The Falcon and the Winter Soldier 1x02

© zenenfoto aus der Episode The Star Spangled Man von The Falcon and the Winter Soldier (c) Disney+/Marvel Studios
Es hatte sich bereits angedeutet und in der The Falcon and the Winter Soldier-Folge The Star Spangled Man erfahren wir nun wirklich mehr vom neuen Captain America, dessen Look seitdem schon via Memes belächelt wurde. Das Kostüm hat John Walker (Wyatt Russell) übernommen. Tatsächlich hat die Regierung hier einen hochdekorierten Kriegshelden (drei „Medals of Honor“) ausgesucht, der für den Job qualifiziert ist und auch vom MIT auf Herz, Nieren und Fähigkeiten getestet wurde - und eben nicht nur einen poster boy, der vor den Kameras gut aussieht.
Walker scheint noble Absichten zu haben und ist vor seinem großen öffentlichen Auftritt in einem großen Football-Stadion vor Tausenden von Leuten im Frühstücksformat „Good Morning America“ dementsprechend nervös. Denn auch er weiß, in welch gewaltige Fußstapfen er dort tritt. Steve Rogers (Chris Evans) hat er persönlich zwar nie kennengelernt, dafür aber seine Arbeit als Soldat und Avenger verfolgt. Ihm zollt er großen Respekt.
Kennt man die Comics, dann kommt man jedoch ins Zweifeln, was Walkers Motive oder Entwicklung angeht, besonders als Werkzeug der Regierung. Das Marvel Cinematic Universe hat auch nicht die beste Bilanz, was Politiker oder Regierungsorganisationen beziehungsweise Staatsangestellte angeht, wenn man mal an die ganze S.H.I.E.L.D./Hydra-Geschichte denkt oder eben auch an S.W.O.R.D. aus WandaVision.
Why did you give up the shield?

Zweifel an diesem neuen Cap haben Bucky (Sebastian Stan) und Sam Wilson (Anthony Mackie), die davon kalt erwischt werden, als sie die Vorstellung im Fernsehen verfolgen und in der zweiten Folge nun auch aufeinandertreffen. Bucky redet ihm direkt ins Gewissen, warum er die Entscheidung getroffen hat, das Vermächtnis von Cap auszuschlagen. Allerdings konnte Sam auch nicht ahnen, dass so etwas passieren wird. Wie auch?
Doch das Thema muss er erst einmal beiseiteschieben, denn Torres (Danny Ramirez) und er sind bekanntlich den Flag Smashers auf den Fersen, deren Spur man bis nach München verfolgt hat. Der Verdacht geht bei den Hintergründen in Richtung „Big Three“: Androiden, Aliens oder Magier/Zauberer.
Beim Aufeinandertreffen der beiden kommt dann auch das Buddy-Cop-Gefühl auf, das im Vorfeld der Marvel-Miniserie angesprochen wurde. Der Ton ist durchaus noch ernst, sie sind aber gefühlt immer am Zanken und Meckern, was ich recht amüsant finde. Bucky lädt sich selbst auf Sams Mission ein und wird einfach nicht in den Plan eingeweiht. So muss er auch ohne Fallschirm aus dem Flieger springen - oder er tut es einfach, weil ihm keine andere Wahl gelassen wird. Den Absturz schneidet Sam natürlich für die Nachwelt mit.
Beim Beschatten gibt es ebenfalls Meinungsunterschiede, weil die Old-School-Methoden von Bucky nicht dieselben akkuraten Ergebnisse aufweisen wie Falcons von Redwing-Technologie unterstützte Vorgehensweise. So sieht Bucky nur zwei Personen, während Sam gleich acht Wärmesignaturen aufspürt und deswegen zur Vorsicht mahnt. Buckys Antipathie für Redwing ist ebenfalls herrlich und zieht sich bis zu einem traurigen Ende durch die erste Hälfte der Episode. Ob wir auch noch mehr zu Buckys Zeit in Wakanda als White Wolf erfahren, muss sich zeigen. Dass er ein Mann vieler Geheimnisse ist, wissen wir schon längst und wird auch hier bald schon erneut unterstrichen...
