The Flash 1x04

The Flash 1x04

Going Rogue markiert die bisher beste Episode des Serienneustarts The Flash. Neben einer starken Bösewichtsfigur, belebenden Charaktermomenten und packender Inszenierung dürfen sich viele Fans auch über einen äußerst charmanten Gastauftritt freuen.

Eine neue Herausforderung, die sich gewaschen hat: Barry aka The Flash (Grant Gustin) am Boden. / (c) The CW
Eine neue Herausforderung, die sich gewaschen hat: Barry aka The Flash (Grant Gustin) am Boden. / (c) The CW

In der Retrospektive hätte ich der Episode Things You Can't Outrun aus der letzten Woche gerne eine etwas niedrigere Bewertung gegeben - die Gründe dafür ließen sich vor allem im Kommentarbereich finden. Insbesondere die Schurkenfigur aus der Vorwoche ließ trotz ansehnlicher visueller Umsetzung zu viel zu wünschen übrig. Dies führen uns die Serienmacher wiederum mit Going Rogue vor Augen, indem sie uns zeigen, wie viel Potential doch in den Antagonisten des Flash-Universums steckt.

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Mit der Einführung Wentworth Millers in seiner Rolle als Leonard Snart aka Captain Cold präsentiert man uns nämlich wie erhofft einen Gegner von Format, der uns mehr als einmal einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt. So bedrohlich aber der Teil um Snart in der neuen Episode von The Flash ist, so beschwingt, amüsant und teils auch sehr emotional gestaltet sich die andere Hälfte von „Going Rogue“. Erstaunlich dabei ist, wie gut man den Spagat zwischen diesen beiden Polen meistert und auf diese Weise eine spannende Folge fabrizieren kann, die zahlreiche Gefühlslagen abdeckt und hervorragend unterhalten kann.

Busy saving everyone

Symptomatisch für dieses inszenatorische Wandern zwischen zwei komplett unterschiedlichen Tonlagen in „Going Rogue“ sind bereits die ersten Minuten der Episode. Der Einstieg gestaltet sich wie so oft äußerst leichtfüßig, indem wir Barry (Grant Gustin) beim freizeitlichen Multitasking beobachten. Er spielt dank seiner Fähigkeiten zeitgleich mit Cisco (Carlos Valdes) Tischtennis, duelliert sich mit Caitlin (Danielle Panabaker) bei dem Geschicklichkeitsspiel „Operation“ (hierzulande als „Doktor Bibber“ bekannt) und lässt sich auf eine Schachpartie mit Wells (Tom Cavanagh) ein. Während er Cisco und Caitlin schlagen kann, wird er vom Professor schachmatt gesetzt - zu viel Selbstbewusstsein tut selbst dem schnellsten Mann der Welt nicht gut.

Ein neuer Gegenspieler für Flash und Co: Leonard Snart aka Captain Cold (Wentworth Miller) © The CW
Ein neuer Gegenspieler für Flash und Co: Leonard Snart aka Captain Cold (Wentworth Miller) © The CW

Wenn Barry eine Sache nicht tun sollte, dann ist das sich und seine neuen Kräfte zu überschätzen. Seine Wandlung zum Superhelden offenbart nämlich auch einige Schwächen, die sein neuester Widersacher auszunutzen weiß. Letzterer ist der berechnende Leonard Snart, ein polizeibekannter Krimineller, der seine Jobs mit Präzision und ohne viel Aufsehen zu erregen durchzieht.

Der Überfall auf einen Transporter der Blackhawk Squad Security (die bereits bekannte Sicherheitsfirma aus Arrow) ist charakteristisch für Snarts Modus Operandi und hinterlässt einen griffigen Eindruck. Einzig der rückwärtsfahrende Truck, mit dem man den Transporter zum Stehen bringt, mutet etwas irritierend an. Als der Flash dann zum Überfall eilt und diesen verhindern kann, erkennt Snart, dass er in Zukunft schwerere Geschütze auffahren muss, was eine einfache, aber auch sehr plausible Motivation für diesen Charakter darstellt.

