The Flash 1x16

Im Vorfeld von Rogue Time hatte wohl niemand erwartet, dass man der vorangegangen Episode Out of Time das Wasser reichen könnte. Den Autoren des The CW-Superheldendramas stellte sich vor allem die Aufgabe, schlüssig da weiterzumachen, wo sie beim letzten Mal aufgehört hatten. Nachdem nun das Thema Zeitreisen und die möglichen Auswirkungen des Springens zwischen verschiedenen Zeitlinien ein für alle Mal eingeführt wurde, besteht natürlich die Gefahr, sich mit wirren Erklärungen und etwaigen Logikfehlern selbst zu schaden.
Doch das Autorenteam hinter The Flash hat nun schon mehrfach den Nachweis erbracht, dass sie sehr umsichtig arbeiten und alle möglichen Stolpersteine hinsichtlich des komplexen Themenbereiches Zeitreisen auf ihrem Radar haben. So ist es erfreulich zu sehen, dass Barrys (Grant Gustin) Sprung durch die Zeit konsequent und logisch erörtert wird, wovon allen voran die allgemeine Spannung profitiert, die mit diesem entscheidenden Vorfall in Barrys Leben erneut Fahrt aufnimmt.
So sehenswert und kurzweilig dieser Teil der Episode umgesetzt wird, so sehr zeigen sich in diversen Nebenhandlungen der Episode Schwächen des Formats, die man sich schon längere Zeit nicht mehr geleistet hatte. Daran leidet wiederum „Rogue Time“ in seiner Gesamtwertung ein wenig, da nicht jeder Handlungsstrang vollends zufriedenstellend ist und gar einige Fragen ob der Sinnhaftigkeit mancher Handlung aufwirft.

Fragile construct
„Rogue Time“ setzt unmittelbar an der Stelle ein, wo „Out of Time“ uns Zuschauer perplex zurückließ. Barry hat einen entscheidenden Sprung in der Zeit gemacht, was wiederum sein weiteres Handeln maßgeblich beeinflusst. Wells (Tom Cavanagh), der als Reverse-Flash bekanntermaßen ähnliche Erfahrungen wie sein Schützling gesammelt hat, fällt sogleich auf, was Barry widerfahren ist und spricht eine eindeutige Warnung an ihn aus. Es ist durchaus interessant und vielleicht sogar ein wenig paradox mit anzusehen, wie Wells Barry von den irreparablen Auswirkungen erzählt, die auf eine Störung des Raum-Zeit-Kontinuums folgen können. Schließlich betreibt der an den Rollstuhl gefesselte Wissenschaftler doch genau ein solches Spiel, um seine eigenen finsteren Pläne in die Tat umsetzen zu können.
Barry scheint diese mahnende Worte zunächst nachvollziehen zu können, jedoch kann er nicht anders, als die Zukunft mit seinem Vorwissen zu verändern, gerade mit Blick auf die große Gefahr, die Weather Wizard Mark Mardon (Liam McIntyre) darstellt. So landet dieser im Handumdrehen in einer Metahuman-Gefängniszelle unter den S.T.A.R.-Labs, wodurch zum Beispiel die fatale Verletzung von Polizeichef Singh (Patrick Sabongui) nie stattfindet und sich der von Mardon hervorgerufene Tsunami nie ereignet. Doch so einfach kann man keinen Schabernack mit dem Zeit-Raum-Kontinuum treiben, was Barry alsbald leidvoll erfahren muss.
Much worse
Der junge Forensiker verhält sich bisweilen gar ein wenig zu naiv und registriert erst viel zu spät, dass Wells' Bemerkungen zum Thema Konsequenzen von Zeitreisen keine leeren Worte waren. Zwar hat er eine mögliche Katastrophe verhindert, jedoch hat dies zufolge, dass sich eine weitere ereignen wird, die womöglich noch weitaus größeren Schaden anrichten könnte - für Barry selbst und seine Nächsten.