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Supersoldaten

Sam und Bucky vermuten, dass eine Person in einem der LKWs eine Geisel ist und sie probieren eine Rettung, doch das ist eine Falle und es handelt sich offenbar sogar um die Anführerin der Gruppe, namens Karli Morgenthau (Erin Kellyman, „Solo - A Star Wars Story“). Beim aufregenden Kampf auf den Dächern der LKWs kommt auch Redwing zu Schaden und es mischen sich der neue Cap und dessen Sidekick Battlestar aka Lemar Hoskins (Cle Bennett) ebenfalls ein. Die Flag Smashers können das allgemeine Chaos aber für sich nutzen und den Superhelden eine Niederlage bescheren. Immerhin nehmen Sam und Cap Informationen aus dem ersten Kräftemessen mit, denn offenbar hatten sie es mit acht Supersoldaten zu tun, die Caps Serum (oder etwas, das dem nahekommt) in sich haben.
Ob es in jeder Folge eine solche große Actionszene gibt, muss sich zeigen. Sie ist zwar nicht ganz so gut, weil auch etwas hektischer und einen Tick unübersichtlicher als die ersten zehn Minuten aus dem Auftakt, aber durchaus sehenswert. Trotzdem merke ich immer wieder, wie sehr ich einfach die Inszenierung von Sams Falcon-Flügeln liebe. Ich kann mich kaum daran sattsehen, wenn sie zum Einsatz kommen, werde aber bisher auch nicht durch ihre Überstrapazierung ermüdet. Die Macher finden hier das richtige Maß zwischen Action und Charakterszenen sowie dem Voranbringen des Plots, was bei den Marvel-Serien von Netflix, also Daredevil, Luke Cage, Jessica Jones, Iron Fist und Punisher nicht immer der Fall war. Bei den Serien von Disney+ hat man hingegen bislang den Eindruck, dass man hier wirklich einen extralangen Film aus dem MCU mit einer stringenten Geschichte erzählen möchte. Dabei verzichtet man größtenteils auf Filler.

So treffen Sam und Bucky also persönlich auf ihre Möchtegernnachfolger und finden diese zunächst nicht besonders sympathisch, was man nachvollziehen kann, denn eigentlich war ja Sam als Nachfolger gedacht. John Walker ist aber immerhin wie Steve Rogers vor ihm, wenn es die Situation erfordert hat, auf Granaten gesprungen, wie er selbst zu Protokoll gibt. Es ist ein Balanceakt, den man mit dieser Figur vollziehen muss. Vom ersten Moment an haben die anderen Charaktere und auch die Zuschauer Zweifel an ihm. Er bringt zwar, wie bereits erwähnt, die Qualifikationen mit und bemüht sich. Gleichzeitig weiß man im Hinterkopf, dass er sicherlich keine Dauerlösung werden wird und eher für den Konflikt innerhalb der Serie herhalten muss. Deswegen sind auch die Memes zu seinem Look so schnell aus dem Boden geschossen. Die Castingabteilung hat mit Absicht jemanden ausgewählt, der nicht ganz so gut wie ein Chris Evans in die Rolle und das Kostüm passt. Der kein übermuskulöser Schönling ist, der aussieht wie aus Marmor geschlagen, der immer etwas off wirkt, also irgendwas passt nicht ganz, weil am Ende des Tages eben Sam ins Kostüm soll. Zudem nutzt dieser neue Cap, wie Rogers im Zweiten Weltkrieg, eine Schusswaffe, was aber in der Gegenwart dann nicht mehr passiert und beide schon einmal unterscheidet. Immerhin kann er ganz ordentlich mit dem Schild umgehen, was auch schon zu Beginn dieser Episode kurz angedeutet wird.
Woher die beiden Frischlinge wussten, wo die Flag Smashers sind? Wussten sie gar nicht, aber sie haben Redwing als Regierungseigentum gehackt und konnten so Sam orten. Das Gezanke geht noch eine Weile weiter und es wird deutlich, dass die Männer nicht auf Anhieb Freunde werden. Ein Informationsaustausch findet trotzdem statt, denn Sam verrät, was die Flag Smashers wollen, nämlich: die Welt wieder so zu machen, wie sie vor dem Blip war. Nebenbei erfahren wir, dass es eine Organisation namens GRC (Global Repatriation Council) gibt, die sich um die Betroffenen Blip-Rückkehrer kümmert, was Wohnraum, Versicherung und anderes angeht. Eine sehr interessante Information und ein weiteres Puzzlestück im Zusammenhang mit dem Blip. John Walker bemüht sich, den Gefährten des eigentlich Captain Americas zu versichern, dass er versucht, der beste Cap zu sein, der er kann. Allerdings ist jeder Anfang schwer. Mit ihnen an seiner Seite ginge es vielleicht einfacher, doch das wollen Sam und Buck (noch) nicht.
