The Flash 1x08

Bereits in der letzten Woche schwappten die ersten Kurzkritiken zum groß angelegten Crossoverevent der beiden The CW-Superheldenserien The Flash und Arrow über den großen Teich, nachdem Warner Bros. TV zu einer Pressevorführung eingeladen hatte. Nun kommt auch der gemeine Zuschauer in den Genuss dieser beiden Doppelfolgen, deren zweiter Teil in der Arrow-Episode (The Brave and the Bold) abgehandelt werden wird.
Zum Auftakt dieses Crossovers, namentlich Flash vs. Arrow, möchte ich vorweg nur so viel sagen: Die jeweiligen Serienmacher haben das Vorhaben mit Bravour gemeistert und eine sowohl extrem kurzweilige als auch für die Charaktere relevante Episode abgeliefert, die bis auf ein paar kleine Details nicht viel falsch macht. Besonders beeindruckend ist, dass es sich eben nicht nur um ein Fest für Fans und Comicleser handelt, sondern die Folge auch der übergreifenden Handlung von „The Flash“ und der Entwicklung seiner Hauptfigur dient. Die Balance zwischen diesen beiden Aspekten hat bereits zuvor eine der Stärken von „The Flash“ ausgemacht und es ist sehr erfreulich, zu sehen, dass man von dieser Methodik kein Stück abweicht.
For both of your sakes
Als Fan (und Kritiker) beider Formate versucht man natürlich immer, ein wenig seine Objektivität zu wahren. Doch allein die Vorstellung, dass man den schnellsten Mann der Welt mit dem maskierten Vigilanten von Starling City über zwei Episoden zusammenführen wird, stimmte mich doch sehr erwartungsvoll. Vor allem die großen Unterschiede zwischen diesen beiden Figuren sind ungemein interessant: Beide befinden sich an sehr verschiedenen Stellen in ihrem Leben, Barry (Grant Gustin) hat gerade erst seine unglaublichen Kräfte erhalten, während Ollie (Stephen Amell) schon über einen weitaus längeren Zeitraum als Rächer unterwegs ist und einen Prozess durchlaufen hat, der ihm bewusst machte, was für eine Verantwortung er wirklich trägt.
Umso erfreuter bin ich, dass genau diese Unterschiede zwischen Flash und Arrow eine wesentliche Rolle in „Flash vs. Arrow“ spielen und teilweise fantastisch von den Autoren illustriert werden. Über den sehr kurzen Auftritt eines mächtigen metahuman kommt es dann sogar zu einer Entwicklung, die die Differenzen zwischen den beiden nur noch vergrößert und einen Konflikt bedingt, der tief in Barry brodelt. Außerdem legt er seine wahren Gefühle offen, was wiederum in einem packenden Schlussakt kulminiert.

Nothing to get upset about
Doch fangen wir ganz vorne an: In „Flash vs. Arrow“ tritt gleich zu Beginn ein metahuman auf, der dank seiner Fähigkeit, Menschen und ihre wahren Gefühle problemlos zu manipulieren, spielend leicht eine Bank ausrauben kann. Barry kann zwar das Schlimmste noch verhindern, doch die speziellen Kräfte des skrupellosen Unbekannten und die Einordnung dieser Fähigkeiten in den thematischen Überbau werden noch einen wichtigen Teil dieser Episode ausmachen.
Das Interessante an dem metahuman der Woche ist aber, dass er eigentlich so gut wie gar keine Rolle spielt und seine Festnahme am Ende sogar off-screen geschieht. Er dient schlichtweg als geschicktes Hilfsmittel (ähnlich wie Farooq aus Power Outage), um Barrys Charakter eine neue Tiefe zu geben. Wie bereits in der Vorwoche gelingt dies ausgezeichnet, weshalb man die eher einfache Figurenzeichnung von Roy G. Bivolo (aka Rainbow Raider) voll und ganz akzeptieren kann. Der metahuman macht im Endeffekt nur eine entscheidende Sache, doch diese hat extrem interessante Folgen für die gesamte Episode und unsere Hauptfigur Barry selbst.
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Public menace
Dieser hat zu Beginn von Flash vs. Arrow nach wie vor mit etwas Liebeskummer ob Iris' (Candice Patton) Beziehung mit Eddie (Rick Cosnett) zu kämpfen. Was er jedoch nicht weiß, ist, dass sich zwischen diesen beiden ein Konflikt entspinnt, wodurch es beinahe zur Trennung kommt. Iris preist weiterhin den geheimnisvollen flash als Held der Stadt, während Eddie sehr skeptisch ist und ihn mehr als Gefahr sieht, weshalb er an einer Spezialeinheit gegen den maskierten Retter arbeitet.