Ein neues Problem stellt so zum Beispiel Barrys Beziehung zu Iris (Candice Patton) dar. Die beiden gestanden sich in Out of Time noch ihre Liebe und Barry denkt jetzt natürlich, dass es ein Einfaches ist, mit ihr zusammenzukommen. Weit gefehlt, denn ohne die dramatischen Ereignisse um Mardon und die emotionalen Entwicklungen zwischen Barry und Iris, die in der aktuellen Zeitlinie nie stattgefunden haben, wartet Barry vergeblich auf ein Liebesgeständnis von ihr. Vielmehr bekommt er einen ordentlichen Kinnhaken von Eddie (Rick Cosnett) verpasst, dem es gar nicht schmeckt, dass sich Barry so unverblümt an Iris ranschmeißt.
You shouldn't have done that
Barrys Verhalten mutet hier bisweilen tatsächlich etwas zu unvorsichtig und unbesorgt an. Jedoch wollen uns die Macher über seinen jugendlichen Leichtsinn auch unmissverständlich zeigen, dass eine Zeitreise kein Spiel ist, das man auf die leichte Schulter nehmen und in dem man nach eigenem Gutdünken die Zukunft zu seinen Gunsten beeinflussen kann. Barry steht nun mit leeren Händen da, die Beziehung zur selbstbewussten Linda (Malese Jow) hat er mit seiner Hoffnung auf Iris beendet, was nur die erste Quittung für sein unbedachtes Handeln ist. Und die nächste folgt auf dem Fuße.
Zwar konnte Barry nun Singh und auch Joe (Jesse L. Martin) retten, doch die Gegenwart ist nun derartig stark verändert, dass ein neues Drama vergleichbaren Ausmaßes nicht lange auf sich warten lässt. Ohne den Handlungsbogen um Mardon verschlägt es Cisco (Carlos Valdes) nun nämlich zum Geburtstag seines Bruders, was eine Kette von Ereignissen nach sich zieht, die letztendlich dazu führt, dass Cisco und sein Bruder von den zurückgekehrten Leonard Snart (Wentworth Miller), Mick Rory (Dominic Purcell) und Snarts Schwester Lisa (Peyton List) entführt werden.

Finito
Diesen Teil der Episode nehme ich eher mit gemischten Gefühlen auf, da sich hier einige der bereits zuvor erwähnten Probleme der Folge finden lassen. Zum einen wäre da die Einführung von Ciscos Bruder. Dieser war immer der Liebling seiner Eltern und stand mit Cisco in stetiger Konkurrenz. Die Beziehung der Brüder und die emotionale Wendung, die diese letztendlich nimmt, mag ihren Zweck im Großen und Ganzen erfüllen, etwas simpel bleibt sie dennoch. Hinzu kommt, dass mich das Drama um die Gebrüder Ramon nur wenig berührt, da es bisweilen doch recht klischeehaft und uninspiriert gestaltet ist.
Für ein wenig Wiedergutmachung kann derweil jedoch Wentworth Miller sorgen, der sich in seiner Rolle als Leonard Snart aka Captain Cold gemeinsam mit Mick Rory aka Heat Wave erneut daran versucht, Central City unter seine Kontrolle zu bringen. Millers Schauspiel ist wie immer eine Freude, darüber hinaus präsentiert sich die Figur gewohnt weitsichtig und kaltblütig, wie Ciscos Bruder schmerzhaft am eigenen Leib erfahren muss. Während sowohl Purcell als auch Neuzugang Peyton List ein wenig zu kurz kommen, macht Millers Darbietung als Snart Lust auf mehr, was unter anderem auch an der sehr konsequenten Figurenzeichnung des Charakters liegt.
Freeze or burn
Letztendlich ist Cisco - der sich zuvor von Lisa Snart noch um den kleinen Finger hat wickeln lassen - dazu gezwungen, für Cold und Co ein paar neue Waffen zu basteln, sonst kann er sich von seinem Bruder verabschieden. Nachdem auch Schwesterchen Lisa ein tödliches Schießeisen bekommen hat - was eine kleine Referenz zur Comicvorlage und Lisas Schurkenalias Golden Glider darstellt -, nehmen die Rogues eine Mafiafamilie aus Central City ins Visier, nur, um diese aus der Reserve zu locken und an deren Reichtümer zu kommen.
