The Flash 1x22

The Flash 1x22

Rogue Air endet wie so viele The Flash-Episoden mit einem gewaltigen Paukenschlag, der das Blut zum Kochen bringt. Dementsprechend wird man als Zuschauer auch von den neuesten Ereignissen mitgerissen. Die Folge wirft jedoch auch Fragen auf, weil einiges im Unklaren bleibt.

Barry Allen aka The Flash (Grant Gustin) in „Rogue Air“. / (c) The CW
Barry Allen aka The Flash (Grant Gustin) in „Rogue Air“. / (c) The CW

Das Wort „Mogelpackung“ ist gemeinhin eher negativ konnotiert, weshalb ich es eigentlich ungern in den Mund nehmen möchte, wenn es um die Kritik zur vorletzten Episode der ersten Staffel von The Flash, namentlich Rogue Air, geht. In gewisser Weise trifft es jedoch zu - wobei das bei weitem nicht so negativ gemeint ist, wie es klingen mag. „Rogue Air“ hat eine Hand voll toller Actionsequenzen zu bieten, zahlreiche Auftritte von beliebten Charakteren, die man im Laufe der Staffel eingeführt hatte, schöne Charaktermomente und einen Schlussakt, der - wie von Harrison Wells aka Eobard Thawne aka The Reverse-Flash (Tom Cavanagh) versprochen - eine ganze Menge Spaß macht.

Es ist die wiederkehrende Stärke des Formats, schlicht sehr gute Unterhaltung abzuliefern, die auf vielen Ebenen funktioniert. Aber „Rogue Air“ krankt gleichzeitig an ein paar Details, die irritieren können. Dass die Episode mit vielen Figuren vollgepackt ist, lässt ein wenig einen Fokus vermissen, der die Handlung übersichtlicher gestalten könnte. Und zwischendurch lassen sich ein paar Momentaufnahmen finden, die Rätsel aufgeben. Doch im Großen und Ganzen wiegt all das nicht allzu schwer, da die Kurzweiligkeit der Folge stets überwiegt und man in der Tat einfach zu viel Spaß an der spannenden Entwicklung der Serie so kurz vor dem Staffelfinale hat.

Whatever it takes

Wir bekommen in „Rogue Air“ zunächst einen sehr stimmungsvollen Einstieg präsentiert, sehen wir unsere Hauptfiguren doch gedankenverloren über all die Verluste und Enttäuschungen brüten, die ihnen widerfahren sind, während Wells' Stimme aus dem Off bedeutungsschwere Worte von sich gibt. Er kündigt an, alles tun zu wollen, um das, was ihm passiert ist, wieder rückgängig zu machen - koste es, was es wolle. Diese Motivation spiegelt sich im weiteren Verlauf der Episode wunderbar in Barrys (Grant Gustin) Aktionen wider, der sich auf ein riskantes Spiel einlässt, um Wells beziehungsweise Thawne das Handwerk zu legen. Dass dies jedoch der falsche Weg ist, muss der Flash erst noch leidvoll am eigenen Leib erfahren.

Team Flash gemeinsam mit Captain Cold (Wentworth Miller; l.) in %26bdquo;Rogue Air%26ldquo;. © The CW
Team Flash gemeinsam mit Captain Cold (Wentworth Miller; l.) in %26bdquo;Rogue Air%26ldquo;. © The CW

Prison break

Team Flash grübelt nach wie vor, wie es dem Reverse-Flash Einhalt gebieten und Eddie (Rick Cosnett) aus seinen Fängen befreien kann, bis Cisco (Carlos Valdes) dann eine interessante Entdeckung innerhalb von Wells' Rohlstuhl macht, der dem Wissenschaftler die perfekte Tarnung gab - so zumindest die Gedankengänge der Anwesenden. Doch in dem Gefährt befindet sich eine Art Batterie, mit der sich Wells anscheinend immer wieder „aufgeladen“ hatte, was ihn wiederum schneller als Barry machte. Es handelt sich hier um eine MacGuffin-eske Gerätschaft, die die Frage aufwirft, warum sie von Wells einfach so liegen gelassen wird. Man könnte annehmen, dass dies erneut ein kalkulierter Schachzug des großen Antagonisten ist, was im Laufe der Folge nicht bestätigt wird. Daher mutet Ciscos zufälliger Fund dieser Energievorrichtung schon ein wenig eigenartig an, auch wenn die Batterie dramaturgisch für die weitere Handlung keine unwichtige Rolle einnimmt.

