The Flash 1x03

Die Verantwortlichen um Andrew Kreisberg basteln auch diese Woche weiter an der Einführung ihrer Heldenfigur sowie der Etablierung der einzelnen Charaktere und folgen dafür einem roten Faden, der zahlreiche erwähnenswerte Momente fabriziert. Trotz einiger amüsanter Szenen stehen hier vor allem die dramatischen und emotionalen Elemente der The CW-Serie im Vordergrund, die ihrer dramaturgischen Anforderung durchaus gerecht werden. Gelegentlich trägt man vielleicht ein Stück weit zu dick auf und auch die Art der Narration könnte etwas weniger offensichtlich sein, insgesamt macht aber auch die dritte Episode von The Flash wieder nicht sehr viel verkehrt.
(Anzeige)Feeling famished
Das immer wiederkehrende Thema in Things You Can't Outrun ist eben genau dieser Episodentitel, der für Barry (Grant Gustin) und Co verschiedenartige Bedeutung hat. Wie wir nämlich nach und nach erfahren, trägt hier ein jeder seinen Ballast mit sich herum, sei es der Titelheld selbst, sein Ziehvater und Polizist Joe (Jesse L. Martin) oder auch die beiden wissenschaftlichen Assistenten Caitlin (Danielle Panabaker) und Cisco (Carlos Valdes). Die Autoren legen deren persönliche Schicksale für uns offen und so greift erzählerisch ein Rädchen in das andere, selbst wenn hier und da die subtilen Nuancen dieser emotionalen Enthüllungen der Figuren ein wenig verloren gehen.
Der Einstieg in die Episode ist dabei jedoch gewohnt locker leicht und kann einem recht schnell ein freudiges Schmunzeln auf die Lippen zaubern. Gerade noch mit Iris (Candice Patton) im Kino gewesen, sprintet Barry mal schnell zu einem flüchtigen Kriminellen, den er kurz und knapp von dessen Auto auf die Rückbank eines Polizeiwagens verpflanzt - selbstverständlich mit angelegten Handschellen. In Windeseile steht er dann schon wieder vor Iris, als wäre er nie woanders gewesen. Solche kleinen Momentaufnahmen verweisen immer wieder auf den oftmals beschwingten Ton des Formats und machen keinen unwesentlichen Teil seines Charmes aus.

One small step
So lässig dieser Auftakt ist, so schnell wenden wir uns aber auch dem eher ernsteren Teil der Episode zu. Während Joe Barry erneut seine Unterstützung in der Aufklärung des Mordes an Barrys Mutter zusichert, wird die Versammlung einer lokalen Gangsterfamilie scheinbar von einem Giftanschlag dahingerafft. Der Vorfall wirft jedoch einige Fragen auf, so dass Team Flash relativ schnell einen weiteren meta human auf dem Schirm hat, der für diese Tat verantwortlich sein könnte. Wells (Tom Cavanagh), Caitlin und Cisco sind aufgrund ihres wissenschaftlichen Interesses sofort Feuer und Flamme, doch Joe hat einen berechtigten Einwurf, fragt er sich doch, wo man diesen hochgefährlichen meta human im Falle einer Festnahme unterbringen soll. Iron Heights ist für diese Art der übernatürlichen Kräfte sicherlich (noch) nicht gewappnet.
Über dieses Problem leiten die Serienmacher äußerst geschickt und clever auf eine zweite Erzählebene in „Things You Can't Outrun“ über, die uns zum einen interessante Informationen über den fatalen Unfall in den S.T.A.R. Labs beschert sowie bestimmten Charakteren ein ausführlicheres Profil gibt. Als Aufbewahrungsort für die meta humans soll nämlich erst einmal der ehemalige Teilchenbeschleuniger dienen, woraufhin insbesondere Caitlin und Cisco mit den Geistern ihrer Vergangenheit konfrontiert werden, denen sie einfach nicht entkommen können.
Fire and Ice
Über vereinzelte Rückblicke erleben wir die Fehlfunktion des Teilchenbeschleunigers sozusagen live mit und tauchen so unter anderem in das emotionale Befinden von Caitlin ein, die an jenem Tag ihren Verlobten Ronnie (Robbie Amell, der hier erstmalig zu sehen ist) verlor. Eigentlich schien alles perfekt zu verlaufen: Caitlin plante gerade noch ihre Hochzeitsreise nach Tahiti (ein Orange Is the New Black-Marathon inbegriffen), ihr Glück mit Ronnie war perfekt. Bis es plötzlich zu Komplikationen kam und Ronnie in seiner Funktion als Ingenieur in den Teilchenbeschleuniger stieg, um manuell eine Katastrophe zu verhindern. Letztendlich musste er jedoch sein eigenes Leben opfern, um alle anderen Menschen zu retten.