One World. One People
Aus der Warte Karlis hört man derweil, dass sie genau das als Ungerechtigkeit empfinden, weil man sich mehr um die Rückkehrer sorgt als um alle, die nie weg waren. Für mich erst einmal eine nachvollziehbare Motivation. Irgendwer schickt ihr zudem in ihrem Münchener Unterschlupf anonyme Nachrichten, die sie offenbar verunsichern. Es ist also noch mindestens eine dritte Partei im Spiel. Man löscht zwar die Aufnahmen vom Vorfall auf der Autobahn, doch die Gruppe muss ständig auf der Hut sein.
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Wer ist Isaiah?

Bucky will Sam jemanden vorstellen, von dem er bisher nichts wusste. In Baltimore, Maryland wohnt Isaiah Bradley (Carl Lumbly), dessen Namen manche Comicleser sicherlich schon einmal gehört haben. Schließlich wurde er in der Miniserie „Truth: Red, White & Black“ aus dem Jahr 2003 überraschend als die Person vorgestellt, die schon lange vor Steve Rogers zum Träger des Supersoldatenserums geworden war. Nun wird dieser Teil auch ins MCU integriert, wie es scheint.
Eigentlich möchte Isaiah niemanden sehen, als Bucky dann jedoch von einem gemeinsamen Erlebnis spricht, empfängt er sie dennoch, ist dabei aber sehr wütend. Die beiden haben sich 1951 in Goyang in Südkorea wohl schon kennengelernt. Damals müsste Bucky als Winter Soldier im Auftrag von Hydra agiert haben und offenbar hat Isaiah als geheimer Cap-Ersatz Teile seines Arms zerstört und ihn verprügelt. Bucky beteuert zwar, inzwischen kein Killer mehr zu sein, doch das nimmt Isaiah nicht den Schmerz der Vergangenheit. Denn während Bucky, Cap und Sam als Helden gefeiert wurden, musste er Experimente über sich ergehen lassen und wurde für 30 Jahre ins Gefängnis gesteckt. Wieder einmal bringen die Serienmacher um Malcolm Spellwell also problematische und bisher unbekannte Elemente des Marvel-Universums ins Spiel, die die Figur noch beschäftigen werden. Denn sowohl Sam als auch Steve hatten wohl keine Ahnung von der Existenz von Isaiah, aber allein die Tatsache, dass ein schwarzer Mann vor vielen Dekaden auf diese Weise benutzt wurde, gibt zu denken und könnte Sams Entscheidung in einneues Licht rücken. Es schwingt nämlich immer wieder deutlich mit, dass auch seine Hautfarbe für ihn ausschlaggebend war, als er die Verantwortung und das Kostüm ausgeschlagen hat.
Isaiah selbst ist nicht gut auf Bucky zu sprechen und wirft sie raus, da interessiert es ihn auch nicht, dass es noch mehr Menschen mit Supersoldatenserum im Blut gibt.
Es ist nicht nur die Hautfarbe Sams, die immer wieder eine Rolle spielt, sondern auch sein Status als Avenger, der seine Haut in Situationen rettet, die Normalos wohl anders erleben würden. Denn ein lauter Streit zwischen Sam und Bucky auf offener Straße lockt eine Polizeistreife an, die direkt Buckys Seite als weißer Mann ergreift. Man merkt ihm an, dass er selbst von der Situation genervt ist, ebenso wie Sam es ist, der sich weigert, sich auszuweisen. Beide sind allerdings merklich aufgebracht. Unter normalen Umständen würde hier vielleicht eine der vielen eskalierenden Situationen rund um Polizeigewalt entstehen, aber weil es Superhelden sind, entspannt sich die Lage zunächst. Spellwell sticht hier jedenfalls bewusst ins Wespennest und spielt auch mit den Zuschauererwartungen - wie schon in der ersten Episode -, wenn es um das Thema des Geldes und eines Kredites geht.