Up your game

Sein Objekt der Begierde ist ein wertvoller Diamant, der in einem Museum in Central City ausgestellt wird. Warum er genau diesen haben will, wird gar nicht großartig thematisiert. Vielmehr ist es von Bedeutung, dass Snart einen angenommenen Auftrag auf jeden Fall durchführen wird und für das Erreichen eines Ziels bereit ist, eine Entwicklung durchzumachen sowie seine Vorgehensweise zu optimieren. Um den streak auf Eis zu legen, besorgt er sich deswegen eine frostige Feuerwaffe, die interessanterweise in den S.T.A.R. Labs entwickelt wurde. Snart erhält schon in den Anfangsminuten eine weitaus interessantere Charakterisierung als sämtliche Widersacher Barrys zuvor, was vielversprechend stimmt.

Adorable nerds

Während der skrupellose und kühle Snart also mobil macht, haben ihn Barry und sein Team noch nicht wirklich auf dem Schirm. Ersterer wird vielmehr von einem überraschenden Besuch aus Starling City abgelenkt, der gleich mehrere extrem charmante Szenen zur Folge hat. Felicity (Emily Bett Rickards) von Team Arrow lässt sich nämlich beim schnellsten Mann der Welt blicken, den sie nach seinem Unfall noch nicht wieder gesehen hatte. Das Fanherz schlägt hier sofort etwas höher, denn die Chemie zwischen Grant Gustin und Emily Bett Rickards ist und bleibt hervorragend. Die Autoren kosten das oftmals sehr unbeholfene Gehabe zwischen diesen beiden Figuren vollends aus, was mich persönlich sehr zufrieden stimmt, sagt mir diese Charakterkombination doch sehr zu.

Auf diese Weise entspinnt sich gar eine nette kleine Liebesstory in Going Rogue, in der Felicity und Barry recht ungelenk so einige Fettnäpfchen mitnehmen. Dabei halte ich es wie Iris (Candice Patton), die die beiden liebenswerten Nerds als wie gemacht füreinander befindet. Es fehlt nur der letzte Schritt zwischen den beiden. Sehr positiv ist auch, dass Felicity hier eben nicht nur als love interest ihren Auftritt feiert, sondern auch ihre Erfahrungen als Bestandteil von Team Arrow mit Barry und Co teilt, die sich nach wie vor in der Findungsphase befinden.

A lonely path

Es kommt nämlich zu ersten kleineren Rissen in der Teamdynamik, speziell zwischen Barry und Cisco. Letzerer entwickelte nämlich die Waffe, die nun in die Hände von Snart gefallen ist. Mit dieser Eiskanone wollte Cisco einen Notfallplan in petto haben, um Barry gegebenenfalls aufhalten zu können. Für Barry bedeutet dies einen Vertrauensbruch, der umso schwerer wiegt, nachdem Snart vor seinen Augen mit Ciscos Waffe einen unschuldigen Menschen getötet hat. Auch Wells zeigt seine eher ungemütlichere Seite Cisco gegenüber, hat er doch - aus welchen genaueren Gründen auch immer - ein reges Interesse daran, dass Barry nichts zustößt.

Besuch aus Starling City: Felicity (Emily Bett Rickards) gemeinsam mit Barry (Grant Gustin) © The CW
Besuch aus Starling City: Felicity (Emily Bett Rickards) gemeinsam mit Barry (Grant Gustin) © The CW

Barry distanziert sich in der Folge von seinem Team, woraufhin Felicity versucht, ihm die Augen zu öffnen, da er deren Hilfe und Unterstützung noch brauchen wird. Ein Leben als Superheld kann ein sehr einsames sein, weshalb Barry die wenigen Menschen, die sein Geheimnis kennen, nicht verstoßen sollte. Charaktermomente wie diese sind äußerst ansprechend gelöst, da sie die Figurenzeichnung zum einen nachvollziehbar vorantreiben und zum anderen für Arrow-Fans ein wunderbarer callback an die Anfäge um Oliver Queen (Stephen Amell) und sein Team darstellen. Die Crossoverkomponente von „Going Rogue“ gibt der Episode so einen interessanten Nebeneffekt, weil man den Bogen zwischen den beiden Formaten gekonnt spannen kann.

