The Flash 1x02

Bevor wir uns der Episode „Fastest Man Alive“ widmen, vorab ein kleiner Hinweis: Eigentlich gehören die zahlreichen Superheldenserien, mit denen wir uns hier auf serienjunkies.de auseinandersetzen, zum Spezialgebiet unseres Comicexperten Adam. Da dieser jedoch alle Hände voll zu tun hat, darf ich nun erst einmal für ihn bei „The Flash“ einspringen. Ich bin vielleicht nicht der allergrößte Comickenner, verfolge aber doch mit recht regem Interesse die vielen Serienableger des Marvel- und DC-Universums. Und was die Formate aus diesen beiden Lagern können, können der gute Adam und ich schon lange. Ich sage nur Crossovertime...
(Anzeige)Nach dem sehr soliden Einstieg in The Flash, in dem man uns bereits einen kleinen Vorgeschmack gegeben hatte, was für einen Stil und Erzählton man mit der neuen Superheldenserie verfolgen möchte, machen die Serienschöpfer um Greg Berlanti, Andrew Kreisberg und Geoff Johns genau da weiter, wo sie letzte Woche aufgehört haben. Dabei fällt vor allem die sehr gelungene Abwechslung zwischen lockerleichten sowie sehr charmanten Szenen und eher dramatisch angehauchten Momenten unter den Figuren auf, die sehr gute Unterhaltung bietet. Aber auch Fans knackiger Actionsequenzen kommen voll auf ihre Kosten, was mitunter an der sehr beachtlichen Arbeit des Effektteams liegt.
Supersonic fireman
Schon der Beginn von Fastest Man Alive könnte lässiger nicht sein, geht man doch sehr bewusst mit einem zwinkernden Auge an seinen namensgebenden Titelhelden ran. In dem einführenden voice-over von Barry (Grant Gustin) wird von einem klassischen intro thingy geredet, eine Trope, der sich Superheldenfilme und -serien gerne bedienen, um eine atmosphärische Etablierung der Heldenfigur zu erzielen. Die Autoren sind sich dieser Methode absolut bewusst und umgehen mit voller Absicht einen schwülstigen Anfangsmonolog, was durchaus erfrischend ist. So werden wir als Zuschauer unmittelbar ins Geschehen reingeworfen, als wir den schnellsten Mann der Welt dabei beobachten, wie er die Bewohner eines brennenden Gebäudes evakuiert.
Die allgemeine Tonlage ist bei weitem nicht so düster wie bei Serienkollege Arrow, was ein angenehmes Alleinstellungsmerkmal erschafft und beide Formate gut voneinander unterscheidet. Dennoch wird das dynamische Duo, bestehend aus Barry (The Feet) und Cisco (The Eyes and Ears), sogleich von der strengen Caitlin (Danielle Panabaker) zurechtgewiesen. Sie macht Barry darauf aufmerksam, dass die Erforschung seiner neuen Fähigkeiten und die Suche nach anderen „Meta Humans“ viel wichtiger ist, als dass er und Cisco (Carlos Valdes) ein paar Heldentaten vollbringen.

Know your limits
Auch Wells (Tom Cavanagh) schlägt anfangs in eine ähnliche Kerbe, sollte Barry doch seine Grenzen kennen und sich nicht zu vorschnell in die nächstbeste brenzlige Situation stürzen. Diese Mahnung scheint angemessen, denn Barrys ständige Nutzung seiner abnormalen Geschwindigkeit zeigt erste Nebenwirkungen. Über diesen Aspekt der Episode entspinnen sich dann einige interessante Fragen, die man in recht eindringlichen Charaktermomenten schlüssig abarbeitet und so konsequent die Figurenzeichnung weiterführt.
Insbesondere die Beziehung zwischen Barry und Ziehvater Joe wird stark dargestellt, was unter anderem an dem überzeugenden Schauspiel von Jesse L. Martin liegt. Er und Gustin haben eine ansprechende Chemie miteinander und der Konflikt zwischen den beiden, der hier thematisiert wird, kann in den richtigen Momenten emotional abholen. Über Rückblicke erfahren wir von der schwierigen Zeit des jungen Barrys, der immer wieder aus dem Haus von Joe ausbüxte, um seinen zu Unrecht verurteilten Vater (John Wesley Shipp) im Gefängnis zu besuchen. Joes Dilemma ist dabei immer wieder greifbar, will er doch Barry zur Seite stehen sowie Verantwortung für diesen übernehmen, weshalb er ihn stark maßregeln muss. Gleichzeitig fühlt Joe aber aufgrund der sehr persönlichen Verbindung zu Barry immer wieder mit ihm und dem Schicksal seiner beiden Elternteile mit.
