The Flash 1x17

The Flash 1x17

Mit Tricksters liefern die Macher eine lupenreine Hommage an die Flash-Serie Anfang der 1990er Jahre ab: Sie ist vielleicht teilweise arg überzeichnet, aber dennoch sehr unterhaltsam. Gleichzeitig wird ein weiteres Geheimnis hinsichtlich Wells gelüftet, das neue Spannung verspricht.

Rückkehr eines alten Bekannten: Barry (Grant Gustin) in „Tricksters“ / (c) The CW
Rückkehr eines alten Bekannten: Barry (Grant Gustin) in „Tricksters“ / (c) The CW

In Tricksters, der 17. Episode der ersten Staffel von The Flash, bewegen wir uns nach den tiefgreifenden Ereignissen der letzten Folgen weiter mit großen Schritten auf das Staffelfinale des Superheldendramas zu. Während es Team Flash mit einem klassischen Schurken der Woche zu tun bekommt, wird im Hintergrund geschickt am zentralen Konflikt der Staffel weitergearbeitet, an deren Ende die Konfrontation zwischen Barry (Grant Gustin) und Harrison Wells (Tom Cavanagh) unvermeidbar scheint.

Letzten Endes verfügt „Tricksters“ zweifellos über das Potential, die Zuschauerschaft zu spalten. Auf der einen Seite präsentiert man uns hier eine kurzweilige Episode, die mit Referenzen nur so um sich wirft und mit Mark Hamill über einen Gastdarsteller verfügt, der es regelrecht genießt, abermals in die Rolle des bekannten Bösewichts James Jesse aka Trickster zu schlüpfen, den er bereits vor mehr als 20 Jahren verkörperte. Andererseits treibt man es mit der sehr comichaften Überzeichnung dieser Episode gelegentlich aber auch ein wenig auf die Spitze und leistet sich darüber hinaus ein paar kleinere Schnitzer, die durchaus störend sein können. Dank einer verheißungsvollen Nebenhandlung kann man jedoch schließlich einige Probleme dieser Episode erfolgreich kaschieren und den Zuschauer weiterhin erwartungsvoll stimmen.

Coincidences

Bis zu diesem Zeitpunkt der The CW-Serie haben sich schon einige Anspielungen bezüglich der kurzlebigen Serienadaption von „The Flash“ aus dem Jahr 1990 finden lassen. Die größte von diesen stellte wohl die Besetzung der Rolle von Barrys Vater Henry Allen mit Darsteller John Wesley Shipp dar, der in der alten „Flash“-Serie den titelgebenden Held verkörperte. Nun setzt das Autorenteam um die Serienschöpfer Greg Berlanti, Andrew Kreisberg und Geoff Johns in „Tricksters“ dem Ganzen die Krone auf und lässt einen ikonischen Antagonisten aus der ehemaligen CBS-Superheldenserie auftreten, der Fanherzen mit Sicherheit höherschlagen lässt.

John Wesley Shipp als Henry Allen in %26bdquo;Tricksters%26ldquo; © The CW
John Wesley Shipp als Henry Allen in %26bdquo;Tricksters%26ldquo; © The CW

Fun idea

Nachdem es zu mehreren Bombenanschlägen in Central City gekommen ist, für die sich der abgedrehte Trickster verantwortlich zeigt, folgen Joe (Jesse L. Martin) und Barry einer Spur, die zu einem Insassen von Iron Heights führt. Der scheint in unmittelbarer Verbindung mit den aktuellen Gräueltaten zu stehen - James Jesse, der Central City einst unter dem Alias Trickster heimgesucht hat und ähnlich wie der neue Trickster die Stadt terrorisierte. Seit etwas mehr als 20 Jahren hockt er nun schon hinter Gittern und stellt eine Möglichkeit für die Ermittler dar, dem Treiben des neuen maskierten Wahnsinnigen Einhalt zu gebieten.

