The Flash 1x12

Letzte Woche durften wir uns an einer sehr starken Episode der ersten Staffel von The Flash erfreuen. Dort wurden Harrison Wells (Tom Cavanagh) und die ihn umgebenden Geheimnisse prominent in den Vordergrund gerückt sowie die Geschichte um den Bösewicht der Woche geschickt in die Gesamthandlung eingewoben. Dieses Mal drücken die Macher in Crazy for You ein wenig auf die Bremse. Zwar greift man einige spannende Fragen auf, die in The Sound and the Fury aufgeworfen wurden, inbesondere mit Blick auf Caitlins (Danielle Panabaker) Verlobten Ronnie Raymond (Robbie Amell) aka Firestorm. Dennoch kann man nicht ganz den Schwung aus den letzten Folgen mitnehmen, wodurch sich die neue Episode insgesamt nur das Prädikat „solide“ verdient.
Dabei strotzt „Crazy for You“ gerade so vor unzähligen Charaktermomenten, denen ich ja zumeist sehr viel abgewinnen kann. Auch hier gibt es solche Szenen, die ans Herz gehen und in denen die Darsteller dramatisch überzeugen können. Andernseits fühlen sich ein paar von diesen Momentaufnahmen oft etwas zu einfach und plump dargebracht an. Darüber hinaus irritiert das Verhalten einiger Figuren hier und da. Auch der Handlungsstrang um den „Villain of the Week“ mutet mehr als einmal etwas seltsam und fragwürdig an. So schleichen sich ein paar eher ungewohnte Makel in „The Flash“ ein, die man im Großen und Ganzen zwar verzeihen kann, die Episode im Vergleich zu ihren Vorgängern aber etwas herunterziehen.
Moving on
In „Crazy for You“ nimmt das Thema Liebe sowie die Fähigkeit, einen Schlussstrich unter gewisse Ereignisse zu ziehen, eine zentrale Rolle ein. Dies sehen wir nicht nur an unserem Helden Barry (Grant Gustin) oder der zurückhaltenden Wissenschaftlerin Caitlin, sondern auch an unserer Antagonistin der Woche. Diese lässt sich aufgrund ihrer bedinungslosen Liebe zu ihrem inhaftierten Freund auf ein sehr gefährliches Spiel ein und wird letzten Endes von diesem im Stich gelassen. Aber, so sehr dies auch schmerzt, sie kann nicht aufhören, ihn zu lieben.
Die Autoren ziehen hier auf eine recht einfache Art und Weise Parallelen zu zwei unserer Hauptfiguren, Barry und Caitlin, die sich selbst schon in ähnlichen Dilemmata wiedergefunden haben. Barry schmachtete jahrelang Iris (Candice Patton) hinterher und, obwohl er das Thema eigentlich ad acta gelegt hat, spürt man nach wie vor, dass es ihm nicht besonders leichtfällt, einen endgültigen Abschluss zu finden. Bei Caitlin stellt sich dieses Problem noch etwas drastischer dar, was vor allem mit den tragischen Vorfällen um ihren Verlobten Ronnie zusammenhängt. Auch sie kann ihre Vergangenheit nicht hinter sich lassen und, so sehr sie es sich auch einredet, ihr ist deutlich anzusehen, dass sie stets mit den Gedanken bei ihrer verunglückten Liebe ist.

Not much of a drinker
Diese Art der thematischen Verknüpfung in „Crazy for You“ ist im Grunde genommen keine schlechte Idee, um einen roten Faden zu etablieren und die Charaktere weiter auszuarbeiten. Jedoch fehlt mir persönlich zum einen ein wenig die Ambition der Autoren, das Thema wirklich bei den Hörnern zu packen und nicht so simpel wie hier dargestellt zu behandeln. Hinzu kommt, dass uns die Gefühlslagen von Barry und Caitlin langsam, aber sicher mehr als bewusst sind und wir hier nur bedingt Neues zu sehen bekommen. Einfach zusammengefasst hatte ich mir von diesem Aspekt der Folge wohl schlichtweg etwas mehr erwartet.
Wiedergutmachung, wenn man es dann überhaupt so harsch nennen soll, leisten die Serienmacher dann jedoch mithilfe der auflockernden Szenen zwischen den beiden, in denen Gustin und Panabaker abermals zeigen dürfen, dass sie über eine wunderbare Chemie miteinander verfügen. Die Szenen in einer Karaokebar laden zwar gelegentlich zum Fremdschämen ein (Caitlin darf nie wieder ein Mikrofon in die Hand nehmen...), gestalten sich aber insgesamt sehr sympathisch. Hier versuchen zwei geschundene Seelen einfach, den Kopf freizubekommen, aus ihrem Schutzpanzer herauszuragen und eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Die etwas emotionaleren Szenen zwischen Barry und Caitlin, die eben nicht nur reinen comic relief-Charakter haben, hallen hier jedoch etwas mehr nach, da sie uns erneut einen tiefen Blick in das Befinden unserer Figuren geben.