The good stuff
Barry wirkt in Fastest Man Alive immer wieder hin- und hergerissen. Zum einen sind die ganzen Veränderungen sichtlich zu viel für ihn, versetzt er ihm wichtige Personen doch gleich mehrfach, weil er sie schlichtweg vergisst. Zum anderen will er seine Superkraft umgehend einsetzen, um anderen zu helfen, ohne dabei an sein eigenes Wohl zu denken, was Joe wiederum große Sorgen bereitet und zu einem deutlichen Zwist zwischen den beiden führt. Barrys neuer Stoffwechsel verlangt darüber hinaus unglaubliche Mengen an Kalorien, ansonsten kippt er aus seinen Rennlatschen, was ihm in Fastest Man Alive auch passiert.
Wie kann Barry überhaupt den Verantwortungen eines Superheldens gerecht werden, wenn er nicht einmal seinen Verantwortungen als normaler Mensch nachkommen kann? Iris (Candice Patton), die sich nun als Journalistin probiert, fällt Barrys seltsames Verhalten schon lange auf, doch Barry schafft es einfach nicht, ihr die Wahrheit über sich zu erzählen - außer in einer sehr gut umgesetzten Szene, in der Barry durchaus die Karten offen auf den Tisch legt, dabei nur einfach viel zu schnell für Iris ist. Eine findige Idee der Autoren, die uns zum einen Barrys Kräfte, aber auch die Zwickmühle, in der er sich befindet, deutlich macht.
Meet Captain Clone
Auf diese Kräfte ist Barry dann aber dringendst angewiesen, als er auf den „Bösewicht der Woche“ trifft, der über eine sehr interessante Fähigkeit verfügt. Dabei bedient man sich des Schurkenkatalogs einer anderen DC-Figur, nämlich Firestorm. Interessant ist hierbei sicherlich die erneute Erwähnung von Caitlins Verlobtem, der Robbie hieß und während der Explosion des Teilchenbeschleunigers sein Leben verlor. Die Castingmeldung um Robbie Amell und Victor Garber hinsichtlich Firestorm hat einen Auftritt dieser Figur schon bestätigt, dennoch gefällt, wie man immer wieder kleine Referenzen einbaut und so gerade Fans ein paar Leckerbissen für zukünftige Folgen verspricht.
In „Fastest Man Alive“ tritt nun Danton Black (Michael Smith) in Erscheinung, ein begabter Forscher im Bereich der Stammzellforschung, der mit seinen Studien die Reproduktion von menschlichen Organen möglich machen wollte. Dann wurden ihm jedoch die Forschungsergebnisse von seinem Arbeitgeber Simon Stagg (William Sadler) gestohlen und er wurde von diesem entlassen. Daher schwört Black Rache, inbesondere, weil er mit seiner Forschung damals seiner schwer kranken Frau helfen wollte, die ein neues Herz brauchte und aufgrund Staggs skrupellosen Diebstahls aber verstarb. Mit seinen neuen Fähigkeiten, die Black nach dem Vorfall in den STAR Labs nun hat, hat er es jetzt auf den aalglatten Unternehmer abgesehen.

One man army
Von Cisco anfangs noch amüsanterweise als „Captain Clone“ bezeichnet, da Black in der Lage ist, sich in wortwörtlich multiple Persönlichkeiten aufzuteilen und sich selbst zu klonen, muss sich Barry also dem von Vergeltung getriebenen Black stellen, der später seiner Comicvorlage entsprechend den Namen Multiplex erhält. In den anfänglichen Auseinandersetzungen der beiden wird Barry leidvoll vor Augen geführt, was er von Wells und Joe bereits gesagt bekommen hat: Kenne deine Grenzen. Nach der ersten Tracht Prügel durch Black gelingt es Barry erst mit der Hilfe seiner Mitstreiter in den STAR Labs („Team Flash“) und dem Vertrauen vonseiten Joes, Black in seine Schranken zu weisen.