Die direkte Verknüpfung mit der ersten „Flash“-Serie ist ein netter kleiner Einfall und bietet den Serienmachern die Chance, sich auszutoben und mit Darsteller Mark Hamill und dessen Figur einen sehr speziellen Charakter in die Serie einzubauen, der folglich jeder Szene, in der er auftritt, seinen Stempel aufdrücken kann. Hamill, der in seiner Karriere unter anderem auch schon unzählige Male den Joker verkörpert hat, einer der wohl bedeutendsten DC-Schurken überhaupt, bekommt hier einen Freifahrtsschein für seine Darbietung als James Jesse, was sich letztendlich als hervorragende Entscheidung der Autoren herausstellt.

Stealing a legacy

Der Auftritt Hamills als gealteter Trickster ist manisch, unheimlich und schrill. In einer eigenwilligen Kombination aus Hannibal Lecter und dem bereits erwähnten Joker präsentiert uns Hamill wohl die bis dato überzeichneteste Darstellung eines Antagonisten in The Flash. Dabei kann man zweifelsohne eine Menge Spaß haben, denn Hamills psychopathisches Schauspiel hat durchaus ein paar Folgenhöhepunkte zu bieten. Gleichzeitig kann ich aber auch nachvollziehen, wenn diese übertriebene Figurenzeichnung den einen oder anderen Zuschauer abschreckt, da sie nicht wirklich zum bisherigen Stil des Formats passt.

Für mich persönlich stellt Hamills extrovertierte Darbietung jedoch eine willkommene Abwechslung zu den sonst so bitterernsten Widersachern Barrys dar. Die Verantwortlichen zollen hier nicht nur der Figur des Trickster und Mark Hamill selbst Tribut, sondern auch einer Epoche der Superheldenfilme und -serien (man denke zum Beispiel nur an die „Batman“-Serie aus den 1960er Jahren), die lange nicht so düster und realitätsnah waren, wie es heutzutage viele Vertreter des Genres sind. Ähnlich wie damals geht man in Tricksters einen sehr comicartigen und spielerischen Weg in der kreativen Gestaltung der Episode. Dass man dabei nicht die Geschmäcker aller Zuschauer befriedigen kann, verwundert aufgrund des bisweilen krassen Stilbruchs wiederum kaum.

Role model

Auch die Haupthandlung um den Trickster kommt einer kleinen Hommage an alte Zeiten gleich, verfügt der verrückte Gauner doch über keine extravaganten Superkräfte, sondern nur über teuflischen Intellekt, mit dem er einen unheilvollen Plan schmiedet. Jedoch lassen sich auch ein paar Kritikpunkte in diesem Handlungsstrang finden, der nicht immer ganz rund verläuft. Dass Jesse mithilfe des neuen Trickster letztendlich seine eigene Flucht (die sehr problemlos verläuft) aus dem Gefängnis geplant hat, kommt nicht wirklich überraschend. Auch der nächste Schachzug des Trickster-Duos, den Reichen und Schönen von Central City bei einer Spendensammlung das Geld aus den Taschen zu ziehen, gehört in die Kategorie „generischer Superschurkenplan, den wir so schon tausendmal gesehen haben“.

Mark Hamill als James Jesse aka Trickster in %26bdquo;Tricksters%26ldquo; © The CW
Mark Hamill als James Jesse aka Trickster in %26bdquo;Tricksters%26ldquo; © The CW

Am Ende des Tages dient Hamills Trickster als einfaches plot device für die weitaus spannendere Nebenhandlung. Der von Jesse entführte Henry Allen kann relativ unkompliziert gerettet werden und Barry erlernt eine neue Fähigkeit, die wiederum seine Skepsis gegenüber Wells nur noch mehr befeuert. Dennoch fühlte ich mich von dem kurzweiligen Auftritt Hamills gut unterhalten. Die zahlreichen popkulturellen Referenzen - ob nun hinsichtlich Breaking Bad, das Jesse allem Anschein nach im Gefängnis gesehen hat, oder auch die mehr als deutliche „Star Wars“-Anspielung, als Jesse seinem Nachfolger eröffnet, dass er sein Vater sei - sorgten schon dafür, dass ich ein paar Mal ordentlich schmunzeln musste. Jedoch bewegen wir uns hier auch sehr knapp an der Grenze, ab der all die versteckten Querverbindungen und der offensichtliche Fanservice zu viel des Guten sein können.

