The Flash 1x06

The Flash 1x06

In The Flash Is Born bekommt es Barry mit einem alten Erzfeind aus Kindertagen zu tun, jedoch gestaltet sich die Geschichte um diesen Widersacher größtenteils generisch. Dafür gibt es wieder einiges an Charakterentwicklung zu sehen sowie ein paar Nebenfiguren, die durchaus glänzen können.

Auf der Suche nach seinem ehemaligen Erzfeind: Grant Gustin als The Flash in „The Flash Is Born“ / (c) The CW
Auf der Suche nach seinem ehemaligen Erzfeind: Grant Gustin als The Flash in „The Flash Is Born“ / (c) The CW

Die Episode The Flash Is Born greift erneut das recht einfache Erzählschema des Bösewichts der Woche auf, wobei man eine kleine persönliche Note mit einfließen lässt, die zumindest dem Charakter unserer Hauptfigur zuträglich ist. Barrys (Grant Gustin) Gegenspieler in dieser Woche ist jedoch eher einfach gezeichnet und mehr ein Hilfsmittel, um Barrys steinigen Weg zum Superhelden darzustellen, als ein nachhaltiger Charakter mit starkem Profil zu sein.

Hinsichtlich dieses Aspekts von „The Flash Is Born“ lassen sich so ohne Frage einige Schwächen finden, jedoch bietet man uns im Gegenzug gleich mehrere interessante Charaktermomente unter den etablierten Figuren an, die etwaige Mängel dieser Folge aufwiegen können. Zwar deutet sich auch hier ein mögliches Problem für zukünftige Folgen an, aber Barrys Entwicklung wird nachvollziehbar vorangetrieben. Über den sehr gelungenen Nebenplot um Joe (Jesse L. Martin) und Dr. Wells (Tom Cavanagh) gelingt es außerdem, das Mysterium um den Tod von Barrys Mutter zu nähren und im Allgemeinen ordentlich Spannung aufzubauen.

What miracles look like

Im Gegensatz zu vorangegangen Episoden starten wir diese Woche nicht mit einem voice-over von Barry, sondern mit einer kleinen Ode und Danksagung an den streak von Iris (Candice Patton), die weiterhin eifrig in ihrem Blog über den maskierten Helden von Central City schreibt. Dieser macht ihr auch sogleich noch einmal seine Aufwartung und bedankt sich brav für diese lobenden Worte. Jedoch möchte er auch, dass sie sich nicht weiter mit ihm beschäftigt, da dies nur unnötige Gefahren für sie birgt.

Dieses Thema hat man bereits in der letzten Episode (Plastique) angesprochen und es wird auch hier mehrfach hervorgehoben. Da Iris aber nicht im Ansatz daran denkt, ihre Arbeit ruhen zu lassen, muss es früher oder später ja dazu kommen, dass sie zum Ziel einer der Gegner von Barry aka The Flash wird. So gerät sie in „The Flash Is Born“ ins Fadenkreuz eines alten Schulkameraden von ihr und Barry. Dieser hatte letzteren damals immer wieder drangsaliert und war nach einem Vorfall auf seiner Arbeitsstelle zu einem gefährlichen metahuman geworden.

Iris (Candice Patton) in den Händen von Rüpel Tony (Greg Finley) © The CW
Iris (Candice Patton) in den Händen von Rüpel Tony (Greg Finley) © The CW

Good friends are hard to find

Der Weg, den man hinsichtlich Iris' Figur einschlägt, wirkt bereits jetzt schon ein wenig vorgezeichnet: Ihre Arbeit als Bloggerin über The Flash wird sie wohl noch so einige Male in Bedrängnis bringen und folglich Barry auf den Plan rufen, der Iris dann irgendwie retten muss. Diese Formel könnte sich relativ schnell abnutzen, weshalb ich doch hoffe, dass man ein paar originelle Ideen bezüglich eines derartigen Storyelements in petto haben wird. Es ist natürlich noch recht früh, jetzt schon über diese Problematik zu urteilen. Daher bin ich doch eher interessiert, wie man die neue Dynamik zwischen Barry und Iris im Verlauf der weiteren Handlung behandeln wird und ob man trotz dieser geläufigen Trope spannende Geschichten erzählen kann.

Tony Woodward (Greg Finley) spricht gegenüber Iris nämlich genau das an, was Barry gehofft hatte zu vermeiden. Der ungemütliche Zeitgenosse, der sich binnen Millisekunden verhärten kann und so praktisch immun gegen äußere Angriffe wird, spürte Iris nämlich über ihren Blog zum streak auf. Tony möchte diesen wiederum ausschalten, um selbst ins Rampenlicht vorzurücken.

