The Flash 1x21

Endlich, möchte ich fast sagen, endlich ist es so weit, dass wir als Zuschauer zum ersten Mal den eher unkonventionellen Erzbösewicht Grodd aus dem The Flash-Universum voll und ganz zu Gesicht bekommen. Seitdem dessen Name das erste Mal gefallen war und sich im Laufe der ersten Staffel immer wieder Anspielungen sowie sehr geheimnisvolle Szenen zu dem hochintelligenten Gorilla mit telepathischen FĂ€higkeiten haben finden lassen, war ich Ă€uĂerst gespannt - aber auch ein wenig skeptisch -, wie man Grodd letztendlich charakterlich und visuell umsetzen wĂŒrde. Das Ergebnis kann sich nun wahrlich sehen lassen. Der neue Antagonist schwingt sich schnell zu einer mĂ€chtigen, unberechenbaren Bedrohung fĂŒr Barry aka The Flash (Grant Gustin) auf, von der man in naher Zukunft gerne noch viel mehr sehen möchte.
Doch nicht nur die sehr gelungene EinfĂŒhrung des Primaten sorgt dafĂŒr, dass „Grodd Lives“ bisweilen ungemein spannend und atmosphĂ€risch ist. Auch neuerliche Fortschritte an der Charakterfront hieven die Episode auf ein sehenswertes Niveau. So kommt es zu einigen durchaus dramatischen Aussprachen unter verschiedenen Figuren und zu hochinteressanten Andeutungen auf die letzten beiden Episoden der ersten Staffel von „The Flash“.
A universe of secrets
Was in „Grodd Lives“ besonders positiv auffĂ€llt, ist die abermals hervorragende Balance zwischen einer spannungsgeladenen Inszenierung und nachvollziehbaren Charaktermomenten, die von den verschiedenen Darstellern sehr gut getragen werden. Insbesondere das VerhĂ€ltnis zwischen Iris (Candice Patton) und Barry und zu ihrem Vater Joe (Jesse L. Martin) wird nach ihrer Erkenntnis aus der letzten Folge, dass Barry der Flash ist, mehr in der Vordergrund gerĂŒckt. Was wiederum eine Hand voll starker Szenen zwischen den Charakteren nach sich zieht.
Iris hat - zumindest den nicht wenigen Kommentaren unter meinen letzten Reviews zu „The Flash“ zufolge - bei vielen Zuschauern immer noch einen schweren Stand. Auch ich sah die Figur gerade zu Beginn der Staffel sehr kritisch, jedoch hat mich die Entwicklung ihres Charakters in den letzten Wochen durchaus ĂŒberzeugt, weshalb ich an dieser Stelle gerne einmal fĂŒr sie in die Bresche springen möchte. Gleich zu Beginn der Episode konfrontiert Iris Barry, der seine IdentitĂ€t als scharlachroter Speedster vor ihr geheim gehalten hatte, um sie zu beschĂŒtzen. Jedoch hat sie nicht Unrecht, wenn sie ihm vorwirft, was ihm und ihrem Vater Joe ĂŒberhaupt das Recht dazu gab, ihr dies vorzuenthalten.

Your fault
Denn was hat es letztlich gebracht, sie nicht einzuweihen? Eddie (Rick Cosnett) wurde von Wells (Tom Cavanagh) entfĂŒhrt, und Barry hat keinen Schimmer, wo sich Eddie befindet, schwört jedoch hoch und heilig, dass er ihn aufspĂŒren und zu Iris zurĂŒckbringen wird. WĂ€re es vielleicht alles anders ausgegangen, wenn Iris frĂŒher im Bilde gewesen und als helfende Hand in das Team Flash integriert worden wĂ€re? Eine legitime Frage, auf die weder Barry noch Joe, der sich von Iris ebenfalls eine Standpauke anhören muss, eine richtige Antwort haben.
