The Flash 1x20

In den letzten Wochen präsentierte sich das Superheldendrama The Flash sehr solide und lieferte durchaus unterhaltsame Episoden ab, die klassisch nach dem „Bösewicht der Woche“-Prinzip strukturiert waren und darüber hinaus die wirklich spannenden Fragen um den Reverse-Flash im Hintergrund behandelten. Doch gerade diese Nebengeschichten um die Ermittlungen von Barry (Grant Gustin), Joe (Jesse L. Martin) und Co, die Bemühungen, das Geheimnis um Dr. Harrison Wells (Tom Cavanagh) aufzuklären, machten in den vorangegangene Episoden zumeist den größten Reiz aus und generierten wunderbare Spannungsmomente.
In The Trap wird das Scheinwerferlicht nun komplett auf die vermeintliche Nebenhandlung aus den letzten Folgen gerichtet, was eine turbulente und mit einigen Wendungen gespickte Episode zur Folge hat, die insbesondere am Ende unglaublich an Fahrt aufnimmt. Nun zahlt sich der durchdachte Aufbau des zentralen Mysteriums der ersten Staffel aus und am Ende von „The Trap“ ist wirklich nichts mehr, wie es noch zuvor gewesen ist. Es ist der Auftakt zu einem großen Staffelfinale, das bereits in Sichtweite ist.
Everything's fine
Natürlich leisten sich die Serienmacher auch ein paar kleinere Schönheitsfehler in „The Trap“. Einige Entscheidungen mancher Figuren sind vielleicht etwas fragwürdig und auch der bekannte Kritikpunkt, dass man teilweise recht wilde wissenschaftliche Erklärungen besser nicht hinterfragen sollte, ist gegeben. Doch im Großen und Ganzen kann man über Makel wie diese hinwegesehen, da die Episode insgesamt nicht nur sehr stimmig ist, sondern auch über ein flottes Erzähltempo verfügt, das einen mitreißen sowie gespannt mitfiebern lässt. Darüber hinaus tragen die überzeugenden Darbietungen einzelner Schauspieler zur hohen Wertigkeit der Folge bei, die das Warten auf die nächste Episode sehr schwer macht.

The future
Die Verantwortlichen verlieren keinerlei Zeit in „The Trap“ und kommen ohne Umwege zur Sache, wodurch man wiederum von Minute eins an gebannt der Handlung folgt. So finden sich Barry, Caitlin (Danielle Panabaker) und Cisco (Carlos Valdes) in Wells' geheimem Verschlag wieder und machen dort gleich mehrere Entdeckungen, die sie vor genauso viele Fragen stellen. Allein der Artikel aus der Zukunft wirft diverse Rätsel auf, so zum Beispiel, dass Iris (Candice Patton) in der Zukunft allem Anschein nach mit Barry verheiratet ist.
Der plötzliche Auftritt der künstlichen Intelligenz Gideon (Morena Baccarin) sorgt nur noch für mehr Fragezeichen. Barry hat sie nicht nur entworfen, in der Zukunft ist er auch der Chef der CSI-Einheit des Central City Police Department. Und eine kleine Anspielung auf die Justice League können sich die Autoren ebenfalls nicht verkneifen.
Wir werden, so wie die handelnden Charaktere, mit vielen neuen Informationen bombadiert, doch letztlich interessiert uns nur die Antwort auf diese eine Frage: Warum hat der Reverse-Flash die Mutter von Barry umgebracht? Wie wir später erfahren, war sie gar nicht sein Ziel gewesen, denn er hatte es stets auf den jungen Barry abgesehen. Nun verfolgt Wells jedoch einen finsteren Plan mit dem erwachsenen Barry, der ihn, wie bereits angedeutet, in seine Zeit zurückbefordern soll.
Innerhalb weniger Minuten gelingt hier ein bedeutender Schritt in der Entwicklung der gesamten ersten Staffel von „The Flash“, der für den weiteren Verlauf der Episode extrem vielversprechend ist und die Erwartungshaltung in die Höhe schraubt. Wird sich Wells endlich zu erkennen geben? Kann Barry die Gerechtigkeit einfordern, die ihm, seiner Mutter und seinem inhaftierten Vater zusteht?
Just a dream
In der Tat erreichen die Ermittlungen um Harrison Wells nun ein ganz neues Level, denn kaum einer der Beteiligten hat jetzt noch Zweifel daran, dass Wells der Reverse-Flash und somit der Mörder von Barrys Mutter ist. Um jedoch seinen Vater zu befreien, benötigt Barry ein stichfestes Geständnis von Wells. Mithilfe einer speziellen Brille, deren genaue Funktionsweise zwar erklärt wird, jedoch nebensächlich ist, soll dies wiederum erreicht werden. Ciscos Träume - eigentlich Erinnerungen aus einer Zeitlinie, die nie existiert hat - sollen Barry und Co Gewissheit geben. Die Informationen, die sie jedoch aus Ciscos riskantem Aufenthalt in seinem Unterbewusstein gewinnen kann, bringen jedoch mindestens genauso viele Fragen wie Antworten mit sich.
