The Flash 1x15

Was zur Hölle ist eben passiert? Der Abspann der aktuellen The Flash-Episode Out of Time flimmert noch über meinen Bildschirm und ich sitze ungläubig da, auf der Suche nach Worten, um das zu beschreiben, was ich gerade gesehen habe. Nach einer mehrwöchigen Pause im amerikanischen Fernsehen kehrt der The CW-Serienneustart mit einem gewaltigen Paukenschlag zurück. Er brennt dabei nicht nur ein Feuerwerk an Emotionen und Effekten ab, sondern sorgt zugleich für zahlreiche Momentaufnahmen, die einen in Schockstarre verfallen lassen.
Dabei gestaltet sich „Out of Time“ für mehr als die Hälfte seiner Laufzeit als recht gewöhnliche Episode, in der abermals ein Metahuman der Woche zum zentralen Antagonisten avanciert. Nach nur wenigen Minuten kommt man zu dem Schluss, dass uns hier eine geradlinige Rachegeschichte präsentiert wird, die vor allem den Fokus auf Joe (Jesse L. Martin) richtet. Doch wer nach gut 30 Minuten mit einer einfachen Lösung des Problems durch Barry aka The Flash (Grant Gustin) rechnet, ist schief gewickelt. Wie aus dem Nichts folgt eine dramatische Wendung auf die nächste und das Erzähltempo schnellt gewaltiger denn je in die Höhe. Das, was uns das Kreativteam hier als die 15. Episode ihres Formats serviert, geht bei anderen Serien als Staffelfinale durch.
My world, my time
Ehrlich zugegeben, bis zu ihrem letzten Drittel empfand ich „Out of Time“ als eine grundsolide Episode, in der einige Aspekte gut, andere wiederum etwas holprig gelöst wurden. Jedoch fehlte bis zu diesem Zeitpunkt zweifellos noch das gewisse Etwas, der besondere Kniff, der mich am Ende des Tages voll und ganz mitreißen kann. Manchmal sollte man jedoch vorsichtig mit den Dingen sein, die man sich wünscht...
Im Grunde genommen springen wir in „Out of Time“ zwischen drei verschiedenen Handlungssträngen hin und her, bis es schlussendlich zum großen Finale kommt. Zum einen beobachten wir Cisco (Carlos Valdes) dabei, wie er neuerliche Zweifel hinsichtlich seines Mentors Harrison Wells (Tom Cavanagh) bekommt, während auch die verzwickte Liebesgeschichte um Barry und Iris (Candice Patton) erneut Einzug hält. Die wesentliche Haupthandlung dreht sich jedoch um Joe und einen neuen Fiesling, der aus persönlichen Gründen Vergeltung sucht und es dabei auf den erfahrenen Polizisten des Central City Police Department abgesehen hat.

Two brothers
Die Autoren bauen hier eine Referenz zur Pilotepisode von „The Flash“ ein, als der impulsive Clyde Mardon (Chad Rook) mit seiner neuen Fähigkeit, das Wetter zu manipulieren, für Chaos sorgte und Barry zum allerersten Mal an seine Grenzen trieb. Zuvor schoss Mardon noch Joes Partner nieder, bis er letztendlich von Joe niedergestreckt wurde. Nun tritt dessen älterer Bruder Mark auf den Plan, der ebenfalls die Wetterlage zu seinen Gunsten beeinflussen kann, und will Joe ans Leder, um sich an ihm für den Tod seines Bruders zu rächen.
Die Handlung um den aus der Comicvorlage bekannten Weather Wizard läuft eher klassisch ab. Gastdarsteller Liam McIntyre, den einige Zuschauer vielleicht aus der Starz-Serie Spartacus kennen könnten, bekommt nur das Nötigste zu tun, um seiner Figur ein gefährliches Profil zu geben, was jedoch sehr effektiv gelingt. Dass Mardon immer weiter recht problemlos die Flucht gelingt, ist der Dramaturgie des Plots geschuldet und kann verziehen werden. Was diesen Teil der Episode wiederum recht interessant macht, ist die Figurenkonstellation zwischen Barry und Joe, die hier ausnahmsweise einmal die Rolle des jeweils anderen einnehmen.
Thinking clearly
Während wir Barry schon mehrmals als Typ Mensch kennengelernt haben, der sich unbedacht und blindlings in mögliche Gefahren stürzt, zeigt nun Joe erstmals diese Charakterzüge, was vor allem den dramatischen Umständen geschuldet ist, die sich nach dem Angriff Mardons auf die Polizeistation ergeben. Der sonst so beherrschte Joe lässt sich verständlicherweise von seinen Emotionen leiten. Die schwere Verletzung seines Vorgesetzten und Freundes Captain David Singh (Patrick Sabongui) macht ihn nicht nur rasend wütend, sondern auch unvorsichtig. So nimmt Barry die Position ein, in der wir normalerweise Joe sehen: Der junge Forensiker versucht, seinen Ziehvater zu beruhigen, wird jedoch nur als Beschützer von Iris abgestellt, während Joe Mark Mardon ein für alle Mal dingfest machen will.