Mir gefĂ€llt in beiden GesprĂ€chen die Darbietung von Candice Patton gut, da sie es authentisch vermag, das emotionale Befinden ihrer Figur wiederzugeben. Immerhin wurde Iris von ihren Liebsten und NĂ€chsten schwer belogen, weshalb ich ihre drastischen Worte absolut verstĂ€ndlich finde. Ich verstehe den Kritikpunkt, dass sich Iris gelegentlich etwas zu divenhaft verhĂ€lt und ihren Mitmenschen oft unverblĂŒmt die Pistole auf die Brust setzt. Versetzt man sich jedoch in die Situation der Figur, ist ihre Reaktion nun alles andere als unverstĂ€ndlich. Sie hat ihr gutes Recht, Barry und Joe nun die Leviten zu lesen, insbesondere nach all den Geheimnissen, die sie vor ihr hatten, und den letzten Entwicklungen um Eddie und Harrison Wells.
Right place
Zum denkbar ungĂŒnstigsten Zeitpunkt kommt es nun zu diesem Konflikt zwischen Iris, Barry und Joe, der sicherlich abzusehen und zu erwarten war, aber auf emotionaler Ebene immer wieder die richtigen Töne anschlĂ€gt. Dies zeigt sich vor allem in der Haupthandlung um den extrem gefĂ€hrlichen Widersacher Barrys, dessen Auftreten am Ende des Tages schon fast eine reinigende Funktion fĂŒr die ganzen Spannungsfelder hat, die sich zwischen den verschiedenen Figuren auftun.
ZunĂ€chst kommt es jedoch zu einer kleineren Ăberraschung, als Team Flash einer Reihe von ĂberfĂ€llen nachgeht, bei denen groĂe Mengen an Gold entwendet wurden. Der maskierte ĂbeltĂ€ter wirft einige Fragen auf, vor allem, nachdem Barry zu Beginn nicht in der Lage ist, ihn aufzuhalten, weil er durch eine Art Schwingung oder Angriff auf seine Psyche ausgeknockt wird. In einer spannenden Sequenz können Joe und Barry den Kriminellen dann jedoch dingfest machen. Und siehe da, niemand geringeres als General Wade Eiling (Clancy Brown) verbirgt sich unter der Maskierung, was fĂŒr einige verdutzte Gesichter sorgt.
Under attack
Eiling hatten wir zuletzt gesehen, als er von Wells in seiner Reverse-Flash-Montur in der Kanalisation bei einem gewissen Etwas abgeliefert wurde. Offiziell ist er vom Dienst befreit, in Wirklichkeit wird er jedoch seit bereits drei Monaten vermisst. Es dauert auch nicht lange, bis deutlich wird, dass es das Team hier nicht wirklich mit Eiling zu tun hat. Denn der wird anscheinend fremdgesteuert. Die Szene um ihn in dem GefĂ€ngnis fĂŒr die Metahumans mutet recht unheimlich an und stellt nur einen von vielen kleinen Schritten dar, die die Serienmacher vollziehen, um effektiv Spannung zu generieren und den letztlich eindrucksvollen Auftritt des eigentlichen Gegenspielers in dieser Folge aufzubauen.
Schnell setzen die Beteiligten dann das Puzzle um Eiling und Wells zusammen, die einst gemeinsam an einem Projekt gearbeitet hatten, von dem sich Eiling Supersoldaten mit besonderen FĂ€higkeiten erhoffte. DafĂŒr experimentierte man an einem Gorilla herum, bis Wells Eiling Einhalt gebot. Dass der Gorilla namens Grodd nun auf den Plan tritt, riecht verdĂ€chtig nach Wells, der sich durch den Primaten wertvolle Zeit verschaffen könnte. Wie wir uns erinnern können und spĂ€ter auch noch einmal aufgrund Grodds Bezeichnung fĂŒr Wells als Vaterfigur deutlich wird, besteht in der Tat eine Verbindung zwischen den beiden, die der flĂŒchtige Wells zu seinen Gunsten nutzen will.