Bomb shadow
Auch in Cisco (Carlos Valdes) rumort es in Crazy for You gewaltig, jedoch vor allem aufgrund alter Schuldgefühle. Er hat es sich immer noch nicht verziehen, dass Ronnie bei der Explosion des Teilchenbeschleunigers der S.T.A.R. Labs ums Leben gekommen ist und er dies vielleicht hätte verhindern können. Ebenso wie Caitlin ist Cisco nicht in der Lage dazu, loszulassen, weil er, seiner Ansicht nach, seiner Kollegin und guten Freundin etwas schuldig ist. Um diese Schuld zu begleichen, begibt sich der liebenswerte Technik-Afficionado (diese Woche im stylischen The Big Bang Theory-Fanshirt) jedoch selbst in große Gefahr, denn er lässt sich auf einen riskanten Handel mit dem schmierig-arroganten Hartley Rathaway (Andy Mientus) ein, der in The Sound and The Fury als Pied Piper noch für einiges an Chaos sorgte.
Das größte Problem an diesem Handlungsstrang ist, dass ein jeder Zuschauer bereits im Vorfeld weiß, wie dieser enden wird. Natürlich saugen wir die Informationen Hartleys zum mysteriösen Verschwinden von Dr. Martin Stein (Victor Garber) auf, genauso wie die für Ciscos neue Erkenntnisse aus der Videoaufnahme, die zeigen, dass Ronnie anscheinend mit Stein verschmolzen ist. Man spielt geschickt mit unseren Erwartungen und gibt uns nur kleine Happen, die uns hinsichtlich der Firestorm-Geschichte am Ball bleiben lassen. Dass Hartley am Ende jedoch die Flucht gelingt, ist leider viel zu absehbar und macht Cisco - der über ein paar heftige Kampffertigkeiten verfügt, die man ihm so nicht zugetraut hätte - zu einem Naivling, nur um die weitere Handlung spannend zu gestalten.
The right thing
Ob es einen clevereren Weg gegeben hätte, Cisco weniger naiv darzustellen und dasselbe Ergebnis mit dieser Nebenhandlung zu erreichen? Mit Sicherheit. Die Macher entscheiden sich hier jedoch für die zweckdienlichste Variante, was kein Weltuntergang ist, aber meinem Empfinden nach dennoch besser hätte gelöst werden können. Die Szene zum Ende hin, als Cisco die Wahrheit über Ronnies Tod einer sichtlich verkaterten Caitlin erzählt, gelingt wiederum gut, da sie das intakte Beziehungsgefüge unter den Figuren nachvollziehbar untermauert. Nur durch gegenseitiges Vertrauen und der Bereitschaft, sich helfen zu lassen sowie einander zu verzeihen, kann man seine persönlichen Dämonen hinter sich lassen.

Worth being crazy for
Etwas Kritik muss ich diese Woche, wie bereits angemerkt, an der Handlung um den Metahuman üben, die hier auftritt. Man bedient sich erneut an dem reichhaltigen Fundus an Flash-Antagonisten und führt mit Lashawn „Shawna“ Baez (Britne Oldford) eine Figur ein, die in den Comics das Alter Ego Peek-a-Boo trägt. Ihre Fähigkeit ist das Teleportieren, jedoch nur, wenn ihre Sicht nicht eingeschränkt ist. Über diese spezielle Superkraft holt man sich jedoch ein paar Probleme ins Boot, denn es gibt gleich mehrere Szenen, in denen die Einschränkung von Baez' Fähigkeit (sie muss sehen, wo sie sich hinteleportiert), über den Haufen geworfen wird und sie sich doch sehr frei dorthin teleportieren kann, wohin sie will.
Die offensichtliche Anleihe an der bekannten Geschichte um Bonnie & Clyde ist zwar ganz nett, so richtig Fahrt nimmt dieser Teil der Episode jedoch nie wirklich auf. Das erste Aufeinandertreffen zwischen Flash und Peek-a-Boo ist ziemlich unspektakulär. Der finale Kampf zwischen den beiden macht da schon deutlich mehr Laune, da Baez ihre Gabe durchaus geschickt einsetzt, auch wenn sie am Ende recht einfach in die Schranken gewiesen werden kann. In den bisherigen Episoden von The Flash gab es für meinen Geschmack jedoch einfach interessantere Gegenspieler, deren Kräfte nachvollziehbarer zur Schau gestellt wurden, weshalb ich hinsichtlich dieses Aspekts der Episode ein paar Abstriche machen muss.