Dafür muss The Flash den echten Black ausschalten, weil dadurch seine Klone ihre „Kommandozentrale“ verlieren und so besiegt werden können. Der finale Kampf zwischen The Flash und Multiplex ist wahrlich sehenswert inszeniert, die Effekte sind exzellent getimt und das zackige Scharmützel durchaus spannend. Barry gegen eine ganze Armada von Danton Blacks hat schon etwas und ist visuell einfach sehr gut umgesetzt.
Making a difference
Die Episode endet dann doch recht klassisch, Barry konnte Blacks tragischen Freitod nicht verhindern, doch das Team um ihn bestehend aus Wells, Caitlin, Cisco und auch Joe ist weiter zusammengewachsen und will fortan nicht nur gemeinsam Barrys körperliche Veränderungen erforschen, sondern auch dessen scheinbare Bestimmung als Held fördern. Man kann nur hoffen, dass die oftmals auflockernden Kommentare der beiden Nebenfiguren Cisco (vor allem Cisco) und Caitlin im Laufe der Staffel nicht zu sehr ins Alberne abdriften.
Bis jetzt macht die Figurenkonstellation viel Spaß, doch es ist auch ein Balanceakt, diese Sidekicks nicht zu quatschig erscheinen zu lassen. Die gelegentlich sehr witzigen Elemente der Serie in allen Ehren (die Szene um Ciscos modifiziertes Laufband dient hier als Beispiel), die Gefahr, dass so etwas schnell zu einem einfachen Gimmick verkommt, besteht jedoch immer. Mit der (in-)direkten Ankündigung von Firestorm und somit dem nach wie vor lebenden Verlobten Caitlins hat man sich zumindest schon einmal eine Option geschaffen, einem der Nebencharaktere etwas mehr zu tun zu geben. Daher bin ich eigentlich guter Dinge hinsichtlich dieser Problematik.
Red streak
Bei Wells stochert man hingegen weiterhin im Dunkeln, was seine wahren Absichten mit Barry sind. Stagg, der Barrys Fähigkeiten gleich ausnutzen will, um ein Vermögen zu machen, wird zumindest von Wells eiskalt abgestochen. Tom Cavanagh gelingt dabei der Spagat zwischen einer weiteren Vaterfigur für Barry und seiner eher undurchsichtigen Seite sehr gut, so dass für den weiteren Staffelverlauf bereits ordentlich Spannung generiert wird.

Etwas unterrepräsentiert ist jedoch Rick Cosnett in seiner Rolle des Eddie Thawne, obwohl ein derartiges Urteil nach gerade einmal zwei Episoden vielleicht ein wenig zu früh ist. Das Beziehungsdreieck zwischen ihm, Iris und Barry wirkt oftmals wie aus dem Lehrbuch entnommen, aber man hält sich größtenteils noch dezent zurück und kann so Barrys verzwickte Situation angemessen wiedergeben. Dass Iris in ihrer Rolle als Sensationsreporterin sich nun dem geheimnisvollen Red Streak annimmt, ist zwar eine bequeme Entwicklung für die Handlung. Der daraus resultierende Konflikt sowie die Probleme für Barry sind aber im Großen und Ganzen vielversprechend.
Fazit
Fastest Man Alive ist eine sehr gute zweite Episode, die uns unseren Protagonisten und die Menschen in seinem Umfeld weiter näherbringt sowie eine in sich kohärente und sehr unterhaltsame Serienwelt erschafft. Dabei macht man sehr viel richtig, so dass sich die Folge insgesamt rund anfühlt.
Beschauliche Action-set pieces, interessante Charakterinteraktionen und ein sehr sympathischer Cast sorgen für ein angenehmes Seherlebnis, das Lust auf mehr macht. The Flash zeigt durch sein unbeschwertes Auftreten, dass man auch durchaus sehr comichaft an eine Serienadaption herangehen kann und diese trotzdem nicht zu überzeichnet aufziehen muss, womit manch andere Formate aus dem Genre (zum Beispiel der FOX-Neustart Gotham - meiner Meinung nach) so ihre Probleme haben.
Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 15. Oktober 2014The Flash 1x02 Trailer
(The Flash 1x02)
Schauspieler in der Episode The Flash 1x02
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