Takes one to know one

Vertrauen in sich und Vertrauen in andere haben ist ein wiederkehrendes Thema in den ersten Folgen von „The Flash“, dem sich nicht nur Barry und sein Team stellen müssen, sondern auch Joe (Jesse L. Martin). Auch er verhält sich stark distanziert gegenüber seinem Kollegen Eddie (Rick Cosnett) und seiner nun bloggenden Tochter Iris, nachdem die beiden ihre Beziehung öffentlich gemacht haben. Sowohl Eddie als auch Iris gehen davon aus, dass Joe diese Liebe nicht billigt und deshalb so mürrisch ist, dabei beruht seine gegenwärtige Schmallippigkeit vielmehr auf seinen Sorgen um Iris und Eddie.

Als Partner von Eddie trägt er Verantwortung für ihn - und sollte dem jungen Detective etwas zustoßen, wäre Iris am Boden zerstört. Wie soll ihr Vater dann mit der Schuld leben, dass er ihren Freund nicht hat retten können? Jesse L. Martin überzeugt weiterhin in seiner Rolle als grübelnder Polizist und (Zieh-)Vater, dessen Dilematta nachvollziehbar sind. Doch genau wie Barry muss auch er Vertrauen zu den Personen haben, die ihm am nächsten stehen und über die er sich den Kopf zerbricht. Hier zeichnet man erneut eine interessante Parallele zur Hauptfigur, die die einzelnen Handlungsstränge thematisch gut miteinander verknüpfen kann und zur allgemeinen Stimmigkeit der Folge beitragen kann.

Outpassing your bedtime

Eddie straft Joes Sorgen dann aber Lügen, als er sich über dessen Befehl hinwegsetzt und seinem Partner vor einem tödlichen Angriff durch Snart retten kann. Dieser hat mittlerweile den Diamanten in seinen Besitz gebracht und plant, die Stadt zu verlassen. Zuvor konnte Team Flash mit der Hilfe von Felicity („the fastest woman alive when it comes to hacking“) Snarts Standort ausmachen, woraufhin sich Barry sofort dorthin begibt. Seine letzte Auseinandersetzung mit Snart verlief dank seiner übernatürlichen Selbstheilungskräfte und trotz schweren Gefrierbrands eher glimpflich für ihn. Erneut stürzt er sich mehr oder minder planlos in den Kampf, dieses Mal sogar ohne eine stetige Verbindung zur Schaltzentrale in den S.T.A.R. Labs.

Dabei hat er - wie Felicity es vorausgesagt hat - jede Hilfe nötig, denn im direkten Kampf mit Snart zeigt letzterer kein Erbarmen und nutzt Barrys Schwächen schamlos aus. The Flash kann nicht anders, als jeden Menschen retten zu wollen, was ihn wiederum verwundbar macht - ein klassisches Problem vieler Superhelden. Dementsprechend lässt Snart mithilfe seiner frostigen Wumme den kompletten Zug entgleisen, in dem er und Barry sich befinden. Was folgt, ist das obligatorische visuelle Schmankerl der Woche. In diesem erkennt man zwar recht deutlich die Computereffekte, aber dennoch wird man von der rasanten Rettungsaktion Barrys mitgerissen.

Lucky to be alive

Barry gelingt zwar die blitzschnelle Evakuierung der Zugfahrenden, jedoch landet er letztendlich genau da, wo Snart ihn haben will. Der will dem schnellsten Mann der Welt nun endgültig ans Leder und ist sogar dankbar, dass er dermaßen herausgefordert wurde, um sich selbst weiterzuentwickeln. Jedoch können Cisco, Caitlin und Felicity noch rechtzeitig eingreifen und Snart mit einer viermal so großen Version seiner Schusswaffe in die Flucht schlagen. Dass es sich hierbei um einen äußerst gewagten Bluff handelt (genauer: ein Staubsauger mit LED-Lichtern), weiß Snart glücklicherweise nicht und sucht mit seinem Diebesgut das Weite.