Ironischerweise ist es Bucky, der per Haftbefehl gesucht wird. Es handelt sich nicht um seine früheren Verbrechen, denn davor wurde er begnadigt, sondern wegen des Abenteuers in München hat er seine Therapie verpasst, was wohl gegen seine Bewährungsauflagen verstößt... Darum wird er von den Cops verhaftet und aufs Revier gebracht.
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Paartherapie

Dr. Raynor (Amy Aquino), die wir in der letzten Episode als Psychiaterin von Bucky kennengelernt haben, ist vor Ort. Allerdings macht auch John Walker seinen Einfluss geltend, so dass Bucky nach einer Therapiesitzung recht schnell entlassen werden kann. Raynor setzt spontan eine Paartherapie für die beiden Streithähne an, die sich endlich einmal aussprechen sollen. Nachdem die „Miracle Question“ nicht den gewünschten Erfolg bringt, machen sie eine soul gazing exercise, was Bucky als Meister des Anstarrens, als der er in dieser Episode mehrfach bezeichnet wird, offenbar gefällt. Raynor hat wenig Geduld dafür, dass die beiden Alphamännchen einen staring contest aus ihrer Übung machen und fragt direkt, was sie aneinander nervt. Das Genecke ist dabei wieder sehr unterhaltsam, aber auch ein bisschen anstrengend, was es aber auch sein soll. Bucky spricht erneut die Tatsache an, dass Sam die Cap-Nachfolge ausgeschlagen hat, weil es ihn verunsichert, ob Cap bei beiden falschlag, als er sie als mögliche Erben des Kostüms und Schildes ansah. Sam betont aber nur, dass er dachte, dass es wie die richtige Entscheidung in diesem Moment wirkte. Vielleicht aber muss Sam seine Meinung noch einmal anpassen...
Kurz danach möchten Walker und Hoskins mit dem Winter Soldier und Falcon zusammenarbeiten, doch die Bedenken bleiben. Da sie wegen ihrer Beziehung zur Regierung zu viele Pflichten haben, wollen die beiden free agents bleiben. Nach dieser Quasi-Abfuhr zeigt Walker zum ersten Mal eine eher negative Seite von sich und meint, dass sie ihm dann aus dem Weg gehen sollen. Ob das gelingt? Bucky und Sam wollen derweil die Person besuchen, die mehr wissen könnte: Helmut Zemo (Daniel Brühl), der in Berlin in Sicherheitsverwahrung einsitzt. Der Cliffhanger der Episode teast ihn mit klassischer Musik an. Wird er wirklich helfen oder hat er vielleicht aus der Distanz seine Finger im Spiel?
Im Fall der Flag Smashers werden sie derweil von ihren Feinden aufgespürt. Einer von ihnen opfert sich, um Karli und Co Zeit zu verschaffen, um mit einem Flugzeug zu fliehen: Er rennt direkt in den Kugelhagel... Wer ist diese dritte Fraktion? Kurz wird jemand namens „Power Broker“ erwähnt. Das sehen wir dann wohl in der kommenden Episode.
Fazit
Die The Falcon and the Winter Soldier-Folge The Star Spangled Man demonstriert, dass es kein leichter Job ist, die Nachfolge von Captain America anzutreten. Zudem verkomplizieren die Serienmacher die bisherige offizielle Geschichte durch die Einführung von früheren Supersoldaten wie Isaiah Bradley sowie durch neue Charaktere wie die Flag Smashers und sie zeigen erneut einige Hürden, die Sam als schwarzen Mann im Alltag begegnen.
In der zweiten Folge nimmt die Buddy-Cop-Dynamik an Schwung auf und auch die Actionszenen können sich wieder sehen lassen. Durch diese Elemente und vielversprechende Cliffhanger-Teaser bleibt die Marvel-Miniserie weiterhin sehenswert.
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 26. März 2021(The Falcon and the Winter Soldier 1x02)
Schauspieler in der Episode The Falcon and the Winter Soldier 1x02
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