Auch der überraschende Ausbruch der gefangenen Metahuman aka Peek-a-Boo (Britne Oldford) kommt etwas plötzlich, wobei es sich um ein geschicktes Ablenkungsmanöver von Wells handelt, der zuvor den Teilchenbeschleuniger (wie bereits in der letzten Episode vermutet) in Betrieb genommen hat, um seinen undurchsichtigen Plan voranzutreiben. Peek-a-Boos kurzzeitige Flucht ist ein erster kleiner Aufreger, dient aber vornehmlich dazu, dass das Team Eddie aufspürt, der von Wells die ganze Zeit über im Inneren des Teilchenbeschleunigers festgehalten wurde. Dass dieser nun relativ sorglos von seinem Peiniger zurückgelassen wird, bedeutet neben dem Umstand, dass Wells nun anscheinend kurz vor der Vollendung seiner Pläne steht, vor allem eines: Unruhe im Feindeslager stiften, insbesondere zwischen Eddie und Iris (Candice Patton), was wiederum auch Einfluss auf Barry haben könnte.

Not our future

Da Barry es einfach nicht gelingt, Wells das Wasser zu reichen, ist er so oder so schon arg frustriert. Dass zwischen Iris und Eddie in Rogue Air jetzt auch noch die Liebesbeziehung beendet wird und Letzterer ganz klar die zukünftige Beziehung zwischen Iris und Barry als Grund dafür nennt, sorgt auf Seiten von Iris für Herzschmerz. Außerdem stellt das Ganze auch eine Art foreshadowing dar, da man abwarten muss, wie Eddie die Trennung wirklich verkraften und wie viel Schuld er dabei bei Barry suchen wird. Eddie präsentiert sich hier sehr gefasst und realistisch, wobei man dank Rick Cosnetts guten Schauspiels durchaus seine Trauer über das Beziehungsende mit Iris spüren kann.

Generell handelt es sich hier um eine starke Szene, vor allem für Eddie, dem von Anfang an bewusst war, dass er sich in einer Dreiecksbeziehung mit Iris und Barry befand. Dass zwischen den beiden immer schon eine besondere Verbindung bestand, war selbst dem aufstrebenden Detective klar. Seine Lossagung von Iris ist eine konsequente, erwachsene Entscheidung, wobei Iris nicht Unrecht hat, dass er sich nicht an der Nachricht aus der Zukunft festklammern sollte und die beiden Schmiede ihres eigenen Glücks sind. Doch hier lügt sich Iris selbst in die Tasche, wurde doch gerade in den letzten Episoden sehr deutlich, wie sehr sie sich zu Barry hingezogen fühlt. Das weiß sie und das weiß auch Eddie.

Told you so

Weitere sehenswerte Charaktermomente erwarten uns dann im Zusammenspiel von Grant Gustin und Jesse L. Martin, ein Duo, das in vielen Episoden zuvor stets eine sichere Bank gewesen ist und hier abermals einige gute Szenen abliefert. Bedingt durch den mysteriösen „Key“, eine Energiequelle, die von Wells im Teilchenbeschleuniger positioniert wurde und die diesen immer mehr auflädt, bis die Anlage sich hochfährt, bleiben Team Flash gerade einmal 36 Stunden, um die gefangenen Metahumans in Sicherheit zu bringen, bevor sie im Rahmen von Wells Plan um den Teilchenbeschleuniger eventuell ums Leben kommen.

Metahumans Assemble! Weather Wizard (Liam McIntyre) und Co. in %26bdquo;Rogue Air%26ldquo; © The CW
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A different way

So steigt die Spannung natürlich an, während Barry mit Hochdruck an einer Lösung für das Problem arbeitet. Doch wie bereits erwähnt geht er ein zu hohes Risiko mit seinen Überlegungen ein und muss von Joe geerdet werden. Dieser fungiert wie so oft als eine Art Stimme der Vernunft und leiert somit Barrys Selbstreflektion und Weiterentwicklung als Charakter an. Seltsam ist nur, dass das Thema Metahuman-Gefängnis so lange unwichtig war und nun plötzlich genau eine der Fragen aufgeworfen wird, die man sich die ganze Zeit als Zuschauer gestellt hat: Verletzt man mit dieser Einrichtung nicht Menschenrechte? Und wenn diese Metahumans nun aus Besorgnis auf Oliver Queens (Stephen Amell) Gefängnisinsel Liang Yu gebracht werden sollen, wo A.R.G.U.S. sie verwahren kann, überschreitet man damit nicht endgültig eine moralische Grenze?