Die Szenen um Caitlin, Ronnie und ihren rührseligen Abschied von ihm drücken gehörig auf die Tränendrüse, was jedoch unter anderem durch die wunderbare Interaktion zwischen Barry und Caitlin aufgefangen werden kann. Diese sehr emotionalen Momente machen einen genuinen Eindruck. Die eher reservierte Caitlin kommt Barry gegenüber immer mehr aus ihrem Schutzpanzer heraus. Dieser kann sich in ihre Gefühlslage hineinversetzen und steht ihr bei.
A loud bang
Vielleicht bin ich der einzige, der hier gar ein kleines Knistern zwischen den beiden Figuren ausmacht, die besondere Beziehung zwischen den beiden wird hier zumindest sehr deutlich. Mit der Rückkehr Ronnies, dessen Auftritt als Firestorm bereits ordentlich vorbereitet wird, könnte es hier zu einer sehr spannenden Entwicklung kommen. Comicfans freuen sich zweifellos über die zahlreichen (visuellen) Anspielungen und Querverweise, die dieser Teil der Episode mit sich bringt, doch ich persönlich war weit mehr von dem sehr gelungenen Zusammenspiel von Danielle Panabaker und Grant Gustin angetan.
Neben Caitlin wird auch Spaßvogel Cisco etwas mehr Charakterzeichnung zuteil. Dieser hat nämlich die Eingangspforte zum Teilchenbeschleuniger verschlossen, nachdem Ronnie ihn darum gebeten hatte, falls er nicht wieder rechtzeitig zurück sein sollte. Auch dies ist eine Schuld, die schwer auf Ciscos Gemüt lastet und uns eine andere Seite des sonst so flapsigen Wissenschaftlers zeigt. Eine gute Entscheidung der Autoren, die ich mir in einer solchen Form letzte Woche gewünscht hatte und die die Nebenfiguren folglich auf ein anderes Niveau hebt.

The guilt that weighs on you
Auch die Joe-Barry-Beziehung erhält wieder einiges an Aufmerksamkeit - zu Recht, wie sich herausstellt. So richtig kann sich Barry nicht auf den Fall um den Giftgasanschlag konzentrieren, treiben ihn doch ganz andere Gedanken an. Mit seinen Fähigkeiten könnte er zum Beispiel problemlos seinen Vater aus dem Kittchen befreien, Joe bremst ihn aber aus und weist ihn abermals auf Barrys einzigartige Fähigkeiten und die Verantwortung hin, die er aufgrund seiner Kräfte hat.
Barrys Superheldenkostüm setzt er dabei mit seiner Polizeiuniform gleich: Beide Outfits stellen gewisse Anforderungen an deren Träger und manchmal ist man trotz besonderer Talente oder einer bestimmten Machtstellung zur Hilf- und Nutzlosigkeit verdammt. Er selbst fand sich bereits in dieser Position wieder, als er Barrys Vater (John Wesley Shipp) hinter Schloss und Riegel bringen musste. Die Entscheidung, damals nicht seinem Freund Henry geglaubt zu haben, wiegt schwer auf dem Gewissen Joes. Daher möchte er Wiedergutmachung leisten und besucht Henry im Gefängnis. Dieser reagiert anfangs noch sehr kühl, doch er akzeptiert Joes aufrichtige Entschuldigung mit einem festen und verständnisvollen Blick.
Keep running
Bei all diesen Charaktermomenten kommt so der Fiesling der Woche beinahe etwas zu kurz, obwohl man diesen für meinen Geschmack gut umgesetzt hat, selbst wenn er charakterlich eher blass bleibt. Diese Episode mimt Comicbösewicht Kyle Nimbus (Anthony Carrigan) aka Mist (Cisco probiert sich mal wieder an einem coolen Namen) Barrys Widersacher und kann dabei auf eine extrem tödliche Fähigkeit zurückgreifen. Eigentlich wurde der ehemalige Auftragskiller nämlich im Rahmen seiner Todesstrafe hingerichtet, doch die Katastrophe in den S.T.A.R. Labs erweckte ihn wieder zum Leben und ließ ihn mit dem Gift eins werden, welches in seinen Körper injiziert wurde. Jetzt pocht er auf Rache an der Gangsterfamilie, die ihm seinen letzten Auftrag gab, und an der Richterin, die ihn verurteilte, sowie dem Polizisten, der ihn festnahm.
