The Flash 1x05

The Flash 1x05

Nach einer kleinen Pause kehrt The Flash mit einer weiteren sehr soliden Episode zurück. Dieses Mal wird ein zentraler Konflikt für jede Superheldenfigur thematisiert, ein neuer Gegenspieler eingeführt sowie ein etwas anderer Ansatz bezüglich des Metahuman der Woche gewählt.

Auf gute Freunde: Barry (Grant Gustin) gemeinsam mit Caitlin (Danielle Panabaker) und Cisco (Carlos Valdes) in „Plastique“ / (c) The CW
Auf gute Freunde: Barry (Grant Gustin) gemeinsam mit Caitlin (Danielle Panabaker) und Cisco (Carlos Valdes) in „Plastique“ / (c) The CW

Vor zwei Wochen konnte Wentworth Miller der Rolle des Leonard Snart aka Captain Cold Going Rogue noch seinen Stempel aufdrücken, woraus eine sehr überzeugende und unterhaltsame Episode resultierte. In der fünften Folge der ersten Staffel von The Flash wird das Tempo nun ein klein wenig zurückgefahren und mehr Wert auf die zwischenmenschlichen Interaktionen als auf extrem rasante Action-set pieces gesetzt.

Diese Entscheidung ist durchaus nachvollziehbar und beschert uns einige sehr interessante Charaktermomente. Gleichzeitig tun sich für mein Empfinden aber auch ein paar Probleme bei der Konstellation zwischen Barry (Grant Gustin) und Iris (Candice Patton) auf, wodurch die zahlreichen Szenen zwischen den beiden nicht immer voll und ganz aufgehen. Andererseits kann man abermals großen Gefallen an den verheißungsvollen und sehr düsteren Andeutungen für die Handlung zukünftiger Folgen finden, mit denen die Autoren nicht geizen und eine gesunde Spannung sowie Erwartungshaltung beim Zuschauer erzeugen.

By your side for a while

Team Flash hat nun gemeinsam einige Aufgaben gemeistert und einige gefährliche metahumans zur Strecke gebracht. Außerdem hat sich die Dynamik unter den einzelnen Teammitgliedern verfestigt und eine gewisse Figurenkonstellation etabliert. Hier scheint es fast so, als würde man uns in den Anfangsminuten von Plastique ein erstes kleines Resümee geben wollen. Barry kontempliert im gewohnten Voice-over-Monolog über den aktuellen Stand der Beziehung zu seinen neuen sowie alten Freunden.

Eine vollwertige Freundschaft zu Eddie (Rick Cosnett) ist dabei wohl nicht unbedingt sehr wahrscheinlich. Zu Caitlin (Danielle Panabaker) und Cisco (Carlos Valdes) hat er aber wiederum einen sehr guten Draht entwickelt, der auf beiderseitigem Vertrauen fußt und diese drei nicht nur zu einfachen Mitstreitern, sondern auch zu Trinkkumpanen macht, die einem Freund mit Rat und Tat zur Seite stehen. Inbesondere ersteres könnte Barry sehr gut gebrauchen, ist es doch erneut seine Beziehung zu Iris, die hier im Mittelpunkt des Interesses steht und zu einem der wesentlichen Elemente dieser Episode avanciert.

Lässt einfach nicht locker: Iris (Candice Patton) ist dem %26bdquo;Streak%26ldquo; nach wie vor auf den Fersen. © The CW
Lässt einfach nicht locker: Iris (Candice Patton) ist dem %26bdquo;Streak%26ldquo; nach wie vor auf den Fersen. © The CW

Is it that obvious?

Barry hat verständlicherweise weiterhin Gefühle für seine langjährige Freundin, doch mit dem Leben als Superheld wird er vor neue Probleme gestellt, die diese Beziehung aufs Glatteis legen könnten. Während Iris immer mehr Faszination für den geheimnisvollen streak aufbringt und sich Hals über Kopf in ihren neuen Blog stürzt, macht sich vor allem ihr Vater Sorgen, dass diese neuen Entwicklung kein gutes Ende nehmen könnten. Auch Barry teilt diese Befürchtungen, da feindselige metahumans relativ schnell Iris als ihr Zielobjekt auserwählen könnten.

