The Flash 1x11

Wir bewegen uns in The Flash weiterhin mit rasender Geschwindigkeit durch die spezifische Schurkengalerie der Comics um den schnellsten Mann der Welt. Nachdem in der Vorwoche noch Captain Cold (Wentworth Miller) und Heat Wave (Dominic Purcell) für eine sehr comichafte, jedoch hoch unterhaltsame Episode der neuen The CW-Serie sorgten, bekommen wir es in The Sound and the Fury mit einem von Flashs Widersachern zu tun, der bereits in Revenge of the Rogues angekündigt wurde: Pied Piper.
Dessen Alter Ego ist der begnadete junge Wissenschaftler Hartley Rathaway (Andy Mientus), der einst der Protegé von Harrison Wells (Tom Cavanagh) gewesen ist, von diesem jedoch verstoßen wurde und nun seine perfide Rache an dem Chefwissenschaftler der S.T.A.R. Labs plant. Dabei gestaltet sich die Handlung um Rathaway eher relativ simpel und gelegentlich recht vorhersehbar, dennoch bleibt der Plot unterhaltsam und kann mit ein paar netten Ideen aufwarten. Etwas ergiebiger gestaltet sich dahingegen erneut der Handlungsstrang um Harrison Wells, der gleich mehrere Szenen hat, in denen Darsteller Tom Cavanagh glänzen kann. Einige geheimnisvolle Momentaufnahmen halten die Spannung für zukünftige Folgen zusätzlich extrem hoch. Die Autoren machen auf diesem Weg erneut sehr viel richtig, wodurch einige schwächere Aspekte der Episode aufgewogen werden können.
A challenging personality
„The Sound and the Fury“ fühlt sich stellenweise wie eine Art Einzelepisode für den Charakter Harrison Wells an, der ganz bewusst von den Machern in den Fokus gerückt wird. Dabei geht seine Figurenzeichnung jedoch über seine im Verborgenen liegende dunkle Seite hinaus und zeigt ihn auch als einen sehr mitfühlenden und reumütigen Charakter. Das verschafft der Figur weitere Komplexität. Es ist wie immer hochinteressant, Cavanaghs nuancenreiches Schauspiel zu lesen und zu interpretieren, und selbst wenn man dem Wissenschaftler seine Aufrichtigkeit in vielen Szenen voll und ganz abkauft, es schwingt immer wieder ein mulmiges Gefühl mit, haben wir als Zuschauer doch schon einen Blick hinter seine Fassade erhaschen können.

Unser Bild von Wells wandelt sich in „The Sound and the Fury“ aufgrund einiger großen Gesten und feinen Züge ein wenig. Doch im gleichen Atemzug präsentieren uns die Serienmacher in einer eindeutigen Szene, dass es sich bei ihm tatsächlich um den Reverse-Flash handelt, der womöglich Barrys Mutter auf dem Gewissen hat. Letzte Woche formulierte ich diesen Fakt noch eher vorsichtig, hier wird er nun unmissverständlich bestätigt. Die roten Blitze, die wir sehen, als Wells eine kurze Sprinteinlage hinlegt, um sich zu retten, lassen hier kaum noch Zweifel übrig. Die Autoren treiben ein hervorragendes Spiel mit uns, als Zuschauer ist man selbst ganz hin- und hergerissen zwischen Sympathien für Wells und unheilvollen Vorahnungen, was dieser mit Barry noch vorhat.
Always a favorite
Mit dem Auftritt von Hartley Rathaway wird die Beziehung zwischen Wells zu vielen seiner Mitmenschen auf die Probe gestellt, was ein durchaus interessantes Resultat zur Folge hat. Zum einen erfahren wir etwas mehr über den Charakter Wells und dessen unzählige düstere Geheimnisse, zum anderen kommen die einzelnen Darsteller zum Zug und dürfen zum wiederholten Male den Beweis antreten, dass man sie zurecht für ihre Rolle besetzt hat.
The Prodigal Son
Die Rückkehr Rathaways nach Central City als Pied Piper steht weniger im Zeichen von atemberaubender Effektarbeit oder gigantischen Action-Setpieces, vielmehr löst der Auftritt des geschassten Genies einige spannende Konflikte unter unseren Figuren aus. Über ein paar Rückblicke lernen wir Rathaway als hochintelligenten, aber auch sehr arroganten und asozialen Zeitgenossen kennen, der einst eine wichtige Position in Wells' Team einnahm und zu den vielversprechendsten Wissenschaftlern seiner Zunft gehörte. Den Schaden, den er von dem Unglück um den Teilchenbeschleuniger davongetragen hat, sowie Wells skrupelloses und kaltherziges Verhalten samt Drohungen ihm gegenüber, als dieser nicht auf Rathaways Warnungen hörte, haben Hartleys Hass genährt, der nun kalkulierend Vergeltung sucht.