Heavy heart

Während die Geschichte um den Trickster also die Funktion des auflockernden Elements in Tricksters übernimmt und man hier zuliebe des allgemeinen Unterhaltungswertes einige der Ungereimtheiten in der Handlung nicht allzu sehr auf die Goldwaage legen sollte, werden in dem Teil um Barry und seine neuen Zweifel bezüglich seines Mentors Harrison Wells eher dramatischere Töne angeschlagen. Dabei brillieren vor allem mal wieder Grant Gustin und Jesse L. Martin im Zusammenspiel, die schlichtweg ein formidables Darstellerduo abgeben.

Feel the lightning

Es ist durchaus interessant, nach den Ereignissen der letzten Wochen in die Gedankenwelt von Barry einzutauchen, der nie für möglich gehalten hätte, dass Wells die Person sein könnte, die für den Tod seiner Mutter verantwortlich ist. Dass er tatsächlich auf Wells reingefallen sein könnte (tricksters...), nimmt den jungen Forensiker sichtlich mit und hat einige sehr angespannte Momentaufnahmen zur Folge, in denen vor allem Wells registriert, dass sich Barry anders als sonst verhält. Als Wells Barry detailiert beschreibt, wie er dank der speedforce durch Objekte hindurchrasen kann (phasing), erkennt Barry, dass der Wissenschaftler der Reverse-Flash sein muss, da Wells den Eindruck vermittelt, er würde aus Erfahrung sprechen. Eine starke Szene wohlgemerkt, die die Spannung weiter hebt.

Das Gespräch zwischen Barry und Ziehvater Joe zeigt dann mal wieder die dramatische Tiefe, über die The Flash verfügt. Barry macht sich erneut Vorwürfe, auf Wells mögliche Maskerade reingefallen zu sein, doch Joe spricht wie so oft einen wahren Punkt an: Gerade Barrys Fähigkeit, das Positive in allen Menschen zu sehen, macht ihn so einzigartig. Diese Eigenschaft soll er sich um keinen Preis nehmen lassen, weder von seinen Selbstzweifeln noch von Wells. Um dessen Schuld zu beweisen, müssen sie sich jedoch in Geduld üben und weiter Hinweise sammeln. Dafür wird sogar Eddie (Rick Cosnett) in Barrys Geheimnis eingeweiht, dass er der Flash ist. Zu dritt wollen sie nun zum einen Wells auf die Schliche kommen, zum anderen aber auch Iris (Candice Patton) aus der Schusslinie nehmen, die sich immer mehr Sorgen um ihren verschwundenen Kollegen Mason Bridge (Roger Howarth) macht.

Trust me

Erneut fragt man sich, ob Barry vielleicht nicht doch ein wenig sorglos mit seiner geheimen Identität umgeht. Zuvor offenbarte er bereits seinem Vater, dass er der scharlachrote Speedster ist. Bei diesem ist sein Geheimnis wohl sicher, außerdem bekommen wir einen charmanten Wink mit dem Zaunpfahl serviert, dass Shipp ja einst selbst den Flash verkörpert hatte. Dass Eddie wiederum nun weiß, wer Barry wirklich ist, könnte auf lange Sicht weitreichendere Konsequenzen haben. Gleichzeitig darf stark bezweifelt werden, ob sich Iris tatsächlich mit der erfundenen Geschichte von Masons derzeitigen Aufenthaltsort abspeisen lässt. Man kann wohl eher davon ausgehen, dass sie sich auf eigene Faust die Akte Harrison Wells vorknüpfen wird und das Vorhaben, Iris zu schützen, einen gegenteiligen Effekt haben wird.