Doch wie kann Barry Iris davon abhalten, weiter dem streak nachzujagen? Letztendlich bleibt ihm nur die Option, ihr die Wahrheit zu sagen, doch er befindet sich in einem klassischen Dilemma: Seine Liebe für Iris ist nicht von der Hand zu weisen, selbst ein Blinder würde dies erkennen. Wenn er jedoch seine wahre Identität preisgibt, könnte er die Situation nur noch verschärfen, außerdem möchte Joe (Jesse L. Martin) seiner Tochter dies auf keinen Fall zumuten. In einem Gespräch zwischen dem maskierten Barry (der dank der starken Vibration seiner Stimmbänder mit verstellter Stimme sprechen kann) und Iris wird dann wiederum auch noch ihre noble Absicht deutlich, dass sie eigentlich nur Barry helfen möchte, was es für den schnellsten Mann der Welt nicht einfacher macht.

Being supportive

Generell gefällt mir, wie man diesen für das Genre sehr klassischen Konflikt integriert und nachvollziehbar gestaltet. Andererseits habe ich nach wie vor ein kleines Problem mit der Darstellerin Candice Patton, deren Auftritte mir bis dato noch nicht voll und ganz zugesagt haben. Woran dies genau liegt, kann ich nur schwer sagen. Vielleicht ist es auch nur der Umstand, dass Gustin mit jeder anderem Darsteller dieser Serie eine weitaus bessere Chemie als mit Patton hat.

Trotz dieses Kritikpunkts erkenne ich aber an, dass dieser Teil der Handlung von Plastique ausreichend dramatische Substanz hat, um zu überzeugen. Die schlussendliche Übereinkunft zwischen Iris und Barry, sich erst einmal nicht mehr zu sehen, ist dazu konsequent und passend gewählt.

Favorite lab rat

Neben dieser recht ergiebigen Komponente von „Plastique“ treffen wir diese Woche auch erneut auf einen metahuman. Jedoch wählt man einen anderen Ansatz als noch in den ersten drei Episoden des Formats, in denen die mit übernatürlichen Kräften ausgestatteten Fieslinge einzig und allein böse Absichten verfolgten. Die titelgebende Plastique aka Bette Sans Souci (Kelly Frye) übernimmt dabei weniger die Täter- als die Opferrolle, obwohl sie einmal kurz davor ist, aus ihrem Zorn und ihrer Verzweiflung heraus einem anderen Menschen Leid zuzufügen.

Anstelle ihr den Garaus zu machen, möchte Team Flash der jungen Dame jedoch einfach nur helfen, ganz ähnlich wie Wells (Tom Cavanagh) und Co es bei Barry getan hatten. Bettes Fähigkeiten, durch einfache Berührungen gewaltige Explosionen auszulösen, birgt aber große Gefahren. Nicht nur, weil sie diese Kräfte nicht kontrollieren kann, sondern auch, weil schon ein neuer Gegenspieler in den Startlöchern steht, der ein Risiko für Barry und seine Mitstreiter darstellen könnte.

Explosiv wider Willen: Bette Sans Souci (Kelly Frye) © The CW
Explosiv wider Willen: Bette Sans Souci (Kelly Frye) © The CW

My asset

Bei diesem handelt es sich um General Wade Eiling, verkörpert von Clancy Brown, dessen natürliche Autorität für diese Rolle passender nicht sein könnte. Eiling nimmt Joe relativ fix den mysteriösen Fall um ein Bombenattentat ab, um so letztendlich vertuschen zu können, dass jemand aus seinen eigenen Reihen ausgebüxt ist und nun für Furore sorgt. Dieser jemand ist nun mal die Sprengstoffexpertin und Afghanistan-Veteranin Bette, die nach einer Explosion im Kriegsgebiet ein Schrapnell in ihrem Körper hatte. Das wiederum verschmolz nach der Zerstörung des Teilchenbeschleunigers mit ihren Zellen und gab ihr so ihre neuen, tödlichen Fähigkeiten.

Die Entstehungsgeschichte dieser Kräfte mutet ein wenig schwammig an, jedoch kann ich darüber hinwegsehen, da man Bette als metahuman eben nicht zum Antagonisten der Woche macht. Vielmehr baut man Eiling als finsteren Zeitgenossen auf, der bei dem Gedanken, metahumans zu Waffen zu machen, leuchtende Augen bekommt. Auch seine Verbindung zu Wells, die beide vor einigen Jahren bereits an einem dubiosen Militärprojekt arbeiteten, erzeugt Spannung und lässt uns nur erahnen, was für schauerliche Geheimnisse im Dunkeln verborgen liegen.

