The Flash 1x18

Die erste Staffel des Superheldendramas The Flash geht langsam, aber sicher in seine Endphase. Bereits in der Episode Tricksters wartete man mit einer weiteren großen Enthüllung bezüglich Harrison Wells (Tom Cavanagh) auf. Bei ihm handelt es sich in Wirklichkeit um einen gewissen Eobard Thawne aus der Zukunft, der Barry (Grant Gustin) ans Leder will. Nun sorgen die Autoren in All-Star Team Up geschickt dafür, dass unterschwellig Spannung ob der nächsten Folgen aufgebaut wird, in denen sich die Ereignisse schon bald überschlagen könnten.
Im Zentrum der Episode steht diese Woche ein recht einfacher „Bösewicht der Woche“-Plot, der jetzt mit Sicherheit nicht zu den interessantesten Handlungssträngen gehört, die die Serie bisher hervorgebracht hat. Doch den Machern gelingt es hervorragend, die eigentlichen Stärken ihres Formats auszuspielen und somit etwaige Schwachpunkte clever zu kaschieren. Dank eines extrem sympathischen Casts, schönen Charaktermomenten und einem gewohnt flotten Erzähltempo sowie der richtigen Portion an düsterem foreshadowing für die Episoden, die in den nächsten Wochen auf uns warten, verdient sich „All-Star Team up“ am Ende des Tages eine überdurchschnittliche Wertung.
Bad times
Ein interessanter Aspekt der zweiten Hälfte der ersten Staffel von „The Flash“ ist zweifellos, dass das Format schon lange nicht mehr nur Spiel und Spaß ist, sondern bisweilen auch eine finsterere Wendung mit all den Ereignissen um Harrison Wells genommen hat. Wie es Felicity (Emily Bett Rickards) an einer Stelle der Episode bereits treffend beschreibt, war der Handlungsort Central City im Vergleich zu Oliver Queens (Stephen Amell) Heimatstadt Starling City immer etwas weniger dunkel und definitiv spaßiger. „All-Star Team up“ kann ohne Frage mit sehr vielen hoch amüsanten Zwischentönen dienen, die zum Unterhaltungswert der Folge beitragen. Auf der anderen Seite merkt man aber nicht nur vielen Figuren, sondern auch dem Format selbst an, dass die Zeiten ernster und besorgniserregender als jemals zuvor sind.

Incoming
Diese Entwicklung der Serie innerhalb ihrer ersten Staffel ist den Verantwortlichen vortrefflich gelungen. Als Zuschauer freut man sich immer wieder, wenn die wunderbare Chemie zwischen den Beteiligten zum Tragen kommt und die gewohnt lockerleichten Dialoge einem ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Nicht weniger freut man sich aber auch über die vielen undurchsichtigen Momente, die bisweilen sehr sorgenvoll stimmen können und die Spannung immer wieder in die Höhe treiben. Die Balance zwischen diesen beiden Elementen stimmt einfach und „All-Star Team up“ stellt letztendlich ein sehr gutes Beispiel dafür dar.
In „All-Star Team up“ kommt es abermals zu einem kleinen Crossover des Arrow- und „The Flash“-Universums. Oliver Queen aka The Arrow bleibt der Heimatstadt Barrys dieses Mal jedoch fern, dafür tritt erneut Felicity auf den Plan, die ihren Freund Ray Palmer (Brandon Routh) im Schlepptau hat. Dieser erhofft sich von Team Flash ein wenig Hilfe bezüglich seines Atom-Anzugs, der nach wie vor über einige Fehlfunktionen verfügt. Dass Ray in den Kampf gegen ein weiteres wissenschaftliches Genie hineingezogen wird, das Barry und Co stark zusetzt, hat sich der schwerreiche Industrielle und Erfinder wohl nicht träumen lassen.
The Atom lives
Spätestens am Ende der Episode wird deutlich, dass Brandon Routh und sein Charakter wie gemacht für das The-Flash-Serienuniversum sind. Ähnlich wie Felicity leistet er sich in All-Star Team up gleich mehrere eher unbeholfene Momente, die großen Spaß bereiten. Ob jetzt bei der äußerst zweideutigen Beschreibung der Probleme mit seinem speziellen Anzug oder im Zusammenspiel mit Nerd Cisco (Carlos Valdes) - Szenen wie diese lockern die Episode auf und sorgen für ein wohliges Gefühl beim Zuschauer. Man merkt den Darstellern einfach an, dass sie sich anscheinend auch auf privater Ebene sehr gut miteinander verstehen, was wiederum zum Charme der Serie beiträgt und viele Figuren sehr liebenswert macht.
