The Flash 1x10

Nachdem sich The Flash im Dezember letzten Jahres mit einem äußerst starken Midseason-Finale in seine wohlverdiente Weihnachtspause verabschiedete, hat das Warten auf neue Abenteuer des scharlachroten Speedster mit dem Start in die zweite Hälfte der ersten Staffel der The CW-Serie nun ein Ende. Revenge of the Rogues gestaltet sich dabei als eine unterhaltsame Episode, in der Comicfans sowie Zuschauer ohne etwaiges Vorwissen voll auf ihre Kosten kommen und mitfiebern, wie es der Flash fertig bringen wird, sich gegen ein neues Team von Superschurken zu beweisen.
Der Aufbau von „Revenge of the Rogues“ ähnelt sehr stark einer klassischen „Villain of the Week“-Episode, wobei im Hintergrund gekonnt einige serielle Elemente des Formats weitergesponnen werden, wodurch wiederum weniger präsente Geschichten der Nebenfiguren und die übergeordnete Handlung nicht vergessen werden. Hinsichtlich dem großen Höhepunkt der Folge erwartet man eventuell einen noch viel größeren Knall, als man es hier zu sehen bekommt, insgesamt überzeugt jedoch auch „Revenge of the Rogues“ und kann neben rasanten Actionsequenzen mit einigen feinfühligen Charaktermomenten dienen.
Bring it
Die Ereignisse um den Reverse-Flash - Ciscos (Carlos Valdes) toller neuer Name für den unbekannten Widersacher Barrys, was selbst Wells (Tom Cavanagh) zusagt (warum wohl?) - in der Episode The Man in the Yellow Suit haben deutlich Spuren bei Barry (Grant Gustin) hinterlassen, insbesondere im mentalen Bereich. Verbissen trainiert er gemeinsam mit seinem Team und lässt sich dabei von einer bis an die Zähne bewaffneten Drohne verfolgen, die Cisco steuert. Barry ist bereit, neue Opfer zu bringen und alles zu investieren, was von ihm verlangt wird, um noch stärker zu werden, seine Fähigkeiten besser kontrollieren zu können und letztendlich so dem Reverse-Flash als ebenbürtiger Gegner gegenübertreten zu können.
Gleich mehrfach fällt hier das Wort „Prioritäten“, welche Barry neu zu setzen scheint. Sehr zur Freude von Wells, der Barry weiter fordern will und ganz offensichtlich einen großen Plan verfolgt. Die Erkenntnis, dass er auf jeden Fall etwas mit dem Reverse-Flash zu tun hat oder gar selbst dieser ist (trotz der relativ eindeutigen Bilder in „The Man in the Yellow Suit“ möchte ich diese vermeintliche Tatsache lieber vorsichtig formulieren), lässt den Zuschauer abermals nichts Gutes mit Blick auf die Zukunft von Barry erahnen. Joe (Jesse L. Martin) bildet dabei den Gegenpart zu Wells, denn auch wenn Barry nun seine eigenen Entscheidungen trifft, der zwielichtige Wissenschaftler lenkt Barry bewusst in eine ganz bestimmte Richtung, was Joe keinesfalls entgangen ist.

A question of priorities
Denn während Barry sich voll und ganz auf sein Training und die Bedrohung durch den Reverse-Flash fokussieren will, könnte die Polizei die Hilfe des maskierten Helden dringend brauchen. Leonard Snart aka Captain Cold (Wentworth Miller) kehrt nämlich in die Stadt zurück und hat darüber hinaus einen nicht minder gefährlichen Mitstreiter im Schlepptau, von dem die Behörden noch gar nichts wissen. Was auch immer Snart plant, Barry könnte von großer Hilfe sein, diesen zu stoppen. Joe akzeptiert jedoch Barrys Entscheidung, auch wenn es ihm schon sehr auffällig vorkommt, dass der so hilfsbereite Forensiker hier nicht mit eingreifen will.
Jedoch beinhalten die Pläne Snarts nun mal The Flash höchstpersönlich, weshalb dieser sich früher oder später so oder so des frostigen Fieslings annehmen muss. Snart hat wie immer das bigger picture im Blick und beabsichtigt, The Flash ein- für allemal auf Eis zu legen, da der flinke Superheld sich in Zukunft immer wieder ihm entgegenstellen und eine Plage darstellen wird. Für dieses Unterfangen hat er sich ein neues Gesicht aus der Schurkengalerie DCs mit ins Boot geholt, den unberechenbaren Pyromanen Mick Rory (Dominic Purcell), Comickennern auch als Heat Wave bekannt. Diesen rüstete Cold mit einer ähnlich mächtigen Waffe wie sein Froststrahler aus, nur, dass Rorys Schießeisen einem handlichen Flammerwerfen ähnelt und zerströrerische Feuerstrahlen spuckt.
