The Flash 1x09

Nach dem Crossoverevent mit Arrow präsentieren uns die Serienmacher um Showrunner Greg Berlanti mit The Man in the Yellow Suit kurz vor der Weihnachtspause noch einmal einen gewaltigen Paukenschlag. Für diesen bekamen die Verantwortlichen sogar zwei Extraminuten vom Sender The CW geschenkt, da sie einfach nicht auf ein paar Szenen verzichten konnten und diese nach eigenen Aussagen niemals auf dem Boden des Schneideraums hätten landen dürfen.
Tatsächlich serviert man uns hier eine ganze Menge, sei es die Auflösung einiger offener Fragen, neue Mysterien oder ergiebige Interaktionen unter den Figuren. Mancherorts hätte man sich eventuell die eine oder andere Sache noch aufheben können, auf der anderen Seite macht diese Reichhaltigkeit auch einen großen Teil des Unterhaltungswerts des Formats aus. So rätselt man gerne selber mit, versetzt sich in die persönlichen Dilemmata der einzelnen Charaktere und folgt gespannt den verschiedenen Phasen der Handlung.
Catch me
Dabei werden wir bereits zu Beginn auf eine durchaus turbulente Episode eingestimmt, als wir ähnlich wie ein verdutzter älterer Herr, der gerade mit einer weihnachtlichen Lichterkette beschäftigt ist, The Flash und dessen geheimnisvolle Nemesis in Gelb bei einer Hetzjagd durch Central City beobachten. Kein Zweifel, Barry (Grant Gustin) wird dem Mörder seiner Mutter in dieser Folge gegenübertreten - doch wie wird sich dieses Aufeinandertreffen der beiden gestalten und welche Konsequenzen wird es haben?
Diese Fragen werden erst später beantwortet, die Geschichte setzt nämlich einen Tag zuvor ein. Es weihnachtet ziemlich schwer im Hause West und während Joe (Jesse L. Martin) voller Vorfreude ist, würde Barry am liebsten den Weihnachtsbaum auf seine Art und Weise schmücken, damit das Ganze etwas schneller geht. Der hausgemachte Eierpunch mit ordentlich Schuss hebt die Gemüter, wobei für Joe alsbald die Pflicht ruft und Iris (Candice Patton) die Abwesenheit ihres Vaters nutzt, um schon einmal ein paar Geschenke auszupacken.

Stuck here
Erneut kommt es für Barry zu einer eher unangenehmen Situation: Sein Geschenk für Iris (ein Replikat des verloren gegangenen Eherings ihrer Mutter) macht mehr als deutlich, wie viel sie ihm bedeutet. Eigentlich sollte Barry endlich an dem Punkt angekommen sein, mit Iris abzuschließen, doch er bringt es einfach nicht fertig. Diese leidvollen Liebesqualen ziehen sich nun schon ein paar Episoden hin, eine Lösung für diese wäre langsam der richtige Schritt. Und wie „The Man in the Yellow Suit“ später zeigt, wird Barrys Dilemma mit Iris auch endlich aufgelöst beziehungsweise direkt angegangen, was definitiv die richtige Entscheidung der Autoren ist und insbesondere der Figur Barrys guttut.
Irgendwann ist auch dieses emotionale Hin und Her Barrys erschöpft, umso wichtiger ist es, dass man nun womöglich den Absprung geschafft hat, indem Barry endlich die Wahrheit gegenüber Iris offenbart. Was Eddie (Rick Cosnett) schon längst vermutet hatte, bestätigt der junge Forensiker seiner heimlichen Jugendliebe nun von Angesicht zu Angesicht. Somit wird sich die Dynamik dieser beiden Charaktere sehr wahrscheinlich verändern. In welche Richtung es genau geht, wird sich noch zeigen müssen. Mit Blick auf die bisherigen Episoden gestaltete sich die Beziehung um Barry und Iris wohl nicht besonders überraschend und doch recht genretreu, dennoch muss man die Macher dafür loben, dass sie dieses Element mit dem richtigen Maß behandelt haben und meine anfängliche Zweifel ob des Liebesdreiecks zwischen Barry, Iris und Eddie glücklicherweise Lügen straften.
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Here to help
Während man also dieses Kapitel zumindest ein wenig ad acta legen kann, sorgt die Rückkehr des man in the yellow suit für zahlreiche neue Fragen und sehr interessante Entwicklungen hinsichtlich unserer Charaktere. Der unbekannte Fiesling weckt in Barry verständlicherweise eine enorme Wut, die letzteren beinahe zu erneut sehr impulsiven Handlungen verführt - wären da nicht Joe und Dr. Wells (Tom Cavanagh), die sich um den gelben speedster kümmern wollen und Barry aufgrund seiner emotionalen Befangenheit und zu seiner eigenen Sicherheit von diesem Vorhaben abhalten.