Die Unvorsichtigkeit Joes mutet ein wenig seltsam an, was größtenteils daran liegt, dass wir ihn bisher selten so emotional befangen und mitgenommen gesehen haben. Aus diesem Grund ist sein impulsives Verhalten durchaus nachvollziehbar, auch wenn es natürlich extrem zweckdienlich für die Handlung und den finalen Showdown ist. Jesse L. Martin darf hier jedoch einmal seine etwas temperamentvollere Seite zeigen und tritt eindrucksvoll den Beweis an, dass er auch diese Art des Schauspiels beherrscht.
That was fun
Barry muss sich derweil mit den Strapazen seines Privatelebens herumschlagen, die nicht spurlos an ihm vorbeigehen. Eigentlich läuft es in seiner Beziehung mit Reporterin Linda (Malese Jow) ziemlich gut - ein unfreiwilliges Doppeldate mit Iris und Eddie (Rick Cosnett) beim Bowling könnte für Linda, Eddie und auch uns Zuschauer jedoch unangenehmer nicht sein. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Iris und Barry mehr als nur eine einfache Freundschaft verbindet und so gibt sich vor allem Linda keinen Illusionen hin. Eddie hält sich im Gespräch mit Iris ebenfalls nicht zurück und so bekommt man fast den Eindruck, der junge Detective könnte schon bald an seinen Arbeitskollegen geraten, sollte sich die angespannte Situation zwischen ihm, Iris und Barry nicht demnächst auflösen.

Brain freeze
Auch hier muss ich zugeben, dass der Handlungsstrang um die komplizierten Liebesgeschichten der verschiedenen Charaktere - wer was für wen empfindet, welche Konsequenzen die Eifersucht einzelner Figuren haben könnte - nicht wirklich zu meinen favorisierten Elementen in Out of Time gehört. Grundsätzlich kann ich die unterschiedlichen Positionen und Gefühlslagen gut nachvollziehen, wirklich überraschend kommt diese Entwicklung aber nicht. Man folgt hier doch einem recht einfachen Schema, auch wenn man konsequent weitermacht, wo das Liebesdilemma zwischen Barry und Iris aufgehört hatte.
So gibt es mit Sicherheit einige Kleinigkeiten in diesem sowie in dem Handlungsstrang um Joe (so zum Beispiel die mächtige Erfindung Ciscos, die Mardon Paroli bieten kann und McGuffin-esk eingeführt wird, aber trotz seiner Effektivität eigentlich nur einmal zum Einsatz kommt), die hier bemängelt werden können und angesprochen werden müssen. Gleichzeitig ist es dann jedoch hoch beeindruckend, wie es die Autoren binnen weniger Minuten schaffen, etwaige Schwächen der Episode vergessen zu machen und eine Lawine an mitreißenden Ereignissen loszutreten, die einen aus dem Staunen gar nicht mehr herauslassen.
Speed mirage
Der entscheidende Weg in Richtung „Grande Finale“ wird über die Nebenhandlung um Cisco eingeschlagen. Hier tun sich neue Fragen bezüglich Wells auf, nachdem Barry mit ihm und Caitlin (Danielle Panabaker) Informationen über dessen mögliche Mittäterschaft im Fall des spurlosen Verschwindens von Industriemagnat Simon Stagg (William Sadler) teilte (ursprünglich von Journalist Mason Bridge (Roger Howarth) und über Iris angestoßen).
Hinzu kommt die rätselhafte Fehlfunktion des speziellen „Käfigs“, den Team Flash für den man in the yellow suit konstruiert hatte, aus welchem dieser jedoch spielend leicht entkommen konnte und infolgedessen Wells brutal attackierte. Den Glauben an diesen hat Cisco nach wie vor nicht verloren, aber Joes Verdacht, der renommierte Wissenschaftler sei nicht derjenige, der er vorgibt zu sein, tangiert Cisco schon sichtlich. Während Caitlin Wells etwas hinhalten soll, will Cisco sich erneut dem Vorfall um den Reverse-Flash in den S.T.A.R. Labs widmen, um Antworten auf seine Fragen zu erhalten.
Jedoch steht ihm plötzlich Wells gegenüber, ohne Rollstuhl, und es fällt dem jungen Mastermind wie Schuppen von den Augen. In einer sehr dramatischen Szene, in der sowohl Carlos Valdes als auch Tom Cavanagh hervorragende Darbietungen abliefern, bringt Wells ein für alle Mal Licht ins Dunkel. Sein eigentlicher Name ist Eobard Thawn (das Alter Ego vom Reverse-Flash beziehungsweise Professor Zoom in der Comicvorlage), er ist in der Tat der man in the yellow suit und hat darüber hinaus Barrys Mutter getötet, obwohl er es eigentlich auf Barry selbst abgesehen hatte.