Natürlich ist es ein schmaler Grat, auf dem man hier wandelt: Wie viel comic relief darf es sein, bevor es vielleicht ein wenig ins Lächerliche abdriftet? Hier gehen die Meinungen eventuell etwas auseinander. Doch für mein Empfinden treffen die Autoren - wie so oft - genau die richtigen Töne, so dass ich die vielen spaßigen Augenblicke überhaupt nicht als störend oder als „zu viel“ erachte, gerade weil sie eben auch ein willkommenes Kontrastprogramm zu der eher düsteren Seite dieser Folge darstellen.
Why did it have to be bees?
Während dieses sehr unterhaltsame Element der Episode - bekannte popkulturelle Anspielungen inbegriffen („Is that a bird? A plane?“; ein netter kleiner Wink, auch, weil Routh einst Superman im Film „Superman Returns“ gespielt hatte) - stark zur Kurzweiligkeit der Episode beiträgt, schwächelt diese hinsichtlich eines anderen Aspekts etwas. Die Handlung um den Schurken (oder besser: Schurkin) der Woche hat trotz einigen guten Einfällen nicht allzu viel zu bieten, was ein wenig schade ist.
Mit Emily Kinney (bekannt aus The Walking Dead) hat man sich eigentlich eine sehr solide Gastdarstellerin ins Boot geholt. Sie bekommt jedoch nicht wirklich den Raum zur Entfaltung, um ihrer Figur etwas mehr Tiefe zu verleihen. In ihrer Rolle als Brie Larvan aka Bug-Eyed Bandit (ein kleiner gender swap im Vergleich zur Comicvorlage, wo der DC-Bösewicht männlich ist und den Namen Bertram trägt) verfügt sie mit einem gewaltigen Schwarm an mechanischen Bienen zwar über eine interessante „Superkraft“, richtig zur Geltung kommt sie als Charakter jedoch nicht.

Mad scientist
Ihre hochgiftigen Roboterbienen, die eigentlich für agrarische Zwecke genutzt werden sollten, von ihr jedoch in eine gefährliche Waffe umfunktioniert wurden, bringen den flash kurz in arge Bedrängnis. Doch am Ende des Tages kann Larvan mithilfe Rays, dessen neuer Anzug - welcher gleich wieder beschädigt wird und durch Larvans Technologie verbessert werden soll - und Felicity zur Strecke gebracht werden. Das „Hackerduell“ zwischen Larvan und Felicity ist eine nette kleine Szene, jedoch merkt man hier auch, dass Kinneys Figur mit ihrer einfachen Rachemotivation recht oberflächlich gezeichnet ist und somit nicht ganz die Spannung aufgebaut werden kann, die sich die Verantwortlichen wohl erhofft hatten.
Insgesamt ist dieser Teil der Handlung solide, doch nicht weiter spektakulär, trotz einiger ordentlicher Effekte und Actionszenen. Die thematische Verknüpfung zwischen Barry und Larvan, die beide von Menschen verraten wurden, denen sie vertraut hatten, ist auch eher nur eine einfache Randnotiz. Es liegt nahe, dass Kinney ein weiteres Mal in ihre Rolle als Bug-Eyed Bandit schlüpfen wird. In gewisser Weise wurde sie nun als Art Erzfeind für Felicity eingeführt, bleibt dafür meiner Meinung nach aber leider etwas zu blass. Eventuell können die Autoren in naher Zukunft hier noch ein wenig nachjustieren.
Everyone but Iris
Doch wie bereits erwähnt steht All-Star Team up keinesfalls nur im Zeichen der guten Laune. Insbesondere über die Nebenhandlungen widmet man sich hier sehr ernsten Themen, die wiederum weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Hier greift die bereits angesprochene Stärke von The Flash, unterhaltsame, dynamische Actionkost und nachdenklich stimmendes, verheißungsvolles Drama geschickt unter einen Hut zu bringen. Da wäre zum Beispiel die Beziehung zwischen Iris und Eddie, die nach Barrys Enthüllung gegenüber Eddie als scharlachroter Speedster extrem problematisch geworden ist.
Ich finde es gut, dass Candice Patton und Rick Cosnett hier ihre eigene kleine Nebengeschichte bekommen, die nachvollziehbar konzipiert ist und durchaus Auswirkung auf die übergreifende Handlung haben könnte. Iris spürt, dass Eddie ihr etwas verheimlicht. Er wiederum steht selbst unter großer Belastung, nachdem er von Barrys Geheimnis erfahren hat. Iris pocht auf absolute Ehrlichkeit in deren Beziehung, was verständlich ist, doch gerade Joe (Jesse L. Martin) fordert von Eddie, nichts preiszugeben - auch, um Iris zu schützen.
Eddie merkt man seine schwierige Situation an, und die „Drohung“, dass Iris ihn verlassen könnte, sollte er ihr nicht die Wahrheit sagen, setzt ihm schwer zu. Zusätzlich baut man dann einen neuen potentiellen Konflikt zwischen Eddie und Barry auf, da ersterer letzteren nun die Schuld dafür geben könnte, dass seine Beziehung zu Iris langsam in die Brüche geht. Eine interessante neue Entwicklung, die weitere Spannung verspricht und gut zu der derzeitigen allgemeinen Lage passt, die ganz und gar nicht so rosig ist, wie es bisweilen den Anschein macht.