Insbesondere zwischen Cisco (Carlos Valdes) und Hartley kam es früher zu einigen verbalen Auseinandersetzungen, hielt sich Letzterer doch immer für etwas Besseres, während er Cisco im Gegenzug nicht viel zutraute. Auch in der Gegenwart geben sich die beiden nach ihrem Wiedersehen ordentlich Feuer, was einige sehr unterhaltsame Wortgefechte nach sich zieht, in denen einem Nerd Cisco nur noch weiter ans Herz wächst. Die Charakterisierung Hartleys gerät hier und da etwas einfach. Daran hat auch die klassisch simple Origin Story des Bösewichts ihren Anteil. Extrem problematisch ist dies jedoch nicht. Mit der sexuellen Ausrichtung des homosexuellen Hartley Rathaway geht man angenehm locker um, während man gleichzeitig keine Zweifel daran lässt, dass es sich hier um ein gefährliches Mastermind handelt, das immer einen Schritt voraus plant.
Discovered attack
Zugegeben, anfangs macht der Pied Piper in seiner visuellen Erscheinung noch einen recht seltsamen Eindruck. Auch die Kampfszenen zwischen ihm und The Flash sind vielleicht nicht ganz so mitreißend wie andere Auseinandersetzungen zuvor. Dies kann man jedoch mit einem recht ansehnlichen Finalkampf wieder gerade biegen, in dem Rathaway sein strategisches Naturell offenbart und letztendlich nur von Wells im wahrsten Sinne des Wortes schachmatt gesetzt werden kann, während Barry (Grant Gustin) trotz anfänglicher Vorteile und dem effizienten Einsatz seiner Fähigkeiten (ein Kritikpunkt, der schon des Öfteren aufkam) zuvor den Kürzeren gegenüber dem Pied Piper zog.

Mir persönlich sagt vor allem all das zu, was der Auftritt von Hartley Rathaway aka The Pied Piper bewirkt: Neue Zweifel gegenüber Wells (vor allem für Barry, der von Hartley aufgezeigt bekommt, dass Wells ihn eines Tages verraten wird), eine Art Vertrauensbruch zwischen ihm auf der einen und Barry, Caitlin (Danielle Panabaker) und Cisco auf der anderen Seit. Hinzu kommt eine notwendige Aussprache sowie Wells öffentliches Schuldeingeständnis, aus purer Ambition heraus unzählige Menschenleben aufs Spiel gesetzt zu haben. In diesen Punkten entfaltet The Flash sein dramatisches Potential und gibt uns viele sehenswerte Szenen, in denen die Figuren stark miteinander agieren, Konflikte lösen und Beziehungen ausbauen. Dadurch gewinnt das Format erneut an Tiefe, die Charaktere werden weiter ausgebaut und unser Interesse an ihnen steigt.
Efficiently done
Ein wenig Kritik muss dann hinsichtlich des Pied Piper dennoch sein. Denn auch wenn ich die oben genannten Aspekte sehr zu schätzen weiß - wie der Auftritt von Hartley in „The Sound and the Fury“ abläuft, ist stellenweise etwas zu uninspiriert. Daraus resultiert auch meine Kritik, dass sich die Handlung gelegentlich etwas vorhersehbar gestaltet. Wer ist wirklich überrascht, dass sich Hartley bewusst hat schnappen lassen, um seinen großen Plan in die Tat umzusetzen? Dies tut dem generellen Tempo und Unterhaltungswert der Episode zwar keinen Abbruch, unerwähnt sollte es aber dennoch nicht bleiben.
Mea culpa
Ein anderes Problem stellt für mich der Handlungsstrang um Iris (Candice Patton) dar. Zwar hat die Figur einen schweren Stand, da sie doch recht isoliert von all den anderen Charakteren und Geschehnissen ist. Das darf aber keine Entschuldigung sein, dass sich die Geschichte um ihren beruflicher Aufschwung ebenfalls als ein wenig zu einfach gestaltet. Nachdem sie ein Jobangebot einer großen Tageszeitung von Central City angenommen hat, erkennt sie dort recht schnell, dass man sie nur aufgrund ihrer angeblichen Verbindung zu The Flash eingestellt hat.