Barry (Grant Gustin) und Joe (Jesse L. Martin) in %26bdquo;Tricksters%26ldquo; © The CW
Barry (Grant Gustin) und Joe (Jesse L. Martin) in %26bdquo;Tricksters%26ldquo; © The CW

Pretender

Der mit Abstand aufregendste Teil der Episode wird jedoch in Rückblicken erzählt und mischt die Karten abermals neu. Zuallererst bekommen wir den turbulent inszenierten Zweikampf zwischen Flash und Reverse-Flash zu sehen, der sich vor 15 Jahren im Haus der Familie Allen abgespielt hatte. Nach der Auseinandersetzung der beiden Speedster kommt der Reverse-Flash jedoch zum Stehen und muss leidvoll feststellen, dass er seine Kräfte verloren hat und nicht so einfach wieder zurück in seine Zeit reisen kann. Als er seine Maske abnimmt, ist die Verwunderung jedoch groß, denn um Harrison Wells handelt es sich hier nicht.

Die Auflösung von dieser gewaltigen Überraschung folgt auf dem Fuße: Tatsächlich gab es mal einen Wissenschaftler namens Harrison Wells, der mit seiner große Liebe an den Plänen für die zukünftigen S.T.A.R.-Labs arbeitete. Jedoch übernahm der mysteriöse Fremde, dessen Name Eobard Thawne (Matt Letscher) ist, nach einem von ihm fingierten Autounfall die Identität von Wells, um den Bau des Teilchenbeschleunigers nicht erst 2020, sondern früher stattfinden zu lassen. So möchte er womöglich seine Kräfte zurückerlangen und in seine Zeit zurückkehren - eine weitere Wendung, die man so nicht erwartet hatte und die nach wie vor die Frage offenlässt, warum es Thawne auf den jungen Barry beziehungsweise seine Mutter abgesehen hatte. Ebenso steht infrage, welcher entscheidende Schritt in Thawnes Plan nun noch gemacht werden muss, damit er seine Pläne in die Tat umsetzen kann. So wird nicht nur etwas Licht ins Dunkle hinsichtlich der Figur Harrison Wells gebracht, sondern gleichzeitig auch ein neuer Spannungsmoment erzeugt, was die wahren Absichten von Thawne sind und welche Rolle Barry in diesen spielt.

Fazit

Den Machern gelingt in Tricksters die Verbeugung sowohl vor der Urserie „The Flash“ als auch vor einer Frühform des Superheldengenres, die man in dieser Art heutzutage nur noch selten findet. Die bisweilen sehr überzeichnete Handlung um den Trickster wird nicht jedem gefallen, Gastdarsteller Mark Hamill überzeugt in meinen Augen jedoch mit der richtige Portion an Überspitztheit und Skurrilität, die unterhält und Spaß macht. Der übergeordneten Handlung wird derweil ein neuer Schwung gegeben, der das Warten auf die große Konfrontation zwischen Barry und Wells nicht gerade einfacher macht. Abgesehen von den erwähnten Schwächen der Haupthandlung befindet sich The Flash in der zweiten Hälfte seiner ersten Staffel weiterhin auf einem guten und vor allem sehr kurzweiligen Weg.

Trailer zur „The Flash“-Episode 1x18, „All-Star Team Up“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 1. April 2015
Episode
Staffel 1, Episode 17
(The Flash 1x17)
Deutscher Titel der Episode
Die Rückkehr des Tricksters
Titel der Episode im Original
Tricksters
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 31. März 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 16. Juli 2015
Autor
Andrew Kreisberg
Regisseur
Ralph Hemecker

Schauspieler in der Episode The Flash 1x17

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