I am Grodd
Dank Iris, die nun zeigt, dass sie von groĂer Hilfe sein könnte, verschlĂ€gt es Barry, Joe und Filmnerd Cisco (Carlos Valdes) dann in die Kanalisation von Central City, wo sich Grodd allem Anschein nach aufhĂ€lt. Es folgt eine hochspannende Sequenz, in der die Bedrohung durch den gewaltigen, hochintelligenten Gorilla förmlich greifbar ist. Dessen FĂ€higkeiten ist nur wenig entgegenzusetzen, und so wird schlieĂlich Joe von ihm weggehascht und verschleppt.
So und nicht anders hatte ich mir den ersten Auftritt von diesem ĂŒbermĂ€chtigen Bösewicht vorgestellt: Die Kulisse ist extrem stimmungsvoll und gespenstisch, unsere Protagonisten haben wie wir Zuschauer nicht einmal im Ansatz eine Vorstellung davon, mit was oder wem sie es hier zu tun bekommen, was die ganze Situation nur noch umso nervenaufreibender macht. Die visuelle Gestaltung ist ebenfalls sehr gelungen, so hochwertig wie in den neuen „Planet der Affen“-Filmen mag Grodd zwar nicht aussehen, fĂŒr Network-VerhĂ€ltnisse hat man hier aber ganze Arbeit geleistet. NatĂŒrlich kaschiert man ein paar einfache Animationen durch das sehr dunkle Setting, was zum einen clever ist, zum anderen aber auch ein wenig zweckdienlich. Und ob es die eher auflockernden Momente („Grodd hate banana“) gebraucht hĂ€tte, hĂ€ngt vom jeweiligen Geschmack des Zuschauers ab. Ich persönlich konnte mir ein Schmunzeln zumindest nicht verkneifen. Insgesamt machen die Verantwortlichen mit der atmosphĂ€rischen Inszenierung sowie der furchteinflöĂenden Figurenzeichnung Grodds jedoch sehr viel richtig.
Fear me
Vor allem anhand von Joe erkennt man, wie effektiv Grodds FĂ€higkeiten der Gedankenmanipulation im Zusammenspiel mit seiner imposanten Gestalt sind, sieht man dem erfahrenen Polizisten doch mehrfach seine Todesangst an. Iris ist von den VorfĂ€llen um ihren Vater verstĂ€ndlicherweise schwer mitgenommen, doch Barry nimmt die Schuld auf sich und will sie nicht weiter enttĂ€uschen. Gleichzeitig erinnert er sie aber auch noch einmal daran, dass die gesamte Situation fĂŒr alle Beteiligten nicht einfach, und das auch sie nicht immer offen mit ihm umgegangen ist, was die komplizierte Beziehung der beiden mit all den emotionalen NebenschauplĂ€tzen bereits mehrfach gezeigt hat.
Dass Iris und Barry letztendlich mehr als nur eine einfache Freundschaft verbindet, illustriert dann der Kampf zwischen Flash und Grodd, bei dem Barry trotz eines von Caitlin (Danielle Panabaker) und Cisco gefertigten Headsets gegen die Gedankenkontrolle des unberechenbaren Gorillas keinen Stich sieht. Als dieses Gadget auch noch zu Bruch geht, sieht die Situation dĂŒsterer aus als jemals zuvor. Doch Iris' Worte an Barry helfen ihm, sich aus dem bedrĂŒckenden Angriff Grodds auf seine Psyche zu befreien und den Gorilla zunĂ€chst abwehren sowie Joe retten zu können.
Die Auseinandersetzung im Gleisbett stellt hier den spannungsreichen Höhepunkt dar, wobei sich der eine oder andere sicherlich fragen wird, warum der so clevere Grodd blindlings vor einen Zug springt und erfasst wird. Ein zu verkraftender Kritikpunkt, möchte ich schreiben, denn dramaturgisch geht diese Szene voll auf, auch mit Blick auf den schönen Charaktermoment zwischen Iris und Barry. Abgerundet wird dies alles dann noch durch eine weitere herzliche Szene zwischen Joe und seiner Tochter, in der sowohl Martin als auch Patton gut zusammenspielen und die unbĂ€ndige Liebe Joes fĂŒr seine Tochter schön verdeutlicht wird. Wer kann ihm sein Verhalten als Vater verdenken, ist Tochter Iris doch sein Ein und Alles?