Als Bloggerin hat sie bei ihrem neuen Kollegen Mason Bridge (Roger Howarth) keinen guten Stand, letztendlich suggeriert man uns jedoch durch ihren toughen Auftritt auf der Pressekonferenz von Wells (der netterweise eine Frage zulässt), dass sie sich im Handumdrehen den Respekt ihres Vorgesetzten verdient hat. Wenn man Iris einen derartigen Handlungsstrang schon zuschustert, der mit Sicherheit noch in die Haupthandlung mit eingewoben wird, dann würde ich mir etwas Originelleres wünschen, als das, was man uns hier anbietet. So geht man doch etwas zu lieblos mit einer seiner Nebenfiguren um.
True endgame
Während man hier also für meinen Geschmack nachbessern muss, spielt man die Stärken des Formats andernorts gewohnt gekonnt aus. Diese umfassen zum Beispiel die Szenen zwischen Barry und Joe (Jesse L. Martin), von denen es in The Sound and the Fury zwar nicht besonders viele gibt, diese aber trotzdem dank der hervorragenden Chemie zwischen Gustin und Martin aufgehen. Als Barry einem sorgenvollen Joe versichert, dass ihn so schnell keiner ersetzen kann, geht einem schon ein wenig das Herz auf. Außerdem nährt das heimliche Treiben Joes, der weiter seine Zweifel gegenüber Wells hat und nun auch Eddie (Rick Cosnett) auf ihn ansetzt, die Spannung der Serie. Der Konflikt zwischen den Gegenpolen Wells und Joe, mit Barry zwischen diesen beiden Charakteren, verspricht zweifellos noch sehr interessant zu werden.

Darüber hinaus gelingt auch wie so oft das verheißungsvolle Foreshadowing, das die Autoren immer wieder gerne am Ende ihrer Episode einbauen. Zum einen werden wir wortwörtlich auf den baldigen Auftritt von Ronnie Raymond aka Firestorm (Robbie Amell) heiß gemacht, nachdem der inhaftierte Hartley Cisco verrät, dass er weiß, wo er sich befindet und wie man ihn retten kann. Zum anderen tritt zum Ende erneut Wells in Erscheinung, der zuvor bereits eine Art Schwächeanfall hatte. Über eine Apparatur versucht er seine Kräfte wieder aufzuladen, jedoch nur mit mittelmäßigem Erfolg. Ihm zufolge scheint das jedoch keine all zu große Rolle zu spielen, da sein Masterplan schon bald Realität werden wird. Wie dieser aussieht? Die Vermutung liegt nahe, dass Wells Barrys Kräfte für sich haben und absorbieren will. Wir erinnern uns an die Episode Power Outtage, in der angedeutet wurde, dass Wells die besonderen Energie-Absorptionsfähigkeiten von Farooq sich zu eigen machen könnte. So oder so, es bleibt hochspannend in „The Flash“.
Fazit
Es geht überzeugend weiter mit The Flash. Und auch wenn man in The Sound and the Fury ein paar Schwachpunkte ausmachen kann, das Gesamtpaket stimmt nach wie vor und kann spannende Fernsehunterhaltung mit sehenswerten Charakteren bieten. Tom Cavanagh sticht hier heraus, aber auch der restliche Cast schlägt sich ausgezeichnet - abgesehen von Candice Patton, die ein wenig am langen Arm verhungert. Der Auftritt des Pied Piper, dessen Arroganz und Selbstsicherheit gut von Gastdarsteller Andy Mientus dargebracht werden, zieht einige interessante Konsequenzen nach sich.
Dass Barry dabei mal nur die zweite Geige spielt, ist überhaupt kein Problem und eine nette Abwechslung, die zeigt, dass auch der Fokus auf die Nebenfiguren in „The Flash“ ergiebig sein kann. Gut wäre es, wenn man in nächster Zeit das Metahuman-Gefängnis im Inneren des stillgelegten Teilchenbeschleunigers thematisiert. Hier wirft man nämlich noch zu viele ungeklärte Fragen auf, die irgendwann auch Antworten benötigen. Ansonsten spielt man geschickt mit unseren Erwartungen und schraubt darüber hinaus clever an dem übergeordneten Mysterium der Geschichte. Die Abzüge in der B-Note kann das Format deshalb locker verkraften.
Trailer zur „The Flash“-Episode 1x12 „Crazy for You“:
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 28. Januar 2015The Flash 1x11 Trailer
(The Flash 1x11)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?