So erfährt Barry, dass der Reverse-Flash eigentlich ihn töten wollte, woraufhin sich der junge Forensiker die Schuld an dem Tod seiner Mutter gibt. Auch die Information, dass Wells eigentlicher Name Eobard Thawne ist, stimmt die Anwesenden sorgevoll, scheint es doch eine Verbindung zwischen dem Reverse-Flash und Eddie (Rick Cosnett) zu geben. Insbesondere Joe erkennt nun das ganze Ausmaß an Wells teuflischen Plänen und fühlt sich mitschuldig, da er einst Barry in die Hände des Wissenschaftlers gab, welcher ihm versprach, ihn nach der Katastrophe um den Teilchenbeschleuniger helfen zu können.
Der Rückblick zu Joe am Krankenbett von Barry macht noch einmal deutlich, wie viel Barry ihm bedeutet und dass er sich für ihn verantwortlich fühlt. Deshalb lasten die neuesten Entwicklungen um Wells nur noch umso schwerer auf seinem Gewissen.
Bad idea
Jesse L. Martin zeigt in dieser Szene abermals seine Stärken, doch sein Charakter präsentiert sich in The Trap auch von einer ungewohnten Seite, die zunächst etwas irritieren kann. Er erklärt sich nämlich nicht dazu bereit, Eddie seinen Segen für dessen geplanten Heiratsantrag an Iris zu geben. Erst später wird klar, dass er die Sorge hat, dass diese Ehe keinen von beiden glücklich machen wird, da er weiß, was Iris wirklich für Barry empfindet und diese beiden zusammen sein sollten. Diese Aussage wirkt schon ein wenig anmaßend von Joe, jedoch verdeutlichen die Macher mit einem gefühlvollen Rückblick zu Iris und dem bewusstlosen Barry, dass Joe im Grunde genommen den Nagel auf dem Kopf trifft und mit seiner Annahme absolut richtig liegt.

Awkward
Was wiederum etwas seltsam anmutet, ist, dass der ganze Stress zwischen Iris und Eddie aus den Vorwochen nach den Ereignissen der letzten Episode scheinbar komplett vergessen ist. Die unangenehme Situation für Barry, der ja nun weiß, dass Iris und er in der Zukunft ein Paar sein werden, zieht ein paar humorvolle Momentaufnahmen nach sich, die teilweise jedoch etwas zu aufgesetzt wirken.
Dass Iris letzten Endes der Existenz der Metahumans auf die Schliche sowie zu der Erkenntnis kommt, dass Barry wohl der flash ist, ist eine durchaus interessante Randnotiz, die in den kommenden Episoden sicherlich zu einem größeren Thema gemacht werden wird. Die hier vorliegende Nebengeschichte um Iris bleibt im Vergleich zur Haupthandlung aber eher unspektakulär, was jedoch bei den weiteren Ereignissen dieser Episode nicht wirklich verwundert.
Es wird nämlich mitnichten auf die Bremse gedrückt, ganz im Gegenteil sogar: Das Tempo der Erzählung nimmt von Minute zu Minute nur immer mehr zu. Besonders spannend ist hierbei das neuerliche Verhalten Barrys Harrison Wells gegenüber, der in „The Trap“ gleich mehrfach in seine Mentorrolle schlüpft und diverse nützliche Tipps sowie Hinweise für Barry (so zum Beispiel bei der Bekämpfung eines Gebäudebrands) als auch Cisco und Caitlin hat.
Die Situation ist denkbar schwierig für Barry, spielt Wells seine Rolle doch wahrlich perfekt, was es von Anfang an so schwierig gemacht hatte, daran zu glauben, dass er ihn belügen und hintergehen würde. Daran hat natürlich auch Darsteller Tom Cavanagh großen Anteil, der glaubwürdig und sehenswert beide Seiten seiner Figur - zum einen etwas sehr Väterliches, Verständnisvolles und zum anderen etwas sehr Geheimnisvolles und gleichzeitig Bedrohliches - verkörpern kann.
Not smart enough
Cavanagh ist es dann auch, der gerade im letzten Drittel von The Trap groß aufspielt. Zunächst fasst Team Flash den Plan, Wells eine Falle zu stellen, um so ein Geständnis aus ihm herauszubekommen und Barrys Vater befreien zu können. Das spezielle Energiegefängnis, das den Reverse-Flash einst gefangen halten sollte, wird dafür umfunktioniert, so dass Cisco dank eines Kraftfelds vor ihm in Sicherheit ist, wenn er ihn konfrontiert. Wells tritt dann auch in Erscheinung und die Anspannung ist förmlich greifbar, doch Cisco gelingt es einfach nicht, ein eindeutiges Schuldbekenntnis aus seinem Gegenüber herauszubekommen.