Going Home
Wie so oft gelingt es den Machern, eine Episode sehr stimmig abzuschlieĂen - spannende und dramatische Momentaufnahmen wechseln sich immer wieder ab, das ErzĂ€hltempo bleibt konstant hoch und der Abschluss der Folge könnte verheiĂungsvoller nicht sein. Nicht nur, dass man den wieder genesenen Eiling etwas in Position als mögliche Variable im Kampf gegen Wells bringt und die von Grodd ausgehende Gefahr bestehen bleibt, auch die kleine Nebenhandlung um Wells selbst, welcher Eddie in seiner Gewalt hat, sorgt zwischendurch immer wieder fĂŒr hochinteressante Aufnahmen, in denen sich darĂŒber hinaus die beiden Darsteller sehr sehenswert prĂ€sentieren.
Es ist erstaunlich, dass es kaum eine Kombination von Darstellern in The Flash gibt, die nicht funktioniert. Auch zwischen Rick Cosnett und Tom Cavanagh zeigt sich binnen weniger Minuten eine sehr eigenwillige Chemie, die gut gefĂ€llt. Cavanagh merkt man dabei an, dass er nun befreit aufspielen kann und groĂen Gefallen an seiner Bösewichtsfigur des Harrison Wells beziehungsweise Eobard Thawne gefunden hat. Spannend ist ebenfalls, wie dieser seinen Verwandten Eddie geschickt aufzieht und immer mehr Zweifel bei ihm sĂ€t, insbesondere hinsichtlich Barry und Iris, die in der Zukunft ein Paar sein werden. Eddie sieht man die Verunsicherung deutlich an, wĂ€hrend Wells diese Psychospielchen sichtlich genieĂt. Am Ende scheint es dann so, als hĂ€tte Wells seinen Plan, in seine Zeit zurĂŒckzukehren, fast vollendet, wobei beim Zuschauer die Frage aufkommt, wo er sich denn in diesem lĂ€nglichen, gebogenen Hallenbau genau befindet. Meine ersten Gedanken wanderten sofort zum beschĂ€digten Teilchenbeschleuniger, mit dem Wells eventuell eine weitere Katastrophe auslösen will, um sein Ziel zu erreichen. Dies ist jedoch reine Spekulation meinerseits und so blicke ich gespannt der nĂ€chsten Episode von „The Flash“ entgegen.
Fazit
Es war kein einfaches Unterfangen fĂŒr die Macher, eine spezielle Figur wie Gorilla Grodd einzufĂŒhren. Auch, weil man dessen Auftritt zuvor immer wieder durch kleine Szenen vorbereitet hatte und dadurch automatisch die Erwartungen bei den Zuschauern geschĂŒrt wurden. Doch die Sorge, die PlĂ€ne der Verantwortlichen könnten nach hinten losgehen, waren unberechtigt. Grodd wirkt zu keiner Sekunde lĂ€cherlich oder zu comichaft, ganz im Gegenteil sogar. Dieses Lob hat man sich redlich verdient, waren doch im Vorfeld viele skeptisch ob der EinfĂŒhrung eines hochintelligenten Gorillas mit telepathischen FĂ€higkeiten als Gegner fĂŒr Barry Allen. Ich persönlich kann die nĂ€chste Auseinandersetzung zwischen ihm und Flash kaum abwarten. Doch nicht nur bezĂŒglich dieses Aspekts leistet man ganze Arbeit, auch die teilweise sehr gefĂŒhlvollen Charaktermomente gefallen ausgesprochen gut. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: The Flash bewegt sich weiterhin ohne gröĂere Makel und Ă€uĂerst zufriedenstellend auf sein Staffelfinale zu.
Trailer zur âThe Flashâ-Episode 1x22 âRogue Airâ:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 6. Mai 2015The Flash 1x21 Trailer
(The Flash 1x21)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?