In der Tat tut man das, und die Figur des Joe vertritt nach eigener kritischer Auseinandersetzung mit dem Thema ganz wunderbar diesen Standpunkt, eben nicht das Falsche zu tun, um das Richtige zu erreichen. Vielmehr darf man nie vergessen, wo der Unterschied zwischen dem Richtigen und dem Falschen liegt und dass man Ersteres nicht einfach so erzwingen kann, indem man moralisch verwerfliche Dinge tut. Denn hier unterscheidet sich auch der gutherzige Barry von seinem eher kompromisslosen Kollegen Oliver Queen, woran Joe seinen Ziehsohn mahnend erinnert. Der innere Konflikt Barrys ist nachvollziehbar, da seine Motivation aufgrund der jüngsten Ereignisse mehr als verständlich ist. Schade ist hier lediglich, dass die Problematik Metahuman-Gefängnis für meinen Geschmack zu sehr auf die lange Bank geschoben wurde und wie aus dem Nichts kommend nun eine sehr bedeutende Rolle spielt. Meiner Meinung nach hätte man diesen spannenden Aspekt der Frage, was für ein Held unser Protagonist sein möchte, gerne früher aufgreifen können.

Bad people

Für das durchaus gefährliche Unterfangen, Schurken wie den Weather Wizard (Liam McIntyre), Mist (Anthony Carrigan) oder auch Deathbolt (Doug Jones) nach Liang Yu zu transferieren, holt sich Barry dann nämlich niemand Geringeren als Leonard Snart aka Captain Cold (Wentworth Miller) mit ins Boot, was Joe überhaupt nicht guheißen kann. Eine Szene mit Cold, in der der Song „Cold as Ice“ der Musikgruppe Foreigner ertönt, ist alles andere als subtil, Wentworth Miller gefällt mir jedoch wie so oft sehr gut, auch weil er ein paar schöne Dialoge zugeschustert bekommt. So zum Beispiel, nachdem er Barry aufs Eis gelegt hat (ich entschuldige mich vielmals für diesen plumpen Versuch eines passenden Wortspiels) und sich letztendlich gemeinsam mit seiner Schwester Lisa aka Golden Glider (Peyton List) als Verantwortlicher für den Ausbruch der Rogues entpuppt. Snarts Ansprache, dass Barry in seiner Ausweglosigkeit einfach zu naiv gewesen ist und Snart selbst nun mal ein Krimineller ist, der immer kriminelle Dinge tun wird, holt den Flash unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück.

Joe hatte ihn vorgewarnt, denn abermals hat sich Barry von seinem Hass gegenüber Wells blenden lassen. Die Sequenz um den Ausbruch der Metahumans - deren kleine, launische Interaktion im Inneren des Eistrucks, mit dem sie transportiert werden, inbegriffen -, ist durchaus aufregend inszeniert, jedoch merkt man auch, dass man sich hier eine ganze Menge aufgebürdet hat. An allen Ecken und Enden blitzt und knallt es, wodurch es vielleicht etwas zu wild hergeht. Die kleinen, kurzweiligen Momentaufnamen zwischendurch gefallen jedoch, so zum Beispiel zwischen Cisco und der lasziven Lisa, über die sich Caitlin (Danielle Panabaker) zuvor noch herrlich echauffiert hatte. Mit dem Entkommen der Rogues und Snart als deren vermeintlichem Anführer lässt man sich derweil geschickt die Tür für weitere Geschichten offen - ähnlich wie in der Comicvorlage, wo derartige Kniffe an der Tagesordnung sind.