Big bad man

Für Barry stellt Tony eine äußerst gefährliche Herausforderung dar, was er bei dem ersten Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Schulbully deutlich zu spüren bekommt. Dieses verläuft eher schmerzhaft für Barry, der in der Folge weiter an seinen Fähigkeiten schrauben muss, um Gegner wie den eisenharten Tony aufzuhalten. Gemeinsam mit der vorsichtigen Caitlin (Danielle Panabaker) und dem euphorisierten Cisco (Carlos Valdes) arbeitet er an einer Lösung, seine Kräfte trotz fehlender Kampfausbildung gewinnbringend einzusetzen. So möchte er die einfachen Gesetze der Physik zu seinem Vorteil nutzen, um die nächste Stufe seines Heldendaseins zu erklimmen.

Die Szenen, in denen Barry mit seinem Team weiter seine Talente auslotet, markieren die gewohnt lockerleichten Momente von The Flash. Caitlin ist eher besorgt um Barrys gesundheitliche Verfassung und sie kann sich zahlreiche schnippische Kommentare gegenüber Kollege Cisco nicht verkneifen. Dieser bekommt leuchtende Augen bei dem Gedanken, dass Barry mit dem Durchbrechen der Schallmauer einen „Supersonic Punch“ durchführen könnte, mit dem er Tony höchstwahrscheinlich besiegen würde.

Zusätzlich zu diesen sehr unterhaltsamen Sequenzen, in denen die Dynamik unter den sympathischen Darstellern voll aufgeht, baut man in diesen Teil der Handlung die üblichen kleinen Referenzen ein, die nicht nur Comiclesern ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern. Ob es nun der mechanische Sparringspartner von Barry ist, der den vielsagenden Namen Girder (Tony Woodwards Comicalias) trägt oder auch der recht amüsante Seitenhieb auf DC-Ikone Superman, wenn Wells den feindseligen metahuman der Woche als „Man of Steel“ bezeichnet. Diese kleinen Einlagen und mehr oder minder offensichtlichen Anspielungen, darunter auch ein erneuter Hinweis auf einen baldigen Auftritt von Firestorm durch Iris, machen bereits jetzt schon einen integralen Teil von „The Flash“ aus, der immer wieder angenehm und nicht zu übertrieben vordergründig in die einzelne Folgen eingebaut wird.

Barry (Grant Gustin) bläst zum Angriff und nimmt gehörig Fahrt auf. © The CW
Barry (Grant Gustin) bläst zum Angriff und nimmt gehörig Fahrt auf. © The CW

Blowing off steam

Etwas ernster wird es da schon hinsichtlich Barrys Selbstzweifel, ob er Tonys Treiben überhaupt einen Riegel vorschieben kann und inwiefern ihn seine Vergangenheit mit dem Raubein belastet. Ein paar nützliche Ratschläge gewinnt er jedoch aus ein paar Kindheitserinnerungen, die uns über Rückblicke präsentiert werden. Joe nahm sich damals des verunsicherten Barrys an und gab diesem ein paar Tipps, wie er sich gegen stärkere Gegner zu Wehr setzen sollte. Vor der Gefahr zu fliehen ist immer eine Möglichkeit, doch vor allem mit Köpfchen könne man scheinbar übermächtigen Widersachern Einhalt gebieten. Ebenso sollte Barry sich nie von seinen Emotionen zu voreiligen Aktionen hinreißen lassen, was bis dato wohl eine der größten Schwachstellen des jungen Forensikers war.

Weitere Lektionen erhält Barry dann überraschenderweise von Eddie (Rick Cosnett), mit dem er in The Flash Is Born mehr Zeit als sonst verbringt. Eine gute Entscheidung der Autoren, wie ich finde, denn Gustin und Cosnett funktionieren gut miteinander. Barry, der Eddie zuvor aufgrund dessen Liaison zu Iris nicht besonders viel abgewinnen konnte, baut hier eine interessante Beziehung zu dem Polizisten auf, der einen sehr sympathischen Eindruck macht. Die spannende Frage ist natürlich, inwiefern man uns als Zuschauer hier ein wenig in die Irre führen will, da der Name Eddie Thawne alles andere als ein unbeschriebenes Blatt im „Flash“-Universum ist.

Bei Eddie Thawne handelt es sich nämlich eigentlich um das Alter Ego vom Reverse-Flash, der relativ eindeutig der mysteriöse man in yellow ist, dem sich Joe nun an die Fersen geheftet hat. Der erfahrene Polizist taucht immer tiefer in den rätselhaften Mordfall um Barrys Mutter und der Anomalie ein, die sowohl von Barry als auch von dessen Vater beschrieben wurde. Dafür wendet sich Joe an Wells, da er im Zuge seiner Nachforschungen einige interessante Verbindungen ausgemacht hat und eine derartige übernatürliche Erscheinung nur mit einem ähnlichen Vorfall wie der Explosion des Teilchenbeschleunigers verknüpfen kann.