Es fällt gleich mehrfach auf, dass Eddie überhaupt nicht von The Flash angetan ist, eine relativ deutliche Bildsprache (das Spiel mit Licht und die Positionierung Eddies im Schatten) lässt den jungen Detective gleich etwas finsterer erscheinen, wodurch man die Spekulation ob seines Namens und der Verbindung zu der Comicvorlage gleich wieder ein wenig anheizt.
Barry scheint unterdessen eine Chance zu wittern, vielleicht doch noch bei Iris zu landen, da sie so vernarrt in den flash ist. Caitlin (Danielle Panabaker) warnt Barry zwar noch, sich aus den Angelegenheiten von Iris und Eddie herauszuhalten, doch man erkennt schon einen kleinen Hoffnungsschimmer bei Barry. Das macht ihn wiederum ein wenig unsympathisch, da er in diesem Augenblick doch relativ egoistisch denkt. Natürlich können wir ihn und seine Gefühle nachvollziehen, doch eine mögliche Beziehung mit Iris würde nur Probleme mit sich bringen - eine Weisheit, die Ollie aus Erfahrung am Ende noch einmal mit Barry teilt.
Real anger
Doch genau solche Ratschläge sind es, die an Barry nagen und tief in ihm für eine gewaltige Wut sorgen, die sich letztendlich aufgrund der Kräfte von Bivolo entladen. Ständig bekommt Barry gesagt, was er zu tun hat, wie er sich verhalten muss, was er auf keinen Fall machen soll. Die zornigen Gefühle ob dieser ununterbrochenen Gängelungen von allen Seiten stauen sich immer mehr auf, was man Barry von Minute zu Minute immer deutlicher ansieht. Der Auftritt seines guten Freundes Ollie stellt sich trotz anfänglicher Hilfe so als entscheidender Tropfen heraus, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Eigentlich befindet sich Team Arrow in Central City, um den Eigentümer eines tödlichen Bumerangs (George Harkness aka Captain Boomerang (Nick Tarabay) aus der letzten Arrow-Episode) ausfindig zu machen. Ollie möchte auch nicht wirklich Barry bei seinem metahuman-Problem helfen, entscheidet sich aber letztendlich (auch, weil Felicity (Emily Bett Rickards) nicht nachgibt) doch dazu, Barry ein wenig unter die Arme zu greifen. So beschafft er den Namen des metahuman, was vielleicht einer der wenigen irritierenden Momente dieser Folge ist, da man doch davon ausgehen kann, dass die Polizei von Central City dies auch hätte fertigbringen können.

Running blind
Wesentlich wichtiger als das ist aber Ollies Funktion als Lehrmeister für Barry in dieser Folge. Hier bedient man genau das, was ich mir eingangs von diesem Crossoverevent erhofft hatte. Barry ist bisher sehr oft viel zu impulsiv vorgegangen und brachte sich damit unnötig in Gefahr. Ollie hat gelernt, auf seine Umgebung Acht zu geben und vorab Informationen einzuholen, um vorbereitet in den Kampf zu gehen. Diese Erfahrungen sind unbezahlbar und werden von Barry relativ naiv belächelt, bis Oliver ihm schmerzvoll vorführt, wie immens wertvoll seine Methodik ist.
Grant Gustin und Stephen Amell bilden ein exzellentes ungleiches Duo, das perfekt den krassen Kontrast zwischen diesen beiden Figuren transportieren kann. Hier trifft der lockerleichte und unbesorgte Forensiker auf den bitterernsten und disziplinierten Bogenschützen, was einige sehr charmante sowie amüsante Szenen zur Folge hat. Auch die jeweiligen Mitglieder von Team Flash und Team Arrow tragen zu dem großen Unterhaltungswert bei. Dabei dienen sie jedoch nicht nur als comic relief-Figuren, wie zum Beispiel Obernerd Cisco (Carlos Valdes) oder der total verdutzte Diggle (David Ramsey), sondern bereichern das Format auch mit Blick auf die emotionale Tiefe, siehe Caitlin oder auch Felicity.
Not the bad guy
Die bereits angesprochene Balance zwischen den sehr humoristischen Elementen (Diggles perplexer Gesichtsausdruck ob Barrys Fähigkeiten, Ciscos chaotisches Treiben in den S.T.A.R. Labs) sowie dem Ernst der Lage sowie das ungute Gefühl, das sich mit fortschreitender Laufzeit der Episode immer mehr manifestiert, sorgt einfach dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Ebenso verfolgt man oft mit einem breiten Grinsen auf den Lippen oder eben von der Spannung gepackt mit, was sich da gerade vor einem abspielt.