Nothing is impossible

Hier greifen die Autoren wie so oft auf das schier unerschöpfliche DC-Universum zurück, was bei einigen Comicfans sicherlich für ein paar schöne Momente sorgen kann. Die Figur der Plastique, die in den Comics mehr als Schurkin klassifiziert wird, wird ein wenig abgeändert präsentiert, jedoch fühlt sich dieser Ansatz frisch an. Auch Eiling ist ein bekanntes Gesicht aus den Comics, das es in früheren Ausgaben vor allem mit der Justice League und Captain Atom zu tun bekommen hatte. Dieser Captain Atom war wiederum mit Plastique liiert, wodurch man aus den ganzen kleinen Referenzen (auch Firestorm musste sich in den Comics mit der explosiven Schurkin messen) einen netten Bogen spannen kann, der Comicfans zweifellos anspricht.

Am meisten dürften sich diese aber wohl angesichts der Schlussszene gefreut haben, in der das Ergebnis eines von Wells' Experimenten unmissverständlich angedeutet wird. Eiling wusste nämlich schon damals ganz genau über das fragwürdige Treiben des Wissenschaftlers Bescheid. So erhaschen wir einen kurzen Blick auf einen Käfig, der das Namensschild „Grodd“ trägt und in dem die Umrisse eines Affens zu erkennen sind. Es handelt sich hierbei natürlich um den hyperintelligenten Gorilla, der einen prestigeträchtigen Bösewicht im Flash-Universum darstellt. Wann der einzigartige Primat, dessen origin story womöglich ein wenig von der Comicvorlage abweichen wird, seinen großen Auftritt feiern wird, wird sich im Laufe der ersten Staffel aber erst noch zeigen müssen.

Know your duty

Das deutliche Säbelrasseln zwischen Wells und Eiling sorgt im Allgemeinen für einige spannungsreiche Momentaufnahmen - und vor allem Tom Cavanagh zeigt abermals, dass er die zwei Seiten seines Charakters sehr gut vermitteln kann. Auf der einen Seite ist er eine Art Ziehvater und Unterstützer Barrys, auf der anderen Seite manipuliert er Bette dahingehend, Eiling zu ermorden, um so ungestört seine eigenen Pläne weiterverfolgen zu können.

Neuer Gegenspieler: der undurchsichtige Army-General Wade Eiling (Clancy Brown) © The CW
Neuer Gegenspieler: der undurchsichtige Army-General Wade Eiling (Clancy Brown) © The CW

Bettes Angriff auf Eiling und seine Mannen stellt dann den Höhepunkt der Episode heraus, obwohl dieser im ersten Augenblick für mein Empfinden doch ein wenig dürftig ausfällt. Jedoch kann man dies mit einem visuellen Leckerbissen ausgleichen, als Barry die von Eiling erschossene Bette auf das offene Meer herausträgt, um Central City vor einer furchtbaren Explosion zu bewahren. Die Auflösung um Plastique fühlt sich vielleicht ein wenig antiklimatisch an, insbesondere im Vergleich zu den vorangegangen Endkämpfen. Dennoch gelingt der runde Abschluss dieser Episode, in der die Serienmacher mehr auf Charakterentwicklung und langfristigen Spannungsaufbau setzen, als einen beliebigen metahuman zu verfeuern.

Fazit

Letztendlich schaffen es die Autoren von The Flash mit Plastique, ein stimmiges Gesamtbild abzuliefern, das erstmalig auf einer eher ernsteren Note endet als noch die Episoden zuvor. Der Tod von Bette, um die sich Team Flash nur kurz gekümmert hatte, hinterlässt Spuren bei Barry und Co, denen erneut bewusst wird, wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu unterstützen und Vertrauen ineinander zu haben, um das Schlimmste zu vermeiden. Dies kann man auch mal gerne mit ultrahochprozentigem Alkohol begießen, auch wenn Barrys Hypermetabolismus Caitlins eigens kreiertes Gesöff sofort wieder verbrennt.

Der Konflikt zwischen Iris und Barry war notwendig und wurde dramatisch gut umgesetzt, auch wenn sich hier und da ein paar Probleme eingeschlichen haben. Ein paar kleinere seltsame Szenen (zum Beispiel Barrys Suche nach einer verschwundenen Akte, die er sofort findet) verzeiht man dem Format, da es immer noch sehr gut unterhält und die unterschiedlichsten Nuancen anbieten kann. Durch den genau richtigen Einsatz von Comicreferenzen und gezielte Anspielungen bleibt man zweifelsohne dran und blickt gespannt der nächsten Woche entgegen.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 12. November 2014

The Flash 1x05 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 5
(The Flash 1x05)
Titel der Episode im Original
Plastique
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 11. November 2014 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 19. Februar 2015
Autoren
Aaron Helbing, Todd Helbing, Brooke Roberts
Regisseur
Dermott Downs

Schauspieler in der Episode The Flash 1x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?