The Flash 1x13

The Flash 1x13

The Flash nimmt wieder Fahrt auf - und wie. In The Nuclear Man steht der Handlungsstrang um Firestorm prominenter denn je im Vordergrund, doch auch die Nebengeschichten der Episode können überzeugen. Eine äußerst runde Folge mit nur wenigen Makeln.

Caitlin (Danielle Panabaker), Barry (Grant Gustin) und Ronnie (Robbie Amell) in „The Nuclear Man“. / (c) The CW
Caitlin (Danielle Panabaker), Barry (Grant Gustin) und Ronnie (Robbie Amell) in „The Nuclear Man“. / (c) The CW

Nachdem die Serienmacher in Crazy for You meines Erachtens ein wenig die Zügel haben schleifen lassen, ziehen sie sie nun in The Nuclear Man wieder gehörig an. Man profitiert dabei von der gelungenen Vorbereitung der Firestorm-Storyline in einigen der bisherigen Episode der ersten Staffel von The Flash und erreicht nun den vorläufigen Höhepunkt dieser Geschichte. Dabei geizen die Macher weder mit emotional noch mit visuell sehr ansprechenden Szenen, die bisweilen recht episch anmuten und exzellent unterhalten können.

Darüber hinaus werden einige der bekannten Stärken des Formats ausgespielt, sei es die vielleicht nicht immer subtile, aber grundsätzlich clevere thematische Verknüpfung von verschiedenen Handlungssträngen oder auch der gute Einsatz der Nebencharaktere, die das Drama bereichern. Schwachpunkte lassen sich hier nur vereinzelt finden. Einige Fragen bleiben zum Beispiel unbeantwortet, außerdem gestalten sich einige wissenschaftlichen Erklärungen in „The Nuclear Man“ eventuell als ein wenig zu wirr. Dies tut dem Unterhaltungswert der Episode jedoch keinen großen Abbruch. Die Autoren streuen hier erneut hochinteressante Informationen hinsichtlich der staffelübergreifenden Handlung.

Moving too fast

Passend zum bevorstehenden Valentinstag am 14. Februar ist auch in „The Nuclear Man“ ein wenig Liebe in der Luft. Barry (Grant Gustin) hat großen Gefallen an seiner neuen Bekanntschaft Linda Park (Malese Jow) gefunden und verbringt eine wunderbare Zeit mit ihr - allerdings mit einigen Einschränkungen. Sein Doppelleben als vielbeschäftigter Forensiker und blitzschneller Retter in Personalunion stellt sich nämlich gerade während einer Verabredung mit Linda als äußerst strapaziös für den jungen Barry heraus. Es ist offensichtlich nicht leicht, diese beiden Aspekte in seinem Leben unter einen Hut zu bekommen.

Die Moral dieser Nebengeschichte ist schlussendlich, dass Barry bereit sein muss, Verpflichtungen einzugehen und zu diesen zu stehen - wenn es um eine Liebesbeziehung zu der smarten Linda geht, aber auch, wenn es um schwerwiegende Entscheidungen geht, die er im Rahmen seines Superheldendaseins treffen muss. Irgendwann wirft er Iris (Candice Patton), deren Gefühle für Barry doch noch sehr offensichtlich sind, vor, sie hätte seine Beziehung zu Linda beendet - für mich eine viel zu einfache Schuldzuweisung. Auch wenn sich Iris im Gespräch mit Linda vielleicht zu viel hat anmerken lassen: Barry trägt letztendlich selbst die Schuld am daran, dass die Beziehung beinahe scheitert. zum Ende kann er sie durch eine charmante Geste doch noch irgendwie retten.

Team Flash diskutiert das weitere Vorgehen im Fall Firestorm... © The CW
Team Flash diskutiert das weitere Vorgehen im Fall Firestorm... © The CW

Diese Bereitschaft, Opfer zu bringen und vielleicht unangenehme, aber notwendige Entscheidungen zu fällen, zieht sich wie ein roter Faden durch „The Nuclear Man“ und wird neben Barry auch von Caitlin (Danielle Panabaker) und Cisco (Carlos Valdes) abgearbeitet. Hier kommt abermals das Geschick der Autoren zum Tragen, die immer wieder kleine Parallelen zwischen ihren Figuren und deren oft getrennt voneinander ablaufenden Geschichten zeichnen. Letztendlich gewinnt The Flash dadurch nicht nur an thematischer Komplexität, sondern auch an emotionaler Tiefe, die uns als Zuschauer mitreißen kann.

Burning man

Es sind Nuancen wie diese, die die The CW-Serie mitunter sehr sehenswert machten und die meist gekonnt mit der wöchentlichen Haupthandlung in Einklang gebracht werden. In dieser dreht sich in „The Nuclear Man“ alles um Ronnie Raymond (Robbie Amell) aka Firestorm, der durch die Katastrophe um den explodierenden Teilchenbeschleuniger von Central City mit dem führenden Wissenschaftler Martin Stein (Victor Garber) verschmolzen ist, sich nun seinen Körper mit der Persönlichkeit Steins teilen muss und darüber hinaus über feurige Superkräfte verfügt.