Loyalty
Am deutlichsten wird dieser Umstand in den Szenen mit Barry, der sich natürlich über den Besuch von Felicity freut, aber zurzeit mit seinen Theorien bezüglich Wells so viel um die Ohren hat, dass er sich sichtlich seltsam benimmt. Der sehr launische Einstieg in die Episode, als Barry in bekannter Manier Joe und Eddie bei ihrer Arbeit als Polizisten unter die Arme greift, ist schnell vergessen, merkt man doch, wie sehr der junge Forensiker daran zu knabbern hat, dass Wells womöglich der Mörder seiner Mutter ist. Der erfahrene Joe rät ihm zur Geduld und Barry überlegt, ob er Cisco und Caitlin (Danielle Panabaker) einweihen soll. Doch was, wenn diese beiden Wells verteidigen und aus seinen Freunden plötzlich neue Feinde werden?

A different person
Die Autoren entwerfen hier ein interessantes Dilemma für unsere Hauptfigur, das viele spannende Fragen aufwirft. Gleichzeitig bauen sie zahlreiche starke Charaktermomente ein, so zum Beispiel zwischen Barry und Felicity, die Barrys Kampf mit sich selbst und seinen nächsten Entscheidungen sehr gut untermauern. Wir befinden uns zweifellos in einer sehr spannenden Phase der ersten Staffel, in der sich allmählich verschiedene Fronten bilden und die finale Auseinandersetzung clever vorbereitet wird. Letztlich weihen Joe und Barry Caitlin und Cisco in deren Erkenntnisse bezüglich Wells ein, wobei gerade erstere nur schwer glauben kann, dass ihr Chef und Mentor der Reverse-Flash. Bei Cisco sieht dies jedoch ganz anders aus, hat er doch seltsame Träume, die ihm in letzter Zeit immer weider heimsuchen.
Diese enstammen der nichtig gewordenen Zeitlinie aus Out of Time, als Cisco von Wells umgebracht wurde. Dieser Aspekt sorgt ebenfalls für neue Spannung, genau wie viele weitere kleine Nuancen, die sich in „All-Star Team up“ finden lassen. Wells' verdächtige Blicke ob Barrys eigenartigen Verhaltens oder wie er beinahe aus seinem Rollstuhl aufsteht, bereiten dem Zuschauer ein durchaus ungutes Gefühl. Interessant ist darüber hinaus noch das Gespräch zwischen Barry und Mercury-Labs-Wissenschaftler Tina McGee (Amanda Pays), die Team Flash vor Larvan hatte retten können. McGee und Wells kannten sich bereits langer Zeit, doch nach dem Tod von Wells' Frau Tess veränderte er sich komplett. Wie wir wissen, steckte ab diesem Zeitpunkt Eboard Thawne in Wells' Körper.
Vielleicht gelingt es Barry und Co, diesem Geheimnis ebenfalls auf die Spur zu kommen und vielleicht besteht sogar noch Hoffnung für den ursprünglichen Wells, auch wenn sein Ende in Tricksters recht eindeutig war. Spekulationen über Spekulationen, doch eines ist jedenfalls sicher: Langeweile kennen die Serienmacher von „The Flash“ nicht.
Fazit
All-Star Team up funktioniert im Großen und Ganzen sehr gut als charmante Crossoverepisode sowie verheißungsvoller Vorgeschmack auf das, was wir am Ende der ersten Staffel von The Flash erwarten können. Ohne Frage haben die Autoren sicherlich noch ein paar große Überraschungen für uns in ihrem Köcher, während der spannende Aufbau zum Staffelfinale nach wie vor sehr gut gefällt.
Mit einer ordentlichen Prise Humor kommen hier die verschiedenen Darsteller wunderbar zur Geltung, von denen einige auch in eher dramatischen Momenten sehr zu überzeugen wissen (das Gespräch zwischen Iris und Barry, in dem er sie bezüglich Eddies seltsamen Verhaltens anflunkert, ist eine starke Momentaufnahme, in der Barry trotz der vorgetragenen Lüge aus seinem Herzen spricht). Der größte Kritikpunkt ist hier meines Erachtens nach die Handlung um den Fiesling der Woche, die diesem Handlungsstrang nicht wirklich ihren Stempel aufdrücken kann beziehungsweise darf. Ansonsten setzt „The Flash“ seine sehr gute erste Staffel unaufhaltsam fort.
Trailer zur „The Flash“-Episode 1x19, „Who Is Harrison Wells?“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 15. April 2015The Flash 1x18 Trailer
(The Flash 1x18)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x18
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