Durch eine Art optische Täuschung konnte er den Vorfall mit dem Reverse-Flash und ihm fingieren (auch Barry macht aufgrund seiner wachsenden Geschwindigkeit eine solche Erfahrung) und so in aller Ruhe weiter an seinem Plan arbeiten, der ihn zurück in seine Welt und Zeit bugsieren soll. Seit mehr als 15 Jahren steckt er in dieser Zeitlinie fest und Barrys Geschwindigkeit ist der Schlüssel dazu, dieser zu entkommen.
The sins of the father
Bei wem die Kinnlade noch nicht auf die Tischkante geknallt ist, der sollte spätestens dann völlig perplex sein, als Wells mit einem gezielten Schlag Cisco das Leben nimmt. Die väterlichen Gefühle für seinen Protegé kann Wells zuvor nicht abstreiten, doch für ihn ist Cisco schon lange tot, was darauf schließen lässt, dass Wells aus der Zukunft kommt und in der Vergangenheit feststeckt. Dies könnte wiederum bedeuten, dass er womöglich der Sohn (oder Enkel?) von Eddie Thawne sein könnte, zu dem er laut eigenen Angaben eine „entfernte Verwandtschaft“ besitzt.

Doch die Macher legen mit dieser Enthüllung erst richtig los, denn zeitgleich bahnt sich ein epischer Kampf zwischen Flash und dem Weather Wizard an, dem es gelungen ist, Joe unter seine Fittiche zu nehmen. Mardon möchte diesen nun leiden sehen und visiert dabei Tochter Iris an, die mit Barry zum vermeintlichen Aufenthaltsort von Joe eilt. Mardon, der seine übernatürlichen Kräfte weitaus besser als sein jüngerer Bruder beherrscht, beschwört einen gewaltigen Tsunami hervor, der auf Central City zurast und so hat Barry keine Zeit zu verlieren, um ihn aufzuhalten.
Die Autoren lassen dann aber noch eine weitere Bombe platzen, denn Barry verwandelt sich vor Iris' Augen zum schnellsten Mann der Welt. Zuvor gestehen sich die beiden sogar noch ihre gegenseitige Liebe, was nicht ganz überraschend kommt, in der Summe all dieser Vorkomnisse jedoch ebenfalls zu dem Ausmaß dieser Episode beiträgt. Während wir als Zuschauer die Fülle an großen Ereignissen irgendwie versuchen zu verarbeiten und richtig einzuordnen, rast Barry auch schon davon, um mit seiner abnormalen Geschwindigkeit eine Art Schutzwall zu errichten, der den Tsunami aufhalten soll. Barry bewegt sich schneller denn je und plötzlich durchbricht er das Zeit-Raum-Kontinuum und findet sich an einem Zeitpunkt vor all den turbulenten Ereignissen wieder, die somit allesamt noch nicht geschehen sind. Und wir sind fertig mit unseren Nerven.
Fazit
Wie bereits anfangs erwähnt, konnte ich zunächst nur schwer Worte finden, um das fantastische Finale von Out of Time angemessen zu beschreiben. Letztendlich spricht auch sehr viel Fanseele aus der Vergabe der bestmöglichen Wertung für diese Episode, denn die Verantwortlichen zaubern hier einen unvergesslichen Moment des Superheldendramas auf unsere Bildschirme. Er berührt, packt, macht einen fassungslos und bringt das Herz zum Rasen. So viel Subjektivität muss man mir als Rezensent in dieser Situation einfach einmal zugestehen, denn „Out of Time“ gehört letztendlich zu den besten Episoden des Formats - wenn es sich nicht sogar um die bis jetzt beste Episode überhaupt handelt.
Natürlich kann man sich auch viele Aspekte herauspicken, die man kritisieren sollte und vielleicht sogar muss. Ob nun der wizard's wand, der gegen Mardon am Ende sicherlich extrem hilfreich gewesen wäre oder die sich hinziehende „Will they, won't they?“-Dynamik zwischen Iris und Barry, ich habe mehrere Momentaufnahmen beschrieben, die sich vielleicht ein wenig unrund und verbesserungswürdig anfühlen. Dass dann jedoch unter anderem aufgrund einer sehr sehenswerten Effektarbeit, die stark mit einer aufwühlenden musikalischen Untermalung kombiniert wird, ein derartiges Brett von einer Episode abgeliefert wird, lässt mich viele valide Kritikpunkte ignorieren. Für mich als Serienfan und nicht nur Kritiker, der in „Out of Time“ schlussendlich in jeglicher Form emotional gepackt und fasziniert wurde, verdient sich diese Folge einfach die Bestwertung.
Trailer zur nächsten „The Flash“-Episode, „Rogue Time“ (1x16):
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 18. März 2015The Flash 1x15 Trailer
(The Flash 1x15)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x15
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