Den Höhepunkt markiert dann Barrys endgültiger emotionaler Ausbruch gegenüber Oliver und allen anderen, die ihm nahestehen. Von Bivolo beeinflusst lässt er seinen wahren Empfindungen freien Lauf, dabei ist es jedoch ganz wichtig, festzuhalten, dass diese Gefühle nicht von Bivolo in Barry hineingepflanzt wurden, sondern tatsächlich die innerliche Gefühlslage des flash darstellen. Die ganzen Lektionen Ollies zeigen nur, dass dieser eifersüchtig auf Barrys Fähigkeiten ist, während Barry selbst von seinem Neid gegenüber Eddie zerfressen wird. Bevor er jedoch letzterem Schlimmeres antun kann, stellt sich Ollie dem wie entfesselten Barry, um ihm Einhalt zu gebieten.
Experience versus speed
Die Darbietung Gustins zum Ende der Episode hat schon etwas sehr bedrohliches, was der Schauspieler gekonnt vermitteln kann. Der folgende Kampf zwischen Flash und Arrow reißt einen dann komplett mit, was vor allem an der ausgefeilten Choreografie und den tollen Effekten liegt. Hier kämpft die pure Erfahrung gegen eine nicht zu bremsende Geschwindigkeit, was selbst in den S.T.A.R. Labs für kleine Wettspielchen unter Diggle und Cisco sorgt, während Felicity um das Wohl von Oliver und Barry bangt.
Eindrucksvoll zeigt man uns, wie Ollie sein komplettes Repertoire abruft und ohne übernatürliche Fähigkeiten mit Barry mithalten kann, der aber durch sein wildes Anrennen auch zahlreiche Treffer bei seinem Gegenüber landen kann. Jedoch kann Ollie Barry aufhalten, da er eben gemeinsam mit Team Arrow und Team Flash einen Plan ausgeklügelt hat. Joe (Jesse L. Martin) und Wells (Tom Cavanagh), die beide zuvor noch große Bedenken wegen Arrow hatten und diesem mit guter Begründung nicht vertrauen wollten, eilen nun zur Hilfe und können durch ein grelles Farbenspektrum Barry wieder zum Guten bekehren.

Fazit
So gefährlich Barrys Ausraster auch war, so wichtig könnte er für seine weitere Entwicklung gewesen sein. Er erkennt zum einen, dass Ollie ihm nur helfen wollte und dass er einen guten Mittelweg finden muss, um weiter als Held für Recht und Ordnung zu sorgen. Dies erfordert nicht nur einzigartige Fähigkeiten, sondern auch einen kühlen Kopf und Disziplin seinerseits. Darüber hinaus stellt sich nach den Ereignissen Iris auf die Seite Eddies, was verständlich ist. Auch wenn dies nur schwer für Barry zu verdauen ist - es ist im Endeffekt eine wichtige und richtige Konsequenz.
Neben diesem sehr befriedigenden Abschluss der Handlung in Flash vs. Arrow bauen die Macher zum Ende noch ein paar interessante Elemente ein, die einige Fragen aufwerfen. Zum einen ist Wells' Position in diesem Spiel sehr spannend, da er nun die wahre Identität von Arrow kennt und anscheinend vorher nicht mit dieser Variable in seinen finsteren Plänen gerechnet hatte.
Darüber hinaus kann man noch einen Blick auf die Frau erhaschen, mit der Ollie ein uneheliches Kind hat, was in der laufenden Staffel von Arrow durchaus noch einmal zu einem großen Thema werden könnte. Und, um die Comicfans komplett aus der Fassung zu bringen, sehen wir dann noch einen überragend gestalteten Firestorm (Robbie Amell) am Ende der Episode, der jetzt schon Lust auf mehr macht.
Der erste Teil dieses Crossoverevents zwischen The Flash und „Arrow“ lässt in meinen Augen somit nicht viel zu wünschen übrig. Beide Figuren und ihre unterschiedlichen Charaktere werden stark miteinander kombiniert und in eine spannende Geschichte eingebaut. Das richtige Maß an Humor und Anspannung macht „Flash vs. Arrow“ zu einer sehr abwechslungsreichen, rasanten und extrem kurzweiligen Folge, an der es in meinen Augen - bis auf ein paar Kleinigkeiten - nicht viel zu meckern gibt. Nun heißt es abwarten, was der zweite Teil dieses Crossovers für uns bereithält.
Trailer zur nächsten Episode von The Flash, The Man in the Yellow Suit (1x09): Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 3. Dezember 2014The Flash 1x08 Trailer
(The Flash 1x08)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x08
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