Dieser ist - wie der Zufall es will - Joe und nachdem die Gangster und die Richterin bereits aus dem Weg geräumt sind, hat Nymbus nur noch Joes Namen von seiner Liste zu streichen. Der wird dann kurz nach dessen Aussprache mit Henry angegriffen und tödlich vergiftet, seinen Tod kann der herbeigeeilte Barry jedoch dank eines Gegengifts von Caitlin noch gerade so verhindern. Wie bereits in Fastest Man Alive bietet man uns in allen Szenen um Mist einige visuelle Leckerbissen an. Die computergenerierten Rauch- beziehungsweise Giftgaseffekte können sich definitiv sehen lassen, allein der Endkampf zwischen The Flash und Mist macht einiges her und mutet beinahe episch an.
Zuvor musste sich Barry noch geschlagen geben und dafür fast mit seinem Leben bezahlen, weil er erneut zu impulsiv vorgegangen war. Er ist nun mal kein ausgebildeter Kämpfer und so muss er anfangs noch ordentlich Lehrgeld bezahlen. Dies gibt The Flash wiederum im Vergleich zu Oliver Queens Arrow einen interessanten Kontrast. Mit Blick auf den Episodentitel und dem gemeinsamen Nenner vieler Figuren, dass sie vor ihren Problemen und Sorgen nicht wegrennen können, ist es dann recht ironisch (und sicherlich völlig bewusst so gewählt), dass Barry zumindest vor Nymbus flüchten und diesen so im Endeffekt besiegen kann.

He will walk
Während eines Gesprächs zwischen Joe und Barry im Krankenhaus sieht dann letzterer ein, dass es keinen Sinn hat, seinen Vater gewaltsam aus dem Gefängnis zu befreien, obwohl es durchaus Möglichkeit dazu gab. Doch der einzige Weg dafür ist, dessen Unschuld auf dem legalen Weg nachzuweisen. Zum einen gefällt mir, wie unser Protagonist Woche für Woche einen weiteren wichtigen Schritt in seiner Entwicklung macht, seine Kräfte einzuschätzen lernt und sein Charakter geformt wird. Zum anderen stehen die Autoren hier jedoch auch vor dem Risiko, irgendwann der bekannten Superheldengenreformel zu verfallen. Bis dato ist dieses Problem eher weniger prominent, es wird aber interessant zu sehen sein, wie man seine Hauptfiguren weiter gestalten wird, ohne zu sehr in geläufige Tropen abzudriften.
Der Teil von The Flash, der in meinen Augen noch am meisten schwächelt, ist nach wie vor die Geschichte um Iris und Eddie (Rick Cosnett), auch wenn hier kleine dramaturgische Fortschritte gemacht werden. Iris muss sich dieser Beziehung stellen, denn Eddie hat sichtlich keine Lust mehr dazu, sie vor Joe geheim zu halten. Letztendlich wird das längst bekannte Geheimnis der beiden auch gelüftet. Was man in den nächsten Episoden aus diesem Handlungsstrang jedoch herausholen kann, wird sich erst noch zeigen müssen.
Fazit
Die wenigen Kritikpunkte an Things You Can't Outrun, wie zum Beispiel die gehörige Portion Pathos oder die recht simple Figurenzeichnung des Schurken, ändern nicht viel daran, dass auch die dritte Episode von The Flash insgesamt eine Menge Spaß macht. Außerdem kann sie wiederum nachvollziehbares Drama und einen durchdachten (scharlach-)roten Faden bieten. Die visuellen Effekte überzeugen weiterhin und auch die Nebenfiguren rücken ein wenig mehr in den Fokus, was bereits jetzt für etwas Abwechslung sorgt.
Mit der obligatorischen Wells-Abschlusssequenz werden die zahlreichen Fantheorien weiter befeuert, wer der Professor wirklich ist und ob er tatsächlich den tragischen Unfall um den Teilchenbeschleuniger inszeniert hat, um aus Barry den Flash zu machen. Auch wenn dieses erzählerische Stilmittel am Ende der Episode eher einfach ist: Neugierig stimmt es einen allemal. Ein Bösewicht mit einem etwas längeren Handlungsbogen wäre nun der nächste Schritt, obwohl ich mir vorstellen könnte, dass man uns noch eine oder zwei weitere Episoden gibt, in denen Barry und seine Helfer im Zentrum stehen werden.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 22. Oktober 2014The Flash 1x03 Trailer
(The Flash 1x03)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x03
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