Pulling a Shawshank
Weitaus mehr gefallen mir da schon verschiedene Nuancen von Crazy for You, die vor allem in den Nebenhandlungen zum Tragen kommen. John Wesley Shipp gibt sich mal wieder die Ehre als Barrys Vater Henry und darf in ein paar Szenen mit seinem jungen Schauspielkollegen glänzen. Während Barry und Joe (Jesse L. Martin) den mysteriösen Ausbruch von Baez' Freund untersuchen, möchte auch Papa Allen helfen und begibt sich so während seiner Informationssuche innerhalb des Hochsicherheitsgefängnisses „Iron Heights“ selbst in große Gefahr. Letztendlich wird er deswegen sogar angegriffen und landet im Krankenbett, sehr zur Sorge seines Sohnes.
Das abschließende Gespräch zwischen Barry und Henry, in dem schon klar erkennbar wird, dass letzerer eine gewisse Vermutung hat, wer sich wirklich hinter der Maske des Flash versteckt, gerät durch die tragende Musik vielleicht ein wenig zu pathetisch, dennoch kann man nur schwer leugnen, dass es sich hier um einen bewegenden Augenblick zwischen Vater und Sohn handelt. Den Serienmachern gelingt es auch hier, wie so oft, einer emotionalen Szene Gewicht zu verpassen und ihr Publikum damit zu erreichen.
Spooky action
Zusätzlich streut man wieder ein paar kleine Andeutungen und Mysterien ein, deren Auflösung sich noch als durchaus interessant erweisen könnte. Die Geschichte um Ronnie und Dr. Stein habe ich bereits erwähnt, mit der Figur der Linda Park tritt nun ein weiterer neuer Charakter in Erscheinung, er vor allem Comiclesern geläufig sein dürfte. Park (Malese Jow, in der Arrow-Episode Three Ghosts von Olivia Cheng verkörpert) arbeitet wie Iris bei Central City Picture News und avanciert hier zum potentiellen neuen love interest für Barry, was auch Iris nicht entgeht. In den Comics ist Linda Park wiederum die Freundin und spätere Frau von Wally West, der dritte Flash. Doch stellt sie wirklich nur eine mögliche neue Flamme für unseren Protagonisten dar? Man darf gespannt sein, was die Autoren noch mit diesem Charakter vorhaben. In „The Flash“ darf man sich bekanntermaßen nie allzu sicher sein.

Ein kleines Highlight erwartet die Zuschauer dann noch zum Ende der Episode, als zwei Kanalarbeiter in der Kanalisation von Central City einem Problem auf den Grund gehen. Dort erhaschen wir zunächst mehrfach den Namen „Grodd“ (an eine Wand gekritzelt) und dann werden die beiden Unglücksraben auch noch in einer wortwörtlich packenden Sequenz von einer dunklen Gestalt attackiert. Bei dieser handelt es sich zweifellos um den hochintelligenten Gorilla und Antagonist aus den „Flash“-Comics, dessen Auftritt bereits in Episode Plastique angeteasert wurde. Ich persönlich bin extrem gespannt, wie man diese Figur umsetzen wird und wann der unberechenbare Silberrücken gegen den schnellsten Mann der Welt antreten wird.
Fazit
Noch in der letzten Woche war es in The Sound and the Fury erfreulich, zu sehen, dass das Format auch von seinen starken Nebenfiguren und nicht nur von seinem titelgebenden Helden lebt. Nach Crazy for You muss man nun vielleicht die kleine Einschränkung machen, dass Charaktere wie Harrison Wells oder Joe West etwas stärker ziehen als zum Beispiel Caitlin oder Cisco. Das soll jedoch nicht bedeuten, dass die beiden letzteren komplett unter Wert verkauft werden und nichts taugen, sobald sie mal eine etwas zentralere Rolle einnehmen.
Man merkt jedoch, dass in „Crazy for You“ das Material für diese beiden Figuren etwas lasch ist. Dennoch gefallen hier die gewohnten Stärken der Serie, wie zum Beispiel die charmant-witzigen oder eher gefühlvolleren Szenen zwischen den Charakteren. Der Metahuman der Woche hat derweil leider nicht besonders viel zu bieten, jedoch sind es die kleinen, unscheinbaren Momente in „Crazy for You“, die hier das Ruder rumreißen können. Das flotte Tempo der letzten Wochen kann man zwar nicht halten, ingesamt liefert man jedoch eine solide Folge mit einigen spannenden Details (datunter Iris' Schnappschnuss vom Flash) und ordentlichem Unterhaltungswert ab.
Trailer zur „The Flash“-Episode 1x13, „The Nuclear Man“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 4. Februar 2015The Flash 1x12 Trailer
(The Flash 1x12)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x12
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