Bevor es jedoch zum großen Finale kommt, wird Cisco von Snart noch vor eine äußerst schwierige Entscheidung gestellt. Er und sein Bruder werden freigelassen, wenn Cisco eine Frage beantworten kann: Wer verbirgt sich hinter der Maske des Flash? Als Cisco wenig später in den S.T.A.R.-Labs aufschlägt und davon berichtet, dass Snart nun Barrys Geheimnis weiß, ist der junge Wissenschaftler am Boden zerstört. Barry gibt sich verständlicherweise selbst die Schuld, ist er doch dafür verantwortlich, dass Cisco vor diese schwierige Entscheidung gestellt wurde. Dieser möchte Team Flash derweil endgültig den Rücken kehren, wird jedoch in einer ansprechenden Rede von Wells zum Bleiben bewegt. In dieser Szene arbeiten die Autoren fast genau mit denselben Worten aus der letzten Episode, nur dass Cisco dieses Mal am Leben bleibt. Ein netter Kniff der Serienmacher.
Havoc
Etwas eigenartig mutet dann jedoch noch einmal die finale Konfrontation zwischen Barry und Snart an. Die Parallele der beiden Erzfeinde, dass sowohl Barry als auch Snart das tun, was sie am liebsten tun und Snart aus diesem Grund auch nicht so einfach mit seinen kriminellen Machenschaften aufhören kann, ist ein interessantes Detail. Generell wird hier das ohnehin schon interessante Charakterprofil von Snart gestärkt, jedoch ist es das Ende dieser Sequenz, das mich ein wenig aufregt. Schlussendlich will Barry Snart in Central City billigen, solange er es nicht auf Barrys Freunde und Familie abgesehen hat.
Dieser Deal scheint mir doch etwas zu unverantwortlich. Recht comicesk lässt man sich so etwas Spielraum, Snart und Co wieder auftauchen zu lassen, was sicherlich einige unterhaltsame Abenteuer nach sich ziehen könnte - man denke nur an die mannigfaltige Schurkengalerie des DC-Universums um „Flash“. Die Entscheidung, Snart einfach wieder laufen zu lassen, beißt sich jedoch mit Barrys neuem Sinn für Gerechtigkeit, auch wenn er seine Nächsten schützen will.

The story of the century
Nachdem dann dank Catelyn (Danielle Panabaker) noch eine passende Ausrede gefunden wurde, warum sich Barry in letzter Zeit so seltsam verhalten hat (die Nachwirkungen des Blitzschlags), stoßen die Macher noch die Geschichte an, die bisher im Hintergrund für viel Spannung gesorgt hat. Es geht um die Möglichkeit, dass Barry seinem Mentor Wells endlich auf die Schliche kommt und dessen Geheimnis lüftet. Journalist Mason Bridge (Roger Howarth) ist Wells dicht auf den Spuren und Barry sagt ihm sogar noch einmal persönlich, dass der Reporter seine Zeit nicht mit wilden Theorien hinsichtlich Wells verschwenden sollte. Bridge arbeitet dennoch weiter an dem Fall, was jedoch ein jähes Ende findet, als Wells in Reverse-Flash-Montur nicht nur Bridge umbringt, sondern auch dessen Nachforschungen vernichtet.
Bridges Vermisstenmeldung lässt bei Barry dann Zweifel aufkeimen, ob nicht mehr dahinterstecken könnte und der Journalist wirklich einer größeren Sache auf der Spur war, weshalb er nun mit seinem Leben bezahlen musste. Gemeinsam mit Joe will er sich den vielen Fragen ob Wells' Geheimniskrämerei annehmen, wodurch langsam der Weg zum Staffelfinale und der sehr wahrscheinlichen Konfrontation zwischen Flash und Reverse-Flash geebnet wird.
Fazit
Die Episode Rogue Time verdient sich letzten Endes eine solide Bewertung, nicht mehr und nicht weniger. Der Handlungsstrang um Barry wird konsequent weitererzählt und hat einige gelungene Verknüpfungen zu der alternativen Zeitlinie aus der vorangegangen Folge zu bieten. Die Nebenhandlung um Cisco und den Rogues gestaltet sich unterdessen oft etwas holprig, auch wenn man hier und da ein paar ordentliche Effekte sowie Action-set pieces einbaut. Am Ende des Tages lässt „Rogue Time“ jedoch einiges vermissen, um mich auf dramatischer Ebene voll und ganz zu erreichen sowie emotional komplett mitzureißen.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 25. März 2015The Flash 1x16 Trailer
(The Flash 1x16)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x16
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