Als Wells dann unerwartet das Kraftfeld durchschreitet und Cisco augenscheinlich in Lebensgefahr schwebt, muss Joe eingreifen. So erschießt er Wells, was Barry sämtliche Hoffnungen nimmt, seinem Vater über den legalen Weg zu helfen.
Doch es kommt natürlich alles anders als erwartet, denn Wells ist in Wirklichkeit der in der letzten Woche eingeführte Gestaltwandler Hannibal Bates, dem Wells die Freiheit versprochen hatte, würde er ihm helfen. Die Begründung, warum Bates gemeinsame Sache mit Wells gemacht hat, ist etwas schwammig, doch das gewaltige Überraschungsmoment wiegt diesen Kritikpunkt auf. Wells zeigt nun endlich seine wahre Identität und spricht aus sicherer Distanz zu Barry und Co.
Letztendlich war er ihnen immer einen Schritt voraus - zahlreiche Überwachungskameras haben ihm Einblick in die geheimen Ermittlungen von Barry und seinen Mitstreitern gegeben. Sein Masterplan steht nun anscheinend kurz vor Vollendung und so sehr ihm die Zusammenarbeit mit seinen jungen Protegés in den S.T.A.R. Labs auch gefallen hat, sein eigentliches Ziel hat er nie aus den Augen verloren.
Insurance
Wells schnappt sich dann noch Eddie, der Iris gerade noch einen Antrag machen wollte, und so wird abschließend noch die Frage geklärt, warum er ihn zuvor nicht umgebracht hatte. Die Antwort auf diese Frage ist denkbar einfach, da Eobard ein Verwandter Eddies ist und er mit dessen Ableben womöglich nie existiert hätte. Nun stellt Eddie erst einmal eine Art Versicherung für Wells dar - welches Verwandtschaftsverhältnis die beiden jedoch genau verbindet, bleibt weiterhin unklar. Spannend ist auch die Frage danach, wie sich das Liebesdreieck zwischen Iris, Barry und Eddie darstellen wird und ob letzterer vielleicht eine Abneigung gegenüber Barry entwickelt, weil dieser ihm Iris „ausspannen“ wird.
Da Eddie weiß, dass Barry der flash ist, könnte dies schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen. Außerdem steht noch ein großes Fragezeichen hinter der genauen Motivation Eobard Thawnes, den flash zu töten. Auch hier dürfen wir sehr gespannt sein.

Reckoning
Eine sehr starke Szene bekommen wir noch am Ende der Episode zu sehen, das einen weiteren Rückblick Wells am Krankenbett von Barry zeigt. Wells beziehungsweise Thawne hätte seine Rache schon viel früher haben können, doch er braucht Barry für seine Zwecke, weshalb es so wichtig war, dass dieser zum flash wurde. Jahrelang hat er ihm beim Großwerden zugesehen und auch wenn Barry seine Nemesis in der Zukunft ist, hatte er paradoxerweise großen Anteil daran, dass er zum flash wurde. Doch die Abrechnung kommt. Am Ende dieser sehr stimmungsvollen und unheimlichen Sequenz steht Wells' Aussage, dass Barry sterben wird. Die hoch spannende Frage nach dem Warum steht nun noch im Raum, deren Beantwortung bestimmt nicht nur ich gespannt entgegenfiebere.
Fazit
Mit dem Ende von The Trap sind die Karten nun neu gemischt, denn Wells' beziehungsweise Eobard Thawnes Versteckspiel ist ein für alle Mal beendet. Genau zum richtigen Zeitpunkt biegen wir nun auf die Zielgerade ein, an deren Ende uns ein epischer Kampf der Speedster in Aussicht gestellt wird. Selbst wenn man einige Kleinigkeiten in dieser Episode findet, die etwas problematisch und mangelhaft sind, bleibt „The Trap“ von der ersten bis zur letzten Minute extrem packend. Auf diesen Moment hat man hingearbeitet und so präsentiert man uns jetzt das erste Kapitel des großen Finales der ersten Staffel von The Flash.
Nun liegt es an Barry, seinen Kräften zu vertrauen und eigenhändig die Gerechtigkeit herbeizuführen, die er sich verdient hat, sowie Wells Einhalt zu gebieten. Dass sich auf dem Weg dorthin noch zu so einigen Überraschungen und vielleicht sogar schmerzvollen Verlusten kommen wird, ist derweil alles andere als unwahrscheinlich.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 29. April 2015The Flash 1x20 Trailer
(The Flash 1x20)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x20
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