Insbesondere bei Caitlin machte sich in den letzten Episoden ein wenig Hoffnung breit, dass ihr geliebter Verlobter vielleicht doch noch nicht verloren sei. Doch Ronnie stellt sich nun als instabile Gefahrenquelle heraus, die großes Unheil über die Stadt und ihre Bewohner bringen könnte. Erst im zweiten Anlauf kann Team Flash ihn davon überzeugen, sich helfen zu lassen - nur um wenig später feststellen zu müssen, dass die von Ronnie beziehungsweise Stein ausgehende Gefahr viel größer ist als anfangs angenommen.

Flame on

Zugegeben, ich habe mich doch sehr auf den Auftritt von Firestorm gefreut, der über seine bisherigen Szenen in der Serie hinausgeht. Auch wenn ich teilweise schon andere Stimmen gehört habe, ich persönlich bin sehr angetan von der visuellen Umsetzung der feurigen Zeitgenossen. Die Effektarbeit überzeugt mich hier voll und ganz, sowohl der kurze Kampf zwischen Flash und Firestorm als auch die bombastische Finalszene der Episode hinterlassen einen starken Eindruck bei mir. Die Darstellung der Feuerkräfte, diese phönixeske Visualisierung des markanten DC-Charakters, gefällt mir einfach gut und macht Lust auf mehr.

Auch der Charakter von Firestorm aka Ronnie Raymond beziehungsweise Martin Stein ist interessant gestaltet. Die Schizophrenie der Figur wird überzeugend eingefangen, ebenso das seelische Leid, das die beiden verschmolzenen Männer plagt, deren Leben sich drastisch verändert haben. Insbesondere in den Szenen mit Steins Frau Clarissa (Isabella Hofmann) und Caitlin entspinnen sich einige sehr gefühlvolle Momente, die dem Drama um Stein und Ronnie mehr Gewicht geben. Letztere steht zwar unmittelbar vor ihrer großen Liebe, doch Stein ist es, der die geistigen Kapazitäten von Ronnies Körper übernommen hat, was es für die junge Wissenschaftlerin nur noch um so tragischer macht.

Going nuclear

Die Geschichte um Firestorm nimmt letztendlich noch eine sehr dramatische Wendung, denn so gerne Barry und Co. Ronnie und Stein helfen wollen, die Struktur ihrer miteinander verschmolzenen Körper ist nach dem Aufeinandertreffen mit dem Flash extrem instabil. Ronnies Körper möchte mit aller Macht Martin Stein abstoßen. Dessen Partikel entwickeln eine unglaubliche Energie, sodass sich eine nukleare Katastrophe anbahnt, die Central City dem Erdboden gleichmachen könnte. Wells (Tom Cavanagh) ist jedoch bereit, ein Teil des Tachyon-Prototyps dafür zu verwenden, dieses Unglück zu verhindern. Dadurch torpediert er jedoch ein Stück weit seine eigenen, dubiosen Pläne, die einen bestimmten Zeitplan betreffen.

Caitlin (Danielle Panabaker) gemeinsam mit Ronnie (Robbie Amell) in %26bdquo;The Nuclear Man%26ldquo;. © The CW
Caitlin (Danielle Panabaker) gemeinsam mit Ronnie (Robbie Amell) in %26bdquo;The Nuclear Man%26ldquo;. © The CW

Hier nährt man durch eine simple Szene geschickt die Spekulationen um Wells und das Thema Zeitreisen, das in The Flash und Fankreisen schon ein paar mal die Runde machte. Etwas störend finde ich an diesem Teil der Handlung jediglich zwei Faktoren: Zum einen, dass sich niemand der Beteiligten fragt, woher Wells auf einmal eine mögliche Lösung des Firestorm-Problems hat - eine Frage, die man vielleicht jedoch erst in der nächsten Episode aufgreifen wird. Zum anderen kommt es hier auch zu reichlich wissenschaftlichen Gefasel, das der Laie einfach hinnehmen muss.

Speed dial

Diese Problematik gibt es in Serien mit wissenschaftlichen Hintergründen immer wieder, wobei ich den Machern von „The Flash“ keinesfalls unterstellen möchte, dass sie hier mit hanebüchenen Ideen herumjonglieren. Als Unwissender hinsichtlich der Materie kann ich dies nur schwer einschätzen. Dennoch überspringt man derartige Szenen gedanklich oft und filtert sich nur die wesentlichen Informationen heraus.