Um dies fertigzubringen, bastelt Team Flash an einer perfiden Falle: einem Kraftfeld, das den blitzschnellen Widersacher einfangen und in seine Schranken weisen soll. Als Köder benutzt man dafür einen Prototyp der Mercury Labs - die Konkurrenz der S.T.A.R. Labs vor dem Teilchenbeschleunigerunglück -, mit dem man superluminale Partikel (Tachyone) nutzbar machen und deren immense Energie für sich nutzen kann. Nach ein paar zackigen Wortgefechten und einer skrupellosen Drohung Barrys knickt die führende Forscherin Tina McGee ein und übergibt das Gerät an die S.T.A.R. Labs. Amanda Pays schlüpft hier abermals in ihre Rolle aus der „Flash“-Serie von 1990, in der sie ebenfalls Tina McGee mimte und eine wichtige Verbündete des schnellsten Mannes der Welt war. Nun hat man ihrer Rolle einen charmanten kleinen Twist gegeben und kann mit dieser netten Referenz durchaus punkten.
Burning man
Vor und während der Vorbereitung dieser Falle springen wir immer wieder zu Caitlin (Danielle Panabaker), die in „The Man with the Yellow Suit“ eine eigene kleine Nebenhandlung bekommt. So trifft sie nämlich völlig überraschend auf den von ihr tot geglaubten und äußerlich zersausten Ronnie (Robbie Amell), der eindrucksvoll seine feurigen Fertigkeiten unter Beweis stellt, jedoch einen sehr labilen Eindruck macht. Hoffnungsvoll macht sich Caitlin auf die Suche nach ihm und möchte Ronnie um jeden Preis helfen. Dessen Verlust hatte so unglaublich schwer auf ihr gelastet.
Danielle Panabaker bringt ihre emotionalen Szenen überzeugend rüber, auch ihr Schmerz ist nachvollziehbar. Jedoch birgt diese Geschichte um sie, Ronnie und dessen unerwartetes Auftauchen auch so viel Potential, sodass man damit wohl spielend leicht eine ganze Episode hätte gestalten können. Da in dieser Folge nun mal der Auftritt des man in the yellow suit im Vordergrund steht, kommt Caitlins Drama eventuell ein wenig zu kurz, auch wenn am Ende der Episode die Brücke zwischen Haupt- und Nebenhandlung geschlagen wird und Firestorm keine unwesentliche Rolle spielt.

Für manch einen ergeben sich eventuell so die bereits erwähnten Probleme im Aufbau der Episode, die sich zwar alles andere als überladen anfühlt, jedoch Material für mehr als nur eine Folge in sich trägt. Angesichts des Umstands, dass es sich hier um das Midseason-Finale handelt und man uns noch einmal die volle Ladung The Flash geben will, möchte ich mich auch gar nicht groß beschweren. Etwas mehr Zeit für Caitlin und Ronnie hätte ich dennoch sehr interessant gefunden, zumindest weitaus interessanter als die zahlreichen weihnachtlichen Momente, die vielleicht passend zur Jahreszeit sind, von denen es für meinen Geschmack aber ein paar zu viele in „The man in the Yellow Suit“ gibt.
My fight
Wovon ich wiederum nicht genug kriegen kann, sind die extrem starken Charaktermomente, die sich in dieser Episode finden lassen. Zum einen gibt es das Gespräch zwischen Barry und seinem inhaftierten Vater, in dem sich ersterer Vorwürfe macht, den Mörder seiner Mutter nicht geschnappt und so seinen Vater enttäuscht zu haben. Die beruhigenden Worte von Papa Allen für den Sohnemann sind herzlich schön, zu lange hat sich Barry sein Leben von dem man in the yellow suit diktieren lassen. Jetzt soll er endlich loslassen und sein Leben leben.
Auch der emotionale Appell Joes, Barry solle ihm zuliebe sein freudiges Gemüt bewahren und sich nicht von dem unbekannten Killer herunterziehen lassen, sitzt vortrefflich. Sowohl Jesse L. Martin als auch John Wesley Shipp drücken in diesen Szenen ordentlich auf die Tränendrüse, doch das emotionale Gewicht in diesen Augenblicken ist vollends greifbar, wodurch man sich als Zuschauer durchaus angesprochen fühlt. Ein Rückblick in die Kindheit von Barry und die Nacht der Tragödie verstärkt dann noch einmal die sehr nachdenkliche und tragische Komponente dieser Episode.