A real hothead
Das Schurkenduo Captain Cold und Heat Wave haben Serien- und Comicfans sicherlich schon mit Freude erwartet, nicht nur, weil sich mit Wentworth Miller und Dominic Purcell zwei alte Bekannte (beiden übernahmen die Hauptrollen im Gefängnisdrama Prison Break) die Ehre geben. Purcells Darbietung wirkte anfangs noch ein wenig hölzern auf mich, jedoch fängt er sich im Laufe der Episode und liefert schlussendlich ein paar wunderbar verrückte Momente ab, die tief in das labile Innenleben seiner Figur blicken lassen. Auf der anderen Seite haben wir den gewohnt kühlen und kalkulierenden Snart, lässig dargebracht von Miller, der schon bald erkennt, dass Rory harter Führung bedarf, da er wahrlich ein sehr hitziger und impulsiver Zeitgenosse ist.
Hier prallen zwei Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dies hat wiederum einige sehr interessante Augenblicke zwischen den beiden zur Folge, in denen Captain Cold letztendlich Heat Wave davon überzeugen kann, kurzfristige materielle Reichtümer zu ignorieren, um den Flash auszuschalten und in Zukunft ohne Gegenwehr über Central City walten zu können. Doch wie locken sie den (zweit)schnellsten Mann der Welt aus der Reserve?
Your true self
Barry hält sich weiterhin aus den Angelegenheiten der Polizei heraus, Cisco und Wells sichern dieser derweil aber ihre wissenschaftliche Unterstützung zu, indem sie ein spezielles taktisches Schild entwerfen, das resistent gegen die Froststrahlen von Snarts Waffe sind. Caitlin (Danielle Panabaker) widmet sich unterdessen ihren Nachforschungen bezüglich Ronnie und dem Wort „Firestorm“, das bei dem letzten überraschenden Aufeinandertreffen mit ihrem totgeglaubten Verlobten fiel. Etwas zufällig findet sie gemeinsam mit Barry dann heraus, dass es sich bei F.I.R.E.S.T.O.R.M. um eine Abkürzung handelt, die auf ein wissenschaftliches Projekt zum Thema Transmutation verweist. Caitlin geht dieser Spur nach und stößt so bald auf den Namen Martin Stein, der dieses Projekt zu verantworten hatte, jedoch schon seit längerer Zeit spurlos verschwunden ist.

Die Autoren nutzen diesen Handlungsstrang von Revenge of the Rogues, um uns schon einmal auf die zukünftige Rolle von Robbie Amells Ronnie Raymond aka Firestorm vorzubereiten, was ihnen recht geschmeidig gelingt. Dabei können wir auch einen ersten kleinen Blick auf den erfahrenen Schauspielrecken Victor Garber (beziehungsweise ein Foto von ihm) erhaschen, der Martin Stein spielen wird. Die Serienmacher werfen uns jedoch nur kleine Häppchen hin, was gut für die Spannung ist. Sie verlassen sich aus gutem Grund erneut auf die Chemie zwischen Gustin und Panabaker, deren Figuren eine vollwertige freundschaftliche Beziehung zueinander aufgebaut haben.
Charaktermomente wie diese tun dem Format immer wieder gut, gleichzeitig erfüllen sie nachvollziehbar die Funktion, das Drama ins Rollen zu bringen. Barrys neue Freundschaften haben ihn natürlich auch verwundbarer gemacht, und da Snart weiß, dass Caitlin gemeinsame Sache mit The Flash macht, entführen er und Rory kurzerhand diese, um The Flash vor keine andere Wahl zu stellen, als sich auf einen Kampf mit den beiden einzulassen.
A battle of Ice and Fire
Die besagte Auseinandersetzung zwischen The Flash, The Flame und The Frost findet dann auf offener Straße statt, was mich anfangs ein wenig irritiert hat. Ich hatte einen perfideren Plan der beiden Schurken erwartet, vor allem von Snart. Doch vielleicht spielt mir hier einfach meine persönliche Erwartungshaltung einen Streich. Außerdem wird der Grund, warum Snart so vorgeht wie er vorgeht, an späterer Stelle zumindest ein wenig erläutert. Wie dem auch sei, der effektreiche Kampf, in dem Captain Cold und Heat Wave wild um sich feuern und The Flash kaum Möglichkeiten geben, eine Verschnaufspause einzulegen, ist eine unterhaltsame Angelegenheit und endet mit dem erwarteten großen Knall.