Ever the hero

Die ganz großen Geschütze werden dann zum Ende der Episode aufgefahren, als der Teilchenbeschleuniger aktiviert wird und Wells vor den Toren der S.T.A.R. Labs auftaucht. Erneut kommt man in den Genuss von Cavanaghs Darbietung, der provokant und selbstsicher Barry zum großen Duell herausfordert. Alles, was er in die Wege geleitet hat, hatte einen guten Grund - also blieb Wells beziehungsweise Thawne fast gar keine andere Wahl, als sich zu dem Bösewicht aufzuschwingen, den Barry in ihm sieht. Doch auf gute Freunde ist Verlass, denn so kommen im genau richtigen Moment Oliver Queen aka The Arrow und Ronnie Raymond aka Firestorm (Stephen Amells Cousin Robbie Amell) dem scharlachroten Speedster zur Unterstützung - ein Fest für die Fans, jedoch ebenfalls nicht ganz frei von Makeln.

Meine erste Reaktion war eher überschwänglich: Die Ausgangslage sowie die Aussicht auf diesen epischen Kampf gefielen mir ungemein. In meinen Augen liefern die Serienmacher dann auch turbulent ab, denn es entspinnt sich ein spannendes Scharmützel, in dem Flash, Arrow und Firestorm zunächst ordentlich einstecken müssen, letztlich aber den Reverse-Flash (dank der Technologie Ray Palmers und einer ordentlichen Dosis Spezialpfeile aus Olivers Köcher) dingfest machen können. Der Zweikampf zwischen Arrow und Reverse-Flash reißt mit (interessantes Detail: Oliver wird mit 86 Jahren das Zeitliche segnen, so zumindest laut Thawne), und auch die finale Team-Aktion der drei Helden gegen ihren Widersacher wirkt stimmig.

Arrow (Stephen Amell) versus Reverse-Flash (Tom Cavanagh) in %26bdquo;Rogue Air%26ldquo;. © The CW
Arrow (Stephen Amell) versus Reverse-Flash (Tom Cavanagh) in %26bdquo;Rogue Air%26ldquo;. © The CW

I got you

Was mich jedoch ein wenig ins Grübeln bringt, ist unter anderem der plötzliche Auftritt von Arrow und Firestorm. Dieser wurde zuvor durch einen kleinen Nebensatz vorbereitet, da Barry seine Freunde um ihre Hilfe gebeten hatte. Etwas überraschend im Sinne von zufällig wirkt ihr Auftreten dennoch. Hinzu kommt die Crossover-Problematik aus einigen Folgen zuvor, gerade mit Blick auf die Handlung der dritten Staffel von Arrow. So richtig kann man Olivers schnellen Trip nach Central City aus Nanda Parbat zeitlich nicht einordnen, wobei die kleine Randnotiz, dass er demnächst ein wenig Hilfe von Barry gebrauchen könnte, serienübergreifend Spannung angesichts des Finales der dritten Staffel von „Arrow“ generiert. Die letzten Szenen in Rogue Air fallen bisweilen recht deutlich in die Kategorie Fanservice. Trotzdem funktionieren sie am Ende des Tages, da mit der neuesten Entwicklung - Wells in den Händen von Team Flash - nun eine hochspannende Ausgangssituation für das anstehende Staffelfinale geschaffen wurde.

Fazit

Rogue Air war in meinen Augen nicht ganz so stark wie die vorhergehende Episode (Grodd Lives), die vorletzte Episode der ersten Staffel von The Flash stellt aber dennoch eine überdurchschnittlich gute Folge des Superheldendramas dar, das uns kurz vor dem Staffelfinale noch einmal eine kleine Wendung präsentiert. Da der spannungsreiche Aufbau zum Finale hin sehr gut gelungen ist, fallen einige Schwächen der Episode weniger ins Gewicht, auch wenn gewisse Punkte einfach angesprochen werden müssen. Ein paar schöne Momente zwischen den verschiedenen Figuren, ein Wiedersehen mit einigen gern gesehenen Charakteren sowie die Aussicht auf das sich anbahnende grand finale sorgen dafür, dass „The Flash“ auch in den letzten Zügen seiner ersten Staffel extrem verheißungsvoll und unterhaltsam bleibt.

Trailer zur „The Flash“-Episode 1x23 „Fast Enough“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 13. Mai 2015

The Flash 1x22 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 22
(The Flash 1x22)
Deutscher Titel der Episode
Kampf der Giganten
Titel der Episode im Original
Rogue Air
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 12. Mai 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 20. August 2015
Autoren
Aaron Helbing, Todd Helbing
Regisseur
Douglas Aarniokoski

Schauspieler in der Episode The Flash 1x22

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