Just two guys having a friendly drink

In dieser Nebengeschichte zwischen Joe und Wells, bei der ersterer sehr geschickt vorgeht und den Wissenschaftler so aus der Reserve locken will, geben sich die zwei vielleicht besten Darsteller des Formats die Klinke in die Hand. Insbesondere Cavanagh möchte ich abermals hervorheben, dessen unheilvolles Funkeln in seinen Augen, als Joe ihn zu den Vorfällen von damals befragt, einfach perfekt ist. Zusätzlich erhalten wir einige Informationen über die Vergangenheit von Wells, der in einem Autounfall seine Frau und Forschungspartnerin verloren hatte.

Joe rudert dementsprechend wieder etwas zurück und er und Wells verbleiben letztendlich freundlich miteinander. Doch die Autoren leisten gute Arbeit, gehörig Zweifel bei uns hinsichtlich der nebulösen Machenschaften von Wells zu streuen. Als Joe dann kurz nach seinem abschließenden Gespräch mit Wells vom man in yellow heimgesucht wird, ist man mit seinen Gedanken automatisch bei dem Wissenschaftler. Der man in yellow entwendet sämtliche Hinweise Joes und hinterlässt eine eindeutige Botschaft hinsichtlich des Wohlergehens seiner Tochter, sollte Joe weiterhin Nachforschungen betreiben. Dies stellt einen packenden Schlusspunkt dieses Handlungsbogens von The Flash Is Born dar, der micht gespannt in die Zukunft blicken lässt.

Bully then, bully now

Im Vergleich zu diesem sehr interessanten Teil der Folge schwächelt die Geschichte um Tony Woodward schon ein wenig, was vor allem an kleinen Details liegt, die in ihrer Summe ein paar Fragen aufwerfen. Warum Tony dem Flash nicht den Gnadenstoß gibt und glaubt, dieser sei, nachdem er von einem Regal begraben wurde, tot, mutet ein wenig naiv an, ebenso wie dessen recht banale Motivation, warum er für Chaos sorgt. Dabei dient diese Figur, wie bereits erwähnt, eigentlich nur Barrys Charakterentwicklung, anstatt selbst ein vollwertiger Charakter zu sein.

Tony (Greg Finley) lässt seinen Kräften freien Lauf. © The CW
Tony (Greg Finley) lässt seinen Kräften freien Lauf. © The CW

Die finale Auseinandersetzung der beiden, in der Barry die Weisheiten seiner Mitstreiter anwendet und zu einem gewaltigen Schlag ausholt, ist trotz deutlicher computergenerierter Effekte recht ansehnlich geraten. Der genannte Schlag holt Tony von seinen Beinen und letztendlich wird er in einer (anscheinend äußerst stabilen) Glaszelle eingesperrt und in den Resten des Teilchenbeschleunigers verwahrt. Dieses Gefängnis für die metahumans sollte demnächst etwas genauer thematisiert werden, denn es wirft einige Fragen auf. Ein Beispiel: Wie ist man überhaupt in der Lage dazu, die Bösewichte dort effektiv festzuhalten? Etwas komisch ist außerdem, dass Barry dann noch aus purer Genugtuung Tony sein wahres Gesicht zeigt. Ein wenig kann man den Gepeinigten ja verstehen, auf lange Sicht war es aber wohl nicht die klügste Entscheidung, seine Identität preiszugeben.

Fazit

So simpel die Auflösung um Tony aka Girder schlussendlich auch ist - es ist deutlich zu erkennen, dass die Serienmacher sehr strukturiert vorgehen und eine klare Idee verfolgen, welche wichtigen Schritte ihre Hauptfigur noch tätigen muss, um zur scharlachroten Ikone aufzusteigen. Dies gelingt nach wie vor sehr ordentlich und kann für viel Unterhaltung sorgen. Neben Barry dürfen auch zahlreiche andere Figuren den Episoden ihren Stempel aufdrücken, was reichlich Abwechslung und interessante Entwicklungen innerhalb der Handlung nach sich zieht.

Der Kritik hinsichtlich der „Villain of the Week“-Problematik wird man sich wohl noch mehrfach stellen müssen, da ging es Serienbruder Arrow zu Beginn nicht anders. So ergeben sich ein paar fragwürdige Momente, doch der Rest von The Flash überzeugt weiterhin. Die Erwartungshaltung wird hochgehalten und über kleine nuancierte Szenen werden zusätzlich spannende Spekulationen angeheizt. Der Name Flash scheint nun dank Iris und der fleißigen Mithilfe Barrys in Central City angekommen zu sein, und wir dürfen abwarten, was dieser neuerliche Umstand für Barry und Team Flash bedeuten wird.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 19. November 2014

The Flash 1x06 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 6
(The Flash 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Mann aus Stahl
Titel der Episode im Original
The Flash Is Born
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 18. November 2014 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 26. Februar 2015
Autoren
Jaime Paglia, Chris Rafferty
Regisseur
Millicent Shelton

Schauspieler in der Episode The Flash 1x06

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