The reverse
Neben diesen sehr gelungenen emotionalen Sequenzen, die über die bisherige Staffel verteilt immer wieder voll ins Schwarze getroffen haben, bringen es Berlanti und Co aber auch spielend leicht fertig, den rapiden Wechsel zu hochspannenden Momenten zu meistern. In The Man in the Yellow Suit stehen die Duelle zwischen Flash und Reverse-Flash (dessen Name mehr als deutlich angedeutet wird) exemplarisch für diese Stärke des Formats. Barry ist zwar nur ein Spielball seines Gegenübers, die Hochgeschwindigkeitsscharmützel sorgen dennoch für eine Menge Spaß und Spannung.
Der finale Showdown, bei dem der man in the yellow suit Wells, Joe, Eddie und einigen Polizisten in die Falle tappt, stellt dann den Höhepunkt dar. Die Anspannung der Beteiligten in dieser Situation ist deutlich spürbar. Als Zuschauer fragt man sich, wie sich der flinke Bösewicht so einfach hat austricksen lassen, wobei man sich ziemlich sicher ist, dass dieser einen größeren Plan verfolgt und sich mit voller Absicht von dem Kraftfeld hat einfangen lassen. Aus diesem entkommt er auch wieder relativ schnell und schlägt dann noch äußerst heftig Wells zusammen, der wie Joe und Eddie den Vorfall überlebt, während Barry sich noch einmal in voller Montur dem Mörder seiner Mutter stellt. Erneut zieht er den Kürzeren und wird nur dank Firestorm vor Schlimmerem bewahrt, der sich dann ähnlich wie der man in the yellow suit (vorerst) verabschiedet.
One step ahead
Schlussendlich nutzen die Autoren dann noch die restliche Zeit, um ein charmantes Ende zu finden sowie ein paar wichtige Details einzubauen. So erzählt Joe Eddie von den Metahumans und bittet den jungen Detective um Stillschweigen in dieser Angelegenheit. Dass er vom man in the yellow suit verschont wurde, gibt erneut Anlass zu Spekulationen, ob Eddie in Zukunft nicht eine gänzlich andere Rolle spielen könnte. Auch Ciscos (Carlos Valdes) Bemerkung, dass in der Nacht der Ermordung von Barrys Mutter sowohl ein gelber als auch roter Blitz zu sehen waren, stimmt nachdenklich und wirft neuerliche Fragen auf.

Die größte Bombe platzt jedoch am Ende der Episode, nachdem wir das besinnliche Beisammensein von Team Flash und Freunden hinter uns gelassen haben. Wells befindet sich abermals in seinem Geheimraum und sofort schwenkt die Kamera auf dessen Hand, wo wir einen Ring mit Flash-Symbol erspähen. Mit diesem öffnet er einen geheimen Verschlag, in dem ein Glaskasten mit einer Büste für einen Anzug steht. Als er diese berührt, erscheint der gelbe Anzug des Reverse-Flash, womit sämtliche Zweifel (auch aufgrund Wells finsterer Stimme) zerstreut sind, dass Wells tatsächlich der man in the yellow suit ist.
Wie er die geschickte Finte inszeniert hat, in der er vom man in the yellow suit zusammengeschlagen wurde, um so letztendlich von sich abzulenken, bleibt rätselhaft (Stichwort Zeitreisen?). Die vielen Andeutungen und falschen Fährten der Autoren sowie Tom Cavanaghs nuancenreiches Schauspiel stellen sich so als perfekter Aufbau zu dieser abschließenden Szene im Mid Season-Finale von The Flash heraus. Was der Prototyp mit dem Anzug letztendlich anstellen wird, ob der man in the yellow suit nun noch mächtiger wird - das sind nur zwei von sehr vielen Fragen, mit denen man uns in die Weihnachtspause verabschiedet.
Fazit
The Man in the Yellow Suit stellt ein sehr gutes Mid Season-Finale des Serienneustarts The Flash dar. In diesem kommen noch einmal viele der Stärken des The CW-Formats zum Tragen. Mit einigen Dingen hätte man vielleicht etwas sparsamer umgehen können, alles in allem ist der Unterhaltungswert jedoch gewohnt hoch und nach so einem spannend inszenierten sowie verheißungsvollen Abschluss der ersten Staffelhälfte könnten die Erwartungen an die folgenden Episoden kaum höher sein.
Das erste Zwischenfazit zu „The Flash“ fällt somit äußerst positiv aus, Grant Gustin liefert noch einmal eine starke Darbietung ab, der seine Kollegen wie Jesse L. Martin, Danielle Panabaker oder Tom Cavanagh in nicht sehr viel nachstehen. So darf die Serie um den schnellsten Mann der Welt im neuen Jahr sehr gerne weitergehen.
Trailer zur nächsten Episode von The Flash, Revenge of the Rogues (1x10): Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 10. Dezember 2014The Flash 1x09 Trailer
(The Flash 1x09)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x09
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