Der Alleingang Barrys stellte sich also beinahe als fatal heraus und einzig der beherzte Auftritt Ciscos konnte Schlimmeres verhindern. Barry ist nun auch in der Lage, Verständnis für Cisco zu zeigen und dafür, dass er seine neue Verantwortung niemals alleine meistern kann. Felicitys fast schon weise Worte, weil sie sich selbst bereits in eben genau dieser Situation wiedergefunden hatte, haben schlussendlich Gehör gefunden. Nun hofft man eigentlich nur noch, dass sie und Barry sich endlich einen Ruck geben. Sie passen perfekt zueinander und wissen dies längst, rennen jedoch beide einer Liebe hinterher, die sich wohl nie erfüllen wird. Trotz dieser Einsicht verbleiben die beiden erst einmal als sehr gute Freunde, obwohl hier das letzte Wort sicherlich noch nicht gesprochen ist.

Team Flash samt Felicity greift zu den Waffen. © The CW
Team Flash samt Felicity greift zu den Waffen. © The CW

Wo wir schon beim letzten Wort sind: Dieses hat in Going Rogue erneut Snart, der neben seiner Frostwaffe auch nach wie vor im Besitz eines handlichen Flammenwerfers ist. Diesen drückt er einem potentiellen neuen Mitstreiter namens Mick in die Hand, was die Comicfans sicherlich aufhören lassen wird. Hierbei handelt es sich allem Anschein nach nämlich um niemand Geringeren als den Pyromanen Mick Rory aka Heat Wave, ein weiterer ikonischer Gegenspieler von The Flash und Mitglied der von Snart angeführten Schurkengruppierung Rogues. Somit haben wir auf der Zielgeraden noch den gelungenen Verweis des Episodentitels auf die Comicvorlage, was durchaus verheißungsvoll stimmt.

Fazit

Wie man sehen kann, braucht es keine ausgefallenen metahumans, um die wöchentliche Geschichte hinsichtlich einer Schurkenfigur spannend und interessant zu gestalten. Viel wichtiger ist ein komplexer Charakter in der Rolle von Barrys Gegenspieler, den wir hier in Person von Wentworth Millers Leonard Snart geliefert bekommen und der in naher Zukunft noch den einen oder anderen Auftritt haben wird. Neben dieser „Bösewicht der Woche“-Handlung gefällt The Flash auch weiterhin auf zwischenmenschlicher Ebene. Das kleine Crossover mit Felicity aus Arrow sorgt nicht nur für einige herrliche Lacher, sondern auch bezüglich der fortwährenden Handlung für interessante sowie emotionale Inhalte.

Trotz vieler düsterer und atmosphärischer Momente, die vor allem vom dieswöchigen Antagonisten ausgehen, gibt es abermals auch zahlreiche auflockernde Szenen zu sehen. Dabei trifft der charmante Humor (die Musikwahl im Radio von Joes und Eddies Polizeiwagen könnte besser nicht sein) immer wieder ins Schwarze, während Comic-Aficionados sorgfältig eine nette Referenz nach der anderen aufsaugen (ich sage nur Dexter Myles, von den ganzen eisigen Wortspielen ganz zu schweigen...). Das Gesamtpaket stimmt hier einfach, weshalb ich ein paar zweckdienliche Elemente in Going Rogue gerne verzeihe und den Serienmachern dazu rate, den eingeschlagenen Kurs beizubehalten.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 29. Oktober 2014

The Flash 1x04 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 4
(The Flash 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Captain Cold
Titel der Episode im Original
Going Rogue
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 28. Oktober 2014 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 12. Februar 2015
Autoren
Geoff Johns, Kai Wu
Regisseur
Glen Winter

Schauspieler in der Episode The Flash 1x04

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