Auch Ciscos wissenschaftliche Ausführungen muten gelegentlich ein wenig wild und konfus an. Letzten Endes müssen wir als Zuschauer nur wissen, dass er in der Lage dazu ist, den Tathergang von Nora Allens Mord optisch über 3D-Projektion wiederzugeben. Die kleine Nebengeschichte um ihn und Joe (Jesse L. Martin) gefällt mir grundsätzlich jedoch sehr gut, da sich hier mal zwei Charaktere die Klinke in die Hand geben, die sonst eigentlich nicht allzu viel miteinander zu tun haben.

Keeping secrets

Joe bittet Cisco, etwas Licht ins Dunkel rund um den mysteriösen Tod von Barrys Mutter zu bringen. Das neue Duo macht Spaß, vor allem angesichts der sehr aufreizenden neuen Bewohnerin des alten Hauses der Familie Allen, die an Joe offensichtlich Gefallen gefunden hat. Gemeinsam liefern sie nicht nur den visuellen Beweis, dass sowohl ein gelber als auch ein roter Speedster am Tatort anwesend waren, sie entdecken darüber hinaus auch eine Blutspur. Joe möchte sie schnellstmöglich analysiert haben und denkt dabei an einen ganz bestimmten Name: Harrison Wells.

Joes Verdacht fußt natürlich nur auf Spekulationen und auf seinem Instinkt als Gesetzeshüter (natural police). Cisco dagegen kann die Anschuldigungen gegenüber Wells gar nicht gutheißen. Der sympathische Jungwissenschaftler ist seinem Mentor loyal ergeben und kann einfach nicht glauben, dass dieser etwas mit dem Mord an Barrys Mutter zu tun haben könnte. Auch Cisco steht somit vor der schwierigen Entscheidung, ob er sich einer Aufgabe verpflichten soll, die ihm persönlich überhaupt nicht schmeckt. Gleichzeitig weiß er aber auch, wie sehr der Tod der Mutter auf Barry lastet. Cisco will ihm helfen und führt schlussendlich die Blutanalyse durch, auch den Vergleich zu Wells. Dabei stoßen er und Joe auf ein neues Rätsel: Eine der Blutproben konnte nicht identifiziert werden, die andere gehört zu Barry. Dem erwachsenen Barry, wohlgemerkt.

Not freaky at all

Wie ist dies möglich, fragt man sich verständlicherweise. Erneut ertappt man sich bei dem Gedanken an das Thema Zeitreisen, oder gar beim Gedanken an die Theorie, dass Wells vielleicht eine weit bedeutendere Verbindung zu Barry hat als bisher angenommen. Zu wem das Blut des gelben Speedsters gehört, bleibt weiterhin im Verborgenen. Ich persönlich denke hier nach wie vor an einen ganz bestimmten Namen (an den einer uns bereits sehr gut bekannten Figur in der Serie), der in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Reverse-Flash aus den Comics steht. Wie dem auch sei, die Spannung um das große Mysterium der Staffel wird clever hochgehalten - etwas, das die Serienmacher zweifelsohne hervorragend beherrschen.

Joe (Jesse L. Martin) und Cisco (Carlos Valdes) ermitteln auf eigene Faust. © The CW
Joe (Jesse L. Martin) und Cisco (Carlos Valdes) ermitteln auf eigene Faust. © The CW

Nach dem großen Knall am Ende von The Nuclear Man, der das Schicksal von Firestorm im Ungewissen lässt (übrigens: die Kulisse, eine weitläufige Eislandschaft, kann sich durchaus sehen lassen), feiert dann noch Clancy Brown in seiner Rolle des undurchsichtigen US-Army-Generals Wade Eiling einen erneuten Auftritt. Er möchte sich allem Anschein nach Firestorm zu eigen machen, weshalb wir wohl davon ausgehen können, dass dieses Kapitel noch lange nicht abgeschlossen ist.

Fazit

The Nuclear Man überzeugt mich gleich auf mehreren Ebenen und leistet sich nur ganz wenige Fehler, die im Gesamtbild jedoch nicht besonders auffallen. Gründe dafür gibt es reichlich: die authentischen Darbietungen der Schauspieler, die effektive Verwebung einzelner Plotelemente oder die ansprechenden Optik der actionreichen Momente. Nicht nur, dass man sehr gut vom „Fall der Woche“ unterhalten wird, im Hintergrund wird weiter am zentralen Mysterium der Serie gearbeitet. Ein paar Abzüge in der B-Note verkraftet The Flash somit spielend leicht.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 11. Februar 2015

The Flash 1x13 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 13
(The Flash 1x13)
Deutscher Titel der Episode
Die lebende Bombe
Titel der Episode im Original
The Nuclear Man
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 10. Februar 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 18. Juni 2015
Autoren
Andrew Kreisberg, Katherine Walczak
Regisseur
Glen Winter

Schauspieler in der Episode The Flash 1x13

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