an, die für einiges an Aufregung sorgen könnte. Joe fällt in der Episode bereits zu Beginn auf, als er stillschweigend mit seinem Telefon hantiert. Der Grund dafür sind die Anrufe seiner Frau (Vanessa Williams), die plötzlich wieder auf den Plan tritt. Wo sich Iris' Mutter aufgehalten hat, ist noch nicht geklärt, wird aber sicherlich in den nächsten Wochen thematisiert werden. Ganz sicher, ob ich diese Art der Geschichte, die ebenfalls über reichlich Seifenoperpotential verfügt, überhaupt sehen möchte, bin ich mir noch nicht. Auch hier müssen wir uns in Geduld üben, was die Autoren für Pläne mit dieser Handlung haben.

Doppelganger

In den S.T.A.R. Labs formiert sich unterdessen ein neues Dreamteam, bestehend aus Dr. Martin Stein (Victor Garber) und Cisco. Stein fungiert zwar größtenteils als Expositionsschleuder und gibt wissenschaftliche Erklärungen von sich, die den ganzen Unterhaltungen über das Multiverse, Parallelwelten und Portale etwas Sinn geben sollen. Als Zuschauer nimmt man vieles davon aber einfach als gegeben hin. Da ist man schon eher an dem wachsenden Verhältnis zwischen dem Wissenschaftler und Cisco interessiert, da beide im Rahmen ihrer Zusammenarbeit geradezu aufblühen. Doch Stein registriert auch, dass in Cisco etwas vor sich geht, was er vor den anderen noch geheim halten will, da er selbst große Angst vor den Veränderungen hat, die in ihm passieren.

Während Danielle Panabaker in ihrer Rolle der Caitlin nicht viel außer ein paar schmachtender Bemerkungen bezüglich Jays Körperbau von sich geben darf, sorgt die Nebenhandlung um Ramons nerdigen Ingenieur schon für weitaus mehr Interesse. Was geht mit Cisco vor und wie beeinflussen seine noch nicht ganz klar definierten Fähigkeiten, Visionen von der Vergangenheit sehen zu können, die Haupthandlung? Auch Steins plötzlicher Zusammenbruch wirft Fragen auf. Handelt es sich um die Nachwirkungen seiner Abspaltung von Ronnie (Robbie Amell) oder steckt etwas anderes dahinter?

Durch die Einführung des Multiversums und der Parallelwelten, in denen die Charaktere natürlich auch existieren, aber schlichtweg in anderen Funktionen, macht man ein hochspannendes Fass auf, dessen Inhalt man in die verschiedensten Richtungen weiterbewegen kann. Was, wenn der „Doppelgänger“ eines der Teammitglieder in einer anderen Welt (eine von insgesamt 52, wohlgemerkt) sich auf der Seite der Bösen wiederfindet und von Zoom nach Earth-One verfrachtet wird, um Barry den Garaus zu machen. Ich erinnere nur an das Finale der ersten Staffel, in dem wir einen kurzen Blick auf Caitlin als ihr Comic-Alter-Ego Killer Frost, die frostige Superschurkin, erhaschen konnten.

Grant Gustin als The Flash in %26bdquo;Flash of Two Worlds%26ldquo; © The CW
Grant Gustin als The Flash in %26bdquo;Flash of Two Worlds%26ldquo; © The CW

Unexpected treat

Die Möglichkeiten, die sich den Autoren auftun, sind zahlreich und so hoffe ich, dass sie kreativ mit diesen umgehen und packende Einzelgeschichten erzählen können, die eben nicht immer nur nach Schema F ablaufen. Eine wöchentliche Metahumanhatz, die das Team gegen einen generischen Gegner stellt, über den Jay Garrick mit ein paar Informationen dienen kann, würde irgendwann sicherlich recht ermüdend werden. Man darf gespannt sein, welche verschiedenen Figurenkonstellationen man uns in dieser Staffel präsentieren wird.

Zum Abschluss soll noch kurz die finale Szene der Episode Thema sein, die eventuell einige verschwörerische Theorien zur Folge haben könnte. Bereits zur letzten Staffel wurde von der Community auf SERIENJUNKIES.DE® ja heftigst über die Causa Harrison Wells beziehungsweise Eobard Thawne diskutiert, was zahlreiche interessante und spannende Gedankenspiele mit sich brachte. Nun sehen wir am Ende von Flash of Two Worlds eine Version von Central City, in der Harrison Wells quicklebendig ist, Gründer der S.T.A.R. Labs und gefeierter Retter der Stadt.

Vielleicht ist es nur die unheimlich Präsenz, die Cavanagh in seinen wenigen Sekunden Screentime ausstrahlt, aber meine Gedanken wanderten sofort zu Zoom. Existiert eine Verbindung zwischen diesen beiden? Thawne wurde ja im Finale der ersten Staffel ausgelöscht, während es sich bei dem Harrison Wells aus der Parallelwelt auch einfach nur um Harrison Wells handeln könnte. Aber warum dann dieser kurze Auftritt, bei dem man die bösen Absichten von Wells geradezu aus seiner finsteren Stimme heraushören kann? Und aus welchem Grund sollte man diesen abermals einführen, wenn er keine Bedeutung für Barry und dessen Welt hat? Und was hat es mit dem größten Portal der 52 breaches auf sich, das sich auf Earth-One direkt an der Stelle der S.T.A.R. Labs befindet? Es darf wieder gerätselt werden...

Fazit

Flash of Two Worlds wirkt gelegentlich wie der zweite Teil einer einführenden Doppelepisode und erläutert uns Zuschauern erst einmal die aktuelle Lage, bevor es richtig in die Vollen geht. Dies gelingt wiederum gut und unterhaltsam, wobei einige Aspekte der Episode, so zum Beispiel die Zweckdienlichkeit einiger Szenen (Team Flash findet immer eine Überwachungskamera, egal, wo sich ihre Widersacher verstecken) oder der drohende Seifenoperoverkill, nicht unerwähnt bleiben sollten. Diese Makel halten sich meinem Empfinden nach jedoch noch in überschaubaren Grenzen und können dank doppelter Flash-Action, spannenden Momentaufnahmen und verheißungsvollen Andeutungen überspielt werden.

Nachdem Comicleser nun mit zahlreichen Anspielungen verwöhnt wurden, wird man sehen, ob die Macher die Dichte an Referenzen - im Endeffekt adaptiert man den gleichnamigen Flash-Comic von 1961, in dem das Multiverse eingeführt wurde - wieder ein klein wenig herunterschrauben werden. Ich persönlich empfinde diese noch lange nicht als störend, manch Zuschauer könnte dies jedoch anders sehen. Das überraschende Ende der Folge stimmt derweil erwartungsvoll. Eure Theorien dazu sind wie immer gern gesehen.

Trailer zur „The Flash“-Episode 2x03, „Family of Rogues“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 14. Oktober 2015

The Flash 2x02 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 2
(The Flash 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Zwei Welten
Titel der Episode im Original
Flash of Two Worlds
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 13. Oktober 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 17. März 2016
Autoren
Aaron Helbing, Todd Helbing
Regisseur
Jesse Warn

Schauspieler in der Episode The Flash 2x02

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