Während Joe und Cisco Caitlin befreien können (was sich trotz versteckter Sprengfalle eher einfach gestaltet), versucht Barry, die beiden Strahlen von den Waffen Snarts und Rorys irgendwie zum Kreuzen zu bringen, wodurch sich deren Kräfte aufheben würden und der ganze Spuk ein Ende hätte. Apropos Spuk: Die nette „Ghostbusters“-Referenz („Nicht die Ströme kreuzen!“) steht mal wieder exemplarisch für den lockerleichten Charme, der in The Flash keinesfalls fehlen darf.
Durch einen riskanten Plan kann Barry dann Snart und Rory besiegen, wobei er zuvor noch Hilfe vom beherzten Eddie (Rick Cosnett) bekam. Für Captain Cold und Heat Wave folgt nun erst einmal ein Aufenthalt hinter schwedischen Gardinen, so zumindest der Plan der Behörden. Während Rory ziemlich angefressen ist und abermals sein psychische Instabilität zum Besten gibt, bleibt Snart sehr ruhig und kühl. Sein Plan ist mitnichten nach hinten losgegangen, wie er dem wütenden Rory mitteilt. Die Bewohner von Central City sind sich nun bewusst, dass der Flash wirklich existiert, was wiederum ein Teil von Snarts Masterplan war. Letztendlich wandern er und Rory nämlich nicht ins Kittchen ein, sondern werden von Snarts Schwester befreit, die verheißungsvoll angeteast wird und in naher Zukunft mit Sicherheit in Erscheinung treten wird. Hier lässt man sich die Tür für weitere Geschichten um Captain Cold und Heat Wave offen, so comichaft dieser Teil der Handlung auch sein mag.
Back to normal
Der Handlungsstrang, der in „Revenge of the Rogues“ am meisten ins Hintertreffen gerät, betrifft die Szenen um Barry und Iris (Candice Patton), sowie deren Auszug aus dem väterlichen Haus. Dabei sind diese Momente alles andere als störend, vielmehr gibt es einfach andere Szenen, die präsenter sind und prominenter behandelt werden. Diesem Teil der Folge kann man jedoch entnehmen, dass Barry erneut einen wichtigen Schritt in seiner Charakterentwicklung vollzogen hat. Er scheint es nun endgültig akzeptiert zu haben, dass es zwischen ihm und Iris nie mehr geben wird als die geschwisterliche Liebe, die bereits zwischen den beiden besteht.

Ich selbst bin zwar noch ein wenig skeptisch und könnte mir vorstellen, dass dieses Kapitel noch nicht ganz abgeschlossen ist, allein um des Dramas Willen. Jedoch ist es löblich, dass unsere Hauptfigur nun bereit ist, finale Entscheidungen zu treffen, die sich in den Augen anderer vielleicht auch mal nicht richtig anfühlen. Dies ist ein notwendiger Schritt in der Figurenzeichnung, der Barry nicht emotional kälter macht, sondern schlichtweg logisch ist. Dass er sich nach wie vor für seine Nächsten einsetzen und in neue Verantwortungen hineinwachsen wird, bezweifelt wohl niemand.
Fazit
Die Flash-Episode Revenge of the Rogues markiert einen guten und abwechslungsreichen Start ins neue Jahr, in dem zwei markante Schurken in Erscheinung treten, die unserem Helden die Anwendungen seines neuen Wissens abverlangen. Erneut geben sich rasante Actionsequenzen und charmante (zum Beispiel Joe und Barry am Ende der Episode) sowie gefühlvolle Momentaufnahmen die Klinke in die Hand.
Die Verantwortlichen machen weiterhin sehr viel richtig, und auch wenn ich unmittelbar nach der Sichtung der Episode nicht ganz sicher war, wie ich diese bewerten sollte, kam ich im Laufe der Auseinandersetzung mit „Revenge of the Rogues“ zu dem Schluss, dass es sich um eine durchaus sehenswerte Folge handelt, die viele Stärken des Formats vereint und gleichzeitig gekonnt auf mögliche Szenarien in zukünftigen Folgen verweist (ein gewisser Flötenspieler, der auf den Namen Hartley Rathaway hört, wird clever in Position gebracht). Insgesamt ein sehr gelungener Auftakt in die zweite Hälfte der ersten Staffel von The Flash.
Serientrailer zu The Flash 1x11 The Sound and the Fury
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 21. Januar 2015The Flash 1x10 